Mein Götti-Lebkuchen

Vergangenes Jahr schrieb ich zu Beginn des Advent über Bildbrote. Besonders in der vorweihnachtlichen Zeit wurde das Brot und Gebäck zu den kirchlichen Festtagen besonders gestaltet. Für dieses Gebildbrote verwendete man nur besondere Zutaten wie Weizenauszugsmehl, Zucker oder Honig, Butter, seltene Gewürze und Trockenfrüchte. Meist waren die Gebildbrote aus Hefeteig. Das bekannteste Gebildbrot ist sicher der gebackene Stutenkerl, aber auch Buhmann, Weckmann oder Grättimann genannt. Sicherlich hat er viel mehr Namen, als mir bekannt sind. Daneben gab es auch noch Schmalzgebackenes und besonders schön geformte Lebkuchen.
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Dieses Jahr gewann ich bei einem Lottomatch (Bingo) in der Schweiz einen „Götti-Lebkuchen“, den ich jetzt vorstellen möchte. Aber zuerst ein paar Worte über die Geschichte des Lebkuchens. Denn gerade der Lebkuchen erreichte eine große Volkstümlichkeit. Seit Jahrhunderten hat er die Herzen von Millionen Menschen erobert.

Honig gesüßte Speisen dürften als die Urformen unseres heutigen Süßgebäcks bezeichnet werden. Bereits vor mehr als 4.000 Jahren herrschte bei den Babyloniern die Sitte, den Göttern mit Honig gesüßtes Opfergebäck aus Roggenmehl und getrockneten Früchten darzubringen. Demnach war der Honigkuchen Kultgebäck, Speise der Götter und Allheilmittel zugleich. Auch bei den Ägyptern waren diese „Honigkuchen“ bekannt. Und von dem griechischen Philosophen und Mathematiker Pythagoras – der heutigen Schülern vor allem durch seinen mathematischen Lehrsatz bekannt sein dürfte – weiß man, dass er als Vegetarier den Göttern keinesfalls blutige Tieropfer, sondern Honigkuchen darbrachte. Von den Griechen und Römern wurde das Backwerk dann in ganz Europa verbreitet, wo es im 12. Jahrhundert bereits in den zahlreichen neu gegründeten Klöstern des deutschsprachigen Raumes bekannt war. Klöster bildeten schon im frühen Mittelalter eine Stätte der Esskultur. Kein Wunder, dass man hier die von der Antike ererbte Tradition der Lebkuchenherstellung pflegte. In den Klostergärten wurden verschiedene Heilkräuter angepflanzt und zu Säften und Pulver verarbeitet. Sieben- oder neun verschiedene Gewürze kamen in die Leb- und Pfefferkuchen, damit auch durch diese göttlichen Zahlen ein Hinweis auf Gottes Vollkommenheit bestehe. Bis heute kann auf Krämermärkten an den Gewürzständen das Siebenerlei- oder Neunerleigewürz gekauft, und damit wird der Lebkuchen mancherorts noch gewürzt.

Was das Wort „Lebkuchen“ angeht, so ist dessen Herkunft bis heute nicht vollständig geklärt. Denkbar erscheint, dass die Vorsilbe „Leb“ mit dem Wort „Laib“ als geformtem Gebäck zusammenhängt. Möglich wäre aber auch eine Abstammung des „Lebkuchens“ von „Labekuchen“ oder vom lateinischen „libum“ = „Fladen, Kuchen, Opferkuchen“.

Im 15. Jahrhundert erreichten viele Schätze des Orients Europa: darunter auch exotische Gewürze wie Nelken, Anis, Koriander, Muskat, Safran, Kardamom oder Zimt und nicht zu vergessen, der schwarze Pfeffer. Mit diesen Kostbarkeiten verfeinerte man fortan den Lebkuchenteig. Da die Gewürze landläufig unter dem Sammelbegriff „Pfeffer“ geführt wurden, ergab sich schnell die Bezeichnung „Pfefferkuchen“ für das beliebte Honigkuchengebäck. In den angelsächsischen Ländern führen die Lebkuchen die Bezeichnung „Gingerbread“, also Ingwerbrot.

In beinahe allen Ländern Europas haben die Lebkuchen ihre Besonderheiten in Form und Geschmack und auch oft eine tiefere Bedeutung. So auch in der Schweiz. Schon früh wird er dort in der Literatur erwähnt, so auch bei Jeremias Gotthelf in den Kalender-Geschichten. «…Aber was die Basler für gute Leute sind, und was für Freude die an uns hatten, ich würde es keinem Menschen glauben, wenn ich es nicht erlebt hätte, und ich hatte Ursache, Gott zu danken, dass ich nicht aus Lebkuchenteig bestand, nicht so ein appetitlicher Bärenmutz war, sie hätten mich gefressen, ich glaub es wenigstens. Ich reisete also heim, wie gesagt, glücklicherweise ungefressen, eben weil ich kein Lebkuchen war…»

Und um so einen Bärenmutz geht es heute, denn den habe ich habe ich gewonnen. Aber warum heißt er Götti Lebkuchen? Der Götti ist der Pate, der jährlich ein Patengeschenk gab. Oft war es ein leckerer Lebkuchen, verziert mit einem stolzen Berner-Bären und dem «Götti-Batzen». Das sind dann ein oder mehrere blanke, glänzende Fünflibern, die der Bäcker mit Zuckerguss auf dem reich verzierten Lebkuchen aufgeklebt hatte. Doch das war nicht immer so, denn auch der Götti Lebkuchen hat seine eigene Geschichte. Lange Zeit war der Götti Lebkuchen nicht mit einem Spruch oder dem Berner Bären verziert, sondern mit einem Bild des Kaiser Friedrich III. Damals hießen die Lebkuchen „Kayserlin“. Diese Tradition geht auf ein Ereignis im Jahre 1487 in Nürnberg zurück.

Seiner Zeit ließ Kaiser Friedrich III. den Hohen Rat anlässlich eines Reichstages am Pfingstsonntag wissen : „es wer im ein groß wohlgefallen, die Kinder Nürnbergs beisammen zu sehen.“ Und so versammelten sich rund 4.000 Nürnberger Kinder in den Gassen, die vom Kaiser mit Lebkuchen bewirtet wurden. Zur Erinnerung an jenen Tag erhielten die Lebkuchen mit dem Bild des Kaisers den Namen „kayserlin“.

Der Kaiser hat nichts zu suchen in der Schweiz (außer bringt sein Schwarzgeld gerade in Sicherheit) – so sind heute die Götti-Lebkuchen mit anderen Bildern und Ornamenten reich verziert, und oben auf kleben die Götti Batzen: blanke, schöne Fünliber Münzen.

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Zwiebelkuchen nach Lamiacucina / Fredy Girardet

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Vor wenigen Tagen hat Lamiacucina einen wunderbaren Zwiebelkuchen nachempfunden, den er einst als Amuse gueule bei Fredy Girardet in Crissier nahe Lausanne gegessen hatte. Ich hatte auch das Vergnügen vor vielen Jahren. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass er einer der größten Köche seiner Wirkensperiode war. Das Rezept hat es mir so sehr angetan, dass ich es nachgearbeitet habe.
Ich wiederhole die Rezeptur nicht, Ihr findet sie unter dem eingefügten Link.
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Rosenkohl – knusprig und zart

Das folgende Rezept konnte ich mir ursprünglich nicht einmal vorstellen, aber dann habe ich es ausprobiert und war begeistert. Ich gebe den geputzten Rosenkohl für ein paar Minuten in eine Friteuse. Genauer gesagt, habe ich in einer schweren Sauteuse Kokosfett erhitzt und darin den Rosenkohl ausgebacken.
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Rosenkohl ist eines von den Gemüsesorten, die nicht bei jedermann beliebt ist. Bereits im letzten Jahr habe ich experimentiert und die einzelnen Blättchen vom Rosenkohl gelöst und diese gedünstet. Das Ergebnis war so überraschend gut, dass es Rosenkohlhasser am Tisch probierten, und begeistert weiter aßen. Das Gleiche passierte mir jetzt mit dem frittierten Rosenkohl. Auf dem Teller lag einfach kein übel riechendes Gemüse, wie es schon mal bei Rosenkohl vorkommt (aber nicht muss).
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Zuerst werden die kleinen grünen Röschen geputzt, gewaschen, getrocknet und dann habe ich sie längs halbiert. Wenn sich einige der Blätter lockern und abfallen, macht das nichts. Man gibt sie einfach ein oder zwei Minuten später mit in die Friteuse. Als Gewürz habe ich nur Salz und etwas schwarzen Pfeffer genommen, wohlgemerkt: nach dem Frittieren.
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Ich habe nur soviel Kokosfett in die Sauteuse gegeben, dass der Rosenkohl so eben bedeckt war.
Ich verwendete Kokosfett. Man muss nur aufpassen, dass das Fett nicht zu heiß wird. Vielleicht frittiert man zuerst ein Röschen für sich alleine. Immer nur soviel Rosenkohl in das Fett geben, dass der Boden des Topfs bedeckt ist. Eventuell muss man in mehreren Portionen frittieren. Nach spätestens fünf Minuten haben die Röschen eine knusprige, zarte Textur.

Zutaten
500 g Rosenkohl
genügend Kokosfett
Salz
Pfeffer

Zubereitung
Den Rosenkohl putzen, waschen und gut abtropfen lassen. Danach der Länge nach halbieren.
Zum Frittieren muss er sehr trocken sein, sonst spritzt das Fett.
Bei hoher Hitze in genügend Öl garen; eventuell in mehreren Arbeitsschritten. Auf Küchenpapier entfetten und mit Salz und Pfeffer würzen.

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