Grünkohl italienisch / amerikanisch

Das Gemüse der Saison in New York ist Grünkohl. Niemand weiß genau, wie dieses grüne Blatt die Stadt erobert hat, aber er ist in den meisten Spitzenküchen present. Nigel Slater, der Koch und Autor sagt, das es sich als Lebensmittel der Armen zu höchster Aktualität und Modernität aufschwang.“
Während bei uns neben den traditionellen Sorten Vitessa, halbhoher grüner Krauser, Lerchenzunge, Ostfriesische Palme und auch Redbor angeboten werden, gibt es in den USA noch weitere Kreuzungen. Da wäre zum Beispiel der hübsch aussehende Regenbogen Lacinato, eine Kreuzung zwischen der italienischen Sorte cavolo nero und dem widerstandsfähigen, mehr frostbeständig Redbor.

aus dem "New Yorker Magazine"

aus dem „New Yorker Magazine“


Nun sind die Amerikaner nicht so traditionsbehaftet, wie wir Norddeutschen, und dadurch auch experimentierfreudiger. So las ich im New York Magazine von einem Rezept von Scott Tacinelli.

Rahmgrünkohl mit Carbonara

Lerchenzunge

Lerchenzunge

Zutaten
2 1/2 Bund Regenbogen Lacinato Grünkohl (oder jede andere Sorte)
Salz
125 g Guanciale*, fein gewürfelt
125 g Butter
1 Schalotte, in Scheiben geschnitten
2 Knoblauchzehen, in Scheiben geschnitten
2 EL Mehl
1 Tasse Sahne
1/4 Tasse Crème fraîche
1 1/2 Tasse Hühnerbrühe
1/2 Tasse Parmigiano-Reggiano,
Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
4 Eigelb

* Man kann auch Pancetta nehmen.

Zubereitung
Mit einem Schälmesser, entfernen Sie die dicken Rippen vom Grünkohl, so dass die seitlichen Blattteile möglichst ganz bleiben.
Einen großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen, den Grünkohl hineingeben und kochen, bis er weich ist. Danach die Blätter in einer Schüssel mit Eiswasser abkühlen. Die Blätter dann leicht ausdrücken und somit das überschüssige Wasser entfernen.
Den gewürfelten Guanciale in einer Pfanne bei mittlerer Hitze auslassen. Die Speckwürfel jetzt erst einmal herausnehmen und die in Scheiben geschnittene Schalotte und Knoblauch in das Fett geben. Anziehen lassen, bis die Schalotten glasig sind. Das Mehl dazugeben und rühren, bis es eine helle goldene Farbe angenommen hat. Nun geben wir nach und nach die Sahne, Crème fraîche und Hühnerbrühe dazu und bringen alles zum Köcheln. Jetzt wird noch der Käse mit einem Schneebesen eingearbeitet. Im Prinzip ist das eine Bechamelsauce.
Zuletzt den feingehackten Grünkohl und die Speckwürfelchen gut untermischen und mit Salz und Pfeffer würzen.
Zum Servieren drücken wir pro Person eine Vertiefung in den Grünkohl und dahinein kommt ein Eigelb, das mit etwas Parmiggiano Reggiano bestreut wird.

Zugegeben, wie schon einmal gesagt: wir Norddeutschen sind gerade bei Grünkohl traditionsbehaftet, aber es schmeckte vorzüglich!

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Zwiebelsuppe – ganz einfach

Vor vielen Jahren zogen die Nachtschwärmer in Paris in die Les Halles, als dort spät in der Nacht, ja eher in den frühesten Morgenstunden, auf dem längst vergangenen Pariser Zentralmarkt die beste aller Zwiebelsuppen verkauft wurde. Denn eine Zwiebelsuppe ist in Frankreich ein bewährtes Heilmittel nach einer durchfeierten Nacht. Heute ist es schwer, eine richtige soupe à l’oignon in Paris zu finden. Was überall als Touristen-Menü angeboten wird hat nichts mehr mit dem Original zu tun. Es ist eine glanzlose Zwiebelsuppe gratinée, die brodelnd mit klebrigem Käse serviert wird. Nun will ich nicht behaupten, dass das folgende Rezept das allein seligmachende ist. Zum Beispiel wird die Zwiebelsuppe in der Umgebung von Lyon viel dicker zubereitet, im Ofen gratiniert und durch ein Loch, welches man in die Kruste drückt, gibt man vor dem Servieren Portwein vermischt mit Eigelb hinein. Doch diese Suppe werde ich ein anderes mal vorstellen. Heute habe ich eine einfache Zwiebelsuppe gekocht.
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Es ist recht einfach, eine hervorragende Zwiebelsuppe zuzubereiten. Und man braucht auch vorher keine durchfeierte Nacht, um sie genießen zu können, denn sie ist auch ein ausgezeichnetes Gegenmittel bei stürmischen, kaltem Wetter.
Die Suppe kann man aus fast „Nichts“ kochen. Die Zutaten hat man eigentlich immer im Haus. Ihre drei Hauptbestandteile sind Zwiebeln, Salz und Pfeffer. Trotzdem erfordert es eine gewisse Finesse, sie zuzubereiten.
Das Rezept, welches ich nachkoche, stammt von Jaques Pépin. Seine Anleitung: Nimm eine Pfanne, diese nicht überladen oder die Zwiebeln werden nicht braun. Die Hitze hoch halten, aber nicht zu hoch, so dass die Zwiebeln nicht zu schnell zu braten und dann verbrennen. Großzügig mit Salz und Pfeffer würzen. Lorbeerblatt und Thymian sind wichtig, alles andere ist verhandelbar. Ein kleiner roter Wein ist nett, ein Spritzer Cognac könnte nicht schaden.
Die sorgfältig karamellisierten Zwiebeln sind nun bereit für die Suppe. Rinderbrühe oder Hühnerbrühe? Nein, sagte Pépin. Zu extravagant. Dies ist ein einfaches Bauerngericht. Machen Sie es mit „Château Chirac“, normalem Leitungswasser! Die Suppe war wirklich unglaublich gut gewürzt.
Für die Einlage wird das Brot vorgeröstet, mit geraffeltem Käse (ich bevorzuge Comté) und wenig kleingeschnittenem Salbei belegt und gratiniert.
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Entrecôte mit Beurre à la Bercy nach Tante Mélanie

Kurz nach dem Studium bin ich in die Schweiz gezogen und lebte einige Jahre in Basel. In einer Buchhandlung fand ich damals Bücher des mir vollkommen unbekannten Journalisten und Feuilletonisten Manuel Gasser. Es waren die Bücher: „Die Küche meiner Tante Melanie“ und „Manuel Gassers Köchelverzeichnis“. Beide Werke begleiteten mich nun ca. 40 Jahre, und immer wieder habe ich darin gelesen. Leider gab es von dem Buch „Die Küche der Tante Melanie“ nie eine zweite Auflage und mein Exemplar ist inzwischen sehr zerlesen. Dankenswerter weise hat der IT Verlag das „Köchelverzeichnis“ in den 90ziger Jahren noch einmal aufgelegt.
gasser
Da erste Buch beginnt so schön: „Meine Tante Mélanie stammte aus Bourg-en-Bresse im französischen Departement Ain. Onkel Alphons hatte sie während seines Pariser Jahres, das er als junge Ingenier absolvierte, kennengelernt und heimgeführt. Das Paar ließ sich in L. einem kleinen Dorf des Berner Mittellandes nieder. … Niemand jedoch machte ihr den Titel der besten Köchin in der ganzen Sippe streitig.
Dabei entsprach Mèlanies Äußeres keineswegs dem, was man sich unter einer Musterköchin vorstellte. Sie war weder rundlich noch von sanguistischer Wesensart. … Ihre Urteile waren apodiktisch und besonders in Küchendingen duldete sie keinen Widerspruch.
Eines ihrer Axiome lautete: San jus de viande, il n’est de bonne cuisine! Was besagen wollte: Es gibt keine gute Küche ohne selbstgemachten Fleischextrakt.“
Und dann folgen die Rezepte und Anwendungsbeispiele. Es werden jene Kochzutaten beschrieben, die eigentlich in jede gute Küche gehören als da wären: lardons, liaison au beurre manié, roux, blanc usf.
Im Kapitel über Rindfleisch wird beschrieben, wie die Tante Mélanie Entrecôtes briet. Zu Erinnerung: Das Entrecôte (entre „zwischen“, côte „Rippe“) ist ein Steak aus dem Zwischenrippenstück oder der Hochrippe.
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Ab hier zitiere ich:
„Aber wie bei allen Entrecôte-Varianten geht es auch hier nicht um die Zubereitung des Fleisches, sondern lediglich um eine Zugabe, in diesem Falle um das Entrecôte krönende Stück Beurre à la Bercy. Dazu benötigt man eine kleine, hocharomatische Zwiebelart, die auf französisch échalote und auf Deutsch Schalotte heißt. Für vier Personen nimmt man davon einen gestrichenen Esslöffel voll in ganz fein gehacktem Zustand. Das zweite Hauptindigrienz besteht aus 50 g Rindermark. Das Mark wird mit einem spitzen Messer aus dem Knochen gelöst und in kleine Würfelchen geschnitten. Diese kocht man in leicht gesalzenem Wasser auf kleinem Feuer ab. In einem Saucen-Pfännchen werden die zerkleinerten Schalotten mit einem Glas Weißwein solange gekocht, bis die Hälfte der Flüssgkeit eingedampft ist. Dann wird das abgetropfte, noch heiße Rindermark beigefügt, sowie ein Kaffeelöffelchen feingehackter Petersilie, eine Prise Salz, eine Prise weißer Pfeffer, der Saft eines Zitronenviertels und 100 g geschmeidig gemachte Butter, in Frankreich beurre en pommade genannt. Alles wird gut verrührt und ins Wasserbad gestellt, bis die Entrecôtes tischfertig sind. Dann gibt man auf jedes Fleischstück ein Viertel der noch heißen Buttermasse.

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