Brezel Soufflé in Pappenheim

„Ich kenne meine Pappenheimer“ lässt Schiller den Feldherrn Wallenstein in seinem Drama „Wallensteins Tod“ sagen. Das Zitat ist so geläufig, dass es zum geflügelte Wort wurde. „Ich kenne meine Pappenheimer“! ist beispielsweise dann gemeint, wenn dies der Lehrer zur Klasse sagt und die Übeltäter von einem Ereignis meint.  So verstand man das aber nicht immer, denn ursprünglich hatte der Ausspruch eine positive Bedeutung. Die Pappenheimer waren so etwas wie eine Elitetruppe und Wallenstein drückte damit seine Anerkennung für den Mut, die Treue und den Kampfgeist der Soldaten aus.

Soweit zum Zitat, das mir sehr wohl geläufig war, nur – Pappenheim kannte ich bisher nicht. Der Zufall, führte mich in dieses reizende Städtchen. Genauer gesagt, war der Zufall die Internetpräsentation von „Slow Food“. Ich liebe die fränkische Küche und auf der Suche nach einem angenehmen Gasthaus wurde ich unter anderem auf die „Die Sonne“ in Pappenheim verwiesen. „Fränkisch inspirierte Küche“ und „Das Ziel des Küchenteams im Restaurant ist es, Sie mit ihren Gerichten glücklich zu machen!“ heißt es auf der hauseigenen Internetseite. Das ließ mich neugierig werden, und ich staunte nicht schlecht, als ich auf der Menükarte las, was man dort darunter verstand. Und wer möchte nicht glücklich gemacht werden? Doch dazu später mehr.

Ob Kirchen und Schlösser, Barock oder Romanik – in Pappenheim begegnen sich Welten und Zeiten. Die ehemalige Residenzstadt eingebettet in eine romantische Schleife der Altmühl und umgeben von sanften, mit Mischwald bedeckten Hügeln, blickt auf eine 1200-jährige Geschichte zurück. Mittelalterlichen Straßenzügen, charmante Häuser und einzigartigen historischen Baudenkmälern verzaubern die Besucher. Umgeben von einer alten Stadtmauer wird sie von einer Burganlage überthront. Geprägt wurde dieses Bild vom Grafengeschlecht der Pappenheimer als Reichserbmarschälle des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation”, dass dieses Geschlecht über das gesamte Mittelalter inne hatte – immerhin eines der 4 höchsten Ämter des Kaiserreiches. Der Flair des Mittelalters ist überall spürbar.

Weidenkirche in Pappenheim

Die Zeit ist nicht stehen geblieben und unter dem Motto „Kirche: natürlich!“ bauten und pflanzten über hundert Jugendliche in den Osterferien 2007 die erste Weidenkirche in Bayern, als Symbol einer offenen Kirche.

Nun hatte ich bei der Durchreise hier einen Stadtrundgang geplant, der dann vom Regen nach Tagen voller Trockenheit und Hitze vermiest wurde.  Aber wenige Bilder geben einen kleinen Einblick.

Mein Ziel war ohnehin das Gasthaus „Zur Sonne“, das vom Konvivium Altmühlfranken von Slow Food empfohlen wurde. An diesem Abend wurden mir unter anderem Rinderbäckchen an einem Burgunderjus auf Lauch mit Belugalinsen und Zwiebelflakes serviert. Die Rinderbäckchen waren sous vide bei 74° C 48 Stunden gegart und perfekt. Ich hatte dazu um ein Brezel Soufflé gebeten, was ausgezeichnet zum Jus passte. Dafür würde ich auch wiederkommen. Die beiden anderen Gänge und auch die Jovialität des Kellners möchte ich aber lieber nicht bewerten.

Brezel Soufflé mit Rinderbäckchen in der Sonne in Pappenheim

Ob mein Rezept für das Brezel Soufflé mithalten kann, weiß ich nicht, aber ich mag es immer wieder sehr gerne.

Brezel Soufflé in der Sonne in Pappenheim

Brezel Soufflé

Zutaten:
1 EL Butter, 1 Zwiebel, fein gewürfelt, 1 Schuss dunkles Weizenbier, 400 g Laugenbrezel vom Vortag, in Würfel geschnitten, 150 ml Milch, 50 ml Sahne, 5 Eier, getrennt, 1 EL süßer Senf, Petersilie, Majoran, Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Die Brezenwürfel in eine Schüssel geben.

Die Butter in einer Kasserolle zergehen lassen und die Zwiebelwürfel glasig andünsten. Mit
einem Schuss dunklem Weißbier ablöschen und zu den Brezen geben.

In demselben Topf Milch und Sahne zum Kochen bringen und anschließend über die Brezen gießen. Die Masse mit zwei Kochlöffeln locker vermengen. Sobald die Masse etwas abgekühlt ist, die Eigelbe unterheben. Die Gewürze und den Senf unterheben. Die Masse abgedeckt im Kühlschrank für mind. 3 Stunden ruhen lassen.

Die Souffléförmchen mit Butter fetten und mehlen.

Einen große Auflaufform mit kochendem Wasser so weit füllen, dass die Förmchen zu etwa zwei Dritteln im Wasser stehen.

Nun das Eiweiß in der Küchenmaschine steif schlagen. Ein Drittel des Eischnees unter die gekühlte Soufflémasse rühren, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Anschließend den restlichen Eischnee sehr vorsichtig unterheben, damit er möglichst wenig zusammenfällt. Die Förmchen zu zwei Dritteln mit der fertigen Soufflémasse befüllen und in das Wasser stellen.

Im vorgeheizten Backofen (Umluft) bei 220 °C für ca. 12–15 Minuten backen.

Blick aus dem Gasthof Sonne in Pappenheim
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Gebackene Erdäpfelnudeln mit Speck und Pfifferlingen

Kartoffelteig, ist mit Sicherheit eine der Mischungen, die in vielen Küchen weit zubereitet wird. Ob man daraus Klöße, Schupfnudeln oder Gnocchi formt – die Grundlagen: Kartoffeln mit Mehl und Ei sind immer die gleichen. Als Norddeutscher war er zu der Zeit recht unbekannt, dann lernte ich ihn in Österreich kennen und schätzen. Schnell hatte er sich einen festen Platz auf dem Speiseplan meiner Familie erobert. Er wird sowohl in salzigen als auch in süßen Speisen verarbeitet. Schupfnudeln mit Sauerkraut und Speck gibt es immer noch regelmäßig – Mohnnudeln weniger, vielleicht weil die Kinder aus dem Haus sind.

Heute möchte ich ein Gericht vorstellen, dass meist zubereitet wurde, wenn wir Gäste hatten. Der Erdäpfelteig wird mit Speck ummantelt und im Rohr überbacken. Wir machten immer genug Teig, um zum Schluß noch einige Mohnnudeln mit Zwetschgenröster zum Dessert zu servieren.

Zutaten für 3 Portionen:
500 – 600 g mehlig kochende Kartoffeln
ca. 60 – 80 g Mehl
ca. 60 – 80 g Speisestärke (Kartoffelmehl)
1 großes oder 2 kleine Eigelb
40 g Butter
30 g Butterschmalz
200 ml Milch
3 ganze mittelgroße Eier
50 g dünn geschnittenen geräucherten Bauchspeck (oder Bacon)
Schnittlauch
Salz
Muskat
und Mehl für die Arbeitsfläche

Butterschmalz
1 Zwiebel
250 g Pfifferlinge
1 TL Mehl
etwas Rahm
Petersilie
Salz und weißer Pfeffer

Zum Teil sind die Mengenangaben ungenau. Aber im Zusammenspiel von Kartoffeln und Mehl muss man etwas Gefühl mitbringen, da jede Kartoffel und jedes Mehl unterschiedlich saugfähig sind. Der Teig sollte zum Schluß glatt und glänzend sein.


Zubereitung:
Kartoffeln schälen, in Viertel schneiden und weich garen. Nach dem Kochen bei 70° C 15 Minuten im Backofen ausdünsten lassen, dass sie einigen Teil Feuchtigkeit verlieren. Danach durch eine Presse drücken.

Eine feuerfeste Form oder Pfanne mit dem Butterschmalz im Backofen vorwärmen, dass das Fett flüssig wird. Herausnehmen und die Temperatur im Backofen auf 130° C erhöhen.

Erdäpfelmasse mit Mehl, Stärke, Eigelb, Butter, Salz und Muskat rasch zu einem Teig kneten, aus dem man fingerdicke Nudeln wuzelt. Aus der Milch, den Eiern, Salz und Muskat einen Guss mischen.

Die Nudeln (lang oder kurze Teile) in die Specktranchen einwickeln und nebeneinander in die Pfanne schichten und mit dem Milch-Ei-Gemisch übergießen.

Im Rohr ca. 20 Minuten backen, mit Schnittlauch oder auch Petersilie bestreuen und servieren.

Dazu passt vielerlei Gemüse der Saison oder Salat. Ich habe diesmal ein Pfifferlingsragout zubereitet.

Die Zwiebel fein würfeln und in Butterschmalz anziehen lassen. Die gut geputzten Pfifferlinge (oder anderen frischen Pilze) dazugeben und kurz schmoren.

Mit sehr wenig Mehl bestäuben und mit dem Rahm binden. Die feingeschnittene Petersilie unterziehen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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Das zweite Leben eines Suppenhuhns

Huhn mit Kapern – hässlich, aber lecker!

Wenn der Sommer zu Ende geht, sortiert man unnütze Körnerfresser aus. Dann beginnt die Saison des Suppenhuhns. Suppenhühner sind meist deutlich älter und damit auch deutlich größer und geschmacks-intensiver als klassische Brathühner – an ihnen ist ganz schön was dran. Ein Huhn einfach nur auskochen und dann zu entsorgen, wäre eine ziemliche Verschwendung. Nach mehrstündigem Kochen ist das Fleisch zwar etwas ausgelaugt und trocken, mit ordentlich Sauce wird es aber zu einem großen Genuss.

Gute Suppenhühner sind schwer zu finden. Diese Gummiteile aus den Tiefkühltheke gehen gar nicht. 2 kg sollte so ein Huhn schon haben. Ich habe das Glück, solche Tiere auf dem Wochenendmarkt in Mulhouse im Elsass zu finden. Mein angestammter Geflügelhändler, hat immer einige schöne Exemplare im Angebot.

Die Hühnersuppe gehe ich puristisch an: Huhn mit Wasser und/oder nach Verfügbarkeit übrig gebliebenem Wein bedecken, wenige Pimentkügelchen, ein paar Lorbeerblätter, zwei Nelken, Pfefferkörner, Zwiebel und eventuell Wurzelgemüse dazu, mindestens zwei Stunden sanft köcheln lassen, fertig.

Über Nacht die Suppe auskühlen lassen und am nächsten Tag abseihen. Das Fleisch von der Karkasse pflücken. Ich nehme auch gern die Haut mit – grob gehackt schmeckt sie in Sauce ausgezeichnet.

Zutaten:
Ordentlich Butter, ein, zwei Esslöffel Mehl, 1/4 Liter Hühnersuppe, eine knappe halbe Flasche Weißwein, reichlich Kapern, Zitronenschale, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, ein wenig Dijon Senf, reichlich Sauerrahm oder Creme Fraiche

Zubereitung:
Das Fleisch eines halben gekochten Suppenhuhns von den Knochen pflücken und in grobe Stücke zerteilen.

Die Butter in einer Kasserolle schmelzen. Das Mehl zugeben, gut einrühren und kurz rösten. Mit Hühnersuppe und Wein ablöschen, die Kapern zugeben und etwa zwanzig Minuten köcheln lassen, bis der Mehlgeschmack ausgekocht ist, und die Sauce auf die gewünschte Konsistenz eingedickt.

Zitronenschale, Senf, Pfeffer, Sauerrahm und Huhn zugeben, alles gut einrühren, durchwärmen, aber nicht mehr kochen, und mit Salzkartoffeln servieren.

Kartoffel ist nicht Kartoffel. Leider beschränkt sich das Angebot in gängigen Geschäften oft nur auf die unterschiedlichen Kochtypen. Zu diesem einfachen Gericht nehme ich am liebsten die Kartoffelsorte „Andengold“. Sie ist goldgelb und hat ein unglaubliches Kartoffelaroma. Meine Kartoffeln kommen von der Maison Bayard aus der Picardie. Beziehen kann man sie im Internet bei „Tartuffli“.

Der Link ist kein Affiliate-Marketing-Link! Es ist so schwierig gute Kartoffeln zu finden – und hier werde ich fündig.

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