Ćevapi

Bei einem Spaziergang durch die Bascarsija sieht man überall gastliche Ćevabdžinicas eng nebeneinander liegen. Ćevabdžinicas  sind kleine Gaststätten, ja eigentlich Imbissstuben, die sich auf  Ćevapi spezialisiert haben. Die meisten Touristen, die sich den typischsten bosnischen Imbiss gönnen, halten sich ja in der in der Altstadt von Sarajevo auf.

Vorab muss ich einen Begriff erklären:  Bisher kannte ich nur den Ausdruck Cevapcici, aber nicht so in Bosnien, allgemein heißen die gegrillten Fleischröllchen hier Ćevapi. Das „cici“, das angehangen wird, ist die bosnische Verniedlichungsform. Ćevapi sind aber viel zu wichtig, als das man sie so klein machen sollte.

Ćevapi werden immer zu 5, 10 oder 15 Stück mit gehackten Zwiebeln und einem Fladenbrot serviert. Das bosnische Fladenbrot „Lepinje“ ist ein unverzichtbarer Teil der bosnischen Küche. Einst waren diese Brote Mangelware, weil sie in den Bäckereien nur während des Ramadan zubereitet wurden. Heute sind sie dank der vielen Ćevabdžinicas in großer Menge zu haben. Dies Fladenbrot war immer leicht fettig und mir wurde erzählt, dass es in ausgelassenem heißen Rindermark erwärmt wird. Das ergab zusätzlich einen wunderbaren Geschmack.

Verlässt man die Altstadt auf der Ferhadija (eine der größeren Straßen durch Sarajevo) verlässt,  ist auf der Straße die Grenze zwischen alter und neuer Kultur eingezeichnet. Es ist auch gewissermaßen Massen die Grenze zwischen östlicher und westlicher Kultur. Wenn wir uns in der Neustadt befinden, gibt es auch hier und überall sonst in Sarajevo ausgezeichnete Ćevapi. Hier konkurrieren Ćevabdžinicas mit gängigen Fast Food Restaurants, wie man sie überall in der Welt findet.

An der Ferhadija findet man  auch sehr schöne elegante Strassencafés. Ich bin oft über diese Grenzmarkierung gegangen und habe im Metropolis Midtown am Platz der Kathedrale mein Frühstück eingenommen. Sie haben herrliche amerikanische Pancakes, die mit einem frischen Obstsalat und Rahm serviert werden.

Ćevapi sind eine beliebte Fleischdelikatessen bei Jung und Alt und mit  oder ohne Gourmet-„Erfahrung“. Jeder Wirt schwört auf sein Rezept und vielleicht ist gerade deshalb ihre Zubereitung oft umstritten. Die meisten Unterschiede gibt es bei der Auswahl des Fleisches. Es ist entscheidend für den Geschmack.

Traditionell wurden  Ćevapi aus Rind- und Hammelfleisch oder Rind- und Lammfleisch zubereitet. Doch mit der Zeit hat sich der Geschmack geändert und heute werden sie ausschließlich aus Rindfleisch zubereitetet.  Der mildere Geschmack ist allgemein beliebter.

Für welche Kombination man sich auch immer entscheiden, Feinschmecker werden in der Regel darauf achten, dass die Mischung vom Rind dominiert und das Fleisch von der Vorderseite des Tieres kommt, also das Fleisch vom Hals, der Schulter oder den Rippen. Das Fleisch sollte nicht zu mager sein, sonst werden die Ćevapi zu trocken. Es empfiehlt sich, das Fleisch zweimal zu wolfen.

Das Geheimnis der Mischung liegt in ihrer Einfachheit

Obwohl oft angenommen wird, dass die köstlichen Ćevapi viele verschiedene „geheime Zutaten“ enthalten, liegt der Schlüssel tatsächlich in der Einfachheit. So sind die wichtigsten und fast einzigen Fleischzusatzstoffe Zwiebeln, Knoblauch, Salz und Pfeffer.  Es ist wichtig, die Zwiebel und den Knoblauch sehr fein zu hacken, um die Säfte freizusetzen und die Mischung aller Zutaten sollte etwa 10 Minuten von Hand geknetet werden , bis eine kompakte, gleichmäßige Masse entsteht .

Auf jeden Fall muss die Mischung vor dem Formen von Ćevapi mindestens eine Stunde im Kühlschrank gekühlt werden, damit während dieser Zeit die hinzugefügten Gewürze in das Fleisch eindringen.  Einige empfehlen auch, das Fleisch über Nacht oder sogar 48 Stunden im Kühlschrank aufzubewahren.

Sobald die Mischung gereift ist, folgt die Formgebung. Im Allgemeinen sind diese kleine Fleischrollen bekannt. Man nennt sie die Sarajevo Cevapi. Es gibt aber auch eine Ausnahme. In Banja Luka werden immer fünf Ćevapi, zusammenhängend  kombiniert und in Form eine kleinen Quadrats serviert.

Die ideale Art, Ćevapi zuzubereiten ist das Grillen , aber sie sind auch sehr lecker, wenn sie in einer Pfanne zubereitet werden, am besten in einer Grillpfanne . Bei moderater Temperatur müssen sie  häufig gewendet werden.

Diese Ćevapi werden natürlich noch warm serviert, weil sie dann am leckersten sind. Dazu gibt es einen großen Berg gehackter Zwiebeln und wer mag ist dazu Kaymak.

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Bosanska kafa

Kaffee ist in Bosnien eng mit Freundschaft und Nähe verbunden. Getrunken wird Kaffee den ganzen Tag. Er ist nicht nur ein Getränk, sondern ein Ritual. Je nach Tageszeit gibt es für das Kaffeetrinken eine eigene Bezeichnung:

razgalica – am Morgen – um die Müdigkeit aus dem Körper zu vertreiben
razgovoruša – später am Tag – grad so als Trallafitti
sikteruša – nach dem Essen – um den Körper eine innere Ruhe und Ausgewogenheit zu geben

Das ist sicherlich eine Schilderung, wie sie in den größeren und kleinen Städten zu finden ist. Auf dem Land, gehört der Kaffee zur täglichen Kultur. Es ist die Zeit an Morgen, wenn man in Ruhe den kommenden Tag bespricht. Es ist die Zeit am Mittag, bevor man wieder an seine Arbeit geht und es ist die Zeit am Abend, wenn man auf den Tag zurückblickt. So habe ich es in bosnischen Familien erlebt, dazu aber mehr in einem kommenden Beitrag.

Kaffee hat in Bosnien eine lange Tradition. Er kam mit den Osmanen ins Land. Bereits im 16. Jahrhundert eröffnete das erste Kaffeehaus in Südosteuropa seine Pforten in Sarajevo und es ist urkundlich belegt, dass es im Jahr 1591 die erste gut ausgestattete Kaffeerösterei ihre Arbeit aufnahm. Die ersten Kaffeehäuser prägten bald das Bild der Städte und waren Mittelpunkt des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens. 

Bosanska kafa – also bosnischer Kaffee – wird mancherorten auch turska kafa genannt. Doch der türkische Kaffee unterscheidet sich in der Zubereitung. Das beginnt schon beim Kochgeschirr. Während man beim türkischen Händler heute vorzugsweise einen Ibrik aus Emaille oder Edelstahl bekommt, setzt man in Bosnien auf Traditionelleres. Der Džezva ist meist ein aus Kupfer getriebener, nach oben enger werdender Zylinder. Die Verengung oben ist wichtig, denn so kann der Kaffeesatz nachher leichter im Kännchen gehalten werden.

Was in den touristischen Regionen – vor allem in der Altstadt von Sarajevo, der Baščaršija – als Kaffe-Set verkauft wird, ist nicht nur Souvenir, der Baščaršija ist  in vielen Cafés tatsächlich in Gebrauch.

Für diese Art der Zubereitung muss der Kaffee staubfein gemahlen werden. Zu einem echten Bosanska Kafa gehört auch Bosanska Kocka Lomljena. Das ist Bosnischer Würfelzucker. Es ist wirklich so, dass er anders ist, als alle Würfelzucker, die ich bisher probiert habe. Bosnien-Urlaubern sei zu dem ans Herz gelegt sich mit bosnischem Würfelzucker einzudecken.

Bosnischer Zucker – das ist ein Mythos. Er ist staubfein zermahlen und dann zu Würfeln gepresst, die meist ungleichmäßig aussehen. Er zergeht wie Traubenzucker auf der Zunge. Es mag Einbildung sein oder nicht, Reisende, die sich die bosnische Art der Kaffeezubereitung im Urlaub abgeguckt haben und diese daraufhin am heimischen Herd praktizieren, schwören auf den bosnischen Zucker. Er – und nur er allein – garantiert das original bosnische Geschmackserlebnis. Alles andere ist Fake.

Der gravierende Unterschied beim Kaffeekochen im Vergleich zum griechischen oder türkischen Kaffee ist, dass der bosnische Kaffee meistens ohne Zucker gemacht wird. Für jede Tasse kommt in etwa ein Kaffeelöffel Pulver in das Kupferkännchen, dann wird zu zwei Dritteln mit heißem (!) Wasser aufgegossen. Jetzt wird das Kännchen kurz auf die heiße Herdplatte gestellt oder über die Gasflamme gehalten bis das Gemisch fast überkocht. Bringt der Zubereiter genügend Zeit und Muße mit, dann kann er diesen Vorgang auch noch ein oder zwei Mal wiederholen.

Kaffee mit Lokum und bosnischem Zucker

Serviert wird der bosanka kafa mit Würfelzucker und einem Lokum, einer orientalischen Süßspeise. Auch ein Glas Wasser darf natürlich nicht fehlen. Es empfiehlt sich das Kännchen erst kurz ruhen zu lassen bis sich der Kaffeesatz am Boden abgesetzt hat. Auch das Einschenken braucht einige Übung, will man all zuviel Kaffeesatz in der Tasse vermeiden. Zucker dazu, umrühren, wieder etwas warten – dann genießen. Für einen bosnischen Kaffee sollte man sich ohnehin etwas Zeit nehmen.

Dobrodošli

Einkaufstipp:

Die einfachsten, aber auch die schönsten Kaffeegedecke, habe ich in der Kupferschmied-gasse in der Altstadt von Sarajevo gefunden. „Wir versuchen das Material durch die Form optimal zur Geltung kommen zu lassen“, erklärte mir die Inhaberin. Sie haben neben Kupfergegenstände auch anders Kunsthandwerk im Angebot.

Vitrina the Crafthouse

https://www.facebook.com/VitrinaSarajevo/

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Burek, Pita oder gar Börek?

Zuerst war da das türkische Börek. Es wechselt seinen Namen zu Burek und wird zum beliebtesten Fast Food auf dem Balkan. In Bosnien-Herzegowina heißt es Pita. Es wechselt nicht nur seinen Namen, sondern auch die Form und ist äußerlich kaum wieder zu erkennen.  Überall auf dem Balkan, kann man es bei jedem Bäcker ums Eck als Schnecken oder Fladen kaufen. Man kann es gleich vor Ort mit dem traditionellen Yoghurtgetränk Ayran essen, oder wer es eilig hat, kann es sogar im Laufen verzehren. Vor allen Dingen: es kostet nicht viel und jeder kann es sich leisten.

Im 16. Jahrhundert soll es das erste mal in der Stadt Niš in Serbien erwähnt worden sein. Heute findet man es in allen Ländern, aber jedes Balkanland stellt es auf seine eigene Art her. Traditionell wird der Teig aus Mehl, Wasser, Schweineschmalz und Salz zubereitet. Der Teig wird geknetet, dann lässt man ihn ruhen. Hauchdünn wird der Teig ausgerollt. Meister ihres Faches lassen die großen Teigrondelle ähnlich wie ein Pizzabäcker über ihren Köpfen kreisen bevor es auf dem Backblech abgelegt wird. Vier Schichten Teig gehören zu einer guten Pita. Zart knacken sollte die hauchdünne Kruste sein, wenn man hineinbeißt. Sie umhüllt den weichen, warmen Kern aus Dutzenden Teigschichten und der Füllung aus weißem Käse oder auch Hackfleisch.

Burek oder Pita kann man warm oder auch kalt essen. Auch die Füllungen sind vielfältig. Ich kaufe sie öfters beim Balkan Bäcker hier in der Stadt. Es gibt sie gefüllt mit Hackfleisch, Käse, Kartoffeln oder Spinat. Aber es gibt auch süße Füllungen aus Kirschen oder Äpfel.

Pita mit Hackfleisch

Frisch sollte man ihn essen, so lang er noch luftig ist und nicht zusammengefallen. Er hätte auch in Deutschland die Chance ein beliebtes Fast Food – oder Street Food zu werden. Wir werden sehen.

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