Huhn in Champignonrahmsauce

Eine alte Binsenweisheit sagt: Früher, da war alles besser. Bei mir gehören dazu die Kochmesser, die ich in der Küche benutzt hatte. Vor mehr als 50 Jahren, nach dem Studium, als ich es mir leisten konnte, erstand ich einen Satz Messer, einer bekannen japanischen Marke. Ich habe sie lange benutzt, aber wirklich glücklich geworden bin ich damit nicht. Das Schleifen war fast wie eine Wissenschaft. Da ich das nie perfekt hin bekommen habe, gingen sie immer wieder zum professionellern Schleifer. Und das ging ins Geld.
Eines Tages sah ich den Film „Eat drink man woman“ von Ang Lee. Dieser Film spielt in Taiwan (Taipeh) und erzählt die Geschichte dreier Töchter, die von einem dominanten Vater erzogen werden, dessen Frau jung gestorben ist. Er ist ein Meisterkoch, und ein Großteil des Films dreht sich um Essen. Der Film enthält einige der beeindruckendsten Szenen der Essenszubereitung, die je verfilmt wurden. Ich war von der Messertechnik des Kochs so beeindruckt, dass ich manche Szenen immer wieder und wieder angeschaut habe.
Er hatte viele Messer, aber keines davon sah sehr teuer aus. In einem vietnamesichen Laden sah ich dann solche Messer das erste mal, ganz einfach gearbeitete Messer für unter zehn Euro. So preiswert, dass man nichts kaputt macht, wenn man eines mitnimmt und ausprobieren kann. Kurz gesagt, inzwischen habe ich drei dieser chinesichen Messer: ein universelles Messer in der Form eines japanischen Nakiri Messers für fast alle Schnitte, ein leicht gebogenes Messer, für Gemüse und Kräuter und ein Hackbeil.

Dann gibt es noch ein viertes Messer, ohne das ich nicht zurecht käme. Das kommt nicht aus China sondern aus Solingen und hat eine Windmühle auf der Schnittfläche, und ist „nicht rostfrei“. Das ist wichtig, denn die rostfreien Messer kann man nicht so scharf abziehen, wie eventuell rostenden Messer. Das passiert ohnehin nicht, denn es ist im täglichen Einsatz und wird es manchmal mit einem öligen Tuch abgewischt. Der Fachausdruck wäre wohl Schälmesser. Bei mir heiß das Messer „Hümmelchen“. Im Volksmund hat es viele Namen von Schneutteufela imm Fränkischen über Pittermann im Rheinland und Hümmelchen bis Lütt’t Messer ganz im Norden. Zu dieser Namensvielfalt gibt es einen schönen Artikel in einer alten Ausgabe „Der Zeit“, die noch im Netz zu sehen ist.

Zurück zu meinen chinesischen Kochmessern. Sie sind leicht zu schleifen und anspruchslos. Zum Schleifen nehme ich einen Abziehstein aus dem Baumarkt der genauso gute Ergebnisse bringt, wie die sündhaft teuren aus dem Fachhandel. Gerade, perfekte Schnitte sind das Ergebnis. Ich kann mich an die TV Werbung für Messer erinnern, wo der glatte Schnitt durch eine Tomate die Königsdisziplin war. Kein Problem mit meinen billigen Chinamessern. Und da ich die TV Werbung erwähne: vor einem Jahr bekam ich ein „Santuko Messer aus Damast Stahl“ von einem Freund geschenkt. Ein Produkt eines TV Shops. Einmal probiert und weggepackt.
Für folgendes Rezept benutze ich drei dieser Messer. Das Hümmelchen zum Abziehen der Zwiebelhaut und zum Putzen der Champignons. Das Hackbeil nehme ich zum Zerteilen des Huhns und mit dem allround-Messer schneide ich die Champignons in feine Scheiben. Für Zwiebeln nehme ich einen V-Hobel. Einen ganz einfachen. Ich hatte auch einmal eine Mandoline von de Buyer. Sie hat mich oft in die Verzweiflung getrieben. Denn um die zu benutzen, sollte man möglichst einen Einführungskurs in einer der bekannteren französischen Kochschulen machen.
Zutaten:
1 Huhn (möglichst Freilandhaltung), 1 TL neutrales Öl, gesottene Butter (Butterschmalz), je nach Größe des Huhns 1 oder zwei gelbe Zwiebeln, (französischer) Estragon, braune Bio-Champignons, 1 TL Mehl, Rahm, Salz und weißer Pfeffer
Noch einige Worte zu den Zutaten. Ich kaufe mein Geflügel aus Freilandhaltung aus den Ardennen. Das ist aber nicht für jedermann gleich ums Eck. Die Hühner, die man so allgemein bekommt, sind Jungmasthühner, die nur 40 Tage alt werden. Wenn man viele Personen am Tisch hat, sollte man einmal ein Melchener Huhn ausprobieren. Gibt es ebenso wie sehr leckere Schwarzfederhühner im Versand.
Estragon: Es gibt zwei Sorten Estragon: Franzöischer und deutscher Estragon. Der französische hat das intensivste Aroma mit einer feinen Anis- und Lakritznote und enthält kaum Bitterstoffe. Um Missverständnissen vorzubeugen: auch die französische Sorte wächst in deutschen Gärten.
Bio Champignons: Ich muss nicht immer Bio Produkte haben. Doch bei Champignons sollte man mal folgenden Test machen, um festzustellen, worauf manche Champignos gezogen wurden. Braune nicht Bio Champignons für fünf Minuten in kochendes Wasser geben und dann an der Brühe riechen. Und schon sind wir im Kuh- oder Pferdestall.

Zubereitung:
Das Huhn zerlege ich in Stücke, würze es mit einer Mischung aus edelsüßem Paprika, Salz und wenig weißem Pfeffer. Dann reibe ich die Hühnerstücke mit einem TL Öl ein. Das reicht, um es rundherum fettig zu machen. Das Huhn kommt für 35 – 40 Minuten in die Heißluftfritteuse. Dadurch, dass es eingeölt wurde, verliert es mehr eigenes Fett, das ich zum Würzen der Pilze brauche.
Die Zwiebel schneide ich in feine Würfel, die Champignons in 3 mm dicke Scheiben. Wenig gekärte Butter plus etwas vom Hühnerfett in einer Sautteuse auslassen, die Zwiebeln anziehen lassen und danach die Chamignonscheiben dazugeben. Den feingehackten Estragon dazu geben und alles ca. 15 Minuten garen. Mit Mehl bestäuben und mit Rahm begießen. Gut mischen. Es entsteht sofort eine cremige Sauce.
Vor dem Servieren mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Hühnerstücke zu den Rahmchapignons geben.




