Gerichte mit Geschichten 4 – Nikolai Gogol – Wawreniki

gogolEr war einer der größten russischen Schriftsteller – Nikolai Gogol – liebte Makkaroni, Piroggen und Stör.
„Vor dem Wirtshause angelangt, ließ Tschitschikow aus zwei Gründen halten: einerseits wollte er, dass die Pferde ausruhen, und andererseits hatte er auch selbst den Wunsch, etwas zu sich zu nehmen und sich zu stärken. Der Autor muss gestehen, dass er diese Art von Leuten um ihren Appetit und ihren Magen beneidet. Er hat für die großen Herren gar nichts übrig, die in Petersburg und in Moskau wohnen und den ganzen Tag darüber nachdenken, was sie morgen essen und was für ein Diner sie sich für übermorgen zusammenstellen lassen sollen; die vor diesem Diner erst Pillen schlucken und dann Austern, Seespinnen und andere Meerwunder verzehren, um später nach Karlsbad oder in ein kaukasisches Bad zu gehen. Nein, solche Herren haben in ihm niemals Neid erregt. Aber die Herren der mittleren Klasse, die auf der einen Poststation Schinken essen, auf der anderen ein Spanferkel, auf der dritten eine Scheibe Stör oder irgendeine Bratwurst mit Zwiebel, und die sich dann, als ob nichts geschehen wäre, zu einer beliebigen Stunde an die Mittagstafel setzen und kochendheiße Sterlettsuppe mit Aalen und Fischmilch löffeln und dazu Pasteten mit Schwanzstücken vom Wels verspeisen, so daß man vom bloßen Zuschauen Appetit bekommt – solche Herren genießen eine beneidenswerte Himmelsgabe!“

Die Fischpastete mach mir mit vier Ecken … In die eine Ecke tu mir die Backen und die gedörrten Sehnen vom Stör, in die andere Buchweizengrütze und Pilzlein mit Zwiebelchen und süßen Milchner und noch Hirn, und dann noch, na, was dir ebenso einfällt, du weißt schon, was Feines eben. Und dass du sie von der einen Seite schön anbräunst, verstehst du, von der anderen aber nicht so sehr. Und back sie unten richtig durch, damit sie mürbe wird, dass sie ganz, also, du weißt schon – nicht, dass sie zerfällt, aber dass sie im Munde zergeht, wie eine Schneeflocke … Und den Stör garniere mir sternförmig mit roten Beeten und mit Stinten und mit Milchlingen und dann tu noch Rübchen dazu und Karotten und Bohnen und was du sonst noch so hast, du weißt schon, damit wir Beilagen haben, schön viele Beilagen.
(Die toten Seelen von N. Gogol)

Legendär sind die ausufernden Beschreibungen der Tafelrunden in den „Toten Seelen“, wo sich die Tische vor Platten mit Hausen, Stör, Lachs, Kaviar und Sternhausen nur so biegen. Piroggen mit ganz unwahrscheinlichen Füllungen werden da serviert, für die Knorpel und Backen eines 147 Kilogramm schweren Störs verarbeitet wurden. Wer je die Anweisungen des Vielfraßes Petuch – eine Person im Buch „Die toten Seelen“ – an seinen Koch gelesen hat, der unter dem Vorwand eines zeitigen Frühstücks für seine Gäste schmatzend und schnaufend ein opulentes Mittagessen bestellte, der wird sich Gogols Meinung anschließen: „Da hätte sogar ein Toter Appetit bekommen.“

Gogol selbst galt als großer Esser. Doch ständig beschwerte er sich über seinen Magen. Vor jedermann breitete er seine Malaisen aus: Worte wie Verstopfung, Magenbeschwerden oder Nervenzerrüttung waren aus seinen Briefen und Gesprächen nicht wegzudenken. In seinen Briefen aus Italien oder aus Baden-Baden oder Bad Ems etwa, wimmeln nur so von Klagen über Krankheiten aller Art.

Andererseits finden sich in seinen Briefen hymnische Lobpreisungen von „Makkaroni, so lang wie der Weg von Rom nach Neapel“, von Hammelkeule oder italienischem Ei.. Überhaupt, Italien! „Was für eine Luft! Wenn du einatmest, dann meinst du, dass dir mindestens 700 Engel in die Nasenlöcher fliegen“, heißt es 1838 aus Rom.
Gogols Freunde machten sich den Spaß, Signore Niccolo, wie er in Rom genannt wurde, heimlich beim Essen zuzusehen. Eines Tages schlichen sie in sein Stammlokal al Falcone unbemerkt in einen Nebenraum und beobachteten von dort aus, wie sich Gogol an den Tisch setzte und bestellte: Makkaroni, Käse, Öl, Essig, Zucker, Senf, Ravioli, Brokkoli, Butter. Die Kellner wuselten hin und her, Gogol nahm die Speisen freudig entgegen und begann zu hantieren. Bald türmte sich allerlei Grünzeug vor ihm auf, kleine Karaffen mit diversen Flüssigkeiten kamen auf den Tisch. Dann wurde eine Schüssel voller Makkaroni gebracht, Gogol lüpfte den Deckel – Dampfwolken entströmen ihr. Nun tat er Butter hinein, streute mit Kennerblick Käse darüber, nahm eine Pose ein wie ein Priester, der sich anschickt, ein Opfer darzubringen. In diesem Augenblick ging unter Getöse die Tür auf: „Dir fehlt also der Appetit, mein Lieber, und dein Magen ist nicht in Ordnung?“, riefen die Freunde unter lautem Gelächter. „Für wen hast du das denn alles zubereitet?“ Einen Moment war Gogol verdutzt, gewann aber sofort die Fassung zurück und antwortete bekümmert: „Was schreit Ihr so, natürlich habe ich keinen richtigen Appetit. Ich versuche mir künstlich Appetit zu machen!“ Darauf lud er die ganze Gesellschaft ein, mit ihm zu tafeln, und gab sogleich voller Begeisterung weitere Bestellungen auf. Gogol aß für vier und beteuerte dauernd, alles sei ganz anders als sie dächten und habe gar nichts zu bedeuten.

Der Autor des grandiosen Sittengemäldes „Tote Seelen“ und weiterer berühmter Erzählungen hat nie eine eigene Wohnung besessen hat und war meist auf die Großzügigkeit und Gastfreundschaft seines großen Bekannten- und Bewundererkreises angewiesen. Als er starb hinterließ er nichts an materiellen Werten als ein paar abgetragene Kleidungsstücke, 243 Bücher und eine goldene Taschenuhr.
Am Ende blieb das Lorbeerblatt. Aber nicht als Suppenwürze war es gedacht. Hier ist die Rede von einem prächtigen Lorbeerkranz mit dem man den verstorbenen Schriftsteller Nikolai Gogol im Sarg feierlich bekränzte. Bevor der Sarg verschlossen wurde, nahm man ihm den Kranz ab, und sämtliche Lorbeerblätter wurden verkauft, was viel Geld einbrachte. Jeder wollte sich ein solches Andenken verschaffen. Nikolai Gogol starb in Armut, und der Erlös aus dem Verkauf war vermutlich Gogols Mutter zugedacht.
wawreniki
Neben den bereits erwähnten Speisen liebte Gogol Wawreniki. Wawreniki entstammen der ukrainischen Küche und sind gekochte Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen z. B. Kartoffeln, Sauerkraut, Quark, Fleisch, Pilze, Mohn, Obst und Früchte. Durch die Erzählung von Nikolaj Gogol Die Nacht vor Weihnachten sind Wareniki zum Symbol der Völlerei und Faulheit geworden. Dort waren die Wareniki durch Zauberei von ganz allein aus der Schüssel gesprungen, in den Schmand eingetaucht und in den Mund geflogen.

Wawreniki (vegetarisch)
Zutaten für ca. 40 Stück
500g Mehl,
2 Eier
150 ml Wasser
1 TL salz

350 g Kartoffeln
2 Zwiebel
1 EL Butterfett
Salz und Pfeffer

Zubereitung
Aus dem Mehl, den Eiern, Salz und Wasser einen glatten Teigbereiten, der dünn ausgerollt wird. Daraus stechen wir mit einem Wasserglas oder Servierring runde Plätzchen.

Die Kartoffeln und Zwiebeln fein würfeln und im Butterfett goldbraun anrösten. Mit Salz und Pfeffer würzen und leicht zerstampfen. Davon setzen wir kleine Häufchen auf die Teigrondellen und verschließen diese.

In Salzwasser garen, bis sie oben schwimmen und mit saurer Sahne oder brauner Butter anrichten. Ich selber essen sie am liebsten als Einlage in einer Brühe.

Woher habe ich dieses Rezept? Von der netten Frau Elena Maurer. Frau Maurer ist eine liebenswerte ältere Dame (Russin), die nur wenige Meter von meiner Wohnung entfernt, einen Imbiss betreibt. Und dort bereitet sie allerlei russischen Köstlichkeiten frisch zu. Wer will, darf ihr dabei zusehen. Aber es dauert etwas länger, denn bei ihr wird wirklich alles frisch gemacht. Bitte, um Wartezeiten zu vermeiden, vorbestellen, steht auf ihrer Visienkarte. Der Imbiss wirkt nicht unbedingt einladend, aber nachdem ich das erste mal den Weg hineingefunden habe, komme ich mit aller Regelmäßigkeit wieder. Diesmal auch wieder, denn ich war zu faul, selbst zu kochen.

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Leberknödel in die Suppe

Es ist Herbst – und was für ein schöner Herbst! Abends wenn es kühler wird, ist man dankbar für eine warme Suppe. Ich bin ohnehin ein Suppenfan. Mehrmals die Woche koche ich die verschiedensten Suppen, die manchmal das Mittag- und meistens das Abendessen ergänzen. Und dann mag ich auch die entsprechenden Suppeneinlagen.
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Diesmal gab es Leberknödel. Dafür nehme ich die edle Kalbsleber, nicht ganz so alte Brötchen, Sahne, Eier und Gewürze. Ganz langsam müssen die Knödel in der Suppe garziehen, denn dann verfärben sie sich nicht so grau und haben ein wunderbares Aroma.

Zutaten:
1 Brötchen vom Vortag
1/2 Zwiebel
Butter
1/8l Sahne
250 g Kalbsleber durch den Fleischwolf (feinste Scheibe) gedreht
1 Ei
2 l Fleischbrühe
Salz, Pfeffer, Majoran, Petersilie
Semmelbrösel (Achtung! die grobe Auslese)

Zubereitung
Die Zwiebel feinwürfeln und in 1 EL Butter anschwitzen. Das Brötchen in feine Würfel schneiden und gut in der Sahne einweichen. Feingewiegte Petersilie und Majoran dazugeben.
Die in Würfel geschnittene Kalbsleber, die Brötchenmasse, das Ei und die abgeschmälzten Zwiebeln mit den Kräutern gut mischen. Alles mit Salz und Pfeffer würzen und alles zusammen durch die feine Scheibe des Fleischwolfs drehen.
Dann sollte der Teig ruhen. Er dickt jetzt etwas an. Ist die Masse zu weich, mit Semmelbrösel nachdicken.
Was ist die grobe Auslese? Wenn ich aus altem Brot oder harten Brötchen Paniermehl mache, siebe ich es aus. Es gibt einen erklecklichen Anteil grober Teile, die ich zum Beispiel hier zum Andicken nehme.
Die Knödel dann in der heißen Fleischbrühe ca. eine halbe Stunde gar ziehen lassen.

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Das Backofenrisotto der Frau Zii – Risotto al forno mit Wirsing und Möhren

„Es funktioniert! Risotto geht auch im Backofen! Nach Jahren emsigen Rührens habe ich mich an einem Ofenrisotto versucht und bin überrascht, denn ich habe wahrlich schon schlechtere gegessen. Die Konsistenz des Risottos ist einwandfrei, schön sämig, ganz ohne Rühren und ab sofort sicher öfter so.“

So las ich gestern im Blog der Frau Zii aus Wien. Eine gute Idee – ein Risotto al forno kocht für sich alleine im Backofen. Ich kannte es mit diversen Pilzen und anderem, nur Kürbis ist nicht unbedingt mein Gemüse. So nahm ich Wirsing, Möhren und Zwiebeln.
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Diese röstete ich in Butterfett ab, gab den Risottoreis dazu und würzte mit Salz und Pfeffer. Dann habe ich alles mit einer kräftigen Rindsbrühe aufgegossen und ab damit in den Backofen. Vorher habe ich einige Cipolatta unter Gemüse und Reis geschoben, damit sie in der Brühe garziehen und ihren Geschmack mit an das Risotto abgeben. Bei 180° C war bald die Flüssigkeit verbraucht und der Reis hatte noch etwas viel Biss – nochmals von der Rindsbrühe nachgegossen (Ich nahm keinen Wein, weil mir nicht danach war. Wäre aber auszuprobieren.) Nach insgesamt 45 Minuten Garzeit war das Risotto fertig.
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Ja – und dann gab es noch einen Löffel Parmiggiano Reggiano dazu. Schmeckte gut!

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