
Bei mir gab es Matjes. Nein, kein echter Matjes, den bekommt man im Süden der Republik nicht zu kaufen. Wenn er echt wäre, dann würde „echter“ Matjes oder „holländische Art“ auf der Packung stehen.
Aber ob echt oder unecht, beides sind auf jeden Fall Heringe und wenn man nichts Besseres bekommt, nimmt man auch „Rauchmatjes“. Der echte Matjes ist ein noch nicht geschlechtsreifer weiblicher Hering. Ganz jung, ganz zart und fett. Er reift, indem man ihn in ein Enzym aus der Bauchspeicheldrüse legt. So verwandelt sich der gemeine Hering in einen Matjes und erhält seinen typischen mild-salzigen Geschmack und seine zarte Konsistenz. Sein Name kommt übrigens vom Holländischen Meisje, was so viel wie Mädchen bedeutet: auch ganz jung und zart.
Als ich noch ein kleiner Junge war, fuhren wir in der Matjeszeit von Ende Mai bis Juli nach Holland auf den Wochenmarkt in Arnheim. Dort gab es die Filets vorbereitet und daneben große Schüsseln mit fein gehackten Zwiebeln, in die man das Filet schlug und dann hieß es: „Nicht lange snacken, Kopp in Nacken“. Der Matjes rutschte wie von allein in den Mund. Danach hieß es wieder: „Nicht lange snacken, Kopp in Nacken“. Doch diesmal galt es dem Genever, der zur Verdauung gekippt wurde.
Mein unechter Matjes war auch ganz lecker. Mit Sauerrahm, Zwiebeln und dazu Röstkartoffeln und grüne Bohnen mit grünem Pfeffer und Knoblauch.
Die Röstkartoffeln – ich schreibe bewusst nicht Bratkartoffeln – sind eine besondere Beilage. In der Regel nimmt man für Bratkartoffeln eine festkochende Kartoffelsorte. Zum Fisch nehme ich lieber mehlig kochende Kartoffeln, die dann aber schnell zerfallen könnten. Die am Vortag gekochten Kartoffeln, die über Nacht geruht haben, schneide ich in kantige Stücke, so groß wie ein Gabelhappen. Diese Stücke werden vor der Zubereitung in kleinen Portionen vorgebraten, so ähnlich wie frittieren, nur viel weniger Fett. Dadurch bekommen sie eine feste Kruste und bleiben beim zweiten Braten in ihrer Form und sind innen etwas cremig. Wer es ganz knusprig haben möchte, wendet die Kartoffelstücke vor dem ersten Braten in Kichererbsen Mehl.
Die Buschbohnen werden gekocht und in Butter mit Knoblauchscheibchen, Bohnenkraut und zerquetschtem grünen Pfeffer (mit der flachen Seite des Küchenmessers platt machen und zerkleinern) in Butter geschwenkt. Zum Schluß nach Geschmack Kartoffeln und Bohnen salzen.
Das war es schon. War lecker!
Zu guter letzt: Meine Zugehfrau sieht die Kombination Matjes-Röstkartoffeln-Bohnen. Sie stutzt und sagt: „Das wollen Sie doch wohl nicht essen. Kalter Fisch und warme Bohnen! Bahh!“ So unterschiedlich sind die Geschmäcker.


