Hortobagy Palatschinken

Wir kamen mit dem Wagen durch die sanfte Hügellandschaft Westungarns quer durch das Komitat Tolna zur Donau. Unser Ziel war die Tiefebene jenseits des Flusses. Meine Söhne waren noch klein, und es gab nicht so viele Brücken über den Strom wie heute. In Gerje setzte uns eine Fähre über. Vorbei an Kolocsa kamen wir zur Hortobagy Puszta. Über Kolocsa muss ich ein anderes mal schreiben. Es ist heute noch das weltgrößte Anbaugebiet von Paprika. An den Häusern hingen die Schoten an langen Fäden aufgezogen zum Trocknen. Schöne, bemalte Häuser säumten die Straßen. Dann weitete sich das Land, eine endlose Weite wie es schien: Die Hortobagy Puszta. Die Ortsnamen wurden manchmal so lang, dass wir lachend versuchten, sie zu lesen. Hier war die Gegend, in der der Film „Ich denke oft an Piroschka“ gedreht wurde. Das waren damals noch unsere wenigen Kenntnisse von Ungarn und der Puszta. Es folgten viele Jahre, in denen wir immer wieder Urlaub in Ungarn machten. Diesmal war unser Ziel Salosar. Hier wartete auf einem Gestüt ein Zigeunerwagen mit Pferd, der in der nächsten Zeit unser Domizil sein sollte.

Meine Söhne waren vom ungarischen Essen tief beeindruckt, vor allem von den riesigen Portionen. Die sind heute auch nicht mehr so riesig, aber sicherlich noch genauso gut. Zu den Favoriten gehörten bei den Mahlzeiten – oft haben wir dann selber gekocht, aber genauso oft sind wir in Gasthöfe eingekehrt – Palatschinken. Pfannkuchen würden wir dazu sagen. Es gab sie in einer schier unendlichen Vielfalt: süße und salzige Palatschinken. Der Favorit aber waren „Hortobagy Palasinca“, die dann später daheim auch regelmäßig zubereitet wurden.

Zutaten
350 g Hähnchenfleisch
mildes Paprikapulver
1 große und 2 kleinere Zwiebeln
1 große Tomate
1 große gelb-grüne Paprika
etwas Petersilie
300 ml saure Sahne
3 EL Mehl
1 TL Salz
Pfeffer

Für den Palatschinken:
200 g Mehl
2 Eier
350 ml Milch
eine Prise Salz

Zubereitung
Zwiebel klein schneiden, andünsten und das Hähnchenfleisch kurz mit anbraten.
Vom Herd nehmen und Paprikapulver unterrühren. Wenn man das Ganze auf dem Herd lässt, verbrennt das Paprika sofort und die Sauce wird bitter.
Mit ca. 200-300 ml Wasser (alles muss gut bedeckt sein) ablöschen, salzen, pfeffern und klein geschnittene Tomaten, Petersilie und Paprika (edelsüss) dazugeben. Bei geschlossenem Deckel 25-30 Min. köcheln lassen, verkochtes Wasser nachfüllen.

Währenddessen Palatschinkenteig zubereiten. Alles mit dem Quirl mischen, ca. 20 Minuten ruhen lassen und 8 dünnere Pfannkuchen backen.
Wenn das Fleisch weich ist, nehmen wir es heraus und schneiden es in kleine Würfel.
Saure Sahne mit Mehl verrühren und löffelweise unter die Soße mischen. Sehr kurz aufkochen lassen. 3-4 EL davon zu dem kleingeschnittenen Fleisch geben und pürieren oder durch den Wolf drehen. Die restliche Soße aufheben.
Von der Fleischmasse jeweils einen großen EL in der Mitte der Palatschinken platzieren, Ränder schließen, so dass eine Art Päckchen entsteht, Hauptsache die Füllung bleibt drin.
In eine feuerfeste, leicht eingefettete Form mit der Öffnung nach unten legen, restliche Soße darüber gießen.
Im vorgeheizten Backofen (220° C Ober- und Unterhitze) ca. 15 min backen.
Zum Servieren mit etwas saurer Sahne beträufeln und mit in Ringe geschnittenen Paprika und Petersilie dekorieren.

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Kartoffelauflauf mit Edelpilzen


Salz
200 g frische Edelpilze
30 Butter und Butter für die Gläschen
Pfeffer
1 EL gehackte Petersilie
2 Eier
65 g Ricotta
Muskat

4 hitzebeständige Gläschen (4 – 5 cm Durchmesser)

Kartoffeln schälen, in Salzwasser weich kochen und durch eine Presse drücken.

Backofen auf 220ˆvorheizen und ein tiefes Backbleck mit Küchenpapier auslegen.

Pilze putzen und grob würfeln. Butter in einer Pfanne erhitzen. Pilze darin kurz anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen, Petersilie zugeben. Gläschen fetten und die Pilze in die Gläschen füllen.

Eier trennen. Eigelb und Ricotta unter die Kartoffelmasse rühren, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Eiweiß mit einer Prise Salz sehr steif schlagen und den Schnee unter die Kartoffelmasse heben. Mischung auf die Pilze in den Gläsern verteilen.

So viel heißes Wasser in das Backblech füllen, dass die Gläschen zu einem Drittel im Wasser stehen. Gläschen ins Wasserbad setzen und im Ofen 20 – 25 Minuten garen und sofort servieren.

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Eiserkuchen, Niejoaehrkes und Crêpes Dentelle

In der letzten Zeit hatte ich in Frankreich eine Packung Crêpes Dentelle gekauft und für einen besonderen Anlass weggelegt. Ich wusste eigentlich nicht, was für ein Gebäck mich nun erwarten würde. Gestern war dann die Gelegenheit die Schachtel zu öffnen, und es war eine freudige Überraschung. Ein großartiger Geschmack, und die Röllchen zergingen auf der Zunge.
Aber woran erinnerte mich dieser Geschmack nur? Ich kannte ihn. Ja richtig: Niejoahrskoken oder auch liebevoll Niejoaehrkes genannt.
Niejoahrskoken oder auf Hochdeutsch „Neujahrskuchen“ war eines der Lieblingsgebäcke meiner Kindheit. Es gab sie nur einmal im Jahr, wie der Name sagt, zu Silvester und Neujahr. Ich habe dann gegoogelt und siehe da, das Rezept war das selbige.

Das Backen von Neujahrskuchen, oder in unserer Familie auch Eiserkuchen genannt, war um den Jahreswechsel herum eine Familientradition. Die Großeltern erzählten, dass früher am offenen Kamin oder der Feuerstelle die beliebten und duftenden, flachen und knackigen Niejoahrskoken gebacken wurden. Jeder Hof hatte in der Regel eigene Backeisen mit eingravierten Motiven, die meistens einen Bezug zur Familie, dem Ort oder besonderen Ereignissen aufwiesen. So fanden sich oft Namen und Initialen, Hochzeitsdaten, Wappen, Handwerkszeichen, Hofansichten, Windmühlen, Blumen auf den Platten. Wir hatten bereits ein elektrisches Eisen, welches ich auch heute noch besitze.
An den unterschiedlichen Gewürzen wie frisch gemahlener Zimt, Anis, Sternanis, Koriander und Kardamom ließen sich unverwechselbar die Eiserkuchen den einzelnen Familien zuzuordnen; denn jede Familie hatte ihr eigenes Rezept, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Der traditionelle Teig wurde von den Frauen am Tag zuvor geknetet, der kurz vor dem Backen zu kleinen Teigkugeln, Rullen genannt, geformt wird. Das Eisen wurde vorgeheizt und bevor die Teigkugel eingelegt wurde, mussten zunächst die beiden Plattenflächen des Backeisens gefettet werden. Dazu nahm man eine Speckschwarte. Dieser Vorgang ist aber nur einmal vor Beginn des Backvorgangs erforderlich. Anschließend werden die Platten durch den Fettgehalt des Teigs gefettet. Beim Backen wurde das Eisen zusammengepresst, und der Teig fing an zu pfeifen. Dadurch entstand auch ein weiterer Name: Piepkuchen.
Das Eiserkuchenbacken war auch ein gesellschaftliches Ereignis für die ganze Familie, Freunde und Bekannten. Schon früh am Morgen ging es los und zog sich bis zum späten Abend hin. Da wurde so manches Pfeifchen geschmaucht und auch so manches Schnäpschen gekippt, so dass die „Bäcker“ und „Bäckerinnen“ ein ganz schönes Durchstehvermögen an den Tag legen mussten, um es bei der zusätzlichen enormen Hitze vor der offenen Feuerstelle aushalten zu können. Zwar wurde laufend abgewechselt, aber dennoch: es waren lange Tage. Wir Kinder erhofften immer etwas „Bruch“ vorab zu bekommen. Wie durch ein böses Geschick widerfuhr es immer dem Großvater, dass ein Kuchen zerbrach und gerade immer dann, wenn wir wieder bettelten.

Bei meinen Recherchen stieß ich dann auf vielfältige Formen des „Eiserkuchens“. In der Schweiz und in Österreich heißen sie Hippen oder Hüppen, und in verschiedenen Regionen existieren sie als Neujahrshörnchen, Krüllkuchen, Rullerkes, Neeijahrskook oder auch Krüllkoken oder auch Klemmkuchen. Im Rheinland heißen sie Neujährchen.
„Hippen sind Gebäcke aus einer dünnflüssigen Makronenmasse aus Zucker, Vollei oder Eiklar, der auch Butter oder Sahne und Mehl zugegeben werdenGewürzt wird die Hippenmasse u.a. mit Vanille, Zimt, Arrak, Zitrone oder Süßwein. Nach dem Auskühlen wird die Masse fest und ergibt ein splittrig mürbes Gebäck. Die Rezepturen sind vielfältig, enthalten aber immer Eiklar und Zucker. Die Besonderheit der Hippenmasse liegt in ihrer Verarbeitung, denn sie kann nach dem Backen heiß geformt (gerollt oder gebogen) werden, weil das Gebäck erst nach dem Abkühlen fest wird.“ (wikipedia)

Eiserkuchen
Zutaten

250 g Grümmel (gestoßener Kandis)
½ l Wasser
200g zerlassene Butter
500 g Mehl
1 Ei
Abrieb einer Zitronenschale
Zimt

Zubereitung
Aus den Zutaten einen Teig bereiten, Teigkügelchen formen und 2 – 3 Minuten im heißen Eiserkucheneisen backen. In einer Blechdose aufbewahren, sonst werden sie weich.

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