Dicke Bohnen mit Speck

Kann das sein? Jetzt im Sommer „Dicke Bohnen mit Speck?“

Das kann nicht nur sein, das ist ein Muss! Ob sie nun „große“ oder „dicke“ Bohnen mit Speck genannt werden, jetzt ist Dicke Bohnen Zeit und sie sind seit jeher ein Leibgericht der Westfalen. Im Volksmund werden sie auch Sau- oder Pferdebohnen genannt, im Münsterland heißen sie „Graute Baunen“.
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Als Kinder sangen wir: „Jau, de schönste Tied vom Summer, is de Graute Baunen Tied, Buk, da waer no aomal so wiet.“ (Ja die schönste Zeit vom Sommer ist die Große Bohnen Zeit, Bauch da werde noch mal so weit.)

Die Schlachtvorräte waren aufgebraucht und in den Monaten Juni und Juli, der Erntezeit der dicken Bohnen, hing also neben dem Schinken nur noch der luftgetrocknete durchwachsene Speck „ob de büene“ (auf der Fleischkammer). So lag es nahe, die frischen dicken Bohnen damit zu kochen. Richtig vollständig sind „dicke Bohnen mit Speck“ aber erst, wenn die ersten frischen Kartoffeln der neuen Ernte dazu gereicht werden.

Gewürzt werden die „dicken Bohnen“ mit Pfeffer und Salz und evtl. mit Bohnenkraut, Majoran und Liebstöckel.

In alten Zeiten aß man die dicken Bohnen nicht nur frisch, sondern auch ausgereift und getrocknet das ganze Jahr hindurch. Die getrockneten Bohnen wurden auch wohl gemahlen und zusammen mit Mehl zum Brotbacken verwendet. Aber das kenne ich nur vom Hörensagen.
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Zutaten
ca. 250 g geräucherter Schweinebauch (Speck)
ca. 250 g frischer Schweinebauch
1/2 l Fleischbrühe
2 Pfund dicke Bohnen
Salz
Pfeffer
100 g Zwiebel
1 Lorbeerblatt
2 Nelken
Bohnenkraut
wenig Mehl
etwas Sahne

Zubereitung
Den Speck in der heißen Fleischbrühe garen. Das Fleisch kalt stellen. Den frischen Schweinebauch mit Zwiebeln, Lorbeer und Nelke langsam schmoren. Dicke Bohnen döppen* und in der Fleischbrühe ca. 1 Stunde gar kochen. Mit Salz, Pfeffer, und Bohnenkraut abschmecken. Dann mit 1 TL Mehl bestäuben und etwas Sahne binden.
Den Speck in Scheiben schneiden, mit Salz und Pfeffer würzen und in einer Pfanne von beiden Seiten braten und zusammen mit Scheiben vom frischen Schweinebauch zu Bohnen und Petersilienkartoffeln servieren.

Das Wort döppen hat im Ruhrgebiet eine vielfache Bedeutung: Mach de Döppen auf, heißt soviel wie: Mach die Augen auf. Jemand unterdöppen, darunter versteht man, einen anderen unter Wasser zu drücken. Hier hat es aber die Bedeutung die Bohnen von der Hülse zu befreien.

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„Der Appetit ist die moderne Erbsünde“

So ist der Titel eines Artikles in der Zeit. Vor einiger Zeit schrieb ich hier einen Beitrag zum „Sinn und Unsinn“ mancher Ernährungsberatung. Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer spricht mir in diesem Artikel ganz aus der Seele – und darum schiebe ich hier den Link dahin nach.

Vor allem gefällt mir die Auslassung über Pizza und Kinder. Wie oft habe ich gehört, Kinder esst was Ordentliches, keine Pizza. Hier der Ausschnitt aus dem o.g. Beitrag in der Zeit:

Frage: Fänden unsere Kinder das Prinzip Pizza abscheulich, schreiben Sie, dann würde man sie ihnen zwangsverabreichen?

Pollmer: Genau! Dann gäb’s Schulungen! Die Ernährungspäpste würden Kochkurse fordern, um den Wert der Pizza zu preisen: wertvolles Getreide, das gute Olivenöl, der Käse mit seinem für die Knochen wichtigen Kalzium, es würde doziert, wie vorteilhaft die verschiedenen Beläge sind, Ananas, Gemüse, Sardellen, oder auch ein bisschen Schinken. Aber nein, die Kinder stehen auf Pizza, also ist sie des Teufels.

Schönen kulinarischen Sonntag!

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Hegauer Grüne Soß „Syringa Art“

Wer von Stuttgart kommend auf der Autobahn zum Bodensee fährt, muss mitten durch den Hegau. Eine alte Kulturlandschaft im Südwesten von Baden.
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Bizarre Vulkanformationen, betörende Düfte, sagenumwobene Quellen, stattliche Ritterburgen und verzaubernde Flusslandschaften – der Hegau am südlichsten Zipfel Badens gelegen mutet an wie eine Mischung aus süddeutscher Toskana und mystischem Zauberland.

Der Hegau ist eine außergewöhnliche Region. Außergewöhnlich aufgrund seines geologischen Ursprungs, der eine skurrile Topographie geprägt hat. Außergewöhnlich aufgrund seiner Geschichte, die sich noch heute selbst in zahlreichen erhaltenen Festungen und Festungsruinen erzählt. Außergewöhnlich aufgrund seiner Nachbarschaft zur Schweiz, die mit ungewöhnlichen Grenzverläufen und –situationen aufwartet.

Erloschene Vulkane ragen in der Ebene auf und werden hier „Gottes Kegelspiel“ genannt. Die Industriestadt Singen und viele kleine malerische Orte prägen das Leben im Hegau. Auffallend ist der Hohentwiel bei Singen. Auf diesem erloschenen Vulkan thront die größte Burgruine Deutschlands. Hier spielt der historische Roman Ekkehard von Viktor von Scheffel. Und auf dem benachbarten Vulkankegel Hohenkrähen spukt der unselige „Poppele“.

In Aach entspringt die größte Karstquelle Deutschlands. Es ist zum größten Teil Donauwasser, dass im nahen Tuttlingen versickert.

Im Süden grenzt der Hegau an den Rhein. Zurecht gilt die Fahrt über den jungen Rhein zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen als eine der schönsten Stromfahrten Europas.
In Stein am Rhein beginnt die Tour über den jungen Rhein nach Schaffhausen. Die Landschaft entlang des Stromes ist wahrhaft paradiesisch. Historische Gebäude und Städtchen wie Bibermühle, Diessenhofen, Gailingen sind romantische Stationen entlang des gemächlich fließenden Stromes, bis schließlich Schaffhausen erreicht wird.

syringaUnd mitten im Hegau, nahe dem Ort Binningen liegt die Duftpflanzen- und Kräutergärtnerei Syringa. Hier wachsen im 6.000 Quadratmeter großen Duft- und über 500 verschiedene Duft-, Würz- und Heilpflanzensorten. Eine unerschöpfliche Fundstelle für Kräuterköche. Ich habe nun die Grüne Soße ausprobiert, die Stefan Schmitz aus Konstanz aus Zutaten dieser Gärtnerei kreierte. Ich habe sie zu jungen Möhrchen, Kartoffeln und pochiertem gegrilltem gegrilltem Rumpsteak serviert.
Rumpsteak – mitten in der Woche – wurde ich schon gefragt. Ja! Heute ist mein jüngster Sohn nach 4 anstrengenden Tagen Rockfestival „Southside 2013“ auf dem Weg zurück zum Studium zum Essen (Duschen, ….) bei mir. Dann gibt es auch Rumpsteak.

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Hegauer Grüne Soß „Syringa Art“
Zutaten für ca. 200 ml Sauce
2,5 g Blutsauerampfer
7,5 g Kapuzinerkresse
7,5 g Pfefferkraut
2,5 g Schnittlauchknoblauch
5,0 g Würzlilie
5,0 g Lemonaniskraut

100 g Joghurt 3,5% Fett
100 g Sauerrahm 10% Fett

Die Kräuter gut waschen und von den groben Stilen befreien. Mit einem scharfen großen Messer sehr fein hacken. Mit dem Joghurt und dem Sauerrahm zusammen vermischen. Nach Geschmack leicht salzen, evt. noch etwas frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer dazu. Möglichst kein gemahlenen weißen Pfeffer, da dies den feinen Kräutergeschmack verfälscht!
Die Sauce passt hervorragend zu Pellkartoffeln, Ofenkartoffeln, gebratener Fisch und gekochtem Rindfleisch oder pochierten Eiern.
(Rezept: Stefan Schmitz)
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Und warum kein Bild von der Soße? Total unscharf! Alle!

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