Kindheitserinnerungen – Der mit dem Blubb!

Den mit dem Blubb gab es bei uns nie, denn Spinat wuchs im Garten und nicht in der TK Truhe. Es gab genug kulinarische Sünden und Besonderheiten in den frühen 50er Jahren. Deutschland war noch in Zonen aufgeteilt und alles was aus Amerika importiert wurde, „Musste einfach gut sein“. Ich erinnere mich noch an ganze Hühner in Dosen – USA Import. Meine Mutter fand das praktisch und verarbeitete sie zu allen möglichen Salaten und fand, dass der Glibber (Gelatine) aufgewärmt eine gute Hühnerbrühe ergibt. Das meiste ist zum Glück nicht mehr in meiner Erinnerung. An eines erinnere ich mich aber noch gut. Ende der 50er Jahre brachte ein namhafter Puddinghersteller einen TV Spot für Instantpuddig. Ein Päckchen Puddingpulver mit Milch aufgeschlagen und ab in den Kühlschrank. ….. nach 15 Minuten holte die glückliche Köchin eine Schüssel heraus, randvoll mit leuchtend orangefarbenem Pudding. Meine Großmutter war begeistert. Sie brachte bald solch ein Päckchen Puddingpulver mit und ….. – die Schüssel die aus dem Kühlschrank kam, war nicht randvoll. Es gab keine wunderbare Vermehrung. Das schlimmste war, der Pudding schmeckte so grausam, dass ihn niemand essen wollte. Seit jenem Tag glaubte sie nie wieder einer Werbung.
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Den Spinat meiner Kindheit habe ich gut im Gedächtnis. Es gab nur eine Zubereitungart: der Spinat wurde gekocht und dann durch die feine Scheibe des Fleischwolfs passiert. Dazu mehlig kochende Kartoffeln und ein Spiegelei, das auf dem Spinat ausgebreitet Ochsenauge hieß.Inzwischen habe ich ja viele feine Rezepte mit Spinat gelesen und ausprobiert. Doch immer wieder verlangt es mich nach dem alten guten passierten Spinat. Inzwischen verfeinere ich ihn aber auf verschiedene Arten. Mal gebe ich den „Blubb“ (Sahne) dazu, mal kombiniere ich die Sahne mit Gorgonzola oder auch Parmiggiano Reggiano. Meist lasse ich aber fein gehackte Schalotten in wenig Olivenöl anziehen und gebe dann den Spinat dazu. Nicht passiert, das kommt erst später. Wenn der Spinat ausgedünstet hat, nehme ich den Pürierstab und ziehe ihn durch den Spinat, den ich jetzt noch mit Salz, Pfeffer und einer Spur Muskat abschmecke. Thymian passt übrigens auch. Es gibt so viele Varianten, dass ich sie kaum aufzählen kann.

Das „mit dem Blubb“ aus der TK ist ja wohl auch nur ein Gag der Lebensmittelindustrie. Hatte man doch das Gefühl etwas Besseres zu haben. Naja, wenn ich auf Fertigbackmischungen lese, dass man noch ein (in Zahlen „1) Ei dazugeben muss, weiß ich, dass manche Hausfrauen das Gefühl brauchen, selber zu backen.
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Zu meinem Spinat gab es eine optisch hübsche, aber kulinarisch enttäuschende Eierspeise. Das Eiweiß habe ich steif gesalzen, steif geschlagen und auf ein Backblech gesetzt. Das Eigeld kam oben in eine Vertiefung hinein und dann alles für 7 Minuten bei 150° C in den Backofen. Das solle man vielleicht mit Käse im Eiweiß machen – ich experimentiere weiter. Heute wäre mir ein Ochsenauge lieber gewesen.

Gartenleben und gegrilltes (Suppen-) Siedfleisch

Es war ein kühler Tag, den wir nach der Hitzewelle unbedingt brauchten. Gegen Abend wurde es sogar sehr kühl. Trotzdem, Grillen war angesagt. Ich hatte eine Experiment vor. Vor mehr als einem Jahr las ich in einem amerikanischen Blog über gegrillte Querrippe vom Rind. Federstück heißt das in der Schweiz, bin ich inzwischen belehrt worden, und Riedhüfel oder dicker Spitz in Österreich. Bisher hielt ich dieses Teil immer für ein ideales Fleisch zur Suppe.
Ich war beim Metzger meines Vertrauens (Denzel in Singen am Hohentwiel (D))und bekam nun ein wirkliches schönes Stück, wie aus dem Bilderbuch. Just als ich das Fleisch gekauft hatte, brachte die W.H. eine schweizer Zeitschrift mit einem Rezept, in dem ebenfalls Querrippe gegrillt wurde. Vorher wurde sie aber im Niedriggarverfahren gegart. So ganz gefiel mir das Rezept nicht, vor allem nicht die Kombination Petersilie und Schnittlauch als Kräuterkruste. Das ist aber für den versierten Foodbloger kein Problem. Die Querrippe (gut 1200 g) kam in einen Bratschlauch zusammen mit einigen Zweigen Rosmarin, Oregano, Thymian und Salbei. 6 Stunden bei 80° C im Backofenund das Fleisch war zart wie Butter.
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Bevor es auf den Grill kam habe ich das Fleisch rundherum mit einer Paste aus Olivenöl, Senf aus Dijon, Knoblauch und den selben Kräutern wie im Bratschlauch, diesmal fein gehackt, eingepinselt. Nun kam es für 5 Minuten auf den sehr heißen Grill. Gewendet und wieder eingepinselt, nach 5 Minuten und nach 3 Minuten wiederholt. Es hatte sich eine wundervolle Kruste gebildet. Durch das herabtropfende Fett schlugen die Flammen hoch, aber das verfeinerte noch den Geschmack, weil ich es immer wieder aus den größten Flammen herauszog.
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Es war so mit das Beste, was wir an Rindfleisch gegessen hatten – beurteilten auch die Gäste. Als Vorspeise gab es gebratene Weinbergpfirsiche mit roten Zwiebeln. Zum Fleisch reichte eine frühsommerliche Gemüseplatte.
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Tomaculum vulg. helveticae (gemeine Schweizer Bratwurst) mit dem, was so noch da war

Sonntagabend: Lass uns mal die Bratwürste auf den Grill werfen – oder hast Du sie über? Ich könnte sie fotografieren und damit den nächsten Beitrag in alleskartoffel.de ankündigen, der soll am Freitag fertig sein. Ist er ja schon fast, aber ich habe eine Bratwurstsorte übersehen.

Gemeine Schweizer Kalbsbratwurst (tomaculum vulg.)

Gemeine Schweizer Kalbsbratwurst (tomaculum vulg.)


Das ist das Ende einer Zeit, in der wir viele Bratwurstsorten probiert haben. Oder vielleicht ist es auch nicht das Ende, und wir sind so richtig auf den Geschmack gekommen. Denn das Thema, dass in die letzten Wochen immer präsent war, bestimmte die Schweizer Grillwurst. Diese Wurst ist uns nicht Wurst, habe ich gesagt, und versucht, die Landschaft zwischen Cervelats und diversen Kalbsbratwürsten zu erforschen. Dazu gehörten natürlich eine Menge Feldversuche, Verköstigungen mit Freunden und gemeinsames Beurteilen. Wir haben Grillwurstarten gegessen, von denen wir vorher nicht einmal gehört hatten. Was herausgekommen ist, könnt ihr ab Freitag reich illustriert auf alleskartoffel.de lesen.
Das lag alles noch im Kühlschrank

Das lag alles noch im Kühlschrank


Nun hatten wir noch so einige der Würste – und was gibt es dazu? Wir haben den Kühlschrank durchforstet und aus all dem, was uns in die Hände kam, einen Salat zubereit. (Rumfortsalat = lag rum, muss fort)
Dazu gehörten Tomaten, etwas Gurke, restlicher türkischer Schafskäse und Oliven (von der Wilden Henne mariniert), Schalotten, Zitrone und jede Menge Kräuter aus dem Garten. Ein echter Sommersalat, frisch, fruchtig, lecker.

P.S. Heute Abend geht es in die letzte Runde. Wie gesagt, denn die Bauernbratwurst hatte ich vergessen.

Blumenkohlgulasch – Karfiolpörkölt

Vorab für jene, die sich nun nichts unter Karfiolpörkölt vorstellen können: Es ist ein klassisches vegetarisches Gericht aus Ungarn, das gerne zur Fastenzeit gegessen wird. Karfiol ist der Blumenkohl, so wird er auch in Österreich genannt. Pörkölt hingegen ist das, was man in Deutschland Gulasch nennt. Das heißt aber nicht, dass Gulasch in Deutschland oder in Österreich oder in Schweiz die gleiche Bedeutung haben. Aber eines wird immer damit verbunden: Gulasch kommt ursprünglich aus Ungarn. So erzählt es der Volksmund.

Kein schönes Foto, aber lecker!

Kein schönes Foto, aber lecker!

Pörkölt ist  im eigentlichen Sinn die Bezeichnung für eine Kochtechnologie. Dabei sind die  wichtigsten Geschmack gebenden Komponenten im Pörkölt das Fett (in der Regel Schmalz), die Zwiebeln (evtl. auch Knoblauch) und Fleisch oder Pilze oder Gemüse.   Zuerst werden die  Zwiebeln strohgelb gedünstet, dann wird das Fleisch oder das Gemüse darauf gegeben, und nun müssen beide unter ständigem Rühren in ihrer eigenen Flüssigkeit so lange köcheln, bis nur noch das Fett übrig bleibt und das Fleisch oder Gemüse anfängt, ohne anzubrennen, eine angeröstete Farbe anzunehmen. Diesen Punkt der Zubereitung nennt man pörkölötni. Daher der Name. Und jetzt erst kommen die Gewürze hinzu.

Wir brauchen 1 großen Blumenkohl von ca. 1 kg, geputzt und in Röschen zerteilt. Die Röschen werden kurz blanchiert und bei Seite gestellt.

Drei fein geschnittene große Zwiebeln in Fett (ich nehme 30 g Butterschmalz) anrösten, bis die Zwiebeln strohgelb sind. Nun kommen die Blumenkohlröschen dazu. Die restliche Flüssigkeit vom Blanchieren hilft nun beim Garprozess. Die ganze Zeit wird alles  immer wieder gerührt. Jetzt schneide ich eine Spitzpaprika in ganz feine kurze Streifen und füge sie dem Pörkölt hinzu. Wenn die letzte Flüssigkeit verdampft ist, der Blumenkohl fängt nun an zu rösten, ziehe ich den Topf vom Herd und gebe edelsüßes Paprikapulver, 1/2 TL Majoran, 1/2 TL Rosmarin, 1 TL Abrieb von einer halben Zitrone und Salz und Pfeffer daran. Aufpassen, denn Paprikapulver brennt sofort an. Deshalb kommt jetzt noch einmal sehr wenig (1 TL) Essigwasser dazu. Die Gewürze etwas wirken lassen. Fertig.

Serviert wird das Karfiolpörkölt mit saurer Sahne zu Nockerln, Spätzle,  Knöpfle oder Nudeln.