Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet und „Grüner Hering gebraten“

Wieder einmal führte mich mein Weg in eine der Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet. Für die Sozialgeschichte des Ruhrgebiets und die städtebauliche Gegenwart sind die vielfältigen Siedlungen besonders aufschlussreich. Sie erlauben einen authentischen Einblick in das Leben der Region. Es gibt ja noch viele dieser Siedlungen aus der frühen Zeit der Industrialisierung. Als mit der untergehenden Montanindustrie sich die Struktur im Ruhrgebiet wandelte, wechselten oft die Eigentümer und nach und nach kam das Bewusstsein auf, dass wir es hier mit Kulturdenkmälern zu tun haben. Unter den noch bestehenden Siedlungen gehört die Margarethenhöhe in Essen und die Siedlung Rheinpreußen in Duisburg-Hamborn zu den bekanntesten.
Die Bilder in diesem Beitrag sind Dokumente aus Duisburg. Die abgebildete Straße ist die Schillerstraße im „Dichterviertel“. Auf einer Fläche von ca. 15 ha errichtete die Gewerkschaft Deutscher Kaiser in den ersten eineinhalb Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts 370 zwei- bis dreigeschossige Gebäude, um die neuen Arbeitskräfte in unmittelbarer Nähe zu ihrer Grube unterbringen zu können.
Schillerstraße im Dichterviertel in Duisburg Marxloh
Die Häuser entstanden in Blockrandbebauung um Innenhöfe, die teilweise so groß sind, dass „eine Go-Kart-Bahn dort Platz finden würde“, wie der Volksmund meint. Um mehr Menschen auf gleicher Fläche unterzubringen, baute man in die Höhe, bot Etagenwohnungen an und verzichtete auf Vorgärten. Jeweils vier oder mehr Häuser sind zu einer Zeile zusammengefasst und haben eine einheitliche Fassadengestaltung. So wirken die Häuser großzügiger, als sie es sind, weil von der Straßenseite aus nicht zu erkennen ist, wie viele Wohnungen sich in einer Häuserzeile befinden bzw. wie viele Menschen in der Siedlung untergebracht waren.

Schatz-Schlemmerecke in Duisburg-Süd (Huckingen)


Seit einigen Jahren werden die Häuser aufwendig modernisiert, um das soziale Gefüge zu stabilisieren. Im Laufe der Jahre gab es einen hohen demographischen Wandel, und es leben sehr viele Türken hier. Marxloh hat nicht zu Unrecht den Beinamen Klein Istanbul. Weit bekannt ist die Weseler Straße, die streckenweise fast vollständig von türkischen Läden gesäumt ist, die Brautkleider und -schmuck anbieten und neben Käufern aus einem großen Umkreis auch Neugierige von weit her anzieht. Daneben gibt es eine große Zahl diverser Imbissangebote mit der neuen deutschen Küche: „Döner“. Aber auch türkische Bäckereien, die die Vielfalt ihrer Angebote im Schaufenster präsentieren. Und durchs Schaufenster kann ich auch sehen, wie die Bäcker arbeiten. Jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigenen Kreationen, und ich denke mit Wehmut an die gute alte Zeit, als es nicht überwiegend Bäckereiketten mit unzähligen Filialen gab. Viele klassische Trinkhallen und Büdchen sind verschwunden. Eine Imbissinstitution ist geblieben: Die Schlemmerecke in Duisburg-Süd. 1962 eröffnete das Ehepaar Schatz die Bude an der Mündelheimer Straße. Hier in Duisburg-Huckingen stehen die Leute mittags für Currywurst und „Pommes Schranke“ Schlange. Dafür nimmt mancher auch gerne mal einen Umweg in Kauf.
Das alles gab es noch nicht, als die Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet entstanden. Das Essen war einfach und deftig. Wenn es in einer Familie gebratene grüne Heringe gab, konnte man es in der ganzen Siedlung riechen. Und Heringe gab es damals oft.

1kg grüne Heringe
Essig
40 g Butter oder Schmalz
Salz und Mehl zum Wenden

Grüne Heringe schuppen, ausnehmen, waschen und mit Essig (heute würde ich Zitronensaft nehmen) beträufeln und 10 Minuten stehen lassen. Danach werden die Heringe gesalzen, in Mehl gewendet und in heißem Fett auf beiden Seiten gebraten. Mit Zwiebelringen und Zitronenscheiben isst man sie zu Kartoffelsalat.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fisch, Rezepte | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Radieschen & Rote Bete Chutney

Rote Beete und Radieschen Chutney

Nachdem ich mich am Samstagabend von einem Engländer belehren ließ, dass es in England eigentlich keine anständige Küche gibt, und er mir einen Einblick in seine Vorstellungen vom englischen Essen gab, war ich doch sehr erschüttert. Er muss eine Jugend wie in dem Film „TOAST“ gehabt haben.
TOAST ist alles, was Nigels Mutter in der Küche zustande bringt. Alle anderen Kochversuche enden mit verbrannten Konservendosen, misslungenen Kuchen und matschigem Gemüse. Da hilft es auch nichts, dass Nigel heimlich Kochbücher unter der Bettdecke studiert. Als Nigels Mutter stirbt, steht der Junge mit seinem Vater plötzlich alleine da. Bis Mrs Potter erscheint, die neue Putzfrau. Und eine außergewöhnlich gute Köchin. Zu Nigels Entsetzen wickelt Mrs Potter seinen Vater mit ihren Kreationen, allen voran mit ihrer Zitronen-Baiser-Torte, um den Finger. Doch auch Nigel lernt kochen. Kochen wird bald die entscheidende Waffe im Kampf um die Gunst des Vaters, aber ausgerechnet er bleibt bei dieser Schlacht auf der Strecke.

TOAST erzählt die Geschichte von Nigel Slaters Kindheit und Jugend im England der 60er und 70er Jahre. Nigel Slater ist in seiner Heimat ein gefeierter Kochbuchautor und TV-Koch, der mit Jamie Oliver auf eine Stufe gestellt wird. „Nigel is a bloody genius“, sagt Jamie Oliver.

Darum will ich heute wieder ein englisches Rezept vorstellen: Radieschen & Rote Bete Chutney

Dieses Rezept ist ideal in Zeiten, in denen man auf ein wenig auf die Linie achtet. Es ist eine gute Wahl für Menschen, die auf ihr Gewicht schauen. Zum Beispiel ersetzt es cremige Dressings und Mayonnaise auf gebackenen Kartoffeln.

1.5 kg rohe Rote Bete, beschnitten, geschält und gewürfelt
20 Schalotten, geviertelt
40 Radieschen, geviertelt
2 Äpfel geschält und gerieben
2 EL Senf
2 EL Koriandersamen
800 ml Weißweinessig
600 ml Balsamico-Essig
700 g Rohrzucker

Alle Zutaten zusammen in einen großen Topf geben und zum Köcheln bringen.
Für eine Stunde kochen und dabei gelegentlich umrühren, bis die Rote Beete gar ist und die Säfte sirupartige Konsistenz erreichen. Sobald das Chutney gar und noch heiß ist, kam man es in Gläsern sterilisieren. Dann hält es sich bis zu 6 Wochen.

Veröffentlicht unter Rezepte, vegetarisch | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Englische Farmerterrine mit Pflaumenchutney

Pasteten und Terrinen sind ein fester Bestandteil der englischen Küchen. Die hier beschriebene Terrine wurde mir als „Country Terrine“ mit einem Pflaumenchutney serviert. Schweineschulter, Schweinebauch und Schweineleber sind die Zutaten für die Landpastete, aromatisiert mit Apfelstückchen und abgerundet mit Cidre.
Bauernterrine mit Pflaumenchutney
Zutaten für die englische Farmerterrine
500 g Schweinefleisch aus der Schulter
250 g Schweinebauch mager
250 g Schweineleber
1 Ei
75 g feingewürfelter Zwiebeln
100 g gewürfelter Apfel
200 ml Cidre
1 feingewürfelte Knoblauchzehe
½ TL Zimt

Zubereitung
Die Zwiebeln, die Apfelstückchen, den Cidre, den Knoblauch und den Zimt zusammen aufkochen und reduzieren, bis es eine sirupartige Konsistenz hat.
Das Fleisch cuttern, das Ei und die Reduktion hinzugeben und vermischen.
In einer Terrine bei 140° im Wasserbad im Ofen garen.
Auskühlen lassen und kalt mit dem Chutney servieren.

Zutaten für dasPflaumen und Cidre Chutney
300 g Pflaumen
100 ml Apfelessig
500 ml Cidre
75g Zucker
1 TL Zimt
1 Sternanis

Zubereitung
Alle Zutaten in einer Kasserolle langsam unter regelmäßigem Umrühren zu einem Chutney garen. Den Sternanis entfernen.

Veröffentlicht unter Fleisch, Rezepte | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen