Weiße Bohnen mit Kräuteröl

Vor noch nicht all zu vielen Jahren, waren weiße Bohnen für mich ein Bestandteil von Bohnensuppe. Weiter habe ich nicht gedacht. Und dann fand ich in Italien und Frankreich vielerlei Gerichte mit diesen weißen Bohnen. Weiße Bohnen im Salat, als Püree, als Gemüsebeilage oder Lingot Bohnenkerne im berühmten Cassoulet – weiße Bohnen machen stets eine gute Figur. Ich habe dann das erste mal realisiert, dass man weiße Bohnen auch sortenrein kaufen kann und es erhebliche Unterschiede gibt. Für das folgende Gericht, das ich im Blog „Sunday-Suppers“ gesehen habe, bevorzuge ich die Sorte Lingot du Nord. Die Sorte Lingot du Nord hat eine eine geschützte geografische Angabe (ggA), und wird mit einem roten Etikett ausgezeichnet. Die Bohnen wachsen in der Region Nord-Pas-de-Calais und trocknen in den Schoten auf dem Acker. Um die Schoten nicht zu verletzen, werden sie unterirdisch gemäht. Die Region Nord-Pas-de-Calais ist den meisten vom Film „Willkommen bei den Sch’tis“ bekannt. Doch nun zum Rezept:
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Zutaten
Für die Bohnen

500 g weißen Bohnen, (z.B. Lingot du Nord Bohnenkerne Red Label)
1 Gemüsezwiebel, geviertelt
3 Streifen geräucherten Speck
1 Bund Thymian
3 Knoblauchzehen
4 EL Rotweinessig
10 EL Olivenöl
Meersalz & frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Für die knusprigen Speckstücke
250 g Speck

Für das Kräuteröl
1 Bund Petersilie
1 Bund Schnittlauch
1 Bund Estragon
1 Bund Minze
1/2 Tasse Olivenöl
Saft und Schale von 1 Zitrone
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Zubereitung
Die Bohnen über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Das mache ich nicht, um später die Kochzeit zu verkürzen, nein es geht darum, sie bekömmlicher zu machen, denn im Einweichwasser, das danach auf jeden Fall weggeschüttet werden sollte, sammeln sich Stoffe, die sonst zu den berüchtigten Hülsenfrucht-Blähungen führen können. Das Ein­wei­chen der Hül­sen­früchte sorgt dafür, dass ihre Aussen­haut weich wird, was zwar tat­säch­lich den spä­te­ren Koch­vor­gang erleich­tert und man ältere Früchte ohne Beschä­di­gung der Aussen­haut kochen kann. Aber vor allem wer­den dadurch unver­dau­li­che Koh­len­hy­drate abgebaut. Wer es ganz genau wissen will, schaut einmal hier.
Die Bohnen abgießen, in eine großen, schweren Topf geben und mit frischem, kaltem Wasser auffüllen. Die Zwiebel, die drei Scheiben geräucherten Speck und den Thymian zugeben und zum Kochen bringen. Die Hitze reduzieren und für 20-30 Minuten kochen lassen, jedenfalls so lange bis die Bohnen weich sind.
Inzwischen den Knoblauch zu einer Paste stoßen und mit einer Prise Salz für 5 Minuten im Essig mazerieren. Olivenöl und eine Prise schwarzer Pfeffer zugeben und gut schütteln um den richtigen Geschmack zum Würzen zu erhalten.
Die nun weichen Bohnen abgießen, den Speck, Zwiebeln und Thymian herausnehmen und die Bohnen großzügig mit Meersalz würzen. Dann lässt man sie etwas abkühlen um schließlich die Würzmischung unter zu ziehen. Die Bohnen nehmen die Würze am besten an, wenn sie noch warm sind.
Den Backofen auf 200° C aufheizen und den Speck auf Backpapier legen. 15 Minuten braten oder jedenfalls so lange, bis er knusprig braun ist. Den Speck mit einem Deckel abdecken, so dass er beim Abkühlen schön knusprig bleibt. Dann in Würfel schneiden.
Für das Würzöl alle Kräuter, den Zitronensaft und die Zitronenzesten in einer Küchenmaschine geben. Unter langsamer Zugabe vom Olivenöl mixen, wenn es zu trocken aussieht, mehr Olivenöl zugeben.
Die Bohnen auf einem großen Teller anrichten und mit dem Kräuteröl würzen und mit den knusprigen Speckwürfeln bestreuen.

Senf-Gurken selber einlegen

Jetzt ist die beste Zeit in der Politik und um auf Märkten nach Gurken zu suchen. Die einen suchen nach unerschöpflichen wiederkehrenden Themen in der „Saure-Gurken-Zeit“ und die anderen? Die wissen die Vorteile der Gurke als Salatzutat oder Einlegeware oder Beilage zur Hauptmahlzeit zu schätzen.
Es heißt zwar oft, die Gurke würde nach Nichts schmecken, aber so ist es ja nun auch nicht. Die Gurke hat einen sehr feinen Geschmack. Das merkt man erst, wenn man die Schale entfernt hat, denn die enthält viele herbe, bittere Stoffe, die wir so nun gar nicht mögen. Schon beim Kauf muss man darauf achten, dass die Gurke nicht so ein riesen Kawenzmann ist. Denn die Gurke enthält Wasser, ja das ist sogar ihr Hauptbestandteil. Und je mehr Wasser drinnen ist, um so weniger schmecken wir die feinen Gurkenaromen heraus.
Jetzt gibt es natürlich nicht „die Gurke“, sondern eine Vielzahl von ihnen sind auf dem Markt zu finden. Sie sind dick und dünn, krumm und gerade, kurz und lang und hell- bis dunkelgrün. Eines ist bei allen wichtig: eine Gurke sollte sich immer schön fest anfühlen. Eine gute Gurke ist niemals weich und gummiartig. Botanisch gibt es aber nur zwei Arten. Das eine ist die Schlangengurke, oder auch Salatgurke genannt, manches mal auch als „Landgurke“ bezeichnet, was wohl so viel heißt wie: Diese Gurke wächst nicht in der Stadt. Und dann gibt des die kleinere Einlegegurke.
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Gurken kann man auf vielerlei Arten zubereiten. Allgemein bekannt als „Gurkensalat“(solo), ferner als Zutat zum gemischten Salat, feingeraffelt vermischt mit Yoghurt oder als warmes Gericht geschmort. Nicht zu letzt eignen sich Gurken zum Einlegen und Konservieren. Einmachen heißt, den Sommer im Glas oder Steinguttopf zu konservieren.
Da gibt es die sauren oder Salzgurken. Die werden, wie der Name sagt, mit Salz konserviert, mit Kräutern gewürzt und erfahren eine Milchsäuregärung. Dafür verwendet man ausschließlich die Einlegegurken. Gewürzgurken werden ebenfalls ausschließlich aus Einlegegurken hergestellt. Sie reifen in einer essighaltigen Gewürzlake mit Kräutern konserviert. Und dann gibt es schließlich noch die Senfgurke, die aus Schlangengurken zubereitet. Vielfältig wie die deutschen Landschaften sind die Gewürze beim Einmachen. Die bekannteste Region ist sicher der Spreewald. Vor allem auch durch die „Spreewald-Gurkenszene“ aus dem Film Good by Lenin. Aber nicht nur in Deutschland werden Gurken eingelegt. In Russland gehören eingelegte Gurken zur Esskultur wie der Wodka. Diese beiden Grundnahrungsmittel werden häufig als idealer Appetitanreger während der ausgedehnten Vorspeisenphase serviert, als Teil der so genannten Zakuski des russischen Abendessens. Wenn ich in den nahegelegenen russischen Laden gehe, stehen die unterschiedlichsten Gurkendelikatessen da in so langen Reihen, dass mich eine Ehrfurcht vor all diesen Rezepten anweht. Das Gurkenregal dort ist ungeheuer groß.
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Heute will ich Senfgurken bereiten
Dafür brauchen wir Salatgurken. Beim Kauf achte ich darauf, dass sie noch einige Wärzlein und Borsten haben, denn dann habe ich die Garantie, dass es Freilandgurken sind. Die Gurken aus den Gewächshäusern sind in der Regel überzüchtet. Die Spreewald Rezepte haben es mir angetan, wobei, nicht alle Gurken aus dem Spreewald sind eine Delikatesse.

Zutaten
2,5 kg Gurken oder Schälgurken (siehe Foto)
6 Esslöffel Zucker
50 g Senfkörner
knapp 200 ml Essig
1 1/2 Esslöffel Salz
2 mittlere Zwiebeln
1 kleines Stück Meerrettich
und natürlich Gläser oder Steinguttöpfe zum Einkochen oder Einlegen
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Zubereitung
Vor der Verarbeitung schält man sie und befreit sie vom Kernfleisch.
Anschließend werden sie in Stücke geschnitten und mit Zwiebeln, Meerrettich, Salz, Essig, Zucker und Senfkörnern vermengt. Man lässt die Mischung über Nacht ziehen.
Nun kommen sie in die Gläser und halten sich so für einige Wochen kühl aufbewahrt . Auf den Abschluss im Glas habe ich eine Dillblüte gelegt, eigentlich mehr wegen der Optik. Man schmeckte sie aber gut heraus, und ich mag das so. Man kann sie aber auch in Einmachgläser dauerhaft konservieren.
Meine Gurken haben nur zum Teil die Zeit zum Reifen. Bereits nach 24 Stunden hatte ich den Drang zum Probieren. Subjektiv gesehen wurden sie Stunde um Stunde und Stück für Stück besser.
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Zum Abschluß noch ein Gedicht von Fred Endrikat, das herzerfrischend ein erotisches Wechselspiel am Gartenzaun beschreibt.

Gurkenzeitgurkenmann
Sie lagen hinterm Gartenzaun
und waren lieblich anzuschaun.
Fürwahr, ein Pärchen wundervoll,
die Gurke Knill und Kürbis Knoll.

Er schielte schon seit langer Zeit
verliebt hin zu der Gurkenmaid
und brachte ihr ein Ständchen still:
„Dein ist mein Herz, geliebte Knill.“
Sie aber sagt mit stolzem Blick:
„Nee, nee, Sie sind mir viel zu dick.
Verehrter Herr, Sie sind wohl toll.
Das Fett muß weg, mein lieber Knoll!“
Er grämte sich und härmte sich
und schwärmte innig-minniglich.
Er schwoll und schwoll noch Zoll um Zoll.
Schwermütig weinte Kürbis Knoll.

Doch nach und nach und mit der Zeit
war aus der schlanken Gurkenmaid
ein ganz verschrobenes Idyll,
und Runzeln kriegte Fräulein Knill.
So kam denn auch im Lauf der Zeit
der Ausgleich der Gerechtigkeit.
Sie wölbte sich und wurde krumm,
und Wärzlein wuchsen ringsherum.
Die Warzen wuchsen schnell heran
und an den Warzen Borsten dran.
Auch Falten kamen ebenso
vorn an der Nase und am Po.

In einer lauen Sommernacht
ihr Hochmut ward zu Fall gebracht.
Sie seufzt: „Wenn du noch willst – ich will.“
Da grinste Knoll, es schmollte Knill.
Der dicke Kürbis neckte sie:
„Schön siehste aus, du Borstenvieh.
Das kommt davon, siehst du, mein Gold:
Warum hast du nicht längst gewollt?“
Sie schlug verschämt die Augen zu
und lispelte: „Ach, du Loser,du.“

Bald färbt der Herbst die Blätter braun,
und es wird still am Gartenzaun.
Der Gärtner pflückt die Körbe voll,
er pflückte Knill und auch den Knoll.
Nun schwelgten beide, Kopf an Kopf,
vereint im großen Einmachtopf,
in Zucker, Essig, Öl und Dill,
sowohl der Knoll wie auch die Knill.

So geht es auch im Leben oft:
Was man erwünscht und was man hofft,
das kommt so – wie es kommen soll,
genau wie hier bei Knill und Knoll.
Die Schönheit schwindet mit der Zeit.
Die Liebe währt in Ewigkeit
bei Gurken und bei Damen.
Amen