Schnelles Essen – Gulasch und Teigwaren

Mein Sohn und ich sind heute an den Bodensee (Überlinger See) gefahren, um bei „unserem“ Apfelbauern, Äpfel für den Winter einzukaufen. Das hört sich weiter an, als es für uns ist. 15 Minuten durch eine herbstliche Landschaft und wir sind da. Vom Preis her lohnt sich es sich immer. Wieso kosten die gleichen Sorten hier im Supermarkt das dreifache? Na gut, der Zwischenhandel will ja auch leben. Als wir heimkamen, war es gegen Mittag. Was koche ich auf die Schnelle. Die Frage stellt sich mir öfters – und sicher nicht nur mir.
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Im Kühlschrank lag noch ein Stück vom Rindfleisch, das ich für „Spanisch Fricco“ gebraucht hatte. Erst haben wir an Geschnetzeltes gedacht, aber dann kam der Geistesblitz: ein schnelles Gulasch kocht von alleine und dazu Teigwaren. Irgendwo sollten noch Makkaroni sein, waren aber nicht. Spaghetti oder Orcchietti standen zu Auswahl. Im Tiefkühler waren noch zwei fertige Portionen Rotkohl (irgendwann waren das Reste).
Das Fleisch habe ich nach Art eines Wiener Saftgulasch zubereitet: Gleiche Menge Zwiebeln wie Fleisch. Die Zwiebeln fein geschnitten und in heißem Butterschmalz anbraten, bis sie glasig sind. Paprizieren und sofort das Fleisch und ganz wenig heißes Wasser mit einem Spritzer Essig zugeben. Dann kommen die Fleischstückchen dazu, etwas Majoran, Kümmel, 1 EL Tomatenmark und eine Knoblauchzehe (durch die Presse). Und jetzt köchelt alles 75 Minuten vor sich hin, zieht den Saft aus den Zwiebeln und es ergibt eine herrliche Sauce. Salzen, Pfeffern – fertig!
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Die Orchietti waren aus der Tüte und der Rotkohl schmeckte aufgewärmt ausgezeichnet.

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Spanisch Fricco

le-creusetIch habe einen alte Le Creuset Topf. Er ist schwer, hat schon manche Macke und war ehemals leuchtend orange. In den Sommermonaten fristet er versteckt, in der hintersten Ecke des Topfschranks sein Dasein. Ja, wenn es Sonnenschein hat, die Abende lau sind und die Grillkohle glüht, gibt es für ihn selten eine Verwendung.
Aber jetzt ist es kalt und schon früh am Tag, wenn man heimwärts geht, ist alles in dämmeriges Dunkel gehüllt. Und statt nach vielfältigen Salaten und gegrillten Fisch- und Fleischstückchen an lauen Sommerabenden, verlange ich nach etwas Reichhaltigerem, etwas Schwerem, Wärmenden. Da findet nun mein Gusseisentopf wieder Verwendung. Ich ziehe ihn hervor, reinige ihn und freue mich zum Beispiel auf ein Ragout aus Ochsenschwanz oder Rindfleisch und mit Wurzelgemüsen, mit Zwiebeln und als aromatischen Gruß aus des Spätsommers getrocknete Steinpilze dazu. Ein Rindfleisch-Eintopf, der so langsam kocht, dass das Fleisch fast zerfällt, so weich wird, das man es mit einem Löffel teilen könnte. Das ist dann ein Essen, das nicht nur den Körper, sondern auch die Seele wärmt. Ein wenig Chili wirkt dabei Wunder und gibt auch Wärme. Ich verwende dann gerne die verführerisch rauchigen Chipotles (getrocknete, geräucherte Jalapenos), die ich erst einweiche und dann klein geschnitten mit zum Fleisch gebe. Die Schärfe ist dann eher subtil und majestätisch, anstatt Mund mörderisch zu brennen.
Was für großartige Pastasaucen habe ich in diesem Topf zubereitet. Entweder ein Ragú alla Bolognese – ich bereite es aus gemischtem Rind-und Schweinefleisch zu, beides durch die grobe Scheibe vom Fleischwolf gedreht. Dazu etwas Hühnerleber und mit einem nicht allzu leichtem Rotwein angereichert Das muss dann für Stunden köcheln. Es gibt ein anderes Gericht, dass ich lieben gerne in diesem Topf zubereitete: Bucatini all’amatriciana. Dazu braucht man Guanciale, das ist eine geräucherte Schweinebacke aus dem Latium, die ebenfalls durch die grobe Scheibe des Fleischwolfs gedreht, zusammen mit Zwiebeln gebraten wird. Dann gibt man Wein, Tomaten, Chili und Rosmarin hinzu und lässt es kochen, bis es eine dicke, duftende Pastesauce ergibt.
Ich könnte weiter und weiter aufzählen. Bouef en Daube, Cassoulet, Rindfleisch und Bier-Eintopf, Pot-au-feu und Spanisch Fricco. Spanisch Fricco habe ich schon lange nicht mehr zubereitet und gestern las ich davon bei der Kochpoetin, wo Fräulein My die Küche regiert. Sie fand das Rezept im elektrische Kochbuch von 1951. Und wie sie schreibt, möchte Herr H. es aus unerfindlichen nostalgischen Gründen unbedingt nachkochen. Ich habe schon lange Zeit eine tiefe Sympathie für Herrn H. empfunden – (ebenso wie für Monsieur von „Bonjour Alsace). Nun will ich wieder einmal Spanisch Fricco zubereiten. Ein seltsamer Name für ein typisch westfälisches Gericht, und dafür gibt es gleich zwei einleuchtende Erklärungen.
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Spanisch Fricco
Die Niederlande gehörten lange Zeit zu Spanien – und irgendwie lagen sie ja direkt ums Eck. Als ich Kind war, gab es noch die berühmt berüchtigten Butterfahrten in die Niederlande und später fuhren wir dann dorthin, weil es wegen der niederländischen Kolonien so phantastische exotische Gewürze gab, die man bei uns noch nicht kannte. So werden auch meine Vorfahren die Grenze des Öfteren passiert haben und bei solch einem vielfältigen Austausch kann ein Gericht ähnlicher Zusammensetzung über die Grenze gekommen sein. Fricco weist auf Frikassee hin und die Zutaten – na die sind bodenständig. Einen zweiten Bezug zu Spanien war die Hofhaltung des Königs Jérôme Bonaparte . Der französischen Kaiser Napoleon Bonaparte hatte nach dem Frieden von Tilsit das Königreich Westphalen für seinen Bruder Jérôme geschaffen. Er war beliebt und wurde als König Lustig bekannt, was vor allem seinen Regierungsstil beschrieb. Er pflegte eine spanische Hofführung, feierte ausgefallene Feste, verspielte schon mal das ein oder andere, was dem großen Napoleon natürlich nicht gefiel. Jérômes Deutschkenntnisse beschränkten sich wohl auf die Sätze: „Morgen wieder lustig!“ und „lustik, lustik demain encore lustik.“ Daher sein Name – aber das Rätsel um den Namen Spanisch Fricco wird sicher nie genau geklärt werden. Aber bei einem Gericht kommt es ja nicht unbedingt auf den Namen an.
Das Rezept stammt aus dem Kochbüchlein meiner Urgroßmutter.

Zutaten
300 g mageres Rindfleisch
300 g Schweinefleisch, ebenfalls mager
Schweineschmalz zum Anbraten (ich habe Butterfett verwendet)
Salz, Pfeffer, Paprika
Fleischbrühe
Butter für die Form
600 g Zwiebeln
750 g Kartoffeln (mehlig kochende Sorten)
2 Lorbeerblätter
3 Gewürznelken
1/4 l saure Sahne

Zubereitung
Das Fleisch in sehr dünne Scheiben schneiden und im heißen Butterfett kräftig anbraten, mit Salz, Pfeffer und Paprika würzen. Dann die Brühe angießen und das Fleisch halbgar schmoren lassen.
Die Kartoffeln und Zwiebeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Alles zusammen abwechselnd in eine Form schichten. Ich belasse es dabei beim Schmortopf. Lorbeer und Nelken zugeben und mit Brühe begießen, bis es bedeckt ist. Im Backofen bei 180° C für ca. 20 Minuten garen, dann die saure Sahne und Butterflöckchen obenauf geben und für weitere 20 Minuten in den Ofen.
Serviert wird es mit Endiviensalat mit einem Essig-Öl-Dressing und feingeschnittenen Zwiebelchen.
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Pusteblumen am frühen Morgen – der letzte Sommergruß in den Wiesen

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Bergmannssonne – Funšterc ali knapovsko sonc

Vor wenigen Tagen blätterte ich in einem Prospekt des slowenischen Fremdenverkehrsamtes.
slowenien
Die Küche Sloweniens interessiert mich, weil meine liebste Freundin von dort her kommt. Wir haben schon oft festgestellt, dass sich viele Speisen gleichen. Sicherlich auch deswegen, weil sie aus einer Bergbauregion kommt und ich die Küche des Ruhrgebiets kenne. Da gab es ein Gericht, das hieß „Bergmannssonne“ (Funšterc ali knapovsko sonce) – ein knusprig gebratener Eierpfannkuchen. Ich rief sofort Marija an und sie bestätigte mir das Gericht; ferner erfuhr ich, dass es mit Blattsalaten gegessen wurde – oder immer noch so gegessen wird.
bergmannssonne
Wie sich doch die regionalen Küchen oft gleichen? Nun, Eierpfannkuchen – bei uns in Westfalen auch manchesmal Mehlpfannkuchen genannt, gab es in meiner Kindheit regelmäßig (und vor allem auch während des Studiums). Meist gab es Salat aus Wachsböhnchen dazu. Die hatten wir das ganze Jahr, denn sie wurden speziell für Bohnensalat eingemacht.

Mir gefällt dazu ein Gedicht von Wilhelm Busch. Wer das Rezept möchte, lese die Verse und koche nach.

Von Fruchtomletts da mag berichten
Ein Dichter aus den höhern Schichten.

Wir aber, ohne Neid nach oben,
Mit bürgerlicher Zunge loben
Uns Pfannekuchen und Salat.

Wie unsre Liese delikat
So etwas backt und zubereitet,
Sei hier in Worten angedeutet.

Drei Eier, frisch und ohne Fehl,
Und Milch und einen Löffel Mehl,
Die quirlt sie fleißig durcheinand
Zu einem innigen Verband.

Sodann, wenn Tränen auch ein Übel,
Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel
Mit Öl und Salz zu einer Brühe,
Daß der Salat sie an sich ziehe.

Um diesen ferner herzustellen,
Hat sie Kartoffeln abzupellen.
Da heißt es, fix die Finger brauchen,
Den Mund zu spitzen und zu hauchen,
Denn heiß geschnitten nur allein
Kann der Salat geschmeidig sein.

Hierauf so geht es wieder heiter
Mit unserem Pfannekuchen weiter.

Nachdem das Feuer leicht geschürt,
Die Pfanne sorgsam auspoliert,
Der Würfelspeck hineingeschüttelt,
So daß es lustig brät und brittelt,
Pisch, kommt darüber mit Gezisch
Das ersterwähnte Kunstgemisch.

Nun zeigt besonders und apart
Sich Lieschens Geistesgegenwart,
Denn nur zu bald, wie allbekannt,
Ist solch ein Kuchen angebrannt.

Sie prickelt ihn, sie stochert ihn.
Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn
Und lüftet ihn, bis augenscheinlich
Die Unterseite eben bräunlich,
Die umgekehrt geschickt und prompt
Jetzt ihrerseits nach oben kommt.

Geduld, es währt nur noch ein bissel,
Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel.

Doch späterhin die Einverleibung,
Wie die zu Mund und Herzen spricht,
Das spottet jeglicher Beschreibung,
Und darum endet das Gedicht.

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