Babka ziemniaczana – nicht nur in Polen ein Kartoffelkuchen

Babka ziemniaczana
Beim Stürzen kam es zum Bruch. Schmeckte trotzdem!

Babka ziemniaczana ist ein Gericht aus der regionalen Küche Podlachiens. Er liegt weit im Osten und die Landschaften sind traumhaft. In Podlachien findet man den eines der letzten verbliebenen Urwaldgebiete Europas, den Białowieża-Urwald. Leider konnte ich nie diesen Teil Polens bereisen.

Doch beim Lesen fiel mir das folgende Rezept auf, und es war mir gar nicht so unbekannt. Es ist ja oft so, dass ein bestimmtes Rezept als regionale Spezialität gilt und dann taucht es unter einem anderen Namen in einer ganz anderen Region Europas wieder auf. Kennen Sie vielleicht „Dibbe Dabbes“ – „Potthucke“ oder „Döppekooche“? Sie haben alle eines gemeinsam. Sie sind entstanden als die Zeiten schlecht waren und Kartoffeln, Zwiebeln und etwas Fett genügen mussten, um eine kräftige Mahlzeit auf den Tisch zu bringen. Bei all diesen Rezepte sind die Zutaten die gleichen. Nur die Zubereitung weicht hier oder dort ein wenig ab.

Dieses herzhafte Kartoffelgericht gehört auch zur belarussichen Küche und ist in den nordöstlichen Landesteilen Polens beliebt. Und vor allem, es hat viele Namen. In Masuren oder Schlesien heißt es „Kartoflak“. Im Osten Polens wechseln die Namen je nach Ort: Kartoflarz, Tarciuch, Blaszak, Bugaj, Pyrczok, Rejbak, Parepac, Kajzer, Kugiel und Bulbynek. Es gibt auch eine Weltmeisterschaft im Kochen von Kartoffel-Babka, die jährlich in Supraśl (Polen) stattfindet.

Babka ziemniaczana

Das ist alles interessant. Wichtiger ist aber, dass es schmeckt. Davon kann man ausgehen, wenn man sieht, wie verbreitet und alt dieses Rezept ist und immer noch zubereitet wird.

Zutaten:
1 kg Kartoffeln, 1 Zwiebeln (mittelgroß), 2 Knoblauchzehen, 2 Eier, 100 g Speck (geräuchert), 100 g Wurst (z. B. Schlesische), 2 gehäufte Esslöffel Mehl, schwarzer Pfeffer aus der Mühle, Salz, Majoran (nach Geschmack)

Zubereitung:
Die Kartoffeln schälen, dann zusammen mit der Zwiebel fein reiben (wie für Kartoffelpuffer).

Den Speck und die Wurst in kleine Würfel schneiden und in einer Pfanne anbraten.

Das Wasser von den geriebenen Kartoffeln abgießen, wenn zu viel Wasser in den geriebenen Kartoffeln verbleibt, muss man mehr Mehl hinzufügen.

Mehl und Gewürze zur Kartoffelmischung geben.

Die Eier hinzufügen und verrühren.

Den gebratenen Speck und die Wurst dazugeben – vermischen.

Den Kartoffelteig in eine Kasten-Kuchenformen mit einer Länge von etwa 21 cm füllen.

Bei 200 Grad (Ober-/Unterhitze) etwa 50-60 Minuten backen.

Ich serviere die Babka mit Pilzen in einer Rahm-Kräutersauce.

Veröffentlicht unter Rezepte | Kommentar hinterlassen

Was hat es noch für Reste?

Chässpätzle aus Tahijani mit allerlei Resten

Resteessen mit Tahijani

Heute ist so ein Tag an dem ich wieder einmal den guten Vorsatz habe, die Reste aus der Vorratskammer in der Küche zu verwerten. In allen Schränken, Schubladen und Regalen finden sich kleinere oder größere Mengen an Reste. Und nicht nur da: auch im Tiefkühler sind so Teile, die eigentlich die Mindestmenge unterschreiten. Bei mir war es ein kleines Stück vom Schweinenacken. Aufgetaut und gewogen, wog es immehin 60 Gramm. Zwiebeln und Knoblauch sowie Lauchzwiebeln sind immer im Haus. In der Frischeschublade des Kühlschranks fand ich ein paar Käsereste jeglicher Herkunft. Kleingeraffelt und zusammengeschüttet, ergab das ein recht ansehliches Häuflein.

Die Tahijani habe ich zuerst in Butterschmalz goldgelb angeörstet und dann mit Gemüsefond aufgegossen. Die Abschnitten und Schalen, die beim Gemüseputzen anfallen, sammel ich immer in einer Tüte, bis genügend zusammen gekommen ist. Dann köchel ich daraus einen Fond, der mit Lorbeerblatt, Nelke, Piment und Muskatnussblüte gewürzt wird. Den kann man auch einfrieren. Mit diesem Fond die Tahijani aufgießen und langsam köcheln lassen. Eine Karotte, Zwiebel, eine Knoblauchzehe und etwas Knollensellerie habe ich zu Brunoise geschnitten und dazugegeben. Das Fleisch schneide ich in kleine Würfel und brate diese mit etwas Salz scharf an. Wenn die Tahijani gar sind und die Gemüsebrühe soweit reduziert ist, dass alles eine nahezu trockene Konsistenz hat, kommen die Fleischwürfel zu Masse.

Jetzt noch die Lauzwiebel, die ich vor dem Zugeben in feine Ringe schneide. Die Lauchzwiebel soll nicht mitgaren, sondern etwas Frische in die Mischung bringen.

Dieses Gemenge kommt in einen feuerfeste Form, wird mit dem Käse bestreut und dann in der Heißluftfritteuse überbacken. Meine Heißluftfritteuse hat keine Schubladen, sondern funktioniert wie ein Konvektomat. Sie hat also ein Glastür. Dadurch sehe ich, wann der Käse geschmolzen und somit das Resteessen fertig ist. Zum Schluß kommt grober schwarzer Pfeffer auf den Käse. Sehr lecker!

Veröffentlicht unter Rezepte | Kommentar hinterlassen

Espresso und mährische Küchlein

Espresso a Moravská pogača

Mährische Küchlein, Espresso und und Brandy
Kaffeezeit am Nachmittag mit einem Brandy

Dieser Beitrag führt uns gleich in zwei Länder, und – genau genommen wäre da am Rande noch die Schweiz. Aber die spielt nur eine kleine Rolle, denn dort hatte ich den ersten Espresso meines Lebens. Mähren steuert ein Gebäck dazu: Mährische Küchlein. Und zusammen ist das eine wundervolle Nachmittagsfreude, wenn auch nicht ganz stilecht. Zu einer mährischen, odere böhmischen süssen Mehlspeise gehört eigentlich ein Kaffeertscherl. Aber da hat auch jeder seine Vorlieben. In meinem Stammcafé habe ich immer gerne einen kleinen Schwarzen genommen. Und um das klar zu stellen, ein kleiner Schwarzer ist kein Espresso. Aber diese Feinheiten östereichisch-böhmischer Kaffeehauskultur würden hier viel zu weit führen. Ein weiterer Hinweis: Ich werde Produktnamen nennen, aber dies ist kein Werbebeitrag; so bleibe ich unabhängig.

Der Espresso ist eine aus Mailand stammende Kaffeezubereitungsart, bei der heißes Wasser mit hohem Druck durch sehr fein gemahlenes Kaffeemehl aus gerösteten Kaffeebohnen gepresst wird. – Wikipedia – Soweit so gut!

Meinen ersten Espresso trank ich im Tessin. Ich hatte zwanzig Jahre überschritten und entdeckte ein vollkommen neues Kaffeeerlebnis. Am Morgen ein schneller Espresso im Stehen in der kleinen Kaffeebar an der Ecke. In kleinen Tassen, ein Messerspitze Zucker, eventuell einen Schluck Wasser, der in kleinen Gläschen bereit stand. Das kann schon zur Gewohnheit werden. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ein Tag ohne Espresso zu beginnen, ist genau so schlimm, wie ohne frische Wäsche aus dem Haus zugehen. Ich erstand einen dieser Espressokocher von Bialetti mit dem markanten achteckigen Boden. Der Espresso in der Bar war besser. Bevor ich zurück nach Deutschland an den Bodensee zog, kam meine erste Espressomaschine ins Haus. Die Maschinen von La Pavoni sehen ja unverschämt gut aus und machen einen hervorragenden Espresso – aber vorsicht, jedenfall konnte man sich vor 50 Jahren daran schmerzhaft die Finger verbrennen. Von da an hatte ich wechselnde Modelle, meist von italienischen Herstellern. Ich bin ein Anhänger der reinen Lehre: es waren allesamt Siebträgermaschinen. Für den Interssierten: ich nehme Bohnen von Borbone. Borbone blue ist eine typische vollmundig, säurearme Mischung im neapolitanischen Stil.

Wie ich schon erwähnte, brauche ich für meinen Espresso eine Messerspitze Zucker. Da bin ich sehr eigen und nehme grundsätzlich nur „La Perruche“. Er verführt mit seiner köstlichen Bernsteinfarbe und den aromatischen Noten von Bourbon-Vanille und Karamell. Als meine Jungens noch klein waren, hieß er bei uns wegen der Abbildung auf der Verpackung Papageienzucker.

Mährische Küchlein – Pogaca moravski

Mährische Küchlein

Das Synonym für mährisches Gebäck sind Kolatschen. Ich liebe sie, vor allem, wenn sie dreifach gefüllt sind: eine Schicht Powidl, eine Schicht Quark und Mohn. Doch hier haben wir es mit Pogaca zu tun – und gleich vorne weg: ob es sie so in Mähren gibt, kann ich nicht einmal sagen. Jedenfalls hat der russische Bäcker hier am Ort sie so benannt. Und sie schmecken unglaublich gut.

Ursprünglich kommen Pogaca aus der Türkei und sind ein salziges Gebäck. Mit der Zeit haben sie sich über den ganzen Balkan verbreitet – und wer weiß, vielleicht auch den Weg nach Mähren gefunden. In Bosnien und Slowenien habe ich sie auch schon süss gefüllt gesehen. Meistens war die Füllung eine Nuss-Nougat-Creme oder Marmelade. Die Mährischen Pogaca werden, wie es landesüblich ist, mit Mohn und Topfen gefüllt. Man kann auch einen Löffel Powidl oder Honig dazugeben.

Die Zubereitung ist einfach. Man bereitet einen Hefeteig, den man einige male touriert. Diese Technik die bei der Herstellung von Blätterteig angewandt wird, macht auch einen Hefeteig besonders luftig. Wer dem Link folgt, findet eine genaue Anleitung in einem älteren Beitrag.

Der Teig wird handtellergroß ausgerollt oder ausgezogen und innen mit Topfen und Mohn gefüllt. Nun zieht man die Seiten ein wenig über die Füllung, gibt etwas Streusel oben auf und backt sie fertig. Es kann hilfreich sein, die Küchlein in einer Muffinform zu backen, dann behalten sie eine schöne runde hohe Form.

Mährische Pogacas
Veröffentlicht unter Rezepte | 3 Kommentare