Ratatouille

Gerade zurück aus Toulouse bin ich noch ganz benommen von den Düften der Küchen und Gerichte. Mein Sohn Fabian und ich saßen an einem warmen Sommerabend in einem der vielen Restaurants in der Rue Victor Hugo. Die Karte bot so aufregende Gerichte wie „Bohémienne de Légumes“ – eine Art Ratatouille aus gebratenem Gemüsewürfeln, die viel kleiner als üblich geschnitten in Olivenöl gebraten werden, „Agneau en Mille-Feuilles der Courgettes“, ein zwar aufwendiges, aber großartiges Gericht der klassischen südfranzösischen Küche. Ich werde es demnächst nachkochen und hier vorstellen.

So animiert beschloß ich, wieder einmal Ratatouille auf „meine“ klassische Weise herzustellen. Mein Rezept entstammt dem Kochbuch „Provence – Küche, Land und Leute“ von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer. Ich schwöre darauf und dachte immer, das ist ein Pfannengericht, das schön langsam gebraten wird. Ob es eine kulinarische Offenbarung oder eher ein unansehnlicher Mischmasch ist, hängt davon ab, in welcher Reihenfolge die Zutaten in die Pfanne kommen und wie geduldig der Koch dabei ist. Denn die langsam garenden Gemüse kommen zuerst ins Olivenöl. Nach und nach jene Gemüse, die weniger Zeit brauchen und schnell in sich zusammenfallen. Auberginen, rote und grüne Paprika, Zwiebeln, Zucchini, Knoblauch, Tomaten und natürlich zu guter Letzt gehört auch Basilikum da hinein.

Vorab schaute ich im Internet, was sonst so unter dem Namen Ratatouille angeboten wurde. Was ich sah, erstaunte mich. Ist es nicht unglaublich, wie lernfähig die Menschen sein können?
ratatouille_film
Wieso ich schreibe, dass die Menschen lernfähig sind? Vor wenigen Jahren gab es einen herrlichen Zeichentrickfilm gleichen Namens: Ratatouille. Die Geschichte einer kochenden Ratte. Da wurde das Ratatouille als Türmchen angerichtet und serviert – und überzeugte den Gastrokritiker, der beeindruckt werden sollte. Vor seinen geistigen Augen tauchte dieses Gericht seiner Kindheit wieder auf und – ja natürlich, er lobte es in höchsten Tönen. Und was haben wir gelernt? Richtig, beim Googeln finde ich auf vielen Fotos Ratatouille als Türmchen angerichtet. Ein altes, bodenständiges Gericht der Landleute in der Provence neu gestaltet.

Was mich ferner erstaunte, war die Erkenntnis, dass das Ratatouille nicht unbedingt aus der Provence stammt. Der provenzalischer Ursprung wird ihm mit Bezug auf seinen Namen zugeschrieben, denn dieser bedeutet in der langue d’oc (Okzitanisch) „mischen“. Es ist jedoch zu beachten, dass auch in Regionen im Piemont seit jeher Okzitanisch gesprochen wurde und auch weiterhin gesprochen wird. Dort heißt das Gericht Ratatuia.ratatouille_gemuese
Ich serviere Ratatouille mit Spiegel- oder pochiertem Ei und gegrilltem gepökeltem Speck vom schwarzen Schwein. Man kann es auch anders kombinieren – oder das Fleisch und Ei ganz weglassen, je nach Lust und Laune.

Zutaten (für sechs Personen)
2 mittelgroße Auberginen
4 EL Olivenöl
2 große Zwiebeln
2 Zucchini
je 1 mittelgroße rote, gelbe und grüne Paprikaschote
3 Fleischtomaten (ich nehme Ochsenherzen)
Salz und Pfeffer
4 – 6 Knoblauchzehen
eine Hand voll Basilikumblätter
ratatouille_1
Zubereitung
Die Auberginen in ca. 2 cm große Würfel schneiden und in heißem Öl in einer großen Pfanne anbraten. Dabei müssen sie ständig gewendet werden, damit alle Seiten angeröstet sind. Das braucht etwas Zeit und Geduld.
Erst nach ca. 15 Minuten folgen die anderen Gemüsesorten, ebenfalls gewürfelt. Die Paprika gehört entkernt, ebenso wie später die Tomaten. Von beiden ziehe ich die Haut ab. Bei der rohen Parika geht das mit einem Sparschäler ganz gut. Die Tomaten überbrühe ich dafür mit siedendem Wasser.
Schließlich wird das Gericht gesalzen und gepfeffert und mit reichlich Knoblauch gewürzt. Jetzt kommen bereits 2/3 der Basilikumblätter dazu, die in feine Streifen geschnitten werden.
Zum Schluß muss man die Hitze reduzieren und alles noch gut 10 Minuten sanft schmoren lassen, damit sich die Aromen verbinden. Vor dem Servieren gebe ich das restliche Basilikum über das Ratatouille.

Veröffentlicht unter Rezepte, vegetarisch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 6 Kommentare

Beef Tea

Es begann im Jahr 1870. Frankreich befand sich im Krieg gegen Preußen. Die französischen Truppen wurden von Napoleon III. befehligt. Es war eben jener Napoleon, der einen großen Teil seiner Kindheit auf dem Schloss Arenenberg am Bodensee und auch in Konstanz zubrachte. Ein Problem das sich in jedem Krieg stellt, ist die Verpflegung der Soldaten. Und eben dieser Napoleon fand sehr richtig, dass seine Armeen nicht „auf auf leerem Magen maschieren könne.“ Er orderte daher eine Million Dosen Rindfleisch, um seine hungernden Truppen zu ernähren.
bovril_poster_1900
Den Auftrag erhielt ein Schotte, der diese großen Mengen aus dem Britischen Empire beschaffen sollte. Es war John Lawson Johnston, der in Kanada lebte. Das Fleisch konnte er beschaffen, aber der Transport und die Lagerung waren problematisch. Daher Johnston ein Produkt geschaffen, als „Johnstons flüssiges Rindfleisch “ (Johnston’s Fluid Beef) bekannt wurde und später in Bovril umbenannt wurde. Er griff dabei auf die Erkenntnisse des deutschen Chemikers Justus von Liebig zu, der bereits 1840 eine erste Rindfleischessenz geschaffen hatte. Nach Liebigs Vorstellungen sollte der Fleischextrakt ein Nährmittel vor allem für die ärmere Bevölkerung sein, erwies sich dafür aber als zu teuer. Es wird bis heute hergestellt und findet in der Küche sowie in der Lebensmittelindustrie Verwendung und war damit die Grundlage der heutigen Tütensuppe.

Der Krieg ging zwar für Napoleon III. und Frankreich verloren, aber Bovril, welches inzwischen industriell hergestellt wurde, startete einen Siegeszug durch Frankreich und das Britische Empire und ernährte auch im 1. und 2. Weltkrieg die Truppen der Alliierten. Verdünnt mit heißem Wasser oder direkt aufs Brot gestrichen erfüllte es wieder seine Aufgabe. Noch heute findet man Bovril in den Regalen der Supermärkte.

In den Schützengraben des 1. Weltkriegs sprach man nicht von Bovril sondern von „Beef Tea“. Die Zubereitung wurde verfeinert und schließlich in England in kleinen Tassen zur Stärkung gereicht. Es galt lange Zeit als das beste Mittel zur Stärkung nach Krankheiten und wurde zur Behandlung von Tuberkulose eingesetzt. Das erste niedergeschriebene Rezept mit diesem Namen gab es 1861 in „The Book of Household Management“ einer Mrs. Beeton“. Das Buch war ein Bestseller und wird bis heute verkauft. Hier war das Rezept noch recht einfach: Rindfleisch, Wasser, Salz.

Ich selbst habe diverse Varianten bei Vincent Klink gesehen und dann experimentiert. Hier meine Lieblingsvariante:
beef_tea_01
Zutaten:
500 g Rindfleisch von der Wade
1 kleine Stange Lauch (sehr klein, oder 1/4 Stange)
ein Blatt vom Selleriegrün
1 Knoblauchzehe
Salz
Muskat
grober Pfeffer
ein ganz kleiner Thymianzweig
250 ml Madeira oder weißen Portwein
beef_tea_02
Zubereitung:
Bis auf den Thymianzweig alles durch die grobe Scheibe des Fleischwolfs drehen. Was auch der Fleischer gerne für sie macht. Dann geben wir das Grünzeug später ganz klein geschnitten dazu.
Alle Zutaten mit den Gewürzen in ein großes Einkochglas füllen, mit 1 l Wasser und dem Wein aufgießen und gut umrühren. Den Thymianzweig zugeben und dann das Einkochglas mit Gummi und Klammern verschließen und in einen großen Topf stellen, der größer als das Glas ist. Mit Wasser anfüllen und zum Sieden bringen. Für ca. 3 – 4 Stunden sieden lassen, dann das Glas öffnen und die gewonnene Essenz durch ein Passiertuch filtern.
beef_tea_03
Ihrer Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. So kann man zum Beispiel getrocknete Steinpilze hinzufügen und erhält eine wunderbare Steinpilzessenz.

P.S. Es empfiehlt sich, öfters das Kochwasser nachzugießen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fleisch, Rezepte | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Liebstöckel-Spätzle

Wer nie Erfolg im Garten hat, und wem immer wieder die Kräuter eingehen, der sollte einmal Liebstöckel anpflanzen. Jahr um Jahr kehrt es immer größer werdend wieder und eignet sich für vielerlei Gerichte. Im Volksmund wird es auch Maggikraut genannt. Der Geruch von Liebstöckel und Maggi hat eine große Ähnlichkeit, nur dass in Maggi kein Liebstöckel enthalten ist. Entfernt erinnert Liebstöckel auch an das Grüne von der Sellerie.
In den vergangenen Tagen kaufte ich das Heft „baden.essen. trinken. erleben.“, das einmal jährlich herausgegeben wird und bis auf die Beiträge eines Herrn W. Siebeck wirklich empfehlenswert ist. Die badische Küche gehört zu den Höhepunkten deutscher Gastronomie und Kochkunst. Und in dieser Zeitschrift las ich einen wunderbaren Artikel über Kräuter in der Küche: „Der grüne Geschmack“. Ein Rezept waren „Liebstöckel-Knöpfle“. Nun, zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich kein Knöpflebrett besitze, obwohl ich sehr gerne Wahlbadener bin. Aber in meinem Haushalt gibt es ein uraltes Galuscabrett aus Ungarn und dieses verrichtete bisher immer gute Dienste, so auch diesmal. Nun sehen die Knöpfle aus wie Spätzle und ich habe sie dann auch umgetauft.
liebstoeckelknoepfle
Das nachgekochte Rezept stammt von Steffen Disch, der im Gasthaus zum Raben in Freiburg-Horgen kocht.

Zutaten für 2 Portionen:
2 Eier
100 g Mehl
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Muskat
1 TL geschnittenes Liebstöckel
Butter

Zubereitung
Die Eier und etwas Salz mit einem Schneebesen verrühren und danach 10 Minuten ruhen lassen. Dann geben wir das Mehl, Pfeffer und Muskat zu und schlagen alles zu einem glatten Teig. Der Teig wird so lange geschlagen, bis er Blasen wirft – oder man macht es sich bequem, und nimmt eine Küchenmaschine.
Die Spätzele in reichlich Salzwasser schaben (oder – für Leute wie mich – ein Hilfsgerät nehmen, als da wären Spätzlehobel, Knöpflebrett, Spätzlepresse oder auch ein Galuscabrett. Nach dem Garen kurz in eiskaltes Wasser geben und danach gut abtropfen lassen.
In einer Pfanne Butter aufschäumen und die Spätzle mit dem in feine Streifen geschnittenen Liebstöckel durchschwenken. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, habe ich die Spätzle mit Rotkraut und frischer Schweinebratwurst abgerichtet.

Veröffentlicht unter Allgemein, Rezepte | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare