Kulajda – die Königin der Pilzsuppen

In Marianske Lazne war Apfelfest, eine Veranstaltung des tschechischen Naturschutzbundes. In der Vorankündigung hieß es, dass der ganze Ort nach Apfelstrudel, Zimt und Zucker und sonstigen Leckereien mit Äpfeln duften wird. Obwohl es am Vormittag stark regnete, hatten sich schon einige Besucher eingefunden.

Der Apfel ist eine alte Kulturpflanze, die auch in der böhmischen Küche einen wichtigen Platz einnimmt. Schließlich gehörte alles, was man durch bloßes Sammeln gewinnen konnte, zur Grundnahrung: z. B. verschiedenartige Speisewurzeln, Pilze und Waldfrüchte. Dazu gehörten auch Äpfel. Sie wurden roh gegessen, sie ließen sich lange in den Winter hinein lagern und dienten als Beilage zu beinahe allen Fleischarten und als Füllungen im Gebäck.

So züchteten die Menschen im Laufe der Jahrhunderte vielerlei Apfelsorten, von denen heute die meisten nicht einmal mehr bekannt sind. Die älteste dokumentierte Sorte des Kulturapfels ist vermutlich der Borsdorfer Apfel, der bereits 1170 von den Zisterziensern erwähnt wurde. Es heißt in manchen Quellen, dass er seinen Namen vermutlich vom Dorfe Borsdorf im Vogtland hat. Doch der Borsdorfer hatte gerade in den Kronlanden viele Namen wie z.B. Maschanzker Apfel, Popowitsch und Postapfel, vermutlich, weil die Sorte anfänglich durch die Post dahin gebracht wurde. In Böhmen selbst wird er Meißner Apfel genannt.

Obwohl die alten Sorten einen herausragenden Geschmack haben, werden solche Tafelapfelsorten wie der Berner Rosenapfel, Berlepsch, Gravensteiner und Kaiser Wilhelm kaum noch angebaut – sie bringen entweder wenig Ertrag oder sind schwer zu kultivieren. Manche Sorten werden speziell als Lagerapfel genutzt, die bis in den Mai hinein haltbar sind. Unter dem Begriff Winterapfel ordnet man spät geerntete Sorten ein – sie sind häufig erst nach den Weihnachtstagen genießbar. Unter diesen Äpfeln war der Behm-Apfel, der seinen Namen den berühmten Mehlspeisen der Böhmischen Küche verdankt.

All diese Informationen bekam man beim Apfelfest und natürlich auch passende Kostproben aus diesen Früchten: Semmelbaba mit Äpfeln, Apfelstrudel, Äpfel im Schlafrock und Kolatschen mit Äpfeln. Dazu boten verschiedene Hersteller Most, Apfelwein und Apfelschnäpse an. Ein buntes Markttreiben von Kunsthandwerkern und ein Jahrmarkt mit Karussells, Glücksrädern und Buden mit Zuckerzeug rundeten zur Freude der Kinder dieses alles ab. Ein Stand zog mich besonders an. Hier gab es Prügelkrapfen. Prügelkrapfen gehören zu den Königen der Kuchen. Es ist eine Art Baumkuchen. In diesem Fall war es ein Hefeteig, der um einen Prügel (Rundholz) gewickelt, langsam vor einem Grill gebacken wurde. Noch heiß wälzt man ihn in einer Zucker-Zimtmischung, um ihn nochmals kurz vor dem Grill karamellisieren zu lassen. Sie schmecken besonders gut, wenn man den Hohlraum mit gedünstetem Obst und Sahne füllt.

Der absolute Höhepunkt war zum Abschluss eine Schale Kulajda aus Südböhmen, die Königin der Pilzsuppen. Sie duftet, Sahne streichelt sanft die Zunge und das Zusammenspiel von frischen Pilzen, Dill und Eiern ergänzen großartig den Geschmack. Ein einfaches aber perfektes Essen, ursprünglich aus südböhmischen Küche.

Kulajda

Zutaten
Eine Handvoll frische Pilze (Champignons tun es da auch schon)
3 Kartoffeln
Prise Kümmel
2 Pimentkörner
3 schwarze Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
Becher Sahne (man kann auch Sauerrahm nehmen
Mehl 1 Esslöffel (zum Verdicken, kann weggelassen werden)
1 bis 2 Esslöffel Essig (nach Geschmack, ich bevorzuge weniger)
Frische Eier – jede Portion 1 Stück
Gehackter Dill darf auf keinen Fall fehlen (im Sommer frisch oder sonst getrocknet, gefroren)

Zubereitung
Die Pilze putzen, größere Stücke in Scheiben schneiden, kleinere Stücke halbieren.
Die Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden.
Pilze und Kartoffeln in einen Topf geben, Wasser, Kümmel, Salz und alle Gewürze zufügen und für 30 Minuten kochen lassen, d.h. bis die Kartoffeln weich sind. Dann die Sahne zugeben.
Wer die Suppe andicken will, verrührt etwas Sahne mit Mehl und fügt dies hinzu, gut umrühren und langsam weiterkochen.
Wenn die Kulajda fertig ist, mit Salz und nach Bedarf mit etwas Apfelessig abschmecken.
Jetzt fügen wir den fein gehackten Dill hinzu und vor dem Servieren pro Tasse oder Teller ein frisch poschiertes Ei (direkt in den Teller). Das Eigelb sollte noch recht weich sein.

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Die böhmische Weltkugel: der Knödel

Schweinebraten, Knödel und Kraut – so heißt die böhmische Dreifaltigkeit in der Küche.  Diese drei Zutaten haben die kulinarischer Globalisierung unverändert überlebt und „knedliky“ gehören zum  Alltag in Tschechien. Daheim oder im Gasthaus, sie sind immer wieder präsent.

Zwei Dinge kann ich über die böhmische Küche sagen: „Leicht ist sie bestimmt nicht“ und „Zu einem Braten gehören immer Knödel und viel Sauce“.

Knedliky werden die Knödel genannt und man unterscheidet im wesentlichen:

Den böhmischen Knödel, der aus einem Hefeteig mit einigen Semmelstückchen zubereitet wird. Die böhmischen und die Serviettenknödel werden mit einem Bindfaden geschnitten, damit sie so locker bleiben, wie sie aus dem Topf kommen, und nicht vom Messer zerdrückt werden.

Den Karlsbader Knödel, der Ähnlichkeit mit einem  Servietten- oder Semmelknödel hat.

Die Kartoffelknödel, die sowohl herzhaft, als auch süß zubereitet werden können. Die Kartoffelknödel werden aus gekochten Kartoffeln mit Ei, Butter und Gries hergestellt. Die Kartoffelknödel werden sowohl als Beilage, als auch gefüllt als Hauptgericht serviert. Gefüllt werden sie mit Selchfleisch, mit Grammeln oder Obst. Die süßen Knödel serviert man oft mit saurer Sahne oder Quark.

Ferner sind Skubanky und haarige Klöße sehr verbreitet. Subanky gehören zu den Lieblingsspeisen dere Kinder.

Oft werden die Knedliky mit nur wenigen Stückchen Fleisch serviert, aber von der Sauce gibt es immer reichlich, sie ist dick, sämig und nahrhaft. Eine Ausnahme bildet da die leicht süß-saure Sahnesauce zum Lendenbraten.

Hier einige Rezepte:
Böhmischer Knödel

Zutaten
1 kg Mehl, 1 TL Zucker, 1 Würfel Hefe, 300 ml lauwarmes Wasser, 2 Eier, 2 TL Salz, einige geröstete Semmelstückchen

Zubereitung
Wir bereiten aus den Zutaten einen Hefeteig, in den wir die gerösteten Semmelstücke einkneten. In einem großen Topf das Salzasser zum Kochen bringen. Die Knödel hinein geben und – je nach Größe – 20 bis 25 min kochen. Ab und zu wenden. Man muss einen großen Topf nehmen, da die Knödel stark aufgehen.

Die fertigen Knödel werden mit einem Faden in Scheiben geschnitten.

Serviettenknödel (Karlsbader Knödel)
Zutaten
250 g Knödelmehl (kann man Dank EU inzwischen auch überall in Deutschland kaufen) oder 5 leicht entrindete Semmeln vom Vortag, in Würfelgeschnitten
1 – 2 EL Mehl, ca. 1/2 l Milch, 200 g Sahne, 3 Eigelb, 3 Eiweiß, 60 g Butter, Salz, Muskat, Petersilie
Butter für die Serviette (ich nehme eingefettete Alufolie)

Zubereitung
Semmeln in Würfel schneiden, mit zerlassener Butter vermischen, Eigelb mit Milch, Salz und Muskat verquirlen und über die Semmeln geben, die Masse zusammendrücken und 30 Minuten ziehen lassen. Dann den steif geschlagenen Eischnee unterziehen.

Vom den kleingeschnittenen Brötchen nehme ich 1/3 und röste es leicht in der Butter, vermische es wieder mit den restlichen Semmelwürfeln und mische gut das Mehl unter.

Ich vermische die Milch mit der Sahne, trenne die Eier und nehme nur das Eigelb, Salz, Muskat und die feinst geschnittene Petersilie. Diese Masse gieße ich über die Knödelmasse. Das Eiweiß schlage ich fast steif und ziehe es unter diese halbfertige Masse und lasse sie ca. 30 Minuten (bis zu einer Stunde) ruhen. Schmecke sie dann n och einmal ab.
Eine große Serviette (ich habe dafür eigene Küchentücher) einfetten und aus der Knödelmasse einen länglichen Kloß formen. Dieser wird in das Tuch eingewickelt und die Enden des Tuches werden abgebunden. Für gut 30 Minuten in siedendem Salzwasser garen.
Kurz ruhen lassen, auswickeln und in Scheiben schneiden.

Knödel aus Kartoffelteig 
Zutaten
2 kg mehlig kochende Kartoffeln
2 Eier
Salz
etwa 350g Grieß
450g Mehl

Zubereitung
Die Kartoffeln schälen, in kleine Würfel schneiden und in Salzwasser kochen. Abgießen und im heißen Backofen für 5 Minuten ausdünsten lassen, damit sie nicht mehr feucht sind. Die noch heißen Kartoffeln durch die Kartoffelpresse pressen.

Aus Mehl, Grieß, Salz, Eier und den Kartoffeln einen Teig zubereiten. Der Teig darf nicht an den Händen kleben. Danach richtet sich die Mehlmenge, die man zugibt.

Aus dem Teig 4 längliche Knödel formen und in Salzwasser etwa 20 – 25 min kochen.

Die noch heißen Knödel mit einem Faden oder einem Knödelschneider in Scheiben schneiden und zu Braten oder verschiedenen Soßen servieren.

– oder Teig portionieren, nach Wusch einzelne Knödel füllen und in Salzwasser garen. Sie sind gar, wenn sie oben schwimmen.

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Kalbsbäckchen an Steinpilzsauce

Kalbsbäckchen in Steinpilzsauce

Zutaten
4 parierte Kalbsbäckchen (à 200 g)
2 Karotten
200 g Steinpilze geputzt
2 mittelgroße Zwiebeln
1 TL Tomatenmark
200 ml Kalbs- oder Geflügelfond
50 cl Madeira
geklärte Butter
Traubenkernöl
Salz, Pfeffer
2 Nelken
2 Lorbeerblätter
5 Pfefferkörner
2 Thymianzweige
2 Rosmarinzweige
1 Knoblauchzehe
Balsamico

Kalbsbäckchen an Steinpilzsauce von Vlastimil Reitmajer

Kalbsbäckchen an Steinpilzsauce von Vlastimil Reitmajer

Zubereitung
Kalbsbäckchen waschen, trocken tupfen, mit Salz und Pfeffer würzen und in einem Bräter mit wenig geklärter Butter und wenigen Tropfen Traubenkernöl von allen Seiten scharf anbraten. Das Fleisch herausnehmen, eventuell das Fett reduzieren.
Die Karotten, Zwiebeln und Knoblauch putzen und in Würfel schneiden. Danach im Bräter das Gemüse und 2/3 der in Scheiben geschnittenen Steinpilze goldgelb anrösten.
Das Tomatenmark zugeben und mit rösten, mit Madeira ablöschen und reduzieren. Den Kalbsfond zugeben und die Kalbsbäckchen einlegen.
Den geschlossenen Bräter und im vorgeheizten Backofen bei 180° C ca. 2 Stunden garen. Gut 40 Minuten vor Ende die Gewürze und Kräuter zugeben und mit garen.
Das Fleisch hat seinen Garpunkt erreicht, wenn man mit einem Zahnstocher ohne Widerstand hineinstechen kann. Dann wird es herausgenommen und bei Seite gestellt. Das restliche Drittel Steinpilze (die schönen Stücke) in Butter anrösten. Die Sauce passieren und eventuell mit Mehlbutter binden. Die Gerösteten Steinpilze einlegen und alles mit Balsamico, Salz und Pfeffer abschmecken.

Das Fleisch in der Sauce mit böhmischen Knödeln servieren.
(Das Bild entspricht nicht ganz dem Rezept)

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