Spargel nach Bismarck-Art

aus Schrobenhauser Spargel

Jedes Jahr zu Frühlingsbeginn bricht der Spargelwahnsinn über das Land hinein, denn Spargel ist ein flüchtiger Frühlingsgenuss. Dieses Frühlingsgemüse ist ebenso gut wie vergänglich. War der Winter nicht so kalt, erscheint der erste Spargel auf den Märkten im März und mit den ersten schwülen Tagen verschwindet er dann wieder. Aus diesem Grund sollte man ihn alsbald nutzen.

Spargel wirkt entschlackend und entwässernd, ist reich an Wasser und Kalium, regt die Diurese an und hilft, überschüssige Giftstoffe auszuscheiden – genau das, was man während des Jahreszeitenwechsels braucht.

Für die Fertig-Hollandaise aus dem Tetra Pak werden jetzt ganze Regalreihen leergeräumt und auf den Speisekarten erscheinen Spargel zum Schnitzel, Spargelrisotto, Spargel im Salat. Spargelflan, Spargelquiche, Spargeleis, Spargelcremesuppe, Spargel mit Schinken, Spargel mit Lachs.

Für viele ist das übertrieben – man kann es aber auch als Gewinn sehen, wenn man einen Rückblick hält und sich dieser wässerigen viel zu weichen Spargelstangen erinnert, die es bis spät in die achtziger Jahre gab. Leider ist mit der Spargelschwemme auch die Qualität gesunken. Doch die Suche nach Spargel der alten Sorten kann sehr zufriedenstellend sein. Ich persönlich bevorzuge Huchels Alpha. Dies ist die berühmteste Sorte des märkischen Spargelzüchters August Huchel. Huchels Alpha bietet gleichmäßige, geschmackreiche und zarte Stangen mit festen, geschlossenen Köpfen und einer leichten Butternote. Wer an alten Sorten interessiert ist und keinen Händler kennt, der so etwas führt, kann sich bei essbare-landschaften.de umschauen. Dies ist kein Laden wie jeder andere. Die meisten Produkte sind immer ausverkauft, aber mit dem Frischebrief erfährt man regelmäßig, wann geschlachtet wird oder welches besondere Gemüse auf den Markt kommt. Alles gibt es passend nur zur Saison. Und da ich gerade Links einsetze: hier bei Tartuffli bekommt man immer die passenden Kartoffeln und auch ein paar andere traditionelle Lebensmittel.

Leichter zu bekommen ist der Schrobenhauser Spargel. Da ich dieses Jahr das Frühjahr warm war und mich mein Weg an Schrobenhausen vorbeiführte, kam ich in den Genuss von sehr frühem Spargel.

Den speziellen Böden im Anbaugebiet um Schrobenhausen, verdankt der Schrobenhausener Spargel seine Eigenschaften. Es sind die Flugsandböden mit einem gewissen Anteil an Schluff- und Lehm. Im Gegensatz zu schweren Böden erwärmen sich diese im Frühjahr sehr schnell, sind leicht zu bearbeiten und erlauben den Spargelstangen ein zügiges, gerade ausgerichtetes Wachstum. Dadurch bekommt er seinen charakteristisch nussigen Geschmack und eine besondere Zartheit der Spargelstangen.

Für solch einen Spargel muss ich in der Küche keine aufwendigen Kapriolen vorweisen. Er spricht für sich und serviert mit einer passenden Kartoffel und Butter ist er bereits ein Genuss.

Bekomme ich aber den ersten frischen grünen Spargel, dann liebe ich ein italienisches Rezept, dass nicht so sehr italienisch klingt: Spargel nach Bismarck-Art.

Natürlich hat diese äußerst delikate Vorspeise kaum etwas mit dem „Eisernen Kanzler“ zu tun. Während in Frankreich Generäle und Marschälle sich nicht nur durch engagiertes Auftreten auf dem Schlachtfeld, sondern auch bei der Durchsetzung ihrer kulinarischen Ansprüche auszeichneten und einige von ihnen der Nachwelt allein durch die von ihnen entwickelten Gerichte und Saucen in Erinnerung geblieben sind, ist dergleichen für ihre deutschen, zumal die preußischen Kollegen ganz undenkbar. Es ist aber auch wieder nicht vollkommen an den Haaren herbeigezogen ist: tatsächlich gibt es sogar eine ganze Reihe von Gerichten „à la Bismarck“, was mit dem simplen Sachverhalt zu tun hat, dass der Reichskanzler sehr groß von Statur und deshalb mit den herkömmlichen Portionen nicht zufrieden war; so ließ er sich jeweils die Speisen durch ein dazugegebenes Spiegelei ergänzen.

Bismarck hätte an diesem leichten Rezept wohl kaum besondere Freude gehabt, es sei denn, man hätte ihm eine Sondergröße zubereitet, die normalerweise für vier Personen als Vorspeise reicht; dafür benötigt man: 250 g grünen Spargel, 4 Eier, Parmigiano Reggiano, Salz und Pfeffer.

Grüner Spargel hat den großen Vorteil, dass man ihn nicht schälen muss, zumindest, wenn er frisch ist. Die weißen Enden werden rücksichtslos abgeschnitten und landen in der der grünen Tonne. Die Spargelstangen in Fingerlänge schneiden und in reichlich gesalzenem Wasser kochen, bis sie gar sind, aber noch Biss haben. Die Eier sanft braten und auf dem Spargel anrichten. Mit Salz, Pfeffer und Parmigiano Reggiano würzen.

Von diesem Moment an bleibt es jedem Esser selbst überlassen, sich beim Verspeisen dieses Gerichtes an Bismarck erinnert zu fühlen, oder lieber nicht.

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Šmigrustovka und das nicht nur zur Osterzeit
geräucherte Suppe mit Meerrettich

Ich habe Ostern in Marianske Lazne im böhmischen Bäderdreieck verbracht und einige kulinarische Überraschungen erlebt, die dort speziell zu Ostern gehören. Nun ist Ostern schon längst vorbei, aber eine geräucherte Ostersuppe, die Šmigrustovka heißt, kann man auch während des restlichen Jahres genießen.

Zur Ostersuppe gehört auch eine Osterfüllung, eine sehr leckere Terrine, die ich aber später vorstelle. Sie passt dann wieder gut im Herbst.

Zum Kochen der Ostersuppe verwendet man eine geräucherte Fleischbrühe, die bei der Zubereitung der Osterfüllung übriggeblieben ist. Ferner kommen hart gekochte Eier hinein, von denen man an Ostern oft etwas zu viele hat.

Zutaten:
1 l geräucherte Fleischbrühe
1 Stück Paprikawurst
1 Zwiebel
1 Esslöffel Butter
1,5 Esslöffel Mehl
1 Esslöffel süßes gemahlenes Paprikapulver
200 g Schlagsahne
100 g geräuchertes Fleisch
1 Prise Salz
1 Prise Pfeffer
1 Esslöffel Meerrettich
1 Esslöffel frischer Schnittlauch
3 hartgekochte Eier

Zubereitung:
Die fein gehackte Zwiebel in Butter in einem großen Topf anbraten. Sobald es anfängt, leicht golden zu werden, mit Mehl und Paprikapulver bedecken und es kurz weiterbraten. Aber Vorsicht, Paprika brennt leicht an und wird dann bitter.

Die heiße Brühe vom Rauchfleisch angießen, die geschnittene Paprikawurst dazugeben und zusammen etwa 15 Minuten kochen lassen.

Anschließend die Sahne in die Suppe gießen und nochmals ca. 5 Minuten kochen lassen. Die fertige Suppe mit geriebenem frischem Meerrettich, Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Suppe mit einem hartgekochten Ei, magerem Räucherfleisch und gehacktem frischem Schnittlauch servieren.

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Das fränkische Schäufele

Wenn mich mein Weg durch das Fränkische führt, zieht es mich immer in eines der gediegenen Landgasthäuser, die eine gute fränkische Küche versprechen.

Seit ich das erste mal ein fränkisches Schäufele gegessen habe, gehört es zu den begehrens-werten Braten, die ich kenne. Wie mir schon sehr früh erzählt wurde, ist „das Schäuferla“ ein fränkischen Kult-Gerichten. Je nach Region wird es auch Schäuferle, Schäufele oder Schäufelchen genannt. Ich habe auch schon sehr früh gelernt, dass es verschiedene fränkische Dialekte gibt, und das Fränkische ganz einfach zu sprechen und zu verstehen ist – zumindest für Franken. Da habe ich schon meine Schwierigkeiten. Sitzt man dann an einem Gasthaustisch, verstehen sich alle Menschen sehr schnell. Aber hier soll es ja um das fränkische Schäufele gehen, dass ich hochdeutsch ausspreche.

Schäuferle mit Klößen im Gasthaus Meerfräulein in Wemding

Das Fränkische Schäufele ist ein Braten, der aus der Schweineschulter stammt und komplett mit Knochen und Fettschwarte zubereitet und serviert wird. Das Fleisch ist knusprig braun. Richtig angerichtet wirft die Schwarte kleine Bläschen und wird knackig und rösch. Der Name Schäufele kommt daher, dass der nach dem Verzehr übrigbleibende Knochen die Form einer kleinen Schaufel hat. Man muss das Schäufele zu den traditionellen fränkischen Nationalgerichten zählen. Nur in wenigen anderen regionalen Küchen wird das Fleisch über dem Schulterblatt eines Schweins in der Ofenröhre gebraten. Zudem stellt die Schnittführung, mit welcher das Schäufele aus der Schweineschulter herausgetrennt wird, eine Besonderheit der fränkischen Metzgerskunst dar.

Das Schäufele ist ein klassischer Sonntagsbraten. Die wichtigste Beilage sind Kartoffelklöße. Das ideale Getränk zu diesem besonderen Essen ist ein fränkisches Bier. Und noch ein Tipp: Was beim Fisch die Bäckchen sind, ist beim Schäufele das Stückchen an der Innenseite des Knochens, das besonders zart ist. 

Nun ist es leider nicht immer so, dass man überall ein gutes Schäuferle bekommt. Manchmal ist der Fettanteil zu hoch, oder die Kruste zu weich oder das Schäufele-Fleisch ist richtig rot. Das ist ein Zeichen dafür, dass es der Koch eilig hatte und das Schäufele vorgekocht wurde. Doch dieses mal hatte ich Glück und mir wurde im Gasthaus „Meefräulein“ (was für ein lieber Name!) in der historischen Altstadt von Wemding ein perfektes Schäufele mit Kloß serviert.

Heute verzichte ich auf das Rezept, weil mir außerhalb Frankens kein Metzger den richtigen Schnitt bietet. Manche Rezepte muss man in ihrer Heimat essen. Wer es aber versuchen möchte, findet viele Anleitungen im Internet, zum Beispiel hier!

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