Pumpernickel – Das Brot der Westfalen

Auch wenn man bei Westfälischem Brot gleich an Pumpernickel oder Stuten denken mag, so wurde doch in früheren Jahrhunderten in erster Linie ein aus Sauerteig angesetztes Roggenbrot gebacken. Das geschah alle zwei bis vier Wochen, je nach Größe des Hofs. Das Backhaus wurde Back genannt und mit unterschiedlichem Holz beheizt. Die Temperatur war richtig, wenn die Ofentür innen weiß glühte. Dann fegte man rasch die Glut und Asche heraus und um die Hitze nochmals zu überprüfen, legte man eine Roggenähre hinein und begutachtete die Bräunung.

Abendmahldarstellung in der Soester Kirche St. Maria zur Wiese

Die aber bekanntesten westfälischen Brote sind Stuten und Pumpernickel. Sie sind unabdingbare Bestandteile des „Westfälischen Abendmahls neben leckerem Schinken und Bier aus dem „Bullekopp“ (Steinzeugkrug). So eine Abendmahlszene hat ein unbekannter Künstler auf einem wunderschönen Glasbild in der Kirche Maria zur Wiese in Soest dargestellt. Denn statt mit Brot und Wein laben sich Jesu und seine Jünger an Schinken, Schweinekopf, Stuten, Pumpernickel und Bier. Es war wohl das Beste, was nach westfälischer Landessitte aufgetischt werden konnte. Dieser Pumpernickel hat lange Zeit bei Landfremden Kopfschütteln und Verachtung erregt. An seiner Eigenart scheiden sich die Geister, und kein gemeinsames lukullisches Behagen kann die streitenden Parteien versöhnen. „Schwarz Brot, schlimm Bier, grob Schweinekeil / Gibt’s allenthalben in Westfalen / Wer’s nicht glaubt, mag’s selbst erfahren“, meinte der Duisburger Geograph, Kupferstecher und Kartograph Mercator. Der niederländische Humanist Justus Lipsius sagte etwa 1580 über die westfälische Spezialität. „Wenn du die Farbe, das Gewicht, die ganze Gestalt gesehen hättest, du hättest abgeschworen, dass es Brot sei. Armes Volk, das seine eigene Erde essen muss.“

Der päpstliche Gesandte Fabio Chigi, der spätere Papst Alexander VII. soll in Anspielung an einen kirchlichen Hymnus (Ecce panis angelorum = Seht das Brot der Engel) demonstrativ auf den Pumpernickel gezeigt haben: „Ecce panis Westphalorum.“ Und Georg Christian Lichtenberg urteilte: „ … es ist beinahe, als wenn man das liebe Korn roh äße. … das Brot, das den hiesigen Bauernmädchen die schöne Haut, die Munterkeit und das feste Fleisch gibt. Was muss das für ein Gott sein, der Mädchenfleisch aus solchen Sägespänen macht.“ Spätestens seitdem der Pumpernickel auf der Tafel des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. seinen Platz gefunden hatte, war er allerorten hoffähig geworden. Der englische Historiker Thomas Lediard schrieb in einem Brief, dass er in Westphalen jedermanns Brot kosten und proben wolle. „Man hieb es mit einem Handbeil von einem großen Laib … und überreichte es mir mit einem großen Gepränge auf einem hölzernen Teller.“ Gekostet hat er es dann nicht mehr. Das zeigt uns, dass die Westfalen von ihrem Pumpernickel – aller Missachtung durch Ausländer zum Trotz – viel gehalten haben, wenn sie es bei solch einer Gelegenheit mit großem Gepränge anbieten.
Heute ist Pumpernickel bei vielen Feinschmeckern eine vielgeliebte Spezialität. Der Pumpernickel ist zwar nicht gerade leicht verdaulich, aber wegen seiner vollen Kornkraft äußerst gesund und nahrhaft. Er fehlt kaum in einem Brotkorb und wird im Münsterland gerne zusammen mit Stuten gegessen.
Pumpernickel findet in der Küche weitere reichhaltige Anwendung. Er ist ein fester Bestandteil der westfälischen Götterspeise. Die „Westfälische Götterspeise“ besteht aus geriebenem Pumpernickel, Sahne und Kirschen und ist wahrscheinlich das einzige traditionelle Schichtdessert, das die deutsche Küche hervorgebracht hat. Es gibt mehrere unterschiedliche Rezepte für die Westfälische Götterspeise. Pumpernickel ist jedoch jedes Mal bei den Zutaten mit dabei und kennzeichnet den westfälischen Charakter dieser Nachspeise. Für kalte Buffets nehme ich gerne:

Westfälischer Trüffel mit Altbiergelee
Die Zutaten entnehmen Sie bitte der Zubereitung, denn in der Menge können Sie nach Belieben variieren.
Zubereitung
Apfel und Schalotte in Würfel schneiden, mit Knoblauch in etwas Butter anschwitzen, mit Salz und Zucker würzen.
Mit je einem Schuss Wein ablöschen und auf kleiner Hitze mit Rosmarin und Thymian weich kochen. Danach die Kräuter entnehmen. Den weich gekochten Apfel zusammen mit der Leber und den Eiern gut mixen, nach und nach die flüssige Butter dazugeben.
Nun die Leber-Apfel-Masse durch ein feines Sieb (Haarsieb) passieren und in eine feuerfeste mit Klarsichtfolie ausgelegte Form füllen. Die Form in ein heißes Wasserbad stellen und bei 85°C im Backofen (Umluft) für 40 bis 45 Minuten pochieren. Danach kalt stellen und auskühlen lassen.
Die eingeweichte Gelatine in einer Schüssel auf dem Wasserbad verflüssigen und mit ein wenig von der pochierten Lebermasse glatt rühren, nun nach und nach die restliche Lebermasse hinzugeben und glatt rühren. Sobald die Masse kalt genug ist, die geschlagene Sahne mit einem Schneebesen unterheben und kalt stellen. Nun noch gleichmäßig große Kugeln formen und im fein gehackten Pumpernickel rollen.
Für das Altbiergelee zunächst den Zucker hellbraun karamellisieren und mit Altbier ablöschen. Die drei Gewürze dazugeben und 350ml Altbier auf 100ml reduzieren. Dann die Gewürze entfernen, mit etwas Zitronensaft abschmecken, die eingeweichte Gelatine auflösen, dann passieren und kalt stellen. Schließlich das erkaltete Altbiergelee fein hacken. Zum Anrichten etwas von dem Altbiergelee in die Mitte des Tellers geben, Trüffel daraufsetzen und fertig garnieren.

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Zander unter der Kartoffelkruste in Biersauce mit Möhren


Zutaten
4 Zanderfilets á 160 g
100 ml Weißwein

100 g gekochte Kartoffeln
1 Eigelb
25 g Butter
Salz und Pfeffer
Muskat

4 mittelgroße Möhren
10 g Butter
Zucker

100 ml Bier
50 ml Noilly Prat
1 Schalotte
1 Zweig Thymian
1 Lorbeerblatt
1 TL Pfefferkörner
1 kleine Knoblauchzehe
100 ml Fischfond
200 ml Sahne
10 g Butter

Zubereitung
Kartoffeln durch die Kartoffelpresse drücken und mit Eigelb und zerlassener Butter verrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Zanderfilets salzen, in eine gefettete, feuerfeste Form legen und die Kartoffelmasse gleichmäßig darauf streichen. Weißwein angießen und den Fisch im vorgeheizten Backofen bei 200° ca. 15 – 20 Minuten backen. Die Kruste sollte goldgelb sein.

Möhren schälen und in feine Scheiben schneiden. In wenig Wasser mit Butter dünsten und mit Salz und Zucker abschmecken.

Für die Sauce Bier mit Noilly Prat in einen Topf geben. Geschälte, feingehackte Schalotte, Thymianzweig und Lorbeerblatt, zerstoßene Pfefferkörner und abgezogene Knoblauchzehe zufügen und auf 1/3 reduzieren.
Mit Fischfond und Sahne auffüllen und so lange kochen, bis die Sauce sämig ist.
Durch ein Sieb passieren, mit Salz abschmecken und Butterflöckchen unterrühren.

Zanderfilets mit der Sauce auf den Möhren servieren.

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Pfefferpotthast

Jährlich im Herbst feiern die Dortmunder auf dem „Alten Markt“ das Pfefferpotthastfest. Neben diesem ureigenem Dortmunder Fleischragout werden aber auch eine Vielzahl anderer westfälischer Spezialitäten angeboten.
Die Dortmunder sind stolz auf dieses Gericht, hat es nicht nur eine lange Geschichte, sondern auch Geschichte gemacht. Im Jahre des Herrn 1378 hatten die Grafen von der Mark wieder mal einen Versuch unternommen, die mitten im Territorium liegende Freie Reichsstadt Dortmund zu erobern. Zu diesem Zweck bedienten sie sich einer kriegerischen Anleihe bei Odysseus mit der leichten Abwandlung, dass die Truppen nicht im Bauch eines hölzernen Pferdes, sondern auf Karren versteckt unter Holz und Heu in die belagerte Stadt eingeschmuggelt werden sollten. Sie vertrauten dabei auf Mithilfe einer adligen Dame namens Agnes von Vierbecke (auch Nyse genannt). Die verwitwete Agnes stammte von einem Adelshof nahe Dortmund und hatte den Dortmunder Patrizier Sudermann geheiratet. Sie war aber auch mit Dietrich von Dinslaken, einem Bruder des Grafen von der Mark befreundet.
Sie forderte am Wißstraßentor Einlass und erklärte die Ladung als persönliche Wintervorräte. Das äußere Tor war bereits geöffnet, und sie stellte den Wagen so, dass es nicht mehr geschlossen werden konnte. Den Torwächter Hermann Rübenkamp, der die schöne Witwe persönlich kannte und nichts Böses ahnte, lenkte sie ab, indem sie ihn bat, ihr einen Topf Pfefferpotthast von den Fleischbänken zu holen. Rübenkamp verließ pflichtwidrig seinen Posten, und da Agnes annahm, auch das innere Tor sei schon geöffnet, erstieg sie den Wißstraßentorturm und gab mit einem weißen Taschentuch das vereinbarte Zeichen. Die Söldner stürmten auf das Dortmunder Tor zu und wurden alle überwältigt und getötet. Auch die Dame und der Torwächter Rübenkamp fanden noch am selben Tag ein unchristliches Ende.

Am Abend werden die Dortmunder wohl recht gefeiert haben, und eine ganze Menge Pfefferpotthast wurde verspeist. Damals unterschieden sich die Zutaten von denen, die heute im Pfefferpotthast Verwendung finden. Denn der Original-Potthast (pott = Topf, hast = gesottenes Fleisch) wurde aus weniger wertvollen Schweineteilen wie Ohren, Schnauze, Schwanz oder Pfoten unter Hinzugabe von Gemüse oder Zwiebeln hergestellt. Für den Pfefferpotthast wird dagegen in der Regel Rindfleisch genommen, wiewohl auch Schweinerippchen untergemischt einen leckeren Geschmack ergeben.

Heute ist es im östlichen Ruhrgebiet, besonders ein in Dortmund äußerst beliebtes Gericht, das auch den Beinamen westfälisches Gulasch trägt. Es gehörte zum Betriebsausflug, wie auch zum Kegelabend und galt bei Hochzeiten als unentbehrlich. Ja, selbst bei offiziellen Anlässen der Stadt Dortmund wurde es serviert.

Zutaten
1 kg Rinderkamm oder Hohe Rippe
1 TL Salz
500 g Zwiebeln in Scheiben
70 g Schmalz
10 Pfefferkörner im Mörser zerstampft
2 große Lorbeerblätter
2 Nelken
1 Liter Fleischbrühe
Saft od. geriebene Schale einer Zitrone
Paniermehl
grob gemahlener Pfeffer

Zubereitung
Das Fett wird in einer großen Kasserolle erhitzt.
Darin die feinblättrig geschnittenen Zwiebeln andünsten und das in mundgerechte Stücke geschnittene Fleisch unter häufigem Wenden kurz anbraten. Jetzt wird mit Fleischbrühe aufgefüllt, mit Salz würzen, Pfefferkörner, Lorbeerblatt und Nelken zugeben und alles 90 Minuten bei schwacher Hitze garen.
Die Sauce mit Paniermehl binden, noch einmal 5 Minuten durchkochen und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzig abschmecken.
Serviert wird Pfefferpotthast in einer Ragoutschüssel.
Dazu isst man Salzkartoffeln und Gewürzgurken.
Manche geben auch Kapern dazu!

Bei uns daheim wurden bei besonderen Anlässen große Brottassen aus Stutenteig gebacken. Der obere Deckel aufgeschnitten, die Tasse ausgehöhlt und darin das Pfefferpotthast serviert. Zum Schluss isst man das mit Sauce durchweichte Brot.

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