Altwiener Backfleisch mit Kartoffel-Rahmgurkensalat

Ich wusste, dass die Wiener Rindfleischküche sehr vielfältig ist und stellte dann fest, dass es ein traditionelles Gericht gibt, das ich noch nie bemerkte: Das Altwiener Backfleisch.

Die Wiener Rindfleischküche hat eine bis ins Mittelalter reichende Tradition. Das Rind war Hauptlieferant für die Fleischversorgung der Kaiserstadt. Nach der Verbreitung der Kartoffeln konnte man auch Schweine leichter füttern und beam dadurch aber keine echte Konkurrenz. Rinder wurde auch aus weiter entfernten Ländern herangetrieben. Unter dem Namen „ungarische, galizische und deutsche Mast-, Weide- und Bauernochsen“ wurden alle in der ganzen Monarchie vorkommenden Rinderrassen auf dem Wiener Markt des 19. Jahrhunderts aufgetrieben. Das Fleisch der Ochsen der Puszta-Weiden besaß jene Zartheit, Saftigkeit und Würze, die das gesottene Rindfleisch in Wien erst zu dieser begehrten Spezialität gemacht hat.

Die Fleischversorgung Wiens wurde im 19. Jahrhundert auf dem Viehmarkt St. Marx zentralisiert, der nach der Marktordnung von 1883 ausschließlich für den Verkauf des zur Schlachtung bestimmten lebenden Viehs sowohl für Wien als auch für viele umliegende Gemeinden zuständig war.

Das Zerlegen des Rindes nach „Wiener Art“ gilt als wahre Kunst; nirgendwo sonst kannte jeder die Unterschiede der Rindfleischspezialitäten wie Tafelspitz, Tafeldeckel, Rieddeckel, Beinfleisch, Gestutzte Rippe, Kavalierspitz, Hüferschwanzel, Schulterschwanzel, Schulterscherzel, Mageres Meisl, Brustfleisch usw.

Ursprünglich wurde das Altwiener Backfleisch aus Scheiben von gekochtem Rindfleisch, als da wären zum Beispiel der Tafelspitz oder das Schulterscherzl, zubereitet. Wenn man so will, war es eine Art Resteverwertung. Das kalte, ge­kochte Siede­fleisch wurde in etwa 1-2cm dicke Scheiben ge­schnitten, ge­würzt, paniert & in heißem Öl heraus­gebacken. Ein verwandtes Gericht ist das „Berliner Schnitzel“, das aus Kuheuter bereitet wird: kochen, erkalten lassen, panieren und backen.

Heute gibt es das Altwiener Backfleisch auch von diversen anderen Cuts vom gut abgehangenen oder auch vorgebratenen Fleisch. Aus frischem Rindfleisch kann man das Altwiener Backfleisch z.B. von der Beiried oder vom Rinderfilet (beides dünn geschnitten) zubereiten.

Zutaten:
2 Scheiben Entrecote je 160 g
60 g Dijon Senf
60 g gerissener Meerrettich
Salz und Pfeffer
Eier
Mehl
Semmelbrösel

1 Gurke
2 Kartoffeln festkochend
200 g Sauerrahm
Saft einer Zitrone
eventuell etwas Essig
35 ml Essig
1 EL grobes und 1 Prise feines Salz
Dillspitzen

Zubereitung:
Zuerst bereiten wir den Kartoffel-Rahmgurkensalat. Dafür werden die Kartoffeln gekocht.

Beim Einkauf sollte man darauf achten, dass die Gurke nicht zu lang ist und eine schöne dunkelgrüne Farbe hat. Optimal sind Freilandgurken, die auch gerne Landgurke genannt werden. Das ist aber Unsinn, denn die anderen Schlangengurken wurden nicht in der Großstadt angebaut, sondern sind nur das Freiland-Gegenstück aus dem Gewächshaus. Es ist ein Irrtum, dass Gurken fast geschmacksfrei sind. Aber, je mehr Wasser darin ist, umso weniger Eigengeschmack ist vorhanden. Die Gurke schälen, denn in der Schale sind Bitterstoffe, die wir nicht haben möchten, und danach in dünne Scheiben schneiden. Mit grobem Salz bestreuen, damit etwas vom Wasser aus den Gurken herausgezogen wird. Nach 15 Minuten die Scheiben abspülen und vorsichtig etwas auspressen. Mit Sauerrahm mit Zitronensaft vermengen. Probieren, ob es noch ein wenig mehr Saft oder auch Salz braucht. Eventuell noch etwas nachsalzen. In der Regel reichen die Salzreste vom Spülen. Die Kartoffeln abpellen und abkühlen lassen, dann in Scheiben schneiden.

Alles zusammengeben und gegebenenfalls noch einmal mit Salz und einer paar Tropfen Essig abschmecken. Zuletzt die Spitzen vom Dill unterheben.

Entrecote mit einem Fleischklopfer dünn ausklopfen. Eine Seite mit Senf einstreichen und die andere mit Meerrettich, Salz und Pfeffer würzen. Anschließend zuerst in Mehl, dann im Ei und zuletzt in den Semmelbröseln panieren.

Eine Pfanne mit Butterschmalz (oder Schweineschmalz) erhitzen. Das Fett hat die richtige Temperatur, wenn kleine Blasen aufsteigen. Am besten mit der Spitze eines Holzspieß testen. Die panierten Fleischscheiben beidseitig im Fett herausbacken und auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Mit dem Kartoffel-Rahmgurkensalat servieren.

Leser aus Österreich mögen mir verzeihen, dass ich deutsche Ausdrücke verwende.

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Böhmische Knoblauchsuppe – česneková polévka

Vor einiger Zeit erwähnte ich die böhmische Knoblauchsuppe im Beitrag „Wirtshausklassiker aus Tschechien“. Inzwischen ist sie fester Bestandteil meiner Küche. Das Rezept blieb ich damals schuldig:

(Foto aufgenommen im Gasthaus Ve Skále in der Brauerei in Chodova habe bei Marienbad)

Nun wollte es der Zufall, dass ich in den letzten Tagen wieder einmal einen Eberhofer Krimi gesehen habe. Franz Eberhofer wurde von München in die Provinz versetzt und ist im fiktiven Niederkaltenkirchen immer wieder Kriminalfällen ausgesetzt. Im »Guglhupfgeschwader« ermittelt Eberhofer gegen einen Kollegen in Hintertann, der dort Dienststellenleiter ist und sich mit krummen Geschäften etwas nebenbei verdient. Eberhofer sucht ihn auf, kommt in die Hintertann- Dienststelle, wo oben im Erdgeschoss alles in bester Ordnung ist. Aber unten, im Keller, zu dem sich Saloon-Türen öffnen, kommt gerade der der Dienststellenleiter schweißnass und glänzend und nur mit einem Tuch um die Hüften aus der Sauna, hält an seiner Tiki-Bar Hof und schenkt an seine Belegschaft reißende Fluten von Marillenschnaps aus. Die Polizisten tanzen Beatfox miteinander – oder mit der schönen Janička, einer »waschechten Tschechin«, wie man dem Eberhofer zuflüstert. In diese Idyll kommt dann der Höhepunkt des Abends:

»Manner!«, hebt Mike Kuglmayer an, »Manner! Jetzt moan i wird’s Zeit für anständige, herzzerreißende, g’schtinkerte…«  und in eine kleine Pause hinein brüllt die Belegschaft »KNOBLAUCHSUPP’N!«

Die von Janička gekochte Suppe sei perfekt, wenn man »g’soff’n hat«, sagt der Kollege, der dem Franz Eberhofer die Suppenschale aushändigt. 

In Tschechien sagt man, dass eine Schale Moravská cesneková polévka das beste Mittel gegen einen Kater sei oder Vampire in die Flucht zu schlagen kann, denn die Hauptzutat ist Knoblauch, auch in großer Menge. In den feinen und auch weniger feinen Restaurants in Marienbad findet man sie nicht auf der Karte. Da muss man schon etwas abseits ein Dorfgasthaus aufsuchen oder in den nahen Brauereikeller der Chodova Brauerei einkehren. Hier wird die Česnečka, wie sie allgemein kurz heißt, serviert.

Die Knoblauchsuppe ist übrigens eine der ältesten Suppen, die in Böhmen gekocht wurden und man kann sie nicht nur als Vorspeise reichen, sondern auch als selbstständige Mahlzeit zum Beispiel mit Brot als Abendessen auf den Tisch bringen. Denn eine tschechische Knoblauchsuppe ist nicht eine leichte Brühe, sondern sehr deftig.

Das Rezept, welches folgt, habe ich im Blog „Culina Bohemica“ gefunden. Ich habe mich selber bei der Zubereitung genau an das Rezept von Petra Kupská gehalten. Wer die böhmische Küche kennenlernen möchte, dem sei ihr Blog empfohlen.

Zutaten:
Hühnerbrühe, Kartoffeln, Knoblauch, Lorbeerblätter, Majoran, Salz und Pfeffer,
2 – 3 Scheiben altbackenes Brot für die Croutons

Zubereitung:
Das Geheimnis einer leckeren Knoblauchsuppe liegt darin, dass die Zutaten zuerst angebraten müssen sein. Keine Angst vor Röstaromen!

Knoblauchzehen schälen und in dünne Scheibchen schneiden. Die Kartoffeln schälen und würfeln.

In einem Topf das Schmalz bei mittlerer Hitze zergehen lassen. Kartoffelwürfel dazu geben und schnell anbraten, bis sie von allen Seiten leicht goldbraun sind. Dabei häufig umrühren.

Die Knoblauchscheiben und Lorbeerblätter zugeben und 1 Minute (nicht länger!) anrösten.

Mit Hühnerbrühe aufgießen. Zum Kochen bringen, dann die Hitze reduzieren. Salz und Pfeffer zugeben. 15 bis 20 Minuten köcheln, bis die Kartoffeln weich sind. Lorbeerblätter aus der Suppe entfernen. Mit Majoran bestreuen, umrühren. Eventuell Salz nach Belieben zugeben.

Mit Brotcroutons servieren, die Knoblauchsuppe mit gehackten Petersilien- oder Majoranblättern garnieren.

(auch interessant: Cremige Knoblauchsuppe – Krémová česnečka)

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Eier in Senfsauce

Eier in Senf Sauce gehören zu den beliebtesten deutschen Küchenklassikern. Die Sauce ist eine Einbrenne, oder vornehmer ausgedrückt eine Bechamel. Sie basiert auf Mehl, Butter, Brühe, Milch und hoffentlich ein bisschen Sahne. Sie wird mit Lorbeer, Nelke, Muskat und Pfeffer gewürzt, was ihr insgesamt mehr Wumms verleihen soll. Feinschmecker wenden sich mit Grausen ab, aber sicher nicht zu Recht.

Das Mehl muss schwitzen, damit die Sauce den Mehlgeschmack verliert. Das ist eine der Küchenweisheiten, die nicht nur ein Körnchen Wahrheit enthält. Ferner sind die Zutaten wichtig (wie bei fast allen Gerichten), die nur vom Besten sein sollen. Margarine, eine schnelle Brühe aus dem Glas mit Suppenextrakt und in diesem Fall nur eine Sorte Senf gehen gar nicht.

Für die Senfsauce, in der später die Eier baden sollen, brauchen wir als Grundwürze besten Senf. Die Qualität vom Senf ist für Geschmack und Gelingen des Gerichts entscheidend. Da mehrere Senfsorten gemischt werden, kann man gut nach eigenem Geschmack experimentieren. Ich bevorzuge scharfen Senf aus Düsseldorf oder Dijon, dazu ein grober kräftiger, säuerlicher Senf mit ganzem Korn und ferner einen kleinen Löffel süßen Senf aus Bayern für eine feine süße Note. Das macht die Sauce rund. Guter Senf ist ein Muss.

Die Konsistenz der Bechamel darf nicht zu dünnflüssig sein. Eine alte Küchenregel besagt: »Wenn man die kalte Bechamel in Scheiben schneiden kann, dann ist sie richtig!« Es ergibt keinen Sinn, die Senfsauce elegant, fein und dünnflüssig zu machen. Dann haftet sie nicht am Ei, und das ist bei Senf-Eiern der halbe Spaß! In modernen Küchen soll es ja Senfsaucen geben, die luftig und leicht aufgeschlagen werden. Aber das trifft nicht meinen Geschmack. Auch die Farbe sollte stimmen; mit einer goldgelben Farbnuance verleitet sie das Auge. Dafür sorgt eine Prise Kurkuma. Doch Kurkuma allein ergibt eine neongelbe Sauce, darum geben wir eine Prise Paprikapulver hinzu. Für den Geschmack eine Prise Madras-Curry! Ganz wenig und die Sauce bekommt dadurch eine komplexe Tiefe! Und zum Schluss geben ein Löffelchen Kapernflüssigkeit oder Essiggurkenwasser aus dem Glas die nötige Säure. Angerichtet mit Kartoffeln unterschiedlicher Zubereitung oder Reis, garniert mit Kräutern können die einfachen Senf Eier zu einem Highlight werden.

EIER IN SENFSAUCE

3–4 Eier (Größe M) pro Person
einfacher Essig
200 ml Milch
250 ml kräftige Hühnerbrühe
250 ml Schlagsahne
1 Blatt Lorbeer
2 Nelken
Muskatnuss gerieben
½ TL Madras-Currypulver
½ TL Paprikapulver, edelsüß
½ TL Kurkuma
1 EL Senfsaat
30 g Mehl
50 g Butter in Würfeln
1 EL scharfer Senf Aus Düsseldorf oder Dijon
1 EL grober Senf
1–2 TL süßer Senf
1 EL Kapernflüssigkeit oder 1 EL Gewürzgurkenwasser
Salz
Zucker
Cayennepfeffer
½ Bund Schnittlauch
einige Zweige Kerbel oder glatte Petersilie

Zubereitung:
Eier anpicken und in Wasser mit etwas Essig ca. 8–12 Minuten kochen. Milch, Brühe und Sahne mit Currypulver, Paprikapulver, Kurkuma und Senfsaat in einen Topf geben und aufkochen. Das Mehl mit der Butter zu einer cremig-glatten Masse verkneten und stückchenweise unter die Sauce rühren, nochmals aufkochen und bei milder Hitze 3–4 Minuten unter Rühren leise köcheln lassen. Die Sauce mit Senf, Kapern- und/oder Essiggurkenwasser, Salz, einer Prise Zucker und Cayennepfeffer fein abschmecken.

Die Eier kalt abschrecken und pellen, in die Sauce geben. Schnittlauch in Röllchen schneiden und unterrühren. Mit gezupften Kräutern dekorieren und mit der Lieblingsbeilage servieren.

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