Meine Leidenschaft für Kochfilme – „Tampopo und das Reisomelette“

Ich liebe Kochfilme. Ganz vorne stehen „Babettes Fest“ von Tanja Blixen und „Eat Drink Man Woman“ ( 飲食男女 Yǐn Shí Nán Nǚ) von Ang Lee. Manche Szenen aus dem letzten Film kann könnte ich jeden Tag einmal ansehen. Diese unglaubliche Fertigkeit in der taiwanesischen Küche. Ja, dann platze ich fast vor Neid. Babettes Fest – das sind berauschende Bilder – und immer wieder die Erkenntnis, dass ein gutes Essen im Freundeskreise die Seelen der Menschen verändern kann. Dann kommen noch sehr viele andere Filme, bis hin zu „Ratatouille“. Ganz vorne an steht aber der Film „Tampopo“.
Für die, die ihn nicht kennen: ein japanischer Film, der sich fast ausschließlich mit dem Thema Kochen und Essen beschäftigt. Wie ein roter Faden durchläuft den Film die perfekte Herstellung von „Nudelsuppe“. Nicht irgendeiner Nudelsuppe, sondern von Ramen ist hier die Rede.
Ramen sind eigentlich nur die Nudeln, die in die Suppe eingelegt werden und schließlich wird dann die gesamte Suppe als Ramen bezeichnet. Dieses fernasiatische Fastfood gehört in der japanischen Esskultur zu den wichtigsten Gerichten. Eine gute Nudelsuppe hat nichts mit dem gemein, was hier als Fertigsuppen in Asialäden feilgeboten wird.
Neben der Herstellung der Nudelsuppe erlebt der Zuschauer die kulinarischen Abenteuer eines Gangsters, die Beeinträchtigung des Essens durch Zahnweh, verschiedene japanische Sitten und neben vielen weiteren Episoden jene, die uns zeigt, was Genießen aus einem Stadtstreicher oder Bettler machen kann. Aber wie gesagt, der rote Faden ist die Nudelsuppe. Und bereits sehr bald nach dem Vorspann gibt es eine liebevolle, ja fast philosophisch anmutende Szene. Ein LKW Beifahrer liest aus einem Buch:
tampopo_anfangsszene
„An einem wunderschönen Tag war ich in Begleitung eines alten Herrn in die Stadt gegangen. Dieser Herr hatte seit vierzig Jahren Nudelsuppen studiert. Jetzt wollte er mir beibringen, wie man so eine Nudelsuppe richtig zu essen hat, sagte er.
„Meister, fängt man beim Essen mit der Suppe an, oder fängt man besser mit den Nudeln an?“
„Du musst zunächst einmal die ganze Schale betrachten. Dann musst du die Dämpfe, die aus der Schale aufsteigen einatmen, und dabei das Bild intensiv ansehen. Auf der Oberfläche der Suppe schwimmen viele Ölperlen, verführerisch glänzen die chinesischen Bambussprossen. Inzwischen sind die Algen in der Suppe aufgequollen. In der Mitte der Schale liegen malerisch die geschnittenen Frühlingszwiebeln. Jetzt kommen wir zum Wichtigsten, denn vor allem sind die drei gebratenen Schweinefleischscheiben, die ruhig in der Suppe schwimmen, die Hauptdarsteller. Also nun: Wir beginnen zunächst einmal damit, dass wir mit den Spitzen der Stäbchen die Oberfläche der Nudelsuppe berühren, als wollten wir sie zärtlich streicheln.“ „Wozu macht man das?“ „Das ist eine Liebeserklärung an die Nudelsuppe.“
tampopos-nudelsuppe
Und so reihen sich Szene an Szene viele genussvolle Bilder und Weisheiten. Bis zu jeder Szene, in der die Hauptdarstellerin Tampopo, was auf Deutsch Pusteblume heißt, wieder einmal verzweifel ihren Nudelsuppenimbiss schließt, weil wieder einmal die Suppe danebengegangen ist. Ein Freund führt sie zum „alten Meister“ – den Meister der Gourmets. Recht verstanden, diese Gourmets sind die Bettler der Stadt die in einem Park hausen und über Genuss philosophieren. Denn der „alte Meister“ der eigentlich mal zu den etablierten Schichten gehörte, hatte ihnen den Wert des Genusses beigebracht. Und während sie über Wein und Speisen dozieren, bietet sich einer der Bettler an, dem kleinen Sohn von Tampopo ein Reisomelette zu bereiten.
Reisomelette ist etwas Wunderbares und ideal für die Resteverwertung.
tampopo_reisomelette
Ein festes Rezept gibt es eigentlich nicht. Mein Grundrezept geht so:

Zutaten
3 Eier (Demeter)
1 ganz kleiner Schuss Mineralwasser
Salz
1 Priese Pfeffer
vorgekochter Reis
Öl
½ Zwiebel, feingeschnitten und angebraten
½ Tasse Frühlingszwiebeln in feine Ringe geschnitten
Tomatenketchup
(und manchmal eingeweichte Nasi Goreng Kräuter)

Zubereitung
Der Reis wird mit den Zwiebeln und Kräuter in einer Pfanne gebraten, kurz bevor er ganz heiß ist, kommen die Frühlingszwiebeln und ein Schuss Ketchup dazu. Falls ich die Nasi Goreng Kräuter nehme, kommen die natürlich zuerst ins heiße Fett.
Den Reis auf einem Teller anrichten, aus den Eiern mit Salz, Pfeffer und dem kleinen Schuß Mineralwasser ein Omelette bereiten. Es sollte innen noch sehr weich sein. Über den Reis gleiten lassen und in der Mitte der Länge nach aufschneiden. Ein wenig Ketchup darauf geben. Fertig!

Ich hatte einige Vater-Sohn Abende, an denen ich mit meinem Sohn Fabian Tampopo anschaute – und wir haben den Film öfters zusammen angeschaut. Danach kochten wir Ramen oder es gab ein Reisomelette. Guten Appetit.

Veröffentlicht unter Allgemein, Rezepte, vegetarisch | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Heggengemös

Es ist Fastenzeit. Bewusst habe ich in dieser Zeit sehr wenig Fleisch gegessen. So ganz ohne ging es nicht. In meiner Kindheit war das noch anders. Es gab kein Fleisch, keine Wurst oder Schinken. Das galt auch im restlichen Jahr an Freitagen. Nun gut, im restlichen Jahr hat man es nicht immer so streng genommen, denn mit den Speckstreifen im Buchweizenpfannkuchen, versuchte man den lieben Gott zu überlisten. Es galt ohnehin die Regel: Freitags gibt es Fisch. Mal gebraten, ein anders mal gekocht mit diversen Saucen und immer mit Salat.
In der Fastenzeit gab es auch Fisch, aber die Saucen wurden dünner und die Menge auf dem Teller weniger. Am Karfreitag dann wurde ganz gefastet. Umso opulenter wurde dann das Osteressen – zu dem wir aber später kommen.
In dieser Zeit gab es ein ganz besonderes Gericht, einen Vitaminstoß nach dem Winter: Heggengemös!
Auch für den nicht Plattdeutsch Sprechenden erschließt sich sofort der Sinn des Wortes: Heckengemüse. Als jetzt am Bodensee die ersten warmen Tage waren und an sonnigen Plätzchen sich die ersten Blüten öffneten, war die Zeit für diese Suppe.
Aber eines noch vorab. Ich habe gegoogelt, wer so alles über Heggengemös schreibt und war dann doch einigermaßen erschrocken. Dafür, dass dies ein regional sehr begrenzter Begriff ist, gab es enorm viele Einträge. Das Eigenartige aber war, dass jedes Rezept dem anderen aufs Gramm genau so ähnelte, dass das nicht sein konnte. Und vor allem hatten alle die gleich Fleischeinlage – und das während der Fastenzeit im streng katholischen Münsterland.
loewenzahn
Ich kann keine Mengenangaben machen, weil sich die aus dem ergeben, was ich im Garten und an „Hecken“ finde. Bei uns ging die Großmutter in Garten und Felder und suchte bei den inzwischen vom Schnee befreiten im Herbst stehengebliebenen Gemüsepflanzen junge Triebe. Das war in der Regel überwinterter Grünkohl, Lauch, Spinat, eventuell das Grün einer vergessenen Zwiebel und Kräuter. Ja alles was grünte und bei den ersten Sonnenstrahlen wiederauschlug kam in den Korb. Und dann ging es entlang den Hecken, die die Felder unterteilten oder am Waldrand standen. Im Sommer waren sie uns Kindern ein beliebtes Versteck. Aber jetzt waren sie noch ohne Grün und nackt und durchsichtig.
wallhecke-im-fruehling
Hier in Wind geschützten Ecken fand man die ersten jungen Löwenzahnblättchen, Sauerampfer, junge Brennnesseln. Von den Büschen nahm sie etliche aufgesprungene Knospen vom Weißdorn und Holunder. Wenn es nicht reichte, kamen auch die Sprossen an den Beerensträuchern im Garten dazu. Das aber weniger, denn diese Sträucher wollte man ja später abernten.
Nun wurde eine Suppe gekocht. Kartoffeln in kleine Würfel schneiden und mit grob gewürfelten Zwiebeln in eine Mischung aus Öl und Butter anbraten. Dazu kam alles, was gerade in der Küche an Gemüse vorrätig war. Ganz sicher waren immer eine Möhre und etwas Sellerie dabei. Mit heißem Wasser aufgießen und 15 Minuten köcheln lassen. Kurz vor dem Servieren gibt man dann das „junge Gemüse“ gut gewaschen und geputzt dazu. Es braucht nur noch wenige Minuten, denn es sollte ja nicht verkochen, sondern nach einem langen Winter eine besondere Vitamingabe sein.
Man muss es natürlich nach eigenem Geschmack würzen. Ich nehme dazu nur Salz und Pfeffer, kann mir aber vorstellen, dass auch andere Gewürze gut passen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Eintöpfe, Rezepte, vegetarisch | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Cavolo Nero

macieiraGanz in meiner Nähe – ich kann zu Fuß dorthin laufen – ist ein Groß- und Detailhändler für südeuropäische Lebensmittel (Fonseca). Ich gehe dort gerne hin, um portugiesischen Brandy* zu kaufen. Nebenbei schaue ich mich immer bei den Lebensmitteln um. Vor allem gibt es dort wundervolle Dauerwurstsorten aus Italien, Spanien und Portugal und Käse. Bemerkenswert ist auch die Fischabteilung. Leider gibt es bis auf diverse Sorten Stockfisch nur tiefgefrorene Fische. Trotz alledem greife ich auch manches Mal hier zu. Die fertigen Mischungen für Fischsuppen oder Ragouts finde ich sonst nirgendwo. Ganz selten hat er auch frisches Gemüse, aber diesmal lag in den Kisten eine Kohlsorte, die ich zweifellos noch nicht kannte: Cavolo nero. Der Verkäufer der wenig Deutsch spricht konnte mir nur sagen, dass man ihn wohl in Portugal für „Caldo verde“ nimmt. Natürlich nahm ich einen Bund mit.
fonseca
Daheim schaute ich erst einmal bei Wikipedia nach und erfuhr: „Cavolo nero oder auch Schwarz- oder Palmkohl (Brassica oleracea) ist eine Varietät des Gemüsekohls und gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Diese Kohl-Art gilt als Ursprung vieler anderer Kohlarten wie Markstammkohl, Kopfkohl, Rosenkohl und Federkohl und wurde schon zur Zeit der Römer angebaut und verwendet. Traditionell wird sie noch viel in Norditalien besonders in der Toskana angebaut.“ Er sollte im Geschmack dem Grünkohl ähneln, aber viel milder sein.
palmkohl_03
Grünkohl hätte ich ja mit Schmalz zubereitet. Eine alte Regel im Münsterland besagt: Kohl braucht Fett. Wenn er  aus der Toskana kommt, sollte Schmalz wohl nicht die beste Wahl sein. Ich habe ihn wie Grünkohl von den großen Rippen gezupft und fein geschnitten. Danach mit heißem Wasser überbrüht, abgeschüttet, mit kaltem Wasser abgeschreckt und bei Seite gestellt.
In wenig Olivenöl eine kleine fein gehackte Zwiebel Farbe nehmen lassen, dann eine feinblättrig geschnittene Knoblauchzehe zufügen und den Kohl dazu gegeben. Das Ganze ließ ich bei regelmäßigem Umrühren 5 – 8 Minuten schmoren und habe den Kohl zu einem einfachen Risotto, mit etwas feingehacktem Rindermark darin serviert. Es schmeckte wunderbar.

* Macieira ist der traditionelle Weinbrand Portugals und dort Marktführer. Er reift mindestens sechs Monate in Fässern aus französischer Eiche, welche ihm seinen weichen und milden Geschmack verleihen.
Hergestellt wird Macieira nach dem gleichen Rezept wie vor 100 Jahren, das bis heute geheim gehalten wird.
Die Trauben der Rebsorten Arinto, Periquita, Trincadeira und Fernão Pires verleihen ihm seinen unverwechselbaren Geschmack, den so viele Menschen in Portugal und weit über Portugals Grenzen hinaus zu schätzen wissen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Rezepte, vegetarisch | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen