Blauer Heinrich

Dieser Beitrag ist schon etwas älter, ist aber immer noch aktuell und neu überarbeitet. Da ein kräftiger Eintopf gut in die Jahreszeit passt, setze ich ihn heute ins Netz.

Ich musste wieder einmal ins Ruhrgebiet. Es war „Extraschicht“ – die Nacht der Industriekultur. Farbenfrohe Illuminationen, riesige Projektionen und ungewöhnliches Lichtdesign prägen seit jeher diese Nacht. Die Zeugen der Montanindustrie erstrahlen in neuem Glanz.
Am Sonntag ging es auf „Hansa“ zum „subjektiv – objektiv Fotoshooting“. Fotobegeisterte betrachten die Kokerei Hansa mit ihren Maschinen und Gebäuden sowie ihrem weit verzweigten Rohrsystem durch die Linse ihrer Kamera und haben die Möglichkeit, die schönsten Industriekultur-Motive im Bild festzuhalten. War die Kokerei Hansa bis zur ihrer Stilllegung 1992 eine „verbotene Stadt“, so sind heute Besucher herzlich auf dem Industriedenkmal willkommen. Ob Technikfans, Naturliebhaber oder Ruhrgebietsbegeisterte – auf der Kokerei Hansa gibt es für jeden etwas zu entdecken.

Zeche Hansa

Kohle und Stahl waren viele Jahre Schrittmacher des Ruhrgebiets. Ebenso hat auch der Bergbau diese Region als pulsierendes Wirtschafts- und Einzugsgebiet mit geprägt. Das Zeitalter der Industrialisierung hinterließ hier seine monumentalen Spuren, und keine andere Region verkörpert Industriekultur auf eine derart anschauliche Weise. Dutzende Zechen, Hochöfen und Fördertürme haben die Jahrhunderte als Zeitzeugen dieser Ära überdauert und fördern längst ein anderes Gut, das nun die neue Metropole Ruhr charakterisiert: Kultur!
Und nebenbei wurde in der Fotogruppe viel von dieser vergangenen Zeit erzählt. Erinnerungen wurden wieder lebendig, wie es früher im Pott war. Natürlich wurde auch über das Essen gesprochen.

Oft gab es einen Eintopf, der in großen Töpfen zubereitet wurde. An arbeitsreichen Tagen waren so ein Eintopf schnell zubereitet, und häufig diente die Menge, die eigentlich für zwei Tage reichen sollte, nur für eine Mahlzeit, da es allen so gut schmeckte. Wenn Waschtag war, gab es „Blauer Heinrich“. Der Name lässt viele Interpretationen zu und oft hört man, dass dieser Heinrich nach dem „Blaumann“ – die Arbeitskleidung der Bergleute – benannt ist. Das stimmt so nicht, denn die Kleidung unter Tage war immer schwarz. Der Begriff „Blauer Heinrich“ stammt bereits aus der Zeit des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Angeblich hieß der vom König eingesetzte Armendirektor Heinrich. Während seiner Zeit wurden sehr dünne Suppen in Blechschüsseln an Arme verteilt und nach ihm benannt.

Blauer Heinrich

750 g Rindfleisch (Brust oder Schulter), Suppenknochen, 2 L Wasser, 150 g Graupen (die Oma nahm immer Kälberzähne, das sind die extra dicken Graupen), 2 Zwiebeln, 1 Stange Lauch, 1 Möhre, 1 Stück Sellerie und wenig von dem grünen Stiel, 1 Petersilienwurzel, 5 große mehlige Kartoffeln, 1 Lorbeerblatt, 2 Nelken

Das Rindfleisch kalt aufsetzen und rasch erhitzen. Dann zugedeckt eine Stunde köcheln lassen. Jetzt die Sellerie, die Möhren, die Petersilienwurzel (alles würfeln) und die Graupen zugeben, die Suppe erneut aufkochen und durchrühren und wieder eine Stunde leise köcheln. Die Nelken, das Lorbeerblatt zugeben, Zwiebeln und Lauch in Würfel schneiden. Die Kartoffeln grob würfeln. Lauch und Zwiebeln in Fett anschwitzen und dann mit den Kartoffeln in die Suppe geben. Weiterhin 25 Minuten kochen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fleisch herausnehmen und in mundgerechte Stücke schneiden, mit Salz bestreuen und ein wenig durchziehen lassen. Die Gewürze herausnehmen, in die Brühe zurückgeben und erhitzen.
Dazu isst man Brot. Besonders lecker war das Abnagen der Suppenknochen.
Heute gehört der „Blaue Heinrich“ zu den häufigen Samstagsgerichten. Diese Suppe wärmt und sättigt und ist außerdem neben der Erbsensuppe das traditionelle Essen an Schrebergartenfesten im Ruhrgebiet und auf Schützenfesten.

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Dreikönigskuchen

Als ich vor vielen Jahren von Westfalen in die Schweiz zog, kannte ich ihn noch nicht: den Dreikönigskuchen. Im ersten Jahr wunderte ich mich, als ich am Morgen beim „Bäck“ mein „Brötli“ holte, dass alle Welt einen Dreikönigskuchen holte: Rund – mittendrinnen eine große Kugel und rundherum kleine Kugeln mit einer braun glänzenden Oberfläche. Im Betrieb hatte eine Kollegin einen davon mitgebracht und jeder bekam ein Stück davon. In einer Kugel war ein kleiner König aus Plastik eingebacken. Wer dann beim Verzehr auf diesen Glücksbringer stößt, ist für einen Tag König.

Der Kuchen war schon fast gegessen, als mir das Foto einfiel!

Inzwischen hat mich Wikipedia belehrt:
„Der Dreikönigskuchen oder Königskuchen (englisch King Cake oder King’s Cake, französisch Galette des Rois, portugiesisch Bolo-rei, spanisch Roscón de Reyes) ist ein traditionelles Festtagsgebäck, das zum 6. Januar, dem Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), dem Festtag der heiligen drei Könige gebacken wird. Mit seiner Hilfe wird der Bohnenkönig gelost.
„Martin Lienharts Elsässisches Wörterbuch berichtet aus dem Jahre 1572: „noch werden die bonen im königküchen auff die heyligen dreykönigtag gefunden“, und aus dem Jahr 1625: „uff den hl. Dreikönigstag pflegen sie Königskuchen zu backen und in einem iedwedern Kuchen steckt eine Bohne, und wer dan dieselbige bekompt, der wirdt für den König gehalten.““

Da ich nahe der französischen Grenze wohnte und den franzöischen Bäcker, dem Dorfbäck in der Schweiz vorzog, lernte ich bald, dass dort der Dreikönigskuchen „Galette des rois“ heißt und viel aufwendiger gebacken wurde.

Als meine Kinder noch klein waren, habe ich den Dreikönigskuchen selbst gebacken. Leider konnte nur eines der Kinder „König“ werden und die anderen´durften hoffen, dass sie im nächsten Jahr der König sind. Die Krone haben sie selbst gebastelt und die, die leer ausgegangen sind, bekamen eine Prinzenkrone.

Zutaten
500 g Mehl, 30 g Hefe, 1/4 l Milch, 65 g Zucker, 65 g Butter, 1 – 2 Eier, 1/2 TL Salz, etwas Fett für die Form, 30 g Butter zum Bestreichen, 1 Mandel oder Haselnuss oder eine Bohne

Zubereitung
Mehl in eine Backschüssel geben und in der Mitte eine Vertiefung eindrücken, die zerböckelte Hefe mit einem Teelöffel Zucker hineingeben, mit etwas lauwarmer Milch übergießen und mit etwas Mehl zu einem flüssigen Vorteig verrühren, der zugedeckt etwa dreißig Minuten gehen muss.
Danach mit den übrigen Zutaten zu einem glatten Hefeteig verarbeiten. Den Teig mit einem Kochlöffel schlagen, bis er sich vom Schüsselrand löst. (Mit der Hand kneten geht auch.)
Teigstücke abtrennen. Eine große Kugel in die Mitte einer gefetteten Springform setzen und rundherum gleichmäßigen Kugeln in die Kuchenform setzen. Aber nicht vergessen, in eine dere kleinen Kugeln muss die Mandel oder Nuss versteckt werden. Nochmals gehen lassen, dann ca. 1/2 Stunde bei 200° C backen. Kurz vor Schluss mit zerlassener Butter bestreichen.

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Rosenkohl mit Kastanien, Pancetta, Senfkörnern und Olivenöl + Bamberger Hörnchen mit Rosmarin

Dieses köstliche Rosenkohl Beilagenrezept ist in seiner Zusammenstellung in meiner Familie eine traditionelle Weihnachtskombination, die auch in den vergangenen Festtagen auf den Tisch kam. Der Pancetta und die Maronen verleihen ihm eine frische italienische Note. Durch diese Zubereitungsmethode bleiben die Rosenkohlröschen schön süß und knackig.

Zutaten:
200 g Rosenkohl, geputzt und fein geschnitten, 100 g geräucherter Pancetta, überschüssige Haut und Fett entfernt und in 1 cm große Würfel geschnitten, 120 g vorgegarte Maronen, halbiert, 2 TL gelbe Senfkörner, 70 ml natives Olivenöl extra, Meersalz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:
Eine große Sauteuse bei starker Hitze erhitzen. Den Pancetta hinzufügen und anbraten, bis er leicht gebräunt ist und brutzelt.

Kohlsprossen und Senfkörner hinzufügen und im Pancettafett wenden. 3 Minuten garen, bis die Sprossen weich sind und die Senfkörner aufplatzen. Anschließend die Maronen und das native Olivenöl extra hinzufügen.

Die Hitze reduzieren und unter ständigem Rühren weitere 2 Minuten köcheln lassen. Würzen, mit einem letzten Schuss Olivenöl beträufeln und als Beilage zu gebratener Entenbrust oder Schinken servieren.

Bamberger Hörnchen

Dazu gibt es Rosmarinkartöffelchen. Als Kartoffelsorte habe ich eine alte fränkische Kartoffelsorte gewählt: Bamberger Hörnchen oder wie auch im regionalen Dialekt: Bamberger Hörnla. Das Bamberger Hörnchen ragt unter den alten Kartoffelsorten besonders durch seinen besonders feinen, nussigen Geschmack heraus. Diese Kartoffel gehört zu den festkochenden Sorten.

Diese Sorte nehme ich auch gerne als Zutat in einen Feldsalat (Nüsslisalat oder sonstiger Name). Gekocht und mit feinsten Speckwürfeln angebraten sind sie eine wunderbare Ergänzung.

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