Kartoffelpüree – einmal etwas anders!

Kartoffelpüree ist eine der gängigen Beilagen zum Essen. Kinder lieben es, es passt zu vielerlei Gerichten und mit einer Sauce wird es fast zu einem eigenständigen Essen. Eine Beilage, die sehr oft auf dem Teller vorhanden ist. In der Regel wird Kartoffelpüree auf traditionelle Weise zubereitet, also mit Milch, Butter oder Sahne. Man könnte es nach „Hausfrauen Art“ nennen. Es gibt aber auch neue Wege und aus einem gewöhnlichen Püree wird ein Gericht, das einem Sternerestaurant würdig wäre! Gewöhnliche Kartoffeln werden außergewöhnlich, ohne dafür spezielle oder erlesenen Zutaten zu verwenden.

Generell ist für den Geschmack des Pürees die Kartoffelsorte entscheidend. Es sollte möglichst eine mehlig kochende Sorte verwendet werden. Wenn man denn bekommt, würde ich die Sorte „Institute de Beauvais“ vorziehen, andererseits ist die „Agria“ eine weitverbreitete ältere Sorte, mit einem angenehm kartoffeligen Geschmack. Bei Hausfrauen dürfte die „Bintje“ die bevorzugte Sorte sein. Wichtig ist vor allem, dass die verwendete Sorte eine stärkehaltige Konsistenz und einen milden, erdigen Geschmack hat.

Das Besondere an diesem Püree, das anders ist, besteht nicht so sehr darin, dass man viel Butter hinzufügt, sondern dass man sie in einer kleineren Menge verwendet und Buttermilch oder Kefir hinzufügt. Das macht einen enormen Unterschied. Das Püree ist leichter, fluffiger und angenehmer im Geschmack.

Institut de Beauvais

Die zweite besondere Zutat ist grober französischer Senf, also mit ganzen Senfkörnern. Sie verleihen dem Püree Textur und zusätzlichen Geschmack. Man kann auch Dijon-Senf verwenden, aber bitte weniger verwenden, da dieser schärfer ist. Senf hebt den Geschmack von Kartoffeln perfekt hervor.

Zutaten:
0,5 kg gewaschene und geschälte Kartoffeln (Gewicht nach dem Schälen)
etwas Salz für das Kochwasser
1 EL fein geschnittene Petersilie
1 Esslöffel französischer Senf
1 Esslöffel Butter
2 Esslöffel Buttermilch / Kefir / Naturjoghurt

Zubereitung:
Es wäre müßig, die Zubereitung zu beschreiben, aber man sollte auf keinen Fall einen Handmixer zum Pürieren nehmen.

serviert mit gerösteter Kalbsleber, Zwiebel und apfel
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Aufgeschlagene Butter mit Brot

Es gibt Butter – und es gibt aufgeschlagene Butter. Einmal probiert, ist man diesem fluffig, samtigem Butter-Traum sofort verfallen.

Die Zubereitung ist so einfach wie genial – und das Ergebnis so phänomenal gut, dass man frisches Brot nie mehr ohne diese aufgeschlagen Butter essen möchte. 

Man muss lange suchen, bis man das Brot dazu findet. Langsamkeit ist das Schlüsselwort beim Brotbacken. Brot backen ist ein Handwerk, das Zeit und Geduld braucht. Langsam muss die Teigführung sein. Ein gutes Brot wird von Hand gebacken und basiert nur auf drei Zutaten: Mehl, Wasser und Salz. Bevor wir wussten, wie man Hefe kontrolliert, haben die Bäcker Sauerteig verwendet. Sauerteig ist natürliche Hefe. Das Getreide, welches gemahlen und verbacken wird, ist wichtig. Die Landwirtschaft hat im letzten Jahrhundert versucht, Getreide zu optimieren, um die Ernte sicherer zu machen und den Ertrag zu steigern. Aber es gibt sie noch die alten Sorten, wie zum Beispiel Kamut. Das Interessante daran ist, dass diese alten Sorten von der Natur entwickelt wurden und einfach köstlicher sind.

Und die Butter?  Alles in Butter mit der Butter? Nein! Auch hier haben die Lebensmitteltechniker gnadenlos zugeschlagen. Waren vor Jahrzehnten die Landwirte mit ihren Kühen noch per Du, so kommunizieren sie heute mit ihnen nur noch im agrarwissenschaftlichen Jargon. Laktationsstadium, Atmungsfrequenz, Pansen-PH. Das sind die Vokabeln, die die Euter fast platzen lassen. Produzierte eine Milchkuh 1960 noch 2.800 Liter pro Jahr, so kommt sie heute auf fast 10.000 Liter. Butter wird in monströsen Milchfabriken hergestellt, in denen der ehrwürdige Buttermacher weitgehend ausgedient hat. Hier buttert meist der EDV-Fachmann – mit Zentrifugen, Vakuumanlagen, Rahmsilos und Reifetanks. Jede Abweichung von der Norm wird geschmacksneutralisiert. Das Ergebnis ist ein standardisiertes Massenprodukt: Keimfrei, streichfähig und ohne jeden Charakter.

Gute Butter gibt es noch recht oft, am häufigsten in Frankreich. Dort nehme ich gerne die Beurre d‘ Isigny aus der Normandie. Sie trägt das Label  „Premier Cru Laitier de France“ – Frankreichs edelstem Milchprodukt.   Ihren besonderen Geschmack bekommt sie vom unberührtem Terroir. Die geografische Lage der Region mit ihrer unmittelbaren Nähe zum Meer und ihrem typischerweise flachen Gelände erklären die gleichmäßige Verteilung der Niederschläge über das ganze Jahr und die milden Temperaturen, selbst im Winter. Die Böden im sind reich an Mineralien, was für üppiges Grasland sorgt. Diese Elemente fördern das Wachstum des Grases das ganze Jahr über und verschaffen den Tieren lange Weidezeiten.

Für die aufgeschlagene Butter brauchen wir noch zwei Zutaten: Buttermilch und Salzflocken (Fleure de Sel).

Zutaten:
250 g Butter, 50 g Buttermilch, Salzflocken

Zubereitung:
Butter aus dem Kühlschrank nehmen und Zimmertemperatur annehmen lassen. Das ist wichtig, da sich die Butter sonst nicht aufschlagen lässt.

Die weiche Butter mit einem elektrischen Mixer ca. 5 Minuten lang auf höchster Stufe aufschlagen, bis sie luftig und ganz weich ist. Die Geschwindigkeit reduzieren und langsam die Buttermilch hinzufügen. Sobald beiden Zutaten vermischt sind, die Geschwindigkeit wieder erhöhen und nochmal ca. 5 Minuten schlagen. Wieder runter schalten und nach Geschmack Salz hinzugeben.

Die Butter dekorativen zu einem kleinen Berg auftürmen und mit frischem Brot servieren.

Aufgeschlagene Butter serviere ich gerne als Vorspeise mit einem guten Brot.

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Steirische Hoad’nknödel

Es sind mehr als 50 Jahre her, als mich die Liebe das erste mal in die Steiermark führte. Mein Schwiegervater liebte die alte unverfälschte steirische Küche, und ich hatte Mühe, dies alles wert zu schätzen. Zu den besonderen Speisen gehörten Gerichte aus Buchweizen. Buchweizen gab es in der westfälischen Küche auch, aber ganz anders zubereitet, und ich war der westfälischen Küche sehr verhaftet. Ach, hätte ich doch damals die Einsicht gehabt, was für köstliche Gerichte auf den Tisch kamen. Heidenknödel aus dem Mürztal hatten es mir besonders angetan.

Die Hoad’nknödel sind eine Mischung aus Semmelwürfeln und Buchweizenmehl, den Geschmack gibt gerösteter Speck, und ursprünglich wurden sie ebenso wie die Mehlknödel zur Selchsuppe gegessen. Obwohl im steirischen Mürztal der Buchweizen nicht wirklich Tradition hat, so kommt dieses Rezept aus der Gegend. Schmecken tut‘s allemal.

Damit wir mit einem Missverständnis gleich aufräumen: Buchweizen ist kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs und vielmehr mit dem Spinat verwandt. Und daraus lassen sich ganz vorzügliche Knödel machen.

Sogenannte Mehlknödel gehörten fest zum bäuerlichen Mittagstisch, waren ständige Begleiter an den Fleischtagen und in Form von Einbrennknödeln eine klassische Fasttagsspeise. Meist wurden sie in einer „leeren“ Selchsuppe gekocht und wahlweise mit Schmalz – dort, wo es Schweinehaltung gab – oder mit Butter – dort, wo eher Milchwirtschaft daheim war – verfeinert. Gesund ist so eine Selchsuppe nicht. Selchfleisch wird mit Pökelsalz behandelt, das Nitrat und Nitrit enthält. Beides ist wasserlöslich, Krebs erregend und Nitarte wie auch die Nitrite kommen schließlich in die Suppe. Darum gebe ich heute die Heidenknödel in eine Rindsuppe.

Den Namen Heidenmehl erhielt der Buchweizen, weil ihn angeblich heidnische Völker aus dem Osten mitbrachten. Die erste Hälfte seines irreführenden Namens verdankt er seinem Aussehen, die Früchte erinnern an Miniausgaben von Bucheckern.

Buchweizen stammt ursprünglich aus Sibirien. Manche Funde belegen auch, dass eine ähnliche Pflanze schon in der Bronzezeit in Europa angebaut wurde. So richtig bekannt bei uns ist der Buchweizen seit dem Mittelalter. Vermutlich fand er mit den Eroberungszügen der Sarazenen seinen Weg zu uns. Die genügsame Pflanze liebt leichte Sandböden und wirft selbst auf kargen Heideäckern relativ hohe Erträge ab.

Einen guten Ruf hatte der Buchweizen trotzdem lange Zeit nicht, da er ausschließlich als Armeleuteessen galt. Das Schälen der kleinen Körner erledigte man während der kalten Jahreszeit. Dazu wurde der Buchweizen um den warmen Stubenofen herum ausgebreitet. Mithilfe schwerer Holzschuhe behandelte man die Körner anschließend so lang, bis die Schalen abfielen. Man kann sich also gut vorstellen, wie am Ende der Hoad’nbreübrigblieb, der auch gleich in Milch oder Wasser zu einer kräftigen Mahlzeit gedünstet wurde.

In der Küche war das Heidenmehl vor allem für den Sterz im Einsatz. In alten Rezepten findet man auch die Empfehlung, das Mehl bei geringer Hitze ein wenig trocken anzurösten oder eigentlich bloß zu erwärmen, bis es seinen wunderbar nussigen Geruch entfaltet.

Zutaten:
70 g geräucherten Bauchspeck, 150 g Heidenmehl, 120 g Knödelbrot (gewürfelte, getrocknete Semmel, Salz, Petersilie, 2 Eier, 375 ml kochendes Wasser 

Zubereitung:
Den Speck in kleine Würfel schneiden, in einer Pfanne langsam knusprig braten und mit Heidenmehl, Knödelbrot, Salz und Petersilie vermengen.

Die Zutaten mit kochendem Wasser übergießen und schnell durchmischen. Die Eier versprudeln und unter die Masse kneten.

Salzwasser in einem großen Topf zum Kochen bringen. Aus der Masse nicht zu große Knödel formen und 12 Minuten lang unter dem Siedepunkt garen.

Die Hoad’nknödel schmecken sehr gut in einer Rindssuppe, die mit Gemüse serviert wird.

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