Henriette Davidis und die Westfälische Mett- und Bratwurst

Seit einiger Zeit versuche ich mich im Würste machen. Wie es dazu kam? Ich ersteigerte einen professionellen Fleischwolf aus einer Metzgerei, die leider den großen Ketten weichen musste. Als Zubehör gab es einen Vorsatz zum Füllen von Würsten. Aber woher das Rezept nehmen? Ich würde ja gerne einen Sausagekurs beim The Ginger Pig besuchen, aber das steht noch an. Erst suchte ich im Internet, doch dann griff ich auf ein altbewährtes Kochbuch zurück „Henriette Davidis praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche“.

Man findet es im Projekt Guttenberg. Ich habe voll Stolz ein eigenes Originalexemplar.
Henriette Davidis stammt aus Wetter an der Ruhr und gilt als berühmteste Köchin und Kochbuchautorin Deutschlands. Die Pfarrerstochter prägte mit ihren Kochbüchern ganze Generationen deutscher Esskultur und erreichte Auflagenzahlen, die selbst heutige Star-Fernsehköche erblassen lassen würden. Aber nicht nur Rezepte entstammten ihrer Feder, sondern rührige Erziehungsideale des bürgerlichen Biedermeiers: „Zu den rühmlichsten Eigenschaften einer Frau gehört es, dass der Mann von ihr sagen kann „ich habe eine Hausfrau“.“ Nebenbei gesagt: Henriette Davidis hatte dies Rollenverständnis nie für sich selber, sie hat nie geheiratet. Sie wurde 1801 in Westfalen geboren und starb 1876 in Dortmund. Man kann sie wahrhaft eine westfälische Köchin nennen.

Hier das Originalrezept für
Westfälische Mett- oder Bratwurst.
Zu 5 Kilogramm Fleisch nimmt man 150 Gramm Salz und 15 Gramm gestoßenen Pfeffer. Durchwachsenes und auch etwas fettes Schweinefleisch wird in kleine Würfel geschnitten oder grob gehackt. Dann vermischt man das Fleisch mit dem fein geriebenen Salz und Pfeffer, füllt es in dünne, saubere Därme und räuchert sie bei wenig Rauch und viel Luft etwa 2-3 Wochen. Einige der Würste können auch frisch gegessen werden und lassen sich einige Zeit an der Luft hängend aufbewahren.

Ganz einfach – nicht wahr! Aber köstlich! Ich habe natürlich keine 5 kg Fleisch genommen, sondern alles entsprechend reduziert.
Für die Würste besorgte ich mir übers Internet Schafsdärme. Naturdärme wurden bereits vor 5.000 Jahren in Persien zur Herstellung von Würsten und Fleischwaren verwendet, und sie sind in fast allen Kulturen der Welt bekannt, und ich ziehe sie jedem Kunstdarm vor.

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Russisches in Deutschland – Soljanka, Bortsch und Pelmeni

In meiner unmittelbaren Umgebung gibt es zwei russische Läden. Anfangs habe ich sie neugierig von außen beäugt. Die Schaufensterdekoration erinnerte mich stark an das Nonfood-Angebot meines türkischen Gemüsehändlers, der auch Wanduhren, Teppiche und sonst so mancherlei führt. Asia-Shops, italienische, portugiesische und spanische Läden – sie gehören schon seit langem zur gewöhnlichen städtischen Landschaft. Russische Läden sind dagegen noch ziemlich neu. Aber auch sie erobern langsam ihren Platz im Geschäftsleben. Mit russischen Spezialitäten wie den berühmten Pelmenis (Maultaschen), den Blintschikis (Pfannenkuchen), Wodka, Krim-Sekt oder den landestypischen Holzsteckpuppen, den „Matrjoschkas“, ziehen die Läden immer mehr Menschen an. Beim hiesigen russischen Händler standen lebensgroße Figuren und sonst so allerlei in der Auslage. Und eine gewisse Scheu hielt mich anfangs davon ab, dort einzukaufen.

Das hat sich aber grundlegend geändert. Neben einem dieser Läden ist ein russischer Imbiss, naja, fast eine kleine Gaststätte. Irgendwann, als ich es ganz eilig hatte, bin ich dort hinein. Das einzige, was ich auf der ausgehangenen Tafel kannte, war Schaschlik, Bortsch und Soljanka. Bortsch kannte ich nur dem Namen nach und Soljanka nach einem Selbstversuch mit dem Rezept einer Freundin. ( Die Suppe schmeckte übrigens sehr gut.) Ich bestellte das Schaschlik – und was serviert wurde, hatte nichts mehr mit dem zu tun, was ich unter Schaschlik kannte. Das Fleisch war in einer säuerlichen Marinade eingelegt und wurde nicht mit der mir bekannten roten Soße serviert, sondern mit milchsaurem Gemüsesalat. Aber: Sehr lecker!!! Inzwischen gehe ich öfters mal dort vorbei. Die liebe ältere Frau, die alles frisch zubereitet, hat mir seit dem manches neue Rezept nahegebracht und erklärt – und so koche ich auch einige Rezepte nach. Besonders beliebt, und deswegen mache ich das auch öfters, sind mir Pelmeni. Die Zutaten kaufe ich inzwischen in dem russischen Laden an der Ecke. Hier schätze ich besonders die Milchprodukte. Nirgendwo bekomme ich sonst so guten Quark oder diverse Sauerrahms! Ich bin auch immer wieder über die unglaubliche Auswahl an Wodka und Süßigkeiten erstaunt und übersehe inzwischen das ungewohnte Interieur, das auch Porzellan, Kristallgläser, Kleidung und russische Souvenirs umfasst. Dafür gibt es hier auch so etwas wie Wobla (ein auf bestimmte Art getrockneter, gesalzener Fisch, der vorzugsweise zu einem Bier gegessen wird), eingelegte Salzgurken und Weißkohlköpfe, die im Ganzen milchsauer vergoren sind. Außer den russischen Spezialitäten gibt es die bereits erwähnten Geschenkartikel wie Porzellan und Kristallgläser. Aber für Kräuter und diverses Andere ist nun der russische Laden für mich die erste Wahl.

Pelmeni
Pelmeni sind Teigtaschen mit Fleischfüllung. Wenn sie süß oder vegetarisch gefüllt sind, heißen sie Wraneki. Pelmeni stammen ursprünglich aus Tatarstan und Sibirien und gehören heute zur typischen russischen und ukrainischen Küche.

Zutaten
250 g Mehl
1 Ei
3 EL Wasser
400 g gemischtes Hackfleisch (man kann auch reines Schweinehackfleisch nehmen)
2 Zwiebeln,
1 (weiteres) Ei
Petersilie
Butter
Salz und Pfeffer
Saure Sahne
(eventuell frischer Dill)

Aus dem Mehl, Ei und den 3 EL Wasser einen glatten Teig kneten und 2 mm dick ausrollen. Er darf nicht reißen und soll geschmeidig sein. Mit einem Ausstecher Kreise ausstechen (ca. 5 – 6 cm Durchmesser).

Das Fleisch mit den fein geschnittenen Zwiebeln, fein geschnittener Petersilie und dem Eigelb (was nicht hineingehört, aber das Eiweiß brauche ich noch und ich bin sparsam, so kommt es dazu) einen Teig mischen und diesen salzen und pfeffern.

Kleine Bällchen vom Hackfleischteig abstechen und auf die mit Eiweiß eingepinselten Teigrondelle legen, zusammenklappen und verschließen. Dann ein wenig wie eine Tortellini nach innen biegen und fertig ist eine Teigtasche.

Diese 10 – 15 Minuten in leicht siedender Brühe garen und mit einem Schaumlöffel herausheben. Mit zerlassener Butter auf einem Teller anrichten und mit Sauerrahm servieren. Ich liebe es, darüber feine frische Dillspitzen zu streuen.

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Mohrrübentopf mit Schwemmklößchen

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