Eigentlich muss ich nicht nachschauen, wie man Pfannekuchen backt – aber man lernt ja gerne etwas dazu. Daher konsultierte ich Google mit dem Suchbegriffen: Münsterland + Pfannekuchen + Holland. Und ehe ich mich versehen hatte, bekam ich eine herrlich falsche Information. KI generiert.
Vor einem Jahr, als ChatGPT ganz neu war, hatte ich das bewusst schon einmal ausprobiert. Da ich mich in der Gastronomie von Münster und den umliegenden Bauernschaften recht gut auskenne, habe ich nach traditioneller Münsteraner Küche gesucht. Damals hat die Pizza gewonnen. Es gibt wohl mehr Pizzerien als Gasthäuser, die den Hinweis aus bodenständige Musterländer Küche im Namen tragen.
Diesmal waren es die Struwen, die mir angedient wurden. Die isst man in der Regel an Karfreitag und das Gemeinsame mit Pfannekuchen: da ist Mehl drin. Das entspricht ungefähr dem Kinderwitz: „Was hat ein Eichhörnchen mit einem Klavier gemeinsam: Das Eichhörnchen springt von Baum zu Baum, das Klavier ist auch aus Holz.“
Pfannekuchen oder Pannnenkoeken gibt es häufig diesseits und jenseits der Grenze Münsterland Holland. Als Kinder hatten wir das lustige Frage- und Antwortspiel: „Was würdest Du machen, wenn Du König wärst?“ „Jeden Tag einen Pannekauken essen.“ „Gibt es denn nichts Schöneres, als einen Pannekauken zu essen?“ „Jau, twee Pannekauken!“ Und wir liebten das Märchen vom dicken fetten Pfannekuchen. Der will nicht gegessen werden und läuft vor allen, die ihn essen wollen, davon. Bis schließlich die Kinder ihn überlisten.
Pfannekuchen gibt es bei uns im Münsterland salzig und süß. Die salzigen Pfannekuchen wurden oft als Fleischersatz mit Kartoffeln, einer sauren Specksauce und Salat oder zu einem Schnippelbohneneintopf gegessen. Und da jetzt die beste Zeit für Boskop Äpfel ist, mache ich mir einen Apfelpfannkuchen mit Äpfeln und Speck. Ich mache genug Teig, damit zu Schluss noch ein kleiner Pfannekuchen übrigbleibt, den ich als Dessert mit Rübenkraut esse. Jenseits der Grenze heißt dies süße, jeden Zahnarzt in den Wahnsinn treibende, klebrige Zeug „Suikerstroop“. Den Werbespruch „Suikerstroop is heerlijk op de pannenkoek en op brood“ kann ich noch Jahrzehnte nach meiner Kindheit für mich stehen lassen.
Das folgende Rezept stammt von meiner Urgroßmutter, die ihre Rezepte vor nun mehr als 130 Jahren in ein kleines Oktavheft geschrieben hat. Wohl dem, der noch Sütterlin* lesen kann.
Zutaten: 250 g Mehl, ½ l Milch, 2 Eier, ½ TL Salz, Schmalz (ich nehme aber 4 Eier und Butterschmalz) 2 Boskop Äpfel, 80 g Speck (Bacon)
Zubereitung: Die Eier mit dem Salz verschlagen, abwechselnd Milch und Mehl zugeben und zu einem glatten Teig rühren. Der Teig muss ½ Stunde quellen.
Die Äpfel waschen, die Schale bleibt daran und die Äpfel in 2 – 3 mm dicke Scheiben schneiden. Den Bacon in Quadrate schneiden und in die heiße Pfanne geben, wenn er braun ist, wenden und die Äpfel dazugeben. Manchmal hat der Speck genügend Fett, um den Pfannekuchen zu backen, wenn nicht, gibt man etwas Butterschmalz dazu. Dann kommt der Pfannkuchenteig darüber.
Wenn die Oberseite leicht angetrocknet ist, muss man den Pfannekuchen wenden und backen, bis er goldbraun ist.
Wer jetzt noch weitere Anregungen zum Belegen braucht, schaut am besten mal auf das Angebot des „Pannenkoeken Restaurant „De Duivelsberg“. Alles ist möglich.
Seit geraumer Zeit lese ich die Beiträge vom Herdnerd. Sehr spannend und gut geschrieben, seine Rezepte leider weniger (er mag mir das bitte nachsehen). In der letzten Zeit hat er sich immer wieder kritisch Produkten des Lebensmittelhandels angeschaut, und auf die immer häufiger überall vorkommenden kleineren und größeren Mängel hingewiesen.
Da ich mir das Thema Kartoffeln im Ganzen und Kartoffelsalat im Besonderen vorgenommen habe, muss man schon eine Brücke schlagen, um die Hinweise in der Einleitung in einen Kontext zu bringen.
Vor zwei, drei Tagen stehe ich bei meinem (nicht bevorzugtem) Nahversorger einer namhaften deutsche Kette; kein Discounter. Eigentlich kaufe ich dort selten ein. Ich ärger mich speziell bei diesem Händler viel zu oft über die Auszeichnungen des Angebots.
Mett z.B.! „Mett ist gewürztes rohes Schweinehackfleisch, das roh auf Brot oder Brötchen gegessen wird. Im Gegensatz dazu ist Hackfleisch eine allgemeinere Bezeichnung, die verschiedene Fleischsorten umfassen kann…“ schreibt absolut richtig Wikipedia. Wikipedia hat ja nicht immer recht, aber diesmal schon. Bei diesem Nahversorger gibt es „Mett“ hergestellt aus nahezu allen Fleischsorten – der Höhepunkt ist Putenmett. Oder Clementinen, die als Mandarinen beworben werden. Naja, sieht ja auch sehr ähnlich aus. Aber kommen wir zu den Kartoffeln.
Das Beste an diesem Nahversorger ist die Paketstation diverser Lieferdienste, wo ich meine Pakete abholen kann. Die Boten kommen eigenartigerweise immer dann, wenn ich nicht daheim bin. Das scheint System zu haben. Ich stehe also an dieser Paketstation, bekomme meine Pakete – werde vom Filialleiter persönlich bedient (ein freundlicher Mensch!) und das eine Wort ergibt das andere. In einem der schweren Pakete waren Kartoffeln. Das erstaunte Gesicht des Filialleiters und die Frage: „Warum kaufen Sie denn die Kartoffeln nicht bei uns? Warum lassen Sie sie schicken?“
Linda
Ja, warum? „Nichts gegen Sie, aber Ihre Kartoffeln sind nicht so, dass ich sie essen möchte.“ „Wieso?“ „Sie haben immer so unbekannte Sorten, quasi Saisonware“. „Nein, wir haben drei Sorten: mehligkochend, festkochend und überwiegend festkochend!“ Die einzelnen Kartoffelsorten ignorierte er vollkommen. So kamen wir auf die großen Agrarkonzernen zu sprechen, die das Saatgut dominieren und regelmäßig gegen neue Sorten austauschen, auch wenn man bei manchen Sorten nichts verbessern kann. Dann strahlte er mich an und sagte: „Wir haben auch regionale Kartoffeln!“ „Kenne ich, aus Duchtlingen. Ich war dort einmal beim jährlichen Kartoffelfest. Da hatte das Landwirtschaftsamt ein Informationszelt und die Dame vom Amt sagte mir auf meine Frage: „Was haben Sie hier für Sorten?“ dasselbe wie Sie. Ich habe dann darauf hingewiesen, dass Kartoffeln auch einen Vornamen haben, z.B. „Linda“ oder „Annabell“. Sie wurde unwirsch, aber das passiert, wenn man auf dem Landwirtschaftsamt arbeitet und überfordert ist. Um dem abzuhelfen, werde ich ab jetzt in loser Reihe Kartoffelsorten vorstellen. Dazu gibt es natürlich ein Rezept, das sich für diese Sorte besonders gut eignet. Und einiges Lehrreiches: z.B. wo sie angebaut wird und manche andere Informationen, die aufschlussreich sein können.
Beginnen wir gleich einmal mit der „Linda“ – gelb und skandalös lecker, wäre das erste, was mir einfällt. Meine Linda kommt aus Schrobenhausen, wo auch bester Spargel angebaut wird. Lieber wäre mir eine Kartoffel aus der Heide, aber die sandigen Böden rund um Schrobenhausen bieten mit einem idealen Schluff- und Lehmanteil die besten Voraussetzungen für guten Kartoffelanbau.
Linda ist eine alte Sorte, deren Sortenschutz 2004 endete. 30 Jahre waren vergangen, seit die Linda 1974 auf den Markt kam. Sie entwickelte sich schnell zur beliebtesten festkochenden Kartoffel in Deutschland. Kein Wunder: Ihr Geschmack, die feine Textur und ihre Vielseitigkeit machten sie bald zur „Königin der deutschen Kartoffeln“.
Bauern, Verbraucher und die Bio-Branche starteten eine große Rettungsaktion, um die Sorte zu erhalten, da sie als regional und vielfältig galt. Es gab komplizierte Rechtsstreitigkeiten, aber durch kreative Lösungen, wie die Zulassung in England (das damals noch zur EU gehörte), wurde „Linda“ schließlich auch in Deutschland wieder zugelassen und ist bis heute erhältlich. Fazit: “Linda“ verschwand nicht endgültig vom Markt, sondern wurde durch eine große Bürger- und Bauernbewegung gerettet und ist heute ein Symbol für alte Sorten.
In Norddeutschland ist Linda eine begehrte Salatkartoffel. Darum folgt jetzt ein Rezept aus dem Großraum Rheinland X Ruhrgebiet. Wie heißen dort Kartoffeln so schön in der Umgangssprache? – „Erpels“, „Ärpel“, „Ääpel“, „Erpeln“ – meist im Plural gebraucht. So heißt es dann im lokalen Dialekt: „Hol ma en Eima Erpels ausem Keller.“
Hat jetzt nichts mit Kartoffelsalat zu tun, aber das Wort kam mir bei den Recherchen unter und ist einfach schön: Um Stampfkartoffeln zu machen, benötigte man am Niederrhein einen „Ärpelknötscher“. Und der Kartoffelsalat heißt: „Erpelschlot“ oder auch „Ärpelschloot“ – und das nicht nur am Niederrhein.
„Erpelschlot musde mit Mayonaise machen, mit Öl und Essich essen dat nur die Bayern.“ Das mit den Bayern darf man nicht so wörtlich nehmen. Für die meisten Menschen dieser Region gibt es keinen Unterschied zwischen Baden, Württemberg oder Franken. Südlich der Mainlinie gehört alles zu „Bayern“.
Wie gesagt, im Rhein-Ruhrgebiet macht man den Kartoffelsalat mit Mayonnaise. Dazu kommen Gewürzgurken, Apfelstückchen und Zwiebeln. So ein Salat ist sättigend und mancher Orten ein beliebtes Weihnachtsessen am Heiligen Abend.
Ganz ehrlich: „Den“ einzigartigen Ädäppelschlot gibt es nicht. In der Regel ist dieser Kartoffelsalat dank reichlich Mayonnaise eher eine vollwertige Mahlzeit als eine Beilage. Dieser Schlot ist eine sehr gute Grundlage bei Festen aller Art. Dann noch ein Würstchen oder Frikadellen dazu und das Bierchen schmeckt direkt doppelt so gut.
Zutaten: 1 kg Kartoffeln (Linda ist hier die erste Wahl), Mayonnaise (die bequemen Köche kaufen eine fertige Mayonnaise, man kann die aber auch gut selbst machen), 1 Apfel z. B. Elstar, Gewürzgurken, 1 Schalotte oder kleine Zwiebel, Salz, Pfeffer und etwas Senf.
Zubereitung: Die Kartoffeln kocht man am besten am Vortag ca. 20 Minuten und dann einen Piekstest machen. Abschrecken und am nächsten Tag pellen. In Scheiben schneiden.
Den Apfel, die Gewürzgurke und die Zwiebel in kleine Stückchen schneiden.
Alles in die Mayonnaise geben, mischen und mit den Gewürzen abschmecken.
Würstchen oder Frikadelle dazu schmeckt das lecker!
Ob in der Wendung „ein schäbbiger Ärpel“ (ein unansehnlicher, hässlicher Mensch; männlich oder weiblich) tatsächlich die Kartoffel oder nicht doch die männliche Ente gemeint ist, bleibt fraglich, jedenfalls heißt es im Bergischen Land: „Wat hass du dir denn fürn schäbigen Ärpel angelacht?“
Man sagt, der Advent sei die stillste Zeit des Jahres. Das trifft heute leider nicht mehr zu. In meiner Umgebung verfallen die Menschen in eine kollektive Hektik. Auf der Jagd nach Schäppchen, die schlussendlich oft keine sind, und Weihnachtsgeschenken, versinken wir in einen Trubel des Konsums und vergessen dabei, dass der Advent eine Zeit der Besinnung sein soll, eine Zeit der inneren Einkehr.
Der Advent war auch eine Zeit zum Fasten, bevor die opulenten Weihnachtsgerichte auf den Tisch kamen. Darum will ich in diesem Jahr den Fleischkonsum einschränken. Am ersten 1. Adventwochenende als gibt es Klößchen, die man fast als crossover Essen bezeichnen könnte.
Als Vorspeise bereite ich Trota fredda alla scorza d ‚arancia – Forellenfiletseingelegt in Olivenöl und dem Saft der ersten Zitrusfrüchte des Jahres. Dieses Forellenrezept habe ich vor vielen Jahren im Piemont gegessen.
Dazu gibt es diesmal einen Hauptgang aus dem Trentin: Strangolapreti – oder wie es auf Deutsch heißt: Priesterwürger. Für den seltsamen Namen gibt es unterschiedliche Erklärungen. Am besten gefällt mir die Interpretation vom Priester, der als Gast eingeladen, so viele Klößchen hintergeschlungen und gewürgt hat, als er nur konnte.
Zutaten für 2 Portionen: 250 g Knödelmehl (kleine Weißbrotwürfel, getrocknet), ¼ L warme Milch, 200 g Spinat, 25 g Butter, 2 Eier, 30 g Parmesan, 50 g Mehl, Muskat, Salz, eventuell Semmelbrösel, falls der Teig zu weich geworden ist.
80 g Butter, ca. 10 – 12 Salbeiblätter, Salz, Parmesan
Zubereitung: Die Weißbrotwürfel mit dem Mehl gut mischen, die Milch erhitzen und über das Knödelmehl gießen, 2 Eier unterziehen, Muskat und Salz zugeben.
Die Butter in einer Kasserolle erhitzen, den Spinat dazugeben und rühren, bis er ganz zusammengefallen ist. Dann den Spinat fein schneiden und unter die Knödelmasse geben.
Jetzt den Parmesan dazugeben, gut vermengen und für eine Stunde stehe lassen.
Aus der Brotmasse Klöße formen und in leicht siedendem Wasser garen. Sie sind gar, wenn sie nach oben steigen. Achtung: Erst einen Probekloß machen und schauen, ob er zusammenhält.
Die Salbeiblätter in der Butter mit einer Prise Salz erhitzen und mit Parmesan über die Klöße geben.
Kennt Ihr den DUT? Das ist der "Digitale Unabhängigkeitstag".
Wer von den globalen Konzernen unabhängig werden möchte schaut vielleicht mal auf die Internetseite: di.day
Bei mir läuft inzwischen LINUX!
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