Pitter und Jupp

Der erste Adventssamstag knackte vor Frost. Da kam ein deftiges Essen gerade recht in dieser kalten Jahreszeit: ein Wirsing-Möhren-Eintopf. Im Rheinland wird er „Pitter und Jupp“ genannt. Peter und Josef waren einst häufige Namen, aber auch zusammengezogen als Peter-Josef war der Vorname üblich. In diesem Gericht wurden die Namen mit Wirsing und Möhren versinnbildlicht. „Pitter und Jupp“ schmeckt auch aufgewärmt ganz vorzüglich. Manchmal kochte man gleich eine größere Portion, dann war die Wurst meist bereits nach dem ersten Essen verschwunden, und am nächsten Tag gab es den aufgewärmten Eintopf mit einer Frikadelle.

Zutaten
500 g Wirsing,
500 g Möhren,
500 g Kartoffeln,
1 Bund Suppengrün,
40 g Butter,
2 TL gekörnte Brühe,
Salz,
Pfeffer,
Muskat,
4 Mettwürste,
2 Bund Petersilie.

Zubereitung
Den geputzten, gewaschenen Wirsing in feine Streifen schneiden. Die geputzten Möhren und geschälten Kartoffeln würfeln.
Das Suppengrün putzen, waschen und zerkleinern.
Die Butter in einem Topf heiß werden lassen. Den Wirsing darin andünsten. Dann ½ l Wasser zugießen, mit der gekörnten Brühe würzen.
Die Möhren, Kartoffeln und das Suppengrün auf den Wirsing legen. Den Eintopf auf kleiner Hitze in 45 Minuten garen. Dann grob zerstampfen, wieder in den Topf geben, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Die in Scheiben geschnittenen Würstchen untermischen.
Den Eintopf noch einmal abschmecken und mit gehackter Petersilie bestreut in einer vorgewärmten Schüssel servieren.

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Die wilden Horden aus dem Osten – Die Erfinder von Börek (Fastfood weltweit)

Liebe Freunde von mir, die heute als Musiker in Deutschland arbeiten, kommen aus der Ukraine. Sie stammt aus dem Volk der Tataren und animierte mich dazu, mich einmal mit der Küche der Tataren auseinanderzusetzen.

Seit dem Mittelalter werden mit „Tataren“ (wörtlich „die aus der Hölle kommen“ – vom griechischen „Tartaros“) verschiedene Völker und Bevölkerungsgruppen bezeichnet. In Europa hießen die plündernden Horden des Dschingis Khan Tataren. Heute wird dieser Name vor allem für ein Turkvolk gebraucht, das in vielen Teilen Eurasiens, insbesondere in der russischen Republik Tatarstan lebt.

Der Name steht in Verbindung mit dem köstlichen Gericht aus rohem Fleisch, das wir Tatar nennen. Viele Geschichten ranken sich um Tatar. Der Name geht angeblich auf das Reitervolk der Tataren zurück, die der Legende nach Fleisch unter die Sättel ihrer Pferde steckten und dann damit ritten. Abends war das Fleisch durch die ständigen Bewegungen und Reibungen mürbe geworden und konnte roh verzehrt werden.

In Wirklichkeit gibt es aber keine Verbindung zu den Tataren. Sondern der Schriftsteller Jules Vernes, in dessen Abenteuerroman „Der Kurier des Zaren“ das Tatar-Steak erfunden wird, erdachte sich diese Geschichte, um den tatarischen Sitten etwas charakteristische Eigenheit zu verleihen. Er arbeitete dieses winzige Detail in seinem Science-Fiction-Roman sorgfältig aus. Was also konnten die Kuriere der russischen Zaren zwischen zwei blutigen Ritten verschlingen? Jule Verne beschrieb in einem wilden Vermerk diese „so malerisch blutende“ Szenerie und bald darauf wurde das Rindfleisch nach seinem Rezept in sämtlichen modernen Bistros serviert…

Die tatarische Küche ist aber der Ursprung eines ebenso bekannten, wenn nicht bekannteren Rezeptes, das man heute nahezu an jeder Straßenecke als Fastfood im türkischen Imbiss kaufen kann: „Börek“. Börek stammt ursprünglich aus der Küche der Krimtataren. Der Begriff ist eine sprachliche Abwandlung vom krimtatarischen Wort çüberek bzw. dem türkischen çiğ börek.

Bei einem Tscheburek , der russische Name für Börek, handelt es sich um eine flache, halbrunde Teigtasche, die für gewöhnlich mit gehacktem Lammfleisch oder einer anderen herzhaften Füllung (möglich sind etwa Tschebureki (Börek) mit gehacktem Rind- oder Schweinefleisch, aber auch mit Pilzen oder Käse) in heißem Pflanzenöl goldgelb gebraten wird. In die Füllung werden zusätzlich Zwiebeln, Pfeffer, Petersilie und ggf. weitere Gewürze beigemischt.

In den türkischen Imbissstuben in Deutschland wird Börek in der Regel heute aus Yufkateig hergestellt und im Ofen gebacken. Das Gericht findet ebenso auf dem Balkan eine weite Verbreitung. In Albanien heißt es Byrek oder Pite, in Bulgarien Baniza, im Restjugoslawien Burek und in Griechenland Burékki (μπουρέκι).

Tscheburek (russische Variante)
Zutaten
1 kg Mehl
320-330 ml Wasser
1 Ei
1 EL Öl (Pflanzenöl oder anderes beliebiges Fett)
½ TL Salz

Für die Füllung:
750 g Lammfleisch (aber auch Rindfleisch oder gemischtes Fleisch)
350 g Zwiebeln
125 ml Buttermilch
Salz, Pfeffer, Gewürze nach Geschmack
1 gequirltes Ei für die Ränder

Zubereitung
Wasser mit Salz und Öl aufkochen, vom Herd nehmen, 120 g Mehl zugeben und durchkneten. Das Ei zugeben und weiter kneten. Nach und nach restliches Mehl zufügen und den Teig gut durchkneten. Wenn der Teig an den Händen klebt, noch etwas Mehl zufügen.
Teig mindestens 1 Stunde ruhen lassen (besser sind zwei Stunden).
Während dieser Ruhezeit einmal durchkneten.

Fleisch und Zwiebeln durch den Fleischwolf passieren. Wer fertiges Hackfleisch benutzt, schneidet die Zwiebeln ganz klein, Salz und Pfeffer dazugeben und mit dem Küchenhammer fein klopfen, bis der Zwiebelsaft heraus kommt. Zwiebeln zum Fleisch geben und die Buttermilch zufügen und alles gut vermischen.

Den Teig in kleine Teile schneiden. Mit den Händen Kügelchen in der Größe eines Tischtennisballs formen und dünn ausrollen (1-2 mm). So bekommt man einen Kreis etwa in der Größe einer Untertasse. Den Rand mit gequirltem Ei einpinseln, etwa 1,5 EL Füllung auf eine Hälfte geben, umklappen und die Ränder gut zusammen pressen. Es sollte keine undichten Stellen geben.

Öl in einen Topf erhitzen und bei mittlerer Hitze die Tschebureki erst von einer und dann von der anderen Seite braten bis sie goldgelb sind.

Vorsicht! Tschebureki haben innen sehr viel Saft, beim Abbeißen kann es in alle Richtungen spritzen, also vorsichtig oben abbeißen und erst Luft auslassen.

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Gulyas-hus – Bográcsgulyás – Pörkölt und das alles ist Gulasch

Liebe Tamara, immer wieder traf ich in Ungarn Reisende, die unbedingt ein original ungarisches Gulasch essen wollten und bereits bei der Bestellung scheiterten. Inzwischen hat sich die Tourismusbranche darauf eingestellt und bietet dem Gast das, was er hören möchte. Doch es ist ein weit verbreiteter Irrtum, der mit dem „ungarischen Gulasch“ einhergeht.
Gulasch leitet sich vom ungarischen Begriff Gulyás ab und ist eigentlich die Bezeichnung für den Rinderhirten und damit verbunden mit lokalen Eintöpfen mit verschiedenen Einlagen. Dieses Gulyás wird traditionell in einem Kessel über offenem Feuer wie eine Suppe gegart. Die ursprünglichen Zutaten, Fleisch, Kartoffeln und Zwiebeln, werden heute durch Paprika, Gemüse, Kümmel und Knoblauch ergänzt; das Gericht bleibt aber immer noch eine Suppe. Was in anderen Ländern Gulasch heißt, nennt man in Ungarn Pörkölt, Paprikás oder Tokány. Pörkölt bedeutet „Angeröstetes“; Paprikás wird mit saurer Sahne verfeinert und enthält trotz seines Namens weniger Gewürzpaprika, und beim Tokány wird das Fleisch in längliche Streifen geschnitten und schwarzer Pfeffer ersetzt das Paprikagewürz.
Gulyas-hus (Rinderhirtenfleisch) wurde zwar Ende des 18. Jahrhunderts zum ungarischen Nationalgericht erklärt, wurde aber wie auch der Paprika, der nach der Entdeckung Amerikas nach Europa kam, nur von Bauern gegessen. Das Gericht wurde jedoch vom Adel benutzt, um die nationale Eigenständigkeit der Ungarn in Österreich-Ungarn zu untermauern.
Am besten wird Gulasch in größeren Mengen langsam gegart. Das Fleisch von Jungtieren ist dafür weniger geeignet. Da Gulasch auch aus zäherem Fleisch zubereitet werden kann und das Garen wenig Aufmerksamkeit verlangt, wurde es auch zu einem Standardgericht des Militärs, zubereitet in einer transportablen Feldküche, die daher auch Gulaschkanone genannt wird.

Kesselgulasch (Bográcsgulyás)
Zutaten:

500 g Rindfleisch
500 g Kartoffeln
2 EL Schweineschmalz
500 g Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
3 Paprikaschoten
2 Tomaten
1 Ei
ca. 60 g Mehl
2 EL Paprikapulver edelsüss
Salz,

Zubereitung:
Das Rindfleisch in Würfel schneiden. Die feingehackten Zwiebeln im Fett glasig dünsten, vom Feuer nehmen, die gerösteten Zwiebeln nach alter Art paprizieren*, umrühren und mit wenig Wasser ablöschen. Viele Gewürze und auch Kräuter geben Ihre Aromen, sprich ätherischen Öle erst in Verbindung mit Hitze und oft auch mit Fett frei. Paprika edelsüß ist solch ein Gewürz, das erst so richtig zur Geltung kommen kann, wenn man es im Fett erhitzt. Aber Achtung: Geben Sie das Paprikapulver nie in siedendes Öl bzw. Fett, denn es verbrennt sehr schnell. Beim Paprizieren nehmen wir den Topf oder die Pfanne vom Feuer, geben Paprikapulver darüber und lassen es dann bei kleiner Flamme aufschäumen. Sobald ein betörender, würziger Duft aufsteigt, löschen wir je nach Rezept ab. Für die Menge des zugegebenen Paprikapulvers braucht man etwas Fingerspitzengefühl, denn gibt man Paprikapulver erst später zum Gericht, weil man unterdosiert hat, dann wird es kaum sein Aroma entfalten. Auch die Qualität des Paprikapulvers spielt eine entscheidende Rolle für den Geschmack und die Farbe: guter Paprika hat eine schöne, kräftige rote Farbe, er ist deutlich teurer als die übliche Massenware, aber er hat auch einen herrlichen Geschmack im Gegensatz zu dem Billigzeug. Wer bei Gewürzen spart, spart auch am Geschmack.

Das Fleisch dazugeben und bei mäßiger Hitze langsam schmoren. Eine Knoblauchzehe klein schneiden und dazu geben. Bevor das Fleisch gar ist, die in kleine Würfel geschnittenen, rohen Kartoffeln, zerkleinerte Paprikaschoten und Tomaten dazu geben und gegebenenfalls mit Wasser auffüllen. Gesalzen wird er zum Schluss.

Pörkölt
Pörkölt hat die gleichen Zutaten wie Gulyás, es wird mehr eingekocht und erhält somit eine dickere Konsistenz. Das heutige ungarische Pörkölt entspricht weitgehend dem Gericht, das außerhalb Ungarns als Gulasch bezeichnet wird.

* Paprizieren bedeutet eine Schwitze mit Paprika zu bestäuben, diese kurz anzurösten und schließlich mit einer Flüssigkeit abzulöschen. Paprizieren bedeutet aber auch ein Nahrungsmittel mit Paprika zu spicken. (rezeptwiki.org)

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