Zum Reibekuchen braten braucht es immer mindestens zwei: Einer, der an der Pfanne steht, und einer oder mehr der oder die sie heiß, fettig frisch aus der Pfanne essen. Es soll ja auch Menschen geben, die die Reibekuchen vorher auf Küchenpapier entfetten. 1. Werden diese wundervollen krossen Plätzchen dann letschig und zweitens; was soll’s – das was drauf kommt ist ja eh schon recht fett – und einmal wird man ja sündigen dürfen. Also ich steh an der Pann und die andren essen.
Das Rezept für die Reibekuchen muss ich ja nicht wiederholen. Bei den westfälischen Tapas ist es der gleiche Reibekuchenteig.
Aber jetzt kommt das Matjestatar. Pro Person nehme ich zwei Matjesfilets, hacke sie fein, mische sie mit fein gewiegten Schalotten, feingewiegten Kapern, Dillspitzen, Petersilie und schmecke alles mit dem Saft einer Zitrone und einem Glas eiskalten Aquavit ab. Aber stopp! Der Aquavit kommt nicht in das Tatar, sondern in den Koch! Da nehme ich vorzugsweise „Aalborg Jubiläums Akvavit“. Das hebt die Laune vom Koch beim Reibekuchen braten und überhaupt.
Zwischen Reibekuchen und Matjestatar (das kommt nämlich übereinander) streichen wir eine Schicht Schmand. Lecker!
Hier noch einmal die Zutaten für das Tatar:
pro Person 2 Matjesfilets
1 TL fein gewiegter Schalotten
1 TL fein gewiegter Kapern
2 TL fein gewiegter Petersilie
1 TL Dillspitzen
Der Saft einer halben Zitrone
Ja richtig, westfälische Tapas habe ich bei einem Caterer gelesen. Früher nannte man das Häppchen – diese kleinen Schlampereien, die man mit einem Happ hinunterschlucken konnte. Von diesen Häppchen gab es ja vielerlei Sorten und sie sind auch immer wieder beliebt.
Wie sagte Kumpel Anton? „Heute gibbt et ja lauter so Fisematenten. Satt wirzze nich, aber lecker sinze!“
Und da Matjeszeit ist gab es gestern kleine Reibekuchen mit Matjes, Sauerrahm mit Meerrettich und gedünsteten Apfelwürfel mit Majoran.
Zutaten 500 g Kartoffeln
1 Zwiebel
1 Ei
3 Strich Muskat
Salz
Bratbutter
einige Matjesfilets (vorzugsweise norwegischer Rauchmatjes)
Zubereitung
Die Kartoffeln fein reiben (nicht raffeln), die Zwiebel ebenfalls fein reiben und mit dem Ei unter die Kartoffelmasse mischen. Stehen lassen, damit sich das Kartoffelwasser etwas absetzt und dies ein wenig abgießen. Dann den Teig mit Salz und Muskat würzen.
Aus dem Teig kleine Reibekuchen in Bratbutter knusprig ausbacken.
Aus dem Sauerrahm mit Dill und Meerrettich und einem TL scharfen Senf einen Aufstrich bereiten.
Die Äpfel würfeln und mit dem Majoran in Bratbutter anbraten.
Den Aufstrich auf je einen kleinen Reibekuchen geben. Die Matjesfilets parieren, der Länge nach halbieren und zu einem Ring formen, der auf den Meerrettichaufstrich kommt. In die kreisförmige Öffnung füllen wir abschließend wenige der angebratenen Apfelwürfel. Mit frischem Majoran dekorieren.
Wilhelm Beukelzoon kam aus Biervliet, einem kleinen Fischernest in ‚Zeeuws Vlaanderen‘ (Niederlande). Er machte 1395 die Entdeckung, die seine Heimat für immer verändern sollte und sie zur Großmacht des Herings erhob. Beukelzoon erfand den Kehlschnitt. Das klingt grausam, ist aber eine gute Idee.
Der Hering, wenn er an Bord kommt, ist wie jeder frische Fang, vom Verderb bedroht. Beukelzoon nahm Stück für Stück zur Hand, schnitt jeden einzelnen Fisch unter dem Maul zwischen den Kiemenbögen auf, entnahm die Eingeweide und ließ — damals wohl eher durch Zufall — die Bauspeicheldrüse des Fisches im ausgenommenen Tier. So flog der Hering in die Tonne, Salz kam dazu und es bildete sich eine Pökel-Lake, die es erlaubte, den Fisch länger aufzubewahren. Der Matjes war erfunden.
Das Prinzip ist seither gleich geblieben. Karl V., römischer Kaiser deutscher Nation, in dessen Reich die Sonne nie unterging, er regierte von Dänemark bis Südspanien, besuchte etwa zweihundert Jahre später das Grab des Beukelzoon und leerte einen Humpen flämischen Bieres zu seinem Gedächtnis — der Fischer aus Biervliet hatte ein Heringsimperium in ganz Europa begründet.
Seit seiner Erfindung konnte man Hering über längere Strecken in Fässern transportieren. Das Verfahren machte die Runde, überall an Hollands Küste wuchsen die Heringsstädte in die Höhe, mit Hering wurde ihr Reichtum begründet. Von des Kaisers Gnaden darf man den „Hering nicht vermischen oder verändern“ — bis heute nicht.
Und wie kam der Matjes nach Deutschland? Der „Alte Fritz“, Friedrich der Große, wusste die holländischen Baumeister besonders zu schätzen – sie bauten für ihn Schloss Sanssouci. Es lag auf sumpfigen Grund, und die Holländer konnten mit Feuchtgebieten gut umgehen. Sie brachten ihre Genussmittel mit nach Preußen: den Tobak, die Kartoffeln – und den Hering, den Matjes, von ihren Küsten.
Der König befahl seinen Soldaten: „Hering und Kartoffeln soll er fressen.“ Tonpfeife und Matjes schmückten ab jetzt den Helm des Preußischen Wachoffiziers und hielten Leib und Seele zusammen.
Nicht nur Wein und Cognac werden in Eichenfässern gelagert, sondern auch der Matjes. Das Wort »Matjes« kommt vom niederländischen »Maatjesharing« oder »Maagdenharing«, was so viel wie Jungfrauenhering bedeutet und sich auf die geschlechtliche Unreife der gefangenen Fischlein bezieht. Denn das Besondere am Matjes ist, dass er gefangen wird, noch bevor seine Fortpflanzungszeit beginnt. Die ausgenommenen Heringe werden anschließend, traditionell in Eichenfässern, für fünf Tage in einer Salzlake eingelegt, was sie besonders mild werden lässt. Dadurch wird das ohnehin bereits gut verdauliche Fischeiweiß noch leichter verdaulich.
… und morgen ist der 19 Juni – das ist 2013 der Matjestag. Die ersten diesjährigen jungen Matjes werden verkauft. An vielen Orten wird das Fest gefeiert und oft wird ein kleines Fässchen mit Matjes für einen wohltätigen Zweck versteigert. Dieses Jahr ist der Matjestag etwas später. Der jetzt gefangene Hering hat wegen der schlechten Witterung der letzten Wochen zu wenig Nahrung gefunden. Somit fehlt ihm die richtige Qualität, um zum Holländischen Matjes verarbeitet zu werden: Denn nur aus einem Hering mit dem richtigen Fettanteil kann ein guter Matjes werden.
Am vergangenen Wochenende gab es bei mir Rauchmatjes mit Schnibbelbohnen, die hatte ich hier bereits vorgestellt. Ab dem 19. Juni gibt es dann hier regelmäßig und in kurzen Abständen Matjesrezepte! Und wer sie einfach frisch ganz ohne genießen will, der sagt am besten: „Kopp in Nacken un‘ los!“ Ganz frische Matjes isst man am besten in einem Haps.
Kennt Ihr den DUT? Das ist der "Digitale Unabhängigkeitstag".
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Bei mir läuft inzwischen LINUX!
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