Läwwerknäpp – Leberknödel

Läwwerknäpp standen auf der Pfälzer Speisekarte und ich dachte gleich, das müssen Leberknödel sein. Außerhalb Bayerns findet man sie immer seltener. Schade eigentlich.

Zutaten:
4 altbackene Brötchen
2 Zwiebeln
Butter
1/8l Sahne + 2 EL Milch
3/4 Pfund Rinderleber durch den Fleischwolf (feinste Scheibe) gedreht
3/4 Pfund gemischtes Hackfleisch
3 Eier
2 l Fleischbrühe
Salz, Pfeffer, Majoran, Petersilie
Zwiebeln

Die Zwiebeln feinwürfeln und in 1 EL Butter anschwitzen. Die Brötchen in feine Scheiben schneiden und für ca. 10 – 15 Minuten in der Sahne und Milch einweichen und anschließend die Masse ausdrücken. Feingewiegte Petersilie und Majoran dazugeben.
Die Leber, das Hackfleisch, die Brötchenmasse, die Eier und die abgeschmälzten Zwiebeln mit den Kräutern gut mischen. Die nicht ganz homogene Masse mit Salz und Pfeffer würzen.
Den Teig 30 Minuten ruhen lassen. Ist die Masse zu weich, mit Semmelbrösel nachdicken.
(Tipp: einen kleinen Knödel zur Probe in der heißen Fleischbrühe ziehen lassen. Wenn dieser zerfällt, dann noch Semmelbrösel nacharbeiten.)
Die Knödel dann in der heißen Fleischbrühe ca. 20 bis 25 Minuten gar ziehen lassen. Diese Brühe kann man mit ein oder zwei Knödeln als eigenständiges Gericht servieren.

Leberknödel passen wunderbar zu Sauerkraut und Püree.

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Die Domänenverordnung von Karl dem Großen und Pfälzer Schales

Auf dem Weg von einer Hochzeit führte mich der Weg durch Rheinhessen und die Pfalz, denn ich wollte noch meinen Jüngsten in Heidelberg besuchen. Ein gesegnetes Land mit sanften Hügeln, blühenden Feldern, Weinbergen und am Horizont immer wieder der silberne Strom des Rheines.

In Dautenheim unweit von Alzey findet sich das Weingut Storr und unterm gleich Dach das Winzerhotel Himmelacker. Allein das Gastgeberpaar ist eine Rarität. Neben einer „Hauskerb“ hat sich im Hause Storr eine Theatertradition etabliert.  Anfangs waren Theaterabende der Gruppe Landkultur open air im Innenhof und auf der Hotelzimmer-Galerie zu sehen: Shakespeare’s Handwerkerszenen aus dem Sommernachtstraum, eine Kurzfassung des Wilhelm Tell und schließlich eine ergreifende Inszenierung von Tschechows Onkel Wanja. Szenen aus dem ländlichen Leben. Inzwischen gibt es die Theaterscheune unter dem Dach des Winzerhofes – dieses Jahr mit einer Inszenierung von Tschechows Kirschgarten.

Dies alles weckt den Wunsch, wiederzukommen, wenn Theatersaison ist. Was ich aber erleben durfte, war ein unglaublich schöner Bauerngarten.
Mit diesem Garten, in Buchsbaumrabatten angelegt, lässt die Familie Storr die Pflanzenwelt der Domänenverordnung „Capitulare de villis vel curtis imperii“ wieder aufleben. In einer Zeit, in der man eigentlich Klostergärten als die ersten Gärten ihrer Zeit vermutet, erließ Karl der Große diese Landgüterverordnung. In ihr wurden sehr detaillierte Vorschriften zur Verwaltung der Krongüter gegeben. Sie enthält die Regelung des ländlichen Betriebes auf den kaiserlichen Gütern nach bewährten Vorbildern aus römischer Zeit: Die Dreifelderwirtschaft, den Weinbau, die Obstpflege, die Zucht von Haus- und Herdenvieh.

Im letzten, dem 70. Abschnitt, wurden im Einzelnen alle Pflanzen aufgeführt, die in den königlichen Gärten vorhanden sein mussten, unter anderem bereits südeuropäische Heilpflanzen, die vermutlich aus der Römerzeit stammten, Rosmarin, Salbei, Diptam.
Außerdem wurden einige Pflanzen wie Haselnuss, Wermut oder Beifuß aus der freien Natur in den Garten übernommen. Eine wichtige Rolle spielte beispielsweise auch die bereits in Germanenzeiten verehrte Hauswurz, ein „Immerlebendes“, auch als „Jupiterbart“ bekannt, in der Vorzeit Donar geweiht („Donnerbart“, „Donnerwurz“) und als Schutz des Hauses bei Gewitter geschätzt: Das Capitulare ordnete an, sie auf dem Hausdach anzupflanzen.
In der Pfalz war Mittagszeit und die weit über die Grenzen des Landes bekannten Pfälzer Spezialitäten lockten. Ich bin kein Freund des Saumagens, aber was mir an Pfälzer Spezialitäten vorgesetzt wurde, schmeckte hervorragend.

Pfälzer Schales
Dies Gericht erinnerte mich stark an den Lappenpickert, den ich aus dem Bergischen Land kannte. In der saarländischen Variation sagt man dazu Dibbelabbes und im Rheinland Döppekuchen. Aber egal wie sie heißen, es schmeckt hervorragend. Die Grundzutat dabei sind immer Kartoffeln. Vom Wirt bekam ich das Rezept:

750 g Kartoffeln
1 Möhre
1 kleines Stück Lauch
1 Zwiebel
2 EL Mehl
Salz, Majoran und Muskat
Petersilie

Die Kartoffeln werden fein geraffelt, die Masse vorsichtig ausdrücken und das Kartoffelwasser vorsichtig abschütten, damit man die Stärke darin wieder zur Kartoffelmasse geben kann. Ebenfalls die Möhre raffeln und den Lauch in feinste Ringe schneiden und mit der feingehackten Zwiebel, dem Mehl, der Stärke und den Gewürzen unter die Kartoffelmasse mischen und mit Salz abschmecken.
Alles in eine gut ausgefettete Auflaufform füllen und bei 180° 50 – 60 Minuten backen, bis die Schales eine schöne braune Kruste hat.
Dazu wurde Apfelkompott serviert.

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Senf-Kartoffelsalat mit knusprigen Zwiebeln

Was heißt eigentlich westfälisch? Was ist westfälische Art? Es gibt Fragen, auf die wir gefühlsmäßig die richtige Antwort zu wissen glauben, aber dann werden wir plötzlich nachdenklich und geraten ins Stocken. Es bieten sich sofort simple und zu plumpe Allgemeinplätze an wie stur und bodenständig, hintersinnig und schweigsam, dickköpfig und schwerfällig, grob und unzugänglich bis zu dem sagenhaften Sack Salz, den man erst mit einem Westfalen gegessen haben muss, wenn er hinter der Wallhecke seines Misstrauens hervorkommen soll.
Dichter haben die Westfalen beschrieben und fast alle hatten recht und es ergibt sich ein facettenreiches Bild. Westfälisch ist eine schwer fassbare Gegebenheit, die geworden ist aus Landschaft, Mensch und Geschichte – eine Wirklichkeit mit Atmosphäre, ein sonderbares Land. So sonderbar erschien mir auch das erste Mal das Rezept eines Senf-Kartoffelsalats, als ich davon hörte. Deftig und rustikal, wie so mancher Westfale.
Gegessen wurde es im Restaurant „Alte Schule“ in Bad Berleburg und inzwischen von mir angepasst:

Senf-Kartoffelsalat
500g festkochende Kartoffeln (Linda oder Sieglinde)
250 ml Rindsbrühe
1 EL grober Senf (ich bevorzuge Kremser Senf von Bautz’ner)
1 EL feiner scharfer Senf (am besten Düsseldorfer Löwensenf)
Salz und Pfeffer
60 ml Rapsöl
40 ml Weinessig

Die Kartoffeln knapp 20 Minuten in der Schale kochen. Die Kartoffeln prüfen, sie sollten noch Biss haben, aber nicht zu hart sein. Dann die Kartoffeln abgießen, heiß pellen und in 1 cm große Würfel schneiden.
Diese Kartoffelwürfel zusammen mit der Rindsbrühe aufkochen und die beiden Senfsorten einrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Topf vom Herd ziehen. Das Rapsöl und den Weißweinessig vorsichtig einrühren und ca. 3 Stunden zugedeckt im Kühlschrank ziehen lassen.

Sauce und Garnitur:
100 ml von der selbigen Rindsbrühe wie oben, aber von 250 ml reduziert
50 ml Balsamico-Essig
Salz und weißer Pfeffer
4 Schalotten
1 kleiner Bund Schnittlauch

Die Rindsbrühe und den Balsamico mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Schalotten abziehen, in dünne Scheiben schneiden und braunknusprig frittieren. Den Salat auf den Tellern anrichten, mit Schnittlauchröllchen bestreuen und mit der Sauce umgießen.

Dazu passen sehr gut frische westfälische Mettbratwürste oder auch gebratene Blutwurst.

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