Ölsardinen

„Wie Ölsardinen in der Dose“ – so heißt es, wenn man dicht an dicht gedrängt in der Bahn steht. Genauso sieht es auch in diesen kleinen Dosen aus, in denen Ölsardinen zur letzten Ölung gebettet werden. Ölsardinen, das kling nach billigem Essen, Ölsardinen sind höchstens eine Notration, aber Ölsardinen sind nichts für Feinschmecker. Ich kenne Mitmenschen, die darauf schwören Ölsardinen vor einem Trinkgelage zu essen. Angeblich sollen sie den Magen stabilisieren. Stopp – das alles trifft wahrscheinlich auf die Billigfischlein zu, die für unter einem Euro beim Discounter zu haben sind.

Umso erstaunter war ich, als ich vor einiger Zeit auf der Menükarte des Restaurants Comptoir 17 in Darmstadt Ölsardinen von „La Belle Iloise“ in der Gangfolge fand. Ich muss eingestehen, dass ich etwas verwirrt war. Ich hatte in den letzten Jahrzehnten nie im Geschäft zu einer dieser kleinen Fischkonserven gegriffen habe. Ich hatte sie auch nie so recht gemocht. Sollte sich etwas geändert haben?

Erst der Besuch beim Händler meines Vertrauens für portugiesische und spanische Lebensmittel ließ mich erstaunen, als ich dort mehr als 20 Sorten konservierte Sardinen fand. In allen Farben, graphisch aufbereitet, leuchteten mir die Döschen entgegen. Dann offenbarte die Suche im Internet eine neue Sardinen-Welten. Ich fand „Jahrgangssardinen“ und weniger exklusive, aber trotzdem hervorragende Sardinen in feinstem Olivenölen oder auch anderen Ölen und eingelegt in unterschiedlichste Marinaden und Zutaten.

Bei dieser Suche stieß ich auch auf namhafte Köche, die Fischkonserven verwenden: „José Pizarro hat immer ein paar Sardinen zur Hand: „Holen Sie sich Sardinillas, die Kleinen, sie sind die Besten.“ Der Koch und Gastronom zerkleinert und verwendet sie zusammen mit gekochten Eiern und Kapern, um Empanadas zu füllen. Alternativ verarbeitet er seine Sardinen in einem Sandwich nach Reuben-Art: „Mischen Sie Crème fraîche, englischen Senf und einen Schuss Worcestershire-Sauce, verteilen Sie es auf Roggenbrot [außen mit Butter bestrichen], legen Sie die Sardinen darauf und fügen Sie schwarzen Pfeffer hinzu, rote Zwiebeln, geschnittene Dillgurke, Kapern, Sauerkraut und Emmentaler Käse.“ Mit einer weiteren, außen mit Butter bestrichenen Roggenscheibe belegen und knusprig braten“. (Guardian UK 18.01.2022)

Inzwischen liebe ich diese portugiesischen und französischen Fischkonserven. Da gibt es nicht nur Ölsardinen, sondern allerlei Meeresgetier in den Döschen. Mein Favorit ist aber die einfachste Version. Obwohl es für Sardellen unzählige Verwendungsmöglichkeiten gibt, dürfte es schwerfallen sie besser anzurichten als mit einer Scheibe Toast und dazu „so viel Butter, wie man verträgt“. Sardinen mit einem Stück Baguette, das in Olivenöl geröstet wurde und mit etwas Knoblauch aromatisiert wurde, schmeckt es auch wunderbar. Ich lege dann noch ein paar Oliven dazu und habe ein komplettes kleines Abendbrot.

Besonders gerne mag ich die Sardinen auch mit marinierten roten Zwiebeln und Zesten einer Zitrone.

Zutaten für Ölsardinen mit süßsauren roten Zwiebeln:
4 – 5 rote Zwiebeln
150 ml guten Essig
150 ml Wasser
50 g Zucker
2 Nelken
2 Lorbeerblätter, möglichst frisch
Senfkörner

1 Dose guter Sardinen
Brot nach Wahl
1 Zitrone

Zubereitung:
Die Zwiebeln in Scheiben schneiden und in ein sterilisiertes Einkochglas geben.

Das Wasser mit dem Essig aufkochen, die Gewürze und den Zucker zugeben und rühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Danach die siedend heiße Beizflüssigkeit über die Zwiebeln geben.

Nach 3 Tagen kann man die Zwiebeln genießen. Mit der Zeit werden sie besser. Im Kühlschrank halten sie sich 14 Tage.

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Altwiener Backfleisch mit Kartoffel-Rahmgurkensalat

Ich wusste, dass die Wiener Rindfleischküche sehr vielfältig ist und stellte dann fest, dass es ein traditionelles Gericht gibt, das ich noch nie bemerkte: Das Altwiener Backfleisch.

Die Wiener Rindfleischküche hat eine bis ins Mittelalter reichende Tradition. Das Rind war Hauptlieferant für die Fleischversorgung der Kaiserstadt. Nach der Verbreitung der Kartoffeln konnte man auch Schweine leichter füttern und beam dadurch aber keine echte Konkurrenz. Rinder wurde auch aus weiter entfernten Ländern herangetrieben. Unter dem Namen „ungarische, galizische und deutsche Mast-, Weide- und Bauernochsen“ wurden alle in der ganzen Monarchie vorkommenden Rinderrassen auf dem Wiener Markt des 19. Jahrhunderts aufgetrieben. Das Fleisch der Ochsen der Puszta-Weiden besaß jene Zartheit, Saftigkeit und Würze, die das gesottene Rindfleisch in Wien erst zu dieser begehrten Spezialität gemacht hat.

Die Fleischversorgung Wiens wurde im 19. Jahrhundert auf dem Viehmarkt St. Marx zentralisiert, der nach der Marktordnung von 1883 ausschließlich für den Verkauf des zur Schlachtung bestimmten lebenden Viehs sowohl für Wien als auch für viele umliegende Gemeinden zuständig war.

Das Zerlegen des Rindes nach „Wiener Art“ gilt als wahre Kunst; nirgendwo sonst kannte jeder die Unterschiede der Rindfleischspezialitäten wie Tafelspitz, Tafeldeckel, Rieddeckel, Beinfleisch, Gestutzte Rippe, Kavalierspitz, Hüferschwanzel, Schulterschwanzel, Schulterscherzel, Mageres Meisl, Brustfleisch usw.

Ursprünglich wurde das Altwiener Backfleisch aus Scheiben von gekochtem Rindfleisch, als da wären zum Beispiel der Tafelspitz oder das Schulterscherzl, zubereitet. Wenn man so will, war es eine Art Resteverwertung. Das kalte, ge­kochte Siede­fleisch wurde in etwa 1-2cm dicke Scheiben ge­schnitten, ge­würzt, paniert & in heißem Öl heraus­gebacken. Ein verwandtes Gericht ist das „Berliner Schnitzel“, das aus Kuheuter bereitet wird: kochen, erkalten lassen, panieren und backen.

Heute gibt es das Altwiener Backfleisch auch von diversen anderen Cuts vom gut abgehangenen oder auch vorgebratenen Fleisch. Aus frischem Rindfleisch kann man das Altwiener Backfleisch z.B. von der Beiried oder vom Rinderfilet (beides dünn geschnitten) zubereiten.

Zutaten:
2 Scheiben Entrecote je 160 g
60 g Dijon Senf
60 g gerissener Meerrettich
Salz und Pfeffer
Eier
Mehl
Semmelbrösel

1 Gurke
2 Kartoffeln festkochend
200 g Sauerrahm
Saft einer Zitrone
eventuell etwas Essig
35 ml Essig
1 EL grobes und 1 Prise feines Salz
Dillspitzen

Zubereitung:
Zuerst bereiten wir den Kartoffel-Rahmgurkensalat. Dafür werden die Kartoffeln gekocht.

Beim Einkauf sollte man darauf achten, dass die Gurke nicht zu lang ist und eine schöne dunkelgrüne Farbe hat. Optimal sind Freilandgurken, die auch gerne Landgurke genannt werden. Das ist aber Unsinn, denn die anderen Schlangengurken wurden nicht in der Großstadt angebaut, sondern sind nur das Freiland-Gegenstück aus dem Gewächshaus. Es ist ein Irrtum, dass Gurken fast geschmacksfrei sind. Aber, je mehr Wasser darin ist, umso weniger Eigengeschmack ist vorhanden. Die Gurke schälen, denn in der Schale sind Bitterstoffe, die wir nicht haben möchten, und danach in dünne Scheiben schneiden. Mit grobem Salz bestreuen, damit etwas vom Wasser aus den Gurken herausgezogen wird. Nach 15 Minuten die Scheiben abspülen und vorsichtig etwas auspressen. Mit Sauerrahm mit Zitronensaft vermengen. Probieren, ob es noch ein wenig mehr Saft oder auch Salz braucht. Eventuell noch etwas nachsalzen. In der Regel reichen die Salzreste vom Spülen. Die Kartoffeln abpellen und abkühlen lassen, dann in Scheiben schneiden.

Alles zusammengeben und gegebenenfalls noch einmal mit Salz und einer paar Tropfen Essig abschmecken. Zuletzt die Spitzen vom Dill unterheben.

Entrecote mit einem Fleischklopfer dünn ausklopfen. Eine Seite mit Senf einstreichen und die andere mit Meerrettich, Salz und Pfeffer würzen. Anschließend zuerst in Mehl, dann im Ei und zuletzt in den Semmelbröseln panieren.

Eine Pfanne mit Butterschmalz (oder Schweineschmalz) erhitzen. Das Fett hat die richtige Temperatur, wenn kleine Blasen aufsteigen. Am besten mit der Spitze eines Holzspieß testen. Die panierten Fleischscheiben beidseitig im Fett herausbacken und auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Mit dem Kartoffel-Rahmgurkensalat servieren.

Leser aus Österreich mögen mir verzeihen, dass ich deutsche Ausdrücke verwende.

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Böhmische Knoblauchsuppe – česneková polévka

Vor einiger Zeit erwähnte ich die böhmische Knoblauchsuppe im Beitrag „Wirtshausklassiker aus Tschechien“. Inzwischen ist sie fester Bestandteil meiner Küche. Das Rezept blieb ich damals schuldig:

(Foto aufgenommen im Gasthaus Ve Skále in der Brauerei in Chodova habe bei Marienbad)

Nun wollte es der Zufall, dass ich in den letzten Tagen wieder einmal einen Eberhofer Krimi gesehen habe. Franz Eberhofer wurde von München in die Provinz versetzt und ist im fiktiven Niederkaltenkirchen immer wieder Kriminalfällen ausgesetzt. Im »Guglhupfgeschwader« ermittelt Eberhofer gegen einen Kollegen in Hintertann, der dort Dienststellenleiter ist und sich mit krummen Geschäften etwas nebenbei verdient. Eberhofer sucht ihn auf, kommt in die Hintertann- Dienststelle, wo oben im Erdgeschoss alles in bester Ordnung ist. Aber unten, im Keller, zu dem sich Saloon-Türen öffnen, kommt gerade der der Dienststellenleiter schweißnass und glänzend und nur mit einem Tuch um die Hüften aus der Sauna, hält an seiner Tiki-Bar Hof und schenkt an seine Belegschaft reißende Fluten von Marillenschnaps aus. Die Polizisten tanzen Beatfox miteinander – oder mit der schönen Janička, einer »waschechten Tschechin«, wie man dem Eberhofer zuflüstert. In diese Idyll kommt dann der Höhepunkt des Abends:

»Manner!«, hebt Mike Kuglmayer an, »Manner! Jetzt moan i wird’s Zeit für anständige, herzzerreißende, g’schtinkerte…«  und in eine kleine Pause hinein brüllt die Belegschaft »KNOBLAUCHSUPP’N!«

Die von Janička gekochte Suppe sei perfekt, wenn man »g’soff’n hat«, sagt der Kollege, der dem Franz Eberhofer die Suppenschale aushändigt. 

In Tschechien sagt man, dass eine Schale Moravská cesneková polévka das beste Mittel gegen einen Kater sei oder Vampire in die Flucht zu schlagen kann, denn die Hauptzutat ist Knoblauch, auch in großer Menge. In den feinen und auch weniger feinen Restaurants in Marienbad findet man sie nicht auf der Karte. Da muss man schon etwas abseits ein Dorfgasthaus aufsuchen oder in den nahen Brauereikeller der Chodova Brauerei einkehren. Hier wird die Česnečka, wie sie allgemein kurz heißt, serviert.

Die Knoblauchsuppe ist übrigens eine der ältesten Suppen, die in Böhmen gekocht wurden und man kann sie nicht nur als Vorspeise reichen, sondern auch als selbstständige Mahlzeit zum Beispiel mit Brot als Abendessen auf den Tisch bringen. Denn eine tschechische Knoblauchsuppe ist nicht eine leichte Brühe, sondern sehr deftig.

Das Rezept, welches folgt, habe ich im Blog „Culina Bohemica“ gefunden. Ich habe mich selber bei der Zubereitung genau an das Rezept von Petra Kupská gehalten. Wer die böhmische Küche kennenlernen möchte, dem sei ihr Blog empfohlen.

Zutaten:
Hühnerbrühe, Kartoffeln, Knoblauch, Lorbeerblätter, Majoran, Salz und Pfeffer,
2 – 3 Scheiben altbackenes Brot für die Croutons

Zubereitung:
Das Geheimnis einer leckeren Knoblauchsuppe liegt darin, dass die Zutaten zuerst angebraten müssen sein. Keine Angst vor Röstaromen!

Knoblauchzehen schälen und in dünne Scheibchen schneiden. Die Kartoffeln schälen und würfeln.

In einem Topf das Schmalz bei mittlerer Hitze zergehen lassen. Kartoffelwürfel dazu geben und schnell anbraten, bis sie von allen Seiten leicht goldbraun sind. Dabei häufig umrühren.

Die Knoblauchscheiben und Lorbeerblätter zugeben und 1 Minute (nicht länger!) anrösten.

Mit Hühnerbrühe aufgießen. Zum Kochen bringen, dann die Hitze reduzieren. Salz und Pfeffer zugeben. 15 bis 20 Minuten köcheln, bis die Kartoffeln weich sind. Lorbeerblätter aus der Suppe entfernen. Mit Majoran bestreuen, umrühren. Eventuell Salz nach Belieben zugeben.

Mit Brotcroutons servieren, die Knoblauchsuppe mit gehackten Petersilien- oder Majoranblättern garnieren.

(auch interessant: Cremige Knoblauchsuppe – Krémová česnečka)

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