Hamburger Pannfisch

Es ist wieder einmal Fastenzeit. In meiner Kindheit hielt man sich noch daran – und nicht nur die vierzig Tage vor Ostern. Nein, bei uns gab es auch jeden Freitag Fisch. Man hätte ja auch auf Eier ausweichen können. Aber das ging nicht, denn pünktlich am Freitag Vormittag rollte der Fischhändler mit seinem anfangs noch dreirädrigem Karren, später hatte er einen Verkaufswagen mit Fenster, auf den kleinen Marktplatz. So wie in der Geschichte „Frischer Fisch“ von Siegfried Lenz stand mit weißen Lettern auf dem roten Lieferauto: „Frischer Fisch aus einheimischen Fang“. Und so eilten die Hausfrauen dahin und kauften Koch- oder Bratfisch oder Heringe, die sauer eingelegt wurden. Bei besonderen Gelegenheiten gab es auch schon mal geräucherten Aal, aber der war teuer.

Ein allseits beliebtes Gericht war Hamburger Pannfisch. „Pann“ ist plattdeutsch und heißt Bratpfanne. Ursprünglich war es ja mal eine Hamburger Spezialität, aber heute gehört es zu den allgemein norddeutschen Spezialitäten. Ih wurde bereits als Kind belehrt, niemals im Restaurant Pannfisch zu bestellen. Denn ursprünglich war es ein typisches Resteessen für ürbig gebliebenen Fisch. Die dicke, mit Mehl gebundene Senfsauce musste dann alles überdecken. Daheim war es nicht so, und so etwas sollte es heute auch nicht mehr in Gaststätten geben. Für Hamburger Pannfisch braucht man eine, oder zwei Sorten Bratfisch. Bei uns war es immer gemischt. Die einen mochten lieber Stücke vom Kabeljau – die anderen lieber Rotbarsch. Mir war es gleichgültig, solange es keinen gekochten Dorsch gab. Zum Dorsch gab es mehlig kochende Heidekartoffeln und Senfsauce. Die Senfsauce gibt es zum Pannfisch auch, aber diesmal wurden die Kartoffeln von der Sorte Bona oder Ackersegen, die bereits am Vortag vorgekocht wurden, knusprig gebraten.

Die unterschiedlichen Kartoffelsorten waren schon wichtig. Zu jedem Gericht gab es die passende Kartoffel. Denn Kartoffeln gab es nahezu jeden Tag. Nudeln habe ich das erst mal gegessen, da hatte ich schon das 10. Lebensjahr hinter mir. Und die Sauce ist wichtig. Den Geschmack beeinflussen nicht nur die vielen verschiedenen Senfsorten, sondern auch die Basis: Eine mit Mehl gebundene Soße schmeckt anders als eine mit Weißwein, Fond und Sahne gekochte. Aber dann entfernen wir uns schon ganz gehörig vom Original. Die echte Senfsauce wird mit Mehl gebunden. Dabei muss man nur gut darauf achten, dass das Mehl intensiv schwitzt und so seinen starken Eigengeschmack verliert. Doch zurück zum Hamburger Pannfisch und seine Zubereitung.

Zutaten:
pro Person 120 – 150 g Seefisch, wie z.B. Kabeljau, Rotbarsch, Schellfisch usw., Salz und Pfeffer, Mehl, Öl zum Braten

für die Senfsauce:
30 g Butter, 1 1/2 EL Mehl, 125 ml Gemüsebrühe, einen guten Schuss Sahne, 2 – 3 Sorten Senf, je nachdem was man im Hause hat (keinen süssen Senf dazu geben), Salz und weisser Pfeffer, 1 TL Zitronensaft

für die Bratkartoffeln:
Kartoffeln, am Tag vorher gekocht und am frühen Morgen gepellt (so dass sie noch etwas nackt stehen), 20 g + 5 g Butterschmalz, 1 kleine Zwiebel in feine Würfel geschnitten, 30 g Speckwürfel, Majoran, gerebelt, Salz und Pfeffer

Zubereitung
Die Kartoffeln am Tag vorher kochen und noch am Abend oder am frühen Morgen pellen.

Da der Fisch die kürzeste Zeit braucht, bereiten wir zuerst die Sauce. Butter auslassen, Mehl einrühren und gut schwitzen lassen. Dabei immer umrühren. Mit der Gemüsebrühe ablöschen und wenn die Masse wieder eindickt, die Sahne zugeben. Die Hitze herunterschalten und den Senf nach Geschmack zugeben. Danach wieder nach eigenem Geschmack abschmecken. Die Sauce warm stellen.

Die Kartoffeln in Scheiben schneiden und im heißen Butterschmalz braten. Darauf achten, dass die Pfanne nicht zu voll ist, sonst werden sie nicht knusprig. Nach dem ersten Wenden die fein geschnittene Zwiebel dazu geben. Dann mit Salz, Majoran und eventuell Pfeffer abschmecken.
Die Speckwürfel separat in den 5 g Butterschmalz in einer kleinen Pfanne ausbraten.

Den Fisch in Portionen teilen, würzen und mehlieren, dann in heißem Öl in einer extra Pfanne braten.

Wenn der Fisch gar ist (nur wenige Minuten), mit den Bratkartoffeln auf einer Platte anrichten. Mit den ausgebratenen Speckwürfeln bestreuen. Man kann den Speck auch weglassen. Aber ohne Speck schmecken mir Bratkartoffeln nicht.
Mit der Senfsauce nappieren und servieren. Die restliche Senfsauce separat dazu reichen. Dazu passt gut ein Salat.

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Sunday Roast oder Sonntagsbraten

In meiner Kindheit war der „Sonntagsbraten“ noch eine Sitte, die in vielen Familien gepflegt wurde. Erstens gab es nicht jeden Tag Fleisch, dafür aber sicher am Sonntag und zweitens war es der freie Tag in der Woche. Man war noch nicht so mobil wie heute und Besuche mussten geplant werden und Kommunikation  geschah meist von Angesicht zu Angesicht. Das heißt, die Familie – und damit meine ich auch die weitere Verwandtschaft kam zusammen, um gemeinsam am Tisch zu sitzen und zu essen und zu reden. Nach dem Essen schloss sich meistens ein Spaziergang an.  In Großbritannien ist der  Sunday roast eine britische Institution – ebenfalls eine Zeit, um Familie und Freunde zu versammeln und ein Festmahl für alle zu kochen. Für den Sunday roast können Rind, Huhn, Lamm, Schwein oder auch Geflügel verwendet werden. Dazu gehören verschiedene Gemüse, geröstete Kartoffeln und im idealen Fall Yorkshire Pudding.

Bei mir gab es am Sonntag ein Roastbeef vom irischen Weiderind mit einer Kruste aus fermentiertem schwarzen Knoblauch, Thymian und Chipotle und natürlich gehörten Röstkartoffeln dazu. Ein „Muss“ für jeden britischen Braten. Das Ziel sind knusprige Kartoffeln, die innen fluffig sind. Und als Gemüse Fingermöhrchen, die im Bratenfett mitgegart wurden.

Perfekt wäre es noch mit Yorkshire Pudding gewesen, aber der ist misslungen, war wohl zu kurz im Ofen und fiel zusammen.

Zutaten:
1 kg Rindfleisch, 1 EL schwarzer Knoblauch, 1 TL Chipotle-Flocken, 1/2 TL geräuchertes Paprikapulver, 1 Orange, geschält, 1 EL Thymianblätter, 400 g Fingemöhren, 600 g mehlig kochende Kartoffeln, Olivenöl, Salz und Pfeffer, 250 ml Hühnerbrühe, 1 Schuss Rotwein, 1 EL Mehl

Zubereitung:
Schwarze Knoblauchpaste, Chipotle, Paprika, Orangenschale und Thymianblätter vermischen, dann das Rindfleisch großzügig mit Salz und Pfeffer bestreichen und über Nacht im Kühlschrank marinieren lassen.

Das Rindfleisch eine Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen, damit es Zimmertemperatur erreicht.

Die Kartoffeln 10 Minuten kochen, dann abseihen.

Backofen auf 220° C vorheizen.

Karotten und Kartoffeln in Olivenöl wenden und mit Salz und Pfeffer bestreuen.

Das Rindfleisch mit den Karotten und Kartoffeln an den Seiten in eine große Bratform legen. Die Beilagen werden im Rinderfett geröstet, was sie besonders lecker macht.

In den Ofen geben und nach 20 Minuten Braten bei 220° C Backofen auf 160° C herunterschalten und weitere 30 (rare) bis 40 Minuten (medium-rare) garen.

Aus dem Ofen nehmen und auf eine vorgewärmte Platte anrichten und mit Folie abdecken. 20 Minuten ruhen lassen.

In der Zwischenzeit schnell eine Pfannensauce zubereiten. Zu den Säften in der Bratform den Wein und die Hühnerbrühe hinzufügen. Zum Kochen bringen und einige Minuten reduzieren. Bequemlichkeit halber kann man auch die Säfte erst in eine Pfanne umfüllen.

Zum Eindicken einen Löffel Mehl einrühren und köcheln lassen, um den mehligen Geschmack herauszukochen. Abschmecken und mit Salz und Pfeffer würzen.

Das Rindfleisch gegen die Faser tranchieren und mit gebratenen Karotten, Kartoffeln und Soße servieren.

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Kartoffel-Lauch-Spinatsuppe mit verschiedenen Beilagen

Dieses Lauch – Kartoffel – Suppenrezept wird mit mehreren leckeren Beilagen serviert, die die bescheidene Suppe zu einem besonderen Gericht macht. Da ist geräucherter Schellfisch der in Milch pochiert wird, die dann der Suppe eine zusätzliche Geschmackstiefe verleiht, dazu hausgebeizter Lachs und für jene, die keinen Fisch mögen, gibt es kleine Fleischkrapfen.
Das kräftige Grün erhält die Suppe durch eine Handvoll Spinat.

Zutaten
120 g geräucherter Schellfisch, in 4 gleiche Portionen geschnitten, 100 ml Vollmilch, 120 g Lachs, selbst gebeizt, 4 kleine Fleischkrapfen,
für die Kartoffeleinlage:
2 große Kartoffeln, geschält, 50 g Butterschmalz, geschmolzen
für die Lauch und Kartoffelsuppe: 200 g Butter, 250 g weiße Zwiebel, in Scheiben geschnitten, 300 g Kartoffeln, geschält und gerieben, 2 Knoblauchzehen, fein gerieben zu einer Paste gemörsert, 400 g Lauch, in Scheiben geschnitten, 3 Zweige frischer Thymian, 4 g mildes Currypulver, 3 g frische Hefe, 100 g Weißwein, 650 g Wasser, 300 g Doppelrahm, 50 g Petersilie oder Spinat oder eine Mischung aus beidem, Zitronensaft, nach Geschmack

Zubereitung:
Beginnen wir damit, den geräucherten Schellfisch zu pochieren, da die übrig gebliebene Milch dann in der Suppe verwendet werden kann. Die Schellfischportionen in eine kleine Pfanne geben und mit der Milch bedecken. Auf mittlere Hitze stellen und leicht zum Kochen bringen, dann vom Herd nehmen und den Fisch in der Milch abkühlen lassen. Den Fisch vorsichtig herausnehmen und bis zum Servieren aufbewahren. Daran denken, die Milch aufzubewahren.

Für die knusprige Kartoffelgarnitur einen Backofen auf 180° Cvorheizen. Die Kartoffeln schälen und in ca. 1 x 1cm große Würfel schneiden (die übrig gebliebenen Kartoffelreste können für die Suppe verwendet werden. Aufpassen, dass sie gerieben oder fein gehackt sind). Mit dem Butterschmalz vermischen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Ca. 10 – 12 Minuten knusprig und goldbraun backen. Mit Salz bestreuen und nach dem Abkühlen bis zum Servieren in einem luftdichten Behälter aufbewahren.

Für die Suppe einen großen Topf mit der Butter auf mittlere Hitze stellen. Sobald die Butter größtenteils geschmolzen ist, fügen wir die in Scheiben geschnittene Zwiebel hinzu und lassen sie einige Minuten garen, bis sie glasig ist. Dann die geriebenen Kartoffel, den Knoblauch, das Currypulver, den Thymian und die Hefe hinzugeben. Unter regelmäßigem Rühren weitere 8 – 10 Minuten garen.

Den Lauch dazugeben und weitere 5 – 8 Minuten garen. Sobald er weich ist, 4 TL Lauch entfernen und zum Garnieren beiseite stellen. Mit Wein aufgießen und auf die Hälfte reduzieren. Das Wasser und die reservierte Milch vom Pochieren hinzu geben und weitere 4 Minuten kochen.

Zum Schluss Sahne, Petersilie und / oder Spinat hinzugeben und noch ein paar Minuten kochen lassen, dann in einen Mixer geben. Gut ein paar Minuten glatt und samtig pürieren, mit Salz und Zitronensaft abschmecken. So schnell wie möglich abkühlen, wenn man es nicht sofort serviert, um die hellgrüne Farbe zu erhalten.

Zum Servieren die Suppe und den Schellfisch einige Minuten im Ofen erhitzen, bis sie heiß sind. Den reservierten gekochten Lauch und die knusprigen Kartoffelwürfel auf den Boden jeder Servierschüssel geben. Die Suppe vorsichtig in Schalen am Tisch gießen.

Den Schellfisch, Lachs und die Fleischkrapfen separat servieren.

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