Panhas mit Schwattbraut, Schmoräppelkes und Rüwekrutt

Um es vorwegzunehmen: Panhas ist nicht gleich „Panhas“. Hier wird nur vom Münsterländer Panhas die Rede sein. Panhas gibt esauch noch in anderen Regionen Westfalens und im Rheinland. Im Wesentlichen unterscheiden sich der münsterländer Panhas von den anderen, weil kein Blut darin verarbeitet wird. Und wie ich in unterschiedlichsten Beiträgen im Internet gelesen habe, unterscheidet er sich in der Wahrnehmung, was alles Panhas sein kann. Wurstebrot (Ganz richtig! – mit „e“ in der Mitte) gehört zum Beispiel zu den Gerichten, die oft mit Panhas verwechselt werden. Wurstebrot sagen aber auch nur die „Zugereisten“ – Möpkenbrot wäre hier der richtige Name. Aber was ist schon richtig und was ist falsch, wenn die Vorstellung von einem Gericht in unserer Erinnerung es mit einem Namen verbindet.

Der Duden beschreibt Panhas so: „Westfälisches Gericht aus Wurstbrühe, gehacktem Fleisch und Buchweizenmehl, das zu einer festen Masse gekocht und in Scheiben gebraten wird.“ Das Wort kommt aus dem Niederdeutschen und heisst eigentlich Pfannenbraten. Das „Pan“ ist da sehr deutlich. „Harst“ ist das Bratenfleisch. In einem anderen traditionellem westfälischen Gericht gibt es eine ähnliche Zusammensetzung: dem Pfefferpotthast.
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Wenn es Herbst wird und „die Schweine reif sind“ beginnt die Schlachtzeit. Und dann gibt es auch Panhas. Oft wird Panhas mit süßen Beilagen serviert. Dazu gehört auf jeden Fall „Rüwekrut“ oder auch Rübenkraut (Zuckermelasse) und gebratene Apfelscheiben. Denn im Herbst werden nicht nur die Schweine sondern auch die Äpfel reif.

Rübenkraut auf dem Brot ist eine herrliche Leckerei, die mich immer wieder in die Kindheit versetzt. Die Äpfel waren meistens „Boskop-Äpfel“. Sie haben das richtige Aroma zum Braten oder Schmoren. Gebratene Äpfel gab es im Herbst fast täglich. Das Haus duftete danach. Die Großmutter schob dann jeden Tag am Nachmittag eine Form mit Bratäpfeln in das Ofenrohr, wo sie langsam garten. Das war halt noch die Zeit, als auf Holz und Kohle gekocht wurde und nach dem Mittagessen war der Ofen noch warm. Etwas Kohle wurde dann immer wieder nachgelegt, um ihn für den Abend warm zu halten. Die Bratäpfel waren ganz einfach – ohne Schnickschnack, nur mit etwas Honig in der Mitte, wo sich einmal das Kerngehäuse befand.apfel_kompo_01
Meiner Urgroßmutter, die eine fromme Frau war, waren Äpfel etwas suspekt. Hatte Eva den Adam nicht mit einem Apfel verführt? Ich habe noch ein altes Heft, indem sie mit einer schönen Sütterlinschrift ihr Küchenwissen niedergeschrieben hat. Da wurde alles Weltliche in „frommen Zeiten“ gemessen. In der Anleitung zum Rührkuchen heißt dann: „Eier, Zucker und Butter schaumig rühren – 6 Vater unser und 6 Gegrüßet seist Du Maria“. Und es wurde laut gebetet, damit man nicht zwischendurch den Finger in den köstlichen Teig stecken konnte. Auf jeden Fall fand ich kein Rezept mit Äpfeln in ihrem „Kochbüchein“. Aber irgendwie hatte sie ja auch recht. Schneidet man den Apfel waagerecht durch, zeigt das Kerngehäuse ein Pentagramm, das Zeichen des Teufels in dem der Samen (des Bösen) verborgen liegt. Wenn man ihn liegen läßt, wird der Apfel braun. Das ist zwar nur die rasch eintretende Oxidation, doch eine biedere münsterländer Bäuerin sah darin das Zeichen Luzifers. Und seine Haut ist so rosig, wie das Gesicht einer Jungfrau, die in der Nacht der Nächte ihrem Angetrauten ihre jungfräuliche weiße Haut zeigt – gerade so wie der Apfel, wenn hineingebissen wird. Genug vom Apfel, der ja im Urtext der Bibel nicht die verbotene Frucht war. Er wurde dazu gemacht, weil der Apfel die Heilige Frucht der keltischen Druiden war. Die Missionare, die von Irland aus den Kontinent bereisten, wußten genau, mach ihn zur bösen Frucht, so wird er Deiner Religion dienen. Und es ist bis heute so geblieben: Willst Du etwas herabsetzen, dichte ihm eine böse Geschichte an.

Zurück zum „Fleischlichen“. Hier das Rezept für Panhas, wie er in meiner Familie zubereitet wurde. Mengenangaben gibt es keine, weil jeder es ein wenig anders macht und verschiedene Faktoren die Konsistenz beeinflussen. Die Menge des Buchweizenmehls ergibt erst beim Einrühren, weil jedes Mehl eine andere Saugfähigkeit hat. Das Verhältnis von Schweine- zum Rindfleisch sollte so ungefähr 2:1 sein.

Zutaten
Schweinepfötchen
Schweinebauch
Hohe Rippe vom Rind
Buchweizenmehl
Zwiebeln (fein gehackt)
Salz, Pfeffer, Muskat, Nelkenpfeffer (Gemahlene Nelken) und Majoran

Zubereitung
Die Schweinepfötchen in reichlich Wasser sehr weich kochen, bis das Fleisch abfällt. Alle Knochen und Knöchlein aus der Kochbrühe heraussuchen und den ganzen Rest in feine Streifen schneiden – auch die gallertartige Masse. Jetzt gibt man das in feine Streifen geschnittene Rindfleisch, die Zwiebeln und die Gewürze dazu und läßt alles ca. 90 Minunten köcheln. Schlußendlich kommt das in kleine Würfel geschnittene frische Bauchfleisch dazu. Man sollte es noch einmal 45 – 60 Minuten köcheln lassen.
Etwas von dieser Fleischmasse probieren und gegebenenfalls nachwürzen. Es sollte reichlich gewürzt sein.
Beim nächsten Schritt muss die „Wurstbrühe“ zuerst stark erhitzt werden, fast brodeln. Jetzt gibt man das Buchweizenmehl hinzu. Wenn die Masse nicht richtig kocht, schmeckt der „Panhas“ nachher zu mehlig. Zum Einrühren muss einer den Topf halten und ein anderer rührt ein.
Der zähflüssige heiße Panhas wird nun in Kastenformen gegossen, wo er erkaltet und erstarrt.
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Zum Essen wird er in Scheiben geschnitten, in Schmalz angebraten, dass die Kruste knusprig ist und mit Schwarzbrot (ev. Pumpernickel), Rübenkraut und Schmorapfelscheiben serviert.

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Brathering mit Röstkartoffeln

Vor einigen Tagen finde ich beim Fischhändler frische Heringe. Naja, ich war mir nicht ganz sicher, ob diese Fische wirklich frisch waren, aber das sollte ich später feststellen. Denn mein Entschluß stand fest: „Ich lege Bratheringe ein.“ Ab und zu kaufe ich mir so ein Döschen gebratener Heringe, aber tief in mir erinnerte ich mich an die gebratenen Heringe, die meine Großmutter zubereitete. Drei, vier Tage lagen sie im kühlen Keller fertig gebraten in einer würzigen Lake, um den Geschmack der Gewürze an sich zu ziehen.
Heringe gab es immer mit der Bemerkung, dass die „ganz reichen Leute“ Heringe essen würden und keinen Lachs, wenn der Hering nur selten genug wäre. Sie hat recht behalten. Heute ist Lachs eine Allerweltsware (nicht der ganz gute Lachs!), aber diese Billigangebote an Lachs kennen wir ja alle. Im übrigen: die Heringe waren billiger als der billigste Lachs – und vorweg genommen: sie schmeckten mir nachher besser als mancher geräucherte, gebeizte oder sonstige Lachs.
Das die Heringe frisch waren, roch ich dann in der Pfanne. Denn frische Heringe müffeln nicht, sondern haben einen aromatischen Duft, der sich nicht gleich einem Schleier im ganzen Haus auf alles legt. Leicht mehliert gebraten kamen sie in eine Marinade. Ich habe erst einmal gestöbert, wie man eine solche am besten macht. Überall gab es viel Essig. Das hatte mich eigentlich am Brathering immer gestört, dass er oft so sauer war. Also experimentierte ich und gab zu einer Portion Essig die gleiche Menge herben Riesling. Das war eine gute Entscheidung.
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Die genauen Zutaten findet Ihr im folgenden Rezept!

Zutaten:
4 – 6 grüne (frische!) Heringe
Mehl
Bratbutter

350 ml Essig
350 ml herber Weißwein
Lorberblatt
Nelken
Senfkörner
Wacholderbeeren
schwarzer Pfeffer (Körner)
Zwiebeln

Zubereitung
Aus dem Essig, gemischt mit dem Wein und den Gewürzen einen Sud bereiten. Darin lasse ich die Zwiebeln zuerst mitkochen, dann darin ziehen. Sie werden dadurch glasig und können später mitgegessen werden.

Die Heringe säubern und gut mehlieren. Das überschüssige Mehl abklopfen und dann die Fische von beiden Seiten je 5 – 7 Minuten (je nach Dicke der Heringe) in Bratbutter braten.

In eine tiefe Schüssel legen und mit dem heißen Sud übergießen. Kühl stellen und zwei bis drei Tage ziehen lassen.
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Dazu serviere ich Röstkartoffeln mit Speck und Zwiebeln.

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Die (klare) Tomate(nsuppe)

Das am meisten missverstandenen Obst in der Welt:

Tomaten – hier: klare Tomatensuppe

1519 – die spanische Krone verlange nach mehr Gold und es ging die Kunde von den sagenhaften Goldschätzen der Azteken. Die Inseln der Karibik waren bereits erobert und so begann von Havanna eine Expedition unter Führung von Hernando Cortez. Sie endete da, wo dichter Dschungel auf weiße Sandstränden trifft. Aktive Vulkane ragen aus Nebelwälder, immense Wasserfällen rauschen, Tukane, Affen und andere wilde Tiere erfülle die Nächte mit ihrem Geschrei. Im Ozean wimmelt es dort von einer Fülle von Leben, allem voran delikate Meeresschildkröten.
Im heutigen Mexico, nahe der Stadt San Juan de Ulua ging Cortez an Land. Von den einheimischen Azteken wurde er freundlich empfangen und reich mit Silber- und Goldschmuck beschenkt. Die Azteken hatten ein Gott erwartet, der aus dem Osten kommt und wollten diesen besänftigen und hofften, er würde wieder das Land verlassen. Aber sie hatten das Gegenteil erreicht. Die Spanier führten einen Eroberungsfeldzug, denn die Gier nach Silber, Gold und Edelsteine war zu groß.
Aber nicht nur Gold und Edelsteine kamen durch diese Expedition nach Spanien sondern auch eine neue Frucht: die Tomate. Hernando Cortez entdeckte sie zum ersten Mal den in den Gärten des Montezuma in Costa Rica. Er brachte den Samen nach Europa, wo sie als Zier-Kuriositäten gepflanzt, aber nicht gegessen wurde. Viel Vertrauen hatte man nicht in diese Pflanze, die wissenschaftlich Lycopersicon esculentum genannt wird, wobei Lycopersicon Wolfspfirsich heißt und esculentum essbar. Der Name wandelte sich dann häufiger. Die Tomate wurde Goldapfel, Paradiesapfel (in Österreich heute immer noch „Paradeiser“) und Liebesapfel genannt (englisch „love apple“, französisch „pomme d’amour“). Ja man vermutete zwischenzeitlich, dass dies die Frucht war, mit der Eva im Paradies den Adam verführte. Aber es dauerte noch lange, bis sie als essbare Frucht erkannt wurde.
tomatenauswahl
Die Tomate galt lange Zeit als giftig. In Amerika erfuhr sie ihren Durchbruch durch einen Mann namens Colonel Robert Gibbon Johnson. Er wollte beweisen, dass die Tomate ohne jegliche Folgen für die Gesundheit genießbar sei. So kündigte er an, am 26. September 1820 öffentlich einen ganzen Korb Tomaten zu essen, ohne umzufallen. Als Colonel Robert Gibbon Johnson von Salem, NJ. auf den Stufen des Gerichtsgebäudes Salem stand, und begann sein Vorhaben zu verwirklichen, hatten sich über 2000 Menschen eingefunden, um seinem „Selbstmord“ zuzusehen. Die örtlichen Feuerwehr Band spielte sogar einen traurigen Song, und Colonel Johnsons Arzt, Dr. James Van Meter warnte ihn noch einmal angeblich vor dem Verzehr. „Der Oberst wird mit Schaum vor dem Mund und einer Blinddarmentzündung an Oxalsäureverfgiftung sterben.“
campbellsDoch Johnson proklamierte: „Die Zeit wird kommen, dass dieser üppige Scharlach-Apfel die Grundlage für eine große Gartenindustrie bildet, gegessen und genossen wird – und ich werde beweisen, dass sie essbar ist.“ Das war eine der ersten Realityshows. Er bestand die Aktion unbeschadet, während in der Zuschauermenge Menschen vor Aufregung in Ohnmacht fielen. Die Legende besagt, dass er später eine Konservenfabrik für Tomaten errichtete, was aber nicht bewiesen ist. Diese Idee verwirklichte dann ein Mann namens Joseph Campbell, der 1897 die Tomatensuppe in die Dose brachte.
Soweit der Verzehr von Tomaten die Gesundheit beeinträchtigt, weiß man heute, dass sie äußerst hilfreich gegen verschiedene Krankheiten sind. Sie enthalten das Antioxidans Lycopin, das das Risiko von Prostatakrebs bei Männern reduziert. Tomaten enthalten auch Vitamin C, Carotinoide und Beta-Carotin die einer vorzeitige Alterung, Krebs und Herzkrankheiten vorbeugen. Voll mit Antioxidantien und reich an Kalium und mit nur ca. 36 kcal. sind Tomaten eines der gesündesten „Gemüse“, die wir auf dem Markt finden.
Es geschah auch in den USA, dass die Tomate irrtümlich nicht als Frucht, sondern als Gemüse klassifiziert wurde. Obst war steuerfrei, doch der Kongress entschied, dass die Tomate als „Gemüse“ zu versteuern sei. So ist es bis heute geblieben. Für den Botaniker ist die Tomate eine Beere und für den Gärtner gilt sie als Gemüse.
Auch in Europa wurde die Tomate lange verschmäht. Gehören nicht beide – die Tomate wie auch die Alraune – zur Familie der Nachtschattengewächse? So schrieb man auch der Tomate, gerade wie der Alraune besondere Kräfte zu. Sie wurde eben deswegen auch Liebesapfel genannt und frühchristliche Gelehrte, die das Paradies für einen Garten hielten, der von einem zehnköpfigen Drachen bewacht wurde, erklärten sie kurzerhand zur zweiten Frucht des Garten Edens. Zuerst kamen sie in Italien auf den Tisch, der Rest von Europa blieb eher skeptisch. Man sagte ihr hier nach, dass die nach dem Verzehr die Haare und Zähne ausfallen und ihr Geruch wahnsinnig mache. Doch die Gemüter beruhigten sich und schließlich fand sie allgemeine Verbreitung.

Jetzt ist Tomatenzeit. Mit etwas Glück findet man auch auf deutschen Wochenmärkten vollreife, fruchtige Tomaten unterschiedlichster Sorte. Ich persönlich gehe dafür zum „Türken“ meines Vertrauens. Früher gab es hier einen Italiener, der die Tomaten immer am Samstagvormittag frisch vom Feld vom LKW herunter verkaufte. Doch das ist leider schon länger her. Und diese vollreifen Tomaten kann man wirklich für alles gebrauchen: Saucen, Gemüse und vor allem auch für Suppen. Denn nun folgt ein Rezept, das ich 2008 im Rezeptor der Zeit gefunden habe:

Klare Tomatensuppe
Die Zeit schreibt bei den Zutaten 2 kg reife Tomaten + 1 Dose Tomaten. ich greife nur zu frischen, reifen Tomaten.
Zutaten
4 kg reife frische Tomaten (Flaschentomaten sind ideal)
1 Zitrone
1 Orange
1 Bund Basilikum
Salz, Pfeffer, Zucker
Zubereitung
tomatenpassiergeraet_btIch passiere die Tomaten durch ein Tomatenpassiergerät. Wer ein solches nicht besitzt, kann sie einfach mit dem Pürierstab zerkleinern oder auch durch einen Fleischwolf drehen. Das Fruchtfleisch und der Saft werden danach durch ein Passiertuch gefiltert, so dass alles „Rote“ zurückbleibt. Dafür wende ich die gute alte „Hockermethode“ an. An jedem Bein eines umgedrehten Hockers befestige ich die Ecke einer Windel (oder eines Passiertuches) und stelle eine Schüssel darunter. Nun gebe ich die Tomatenmasse in das Passiertuch und die Flüssigkeit trennt sich nach und nach vom Fruchtfleisch. Das dauert lange, einige Stunden. Die Zitrone, Orange und das Basilikum? Von den Früchten ziehe ich Zesten, die ich mit in den Tomatenpamp gebe, eventuell auch ein wenig vom Saft. Das Basilikum schneide ich sehr fein und gebe es auch dazu. Natürlich kommt das alles vor dem Passieren hinein!
Nun muss man nur noch den Geschmack optimieren. Der gewonnene Saft wird auf ca. die Hälfte reduziert und mit Salz, Zucker und Pfeffer abgeschmeckt.

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