Eier in Senfsauce

Eier in Senf Sauce gehören zu den beliebtesten deutschen Küchenklassikern. Die Sauce ist eine Einbrenne, oder vornehmer ausgedrückt eine Bechamel. Sie basiert auf Mehl, Butter, Brühe, Milch und hoffentlich ein bisschen Sahne. Sie wird mit Lorbeer, Nelke, Muskat und Pfeffer gewürzt, was ihr insgesamt mehr Wumms verleihen soll. Feinschmecker wenden sich mit Grausen ab, aber sicher nicht zu Recht.

Das Mehl muss schwitzen, damit die Sauce den Mehlgeschmack verliert. Das ist eine der Küchenweisheiten, die nicht nur ein Körnchen Wahrheit enthält. Ferner sind die Zutaten wichtig (wie bei fast allen Gerichten), die nur vom Besten sein sollen. Margarine, eine schnelle Brühe aus dem Glas mit Suppenextrakt und in diesem Fall nur eine Sorte Senf gehen gar nicht.

Für die Senfsauce, in der später die Eier baden sollen, brauchen wir als Grundwürze besten Senf. Die Qualität vom Senf ist für Geschmack und Gelingen des Gerichts entscheidend. Da mehrere Senfsorten gemischt werden, kann man gut nach eigenem Geschmack experimentieren. Ich bevorzuge scharfen Senf aus Düsseldorf oder Dijon, dazu ein grober kräftiger, säuerlicher Senf mit ganzem Korn und ferner einen kleinen Löffel süßen Senf aus Bayern für eine feine süße Note. Das macht die Sauce rund. Guter Senf ist ein Muss.

Die Konsistenz der Bechamel darf nicht zu dünnflüssig sein. Eine alte Küchenregel besagt: »Wenn man die kalte Bechamel in Scheiben schneiden kann, dann ist sie richtig!« Es ergibt keinen Sinn, die Senfsauce elegant, fein und dünnflüssig zu machen. Dann haftet sie nicht am Ei, und das ist bei Senf-Eiern der halbe Spaß! In modernen Küchen soll es ja Senfsaucen geben, die luftig und leicht aufgeschlagen werden. Aber das trifft nicht meinen Geschmack. Auch die Farbe sollte stimmen; mit einer goldgelben Farbnuance verleitet sie das Auge. Dafür sorgt eine Prise Kurkuma. Doch Kurkuma allein ergibt eine neongelbe Sauce, darum geben wir eine Prise Paprikapulver hinzu. Für den Geschmack eine Prise Madras-Curry! Ganz wenig und die Sauce bekommt dadurch eine komplexe Tiefe! Und zum Schluss geben ein Löffelchen Kapernflüssigkeit oder Essiggurkenwasser aus dem Glas die nötige Säure. Angerichtet mit Kartoffeln unterschiedlicher Zubereitung oder Reis, garniert mit Kräutern können die einfachen Senf Eier zu einem Highlight werden.

EIER IN SENFSAUCE

3–4 Eier (Größe M) pro Person
einfacher Essig
200 ml Milch
250 ml kräftige Hühnerbrühe
250 ml Schlagsahne
1 Blatt Lorbeer
2 Nelken
Muskatnuss gerieben
½ TL Madras-Currypulver
½ TL Paprikapulver, edelsüß
½ TL Kurkuma
1 EL Senfsaat
30 g Mehl
50 g Butter in Würfeln
1 EL scharfer Senf Aus Düsseldorf oder Dijon
1 EL grober Senf
1–2 TL süßer Senf
1 EL Kapernflüssigkeit oder 1 EL Gewürzgurkenwasser
Salz
Zucker
Cayennepfeffer
½ Bund Schnittlauch
einige Zweige Kerbel oder glatte Petersilie

Zubereitung:
Eier anpicken und in Wasser mit etwas Essig ca. 8–12 Minuten kochen. Milch, Brühe und Sahne mit Currypulver, Paprikapulver, Kurkuma und Senfsaat in einen Topf geben und aufkochen. Das Mehl mit der Butter zu einer cremig-glatten Masse verkneten und stückchenweise unter die Sauce rühren, nochmals aufkochen und bei milder Hitze 3–4 Minuten unter Rühren leise köcheln lassen. Die Sauce mit Senf, Kapern- und/oder Essiggurkenwasser, Salz, einer Prise Zucker und Cayennepfeffer fein abschmecken.

Die Eier kalt abschrecken und pellen, in die Sauce geben. Schnittlauch in Röllchen schneiden und unterrühren. Mit gezupften Kräutern dekorieren und mit der Lieblingsbeilage servieren.

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Pakora

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und man schaut, dass man all die Dinge noch erledigt, die liegen geblieben sind, um frei von alten Lasten ins Neue Jahr starten zu können.

Das gilt auch für meinen Kühlschrank, wo sich über die Weihnachtstage so Allerlei angesammelt hatte. Es war nichts Halbes und nichts Ganzes vorrätig und es sollte möglichst alles verwendet werden. Dafür eignet sich ein Pakora hervorragend. Die Obst- und Gemüseschale wurde endlich einmal gänzlich geleert.

Pakora gehört zu den beliebten Snacks der nordindischen Küche und ist ideal, wenn auch Veganer mit am Tisch sitzen.

Zutaten:
Wirsing, Möhren, Zwiebeln, Ingwer, Auberginen, Zucchini, Limetten und Spinatblätter
Kichererbsen Mehl
Wasser
Öl
Garam Masala
Madras Curry

Zubereitung:
Das Gemüse (die Menge richtet sich nach dem, was man gerade hat) wird in feine Streifen geschnitten, die Möhren und der Ingwer geraffelt, die Limone in Segmente geteilt und mit der zerkleinerten Schale, Garam Masala,  Madras Curry, Kichererbsen Mehl und Wasser nach Gefühl zu geben. Es soll ein fester Brei entstehen, der das Gemüse aneinanderbindet.

Das Ganze etwas ruhen lassen und dann gut durchkneten. Kleine Bällchen formen und entweder im vorgeheizten Backofen bei 130° C auf eingeöltem Backpapier oder in der Fritteuse ausbacken.

Dazu gab es Reste vom Mango Chutney und Ajvar, das sehr gut passte.

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Frikadellen mit kurz geschmortem Wirsing

Bis Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts gab es im Ruhrgebiet viele kleine Gaststätten nahe den Arbeitersiedlungen. Die Zechen, in denen Kohle gefördert wurde, lagen nicht weit entfernt. Hier wurde rund um die Uhr in drei Schichten gearbeitet. Genauso war es auch in den Stahlwerken, denn die Hochöfen, in denen der Stahl geschmolzen wurde, durften nie erlöschen.

Das Schichtende wurde von einer Sirene angezeigt und kurz darauf strömten etliche Männer in ihre Stammkneipe, um den Geschmack aus dem Mund herauszubekommen, um ein oder zwei schnelle Glas Bier zu trinken. Tagsüber saßen hier die Rentner und spielten Skat oder erzählten sich gegenseitig, wie schwer die Arbeit unter Tage zu ihrer Zeit war.

So ein Wirt hatte sein Auskommen mit Bier und einem Kurzen dazu. Speisen wurden selten angeboten. Und doch gab es etwas gegen den Hunger. Geschützt hinter der Tür eines Glasschränkchens, liebevoll „Tabernakel“ genannt, befand sich die Heilige Dreifaltigkeit der Revierwirte: „Kleinigkeiten“ die gut zum Bier und Schnaps passten. Mettendchen, nicht zu weich, Soleier und Frikadellen. Die Frikadellen wurden kalt gegessen, Senf gab es dazu. Meist waren sie flach, so dass man sie gut mit den Fingern halten und essen konnte. Frikadellen kann man auch gut während einer Skatpartie essen. In der Regel spielten die Alten um einen Viertel Pfennig, seltener einen Bierlachs.

Frikadellen wurden aber nicht nur in den Gaststätten gegessen. Sie waren eine beliebte Delikatesse im wöchentlichen Speiseplan der Familien. Dann wurden sie zu Kartoffel-Möhren-Stampf oder zu Schlodderkappes gebraten. Wenn das Geld knapp war, konnte man sie gut mit Brot strecken. Wer aber denkt, dass die eingeweichten alten Brötchen diesen Zweck hatten, irrt. Das eingeweichte Brot hat die Aufgabe, die Frikadelle geschmeidig zu machen. Beißt man hinein, spürt man die festen Fleischstückchen, aber die Cremigkeit im Mund entsteht durch die Beigabe von eingeweichten Brötchen.

Frikadellen haben nichts mit den Patties gemein, die heute in Burgern stecken. Frikadellen können kleine Kunstwerke sein, die aus unterschiedlichsten Zutaten entstehen. Ich selbst nehme schon lange keine eingeweichten Brötchen mehr, sondern ein Stück frisches türkisches Fladenbrot oder ein Stück vom bosnisches Lepinja. Das Brot wird zerzupft und in Sahne eingeweicht. Zwiebeln in Öl angedünstet, bis sie glasig sind, fein zerkleinerter Knoblauch, Petersilie und manchmal gehackte Kürbiskerne kommen zum Fleisch. Das Fleisch sollte aus halb und halb Schwein und Rind bestehen, nicht zu fett, aber auch nicht zu mager. Für die Bindung kommt ein Ei hinein und alles wird kräftig mit der Hand zu einem gleichmäßigen Teig gemischt. Vor dem Mischen kommen Salz und Pfeffer dazu, eventuell auch ein Strich Muskat. Die Mengenangaben richten sich einzig und allein nach dem persönlichen Geschmack. Nur eines steht fest: Für 4 Frikadellen brauche ich 250 g gemischtes Hackfleisch. Gebraten wird die Frikadelle in Butterschmalz oder Öl.

Man könnte weniger zubereiten. Eine 28 cm Pfanne fasst aber gut 4 Frikadellen. Und damit kommen wir zur Pfanne. Schwer sollte sie sein, möglichst aus Stahl oder Eisen. Das gibt einen guten Bodensatz, den man weiterverwenden kann. In anderen Pfannen kommen die Röstaromen nicht so gut heraus. Wer jetzt aber sagt, vier Frikadellen sind für mich zu viel, der weiß nicht, was es für ein Glücksgefühl ist, wenn man ein oder zwei auf Vorrat im Kühlschrank hat und in der Nacht kurz nachschaut, ob sie auch wohl behütet sind.

Zu meinen Frikadellen heute, habe ich Wirsinggemüse zubereitet. Den Wirsing in 1 cm breite Streifen schneiden. Ich nehme die Frikadellen aus der Pfanne, stelle sie warm und in die heiße Pfanne gebe ich die noch tropfnassen Wirsingstreifen. Das Wasser verdampft und gart das Gemüse vor, das nach und nach im Bratenfett zu schmoren beginnt. Man muss ständig rühren und schaben, mit Salz und Pfeffer würzen. Ich nehme auch etwas Kümmel dazu. Was jetzt kommt, ist sicher nicht jedermanns Sache. Ich bestäube den Wirsing mit einem gestrichenen Teelöffel Mehl. Nicht mehr als einen gestrichenen Teelöffel. Der Bodensatz wird wieder fest und ich löse ihn mit zwei Esslöffel Sahne. Gut rühren, abschmecken. Inzwischen sind auch die Salzkartoffeln gar. Ideal sind mehlig kochende Kartoffeln. Wenn es sie gibt, bevorzuge ich Ackersegen.

So, jetzt kann man den Wirsing mit den Kartoffeln und den Frikadellen servieren.

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