Schnitzel, Schnitzel – Krüstchen

Das wohl bekannteste Fleischgericht ist das Schnitzel. Oft auch „Wiener Schnitzel“ genannt, was es dann aber nicht unbedingt ist. Eher schon ein „Schnitzel Wiener Art“. Das Schnitzel, das langsam aber sicher vor die Hunde geht. In der sogenannten gutbürgerlichen Küche, in all den Imbissbuden, die „Schnitzel“ anbieten und in den Kantinen und Gasthäusern, die darunter alles Mögliche verstehen – vom Schniposa (Schnitzel, Pommes, Salat / für die, die es noch nicht kannten) hin bis zum XXXL Schnitzel.

Fangen wir beim Wiener Schnitzel an. Es muss unbedingt aus Kalbfleisch sein. Aber besser ich zitiere die Beschreibung aus dem „Kochbuch für alle“ von Franz Ruhm. „Franz Ruhm erlernte den Beruf eines Zuckerbäckers. Im Jahr 1927 übernahm er die Redaktion der monatlich erscheinenden Zeitschrift des Verbands der Köche „Gastronom“. Später war er Kochlehrer und ab 1928 sprach er im österreichischen Radio über die Wiener und Österreichische Küche.“ (Wikipedia) Er schreibt:
“Für Wiener Schnitzel eignet sich jedes Schlögelfleisch, also sowohl Fricandeau wie auch Schale und Nuß, ersteres aber besonders. Geschnitten wird das Fleisch im Gewichte von 12-14 Deka (120 – 140 Gramm) pro Person immer so, dass eine schöne, möglichst rechteckige Fläche entsteht, wozu es notwendig ist, das Fleisch in zwei zusammenhängenden Tranchen zu schneiden. Das Schnitzel darf nicht zu dünn geklopft werden, da es sonst leicht austrocknet beim Backen. Die Hautränder werden an einigen Stellen “eingepickt d.h. durchschnitten…”
Dann folgt das Panieren mit der “Bröseldecke”: salzen, mehlieren und “sodann zieht man es durch Ei, wozu auf ein Ei eine halbe Eischale voll Wasser und ein Kaffeelöffel voll Öl kommt und gut verquirlt wird. Nun hüllt man das Schnitzel in möglichst gleichkörnige Semmelbrösel ein, wobei die Brösel lediglich ein wenig angedrückt, nie aber angeklopft werden dürfen… Das Panieren soll immer erst knapp vor Tisch vor sich gehen.”
Dann wird gebacken: “Das Backfett muss so heiß sein, dass eine nass gemachte Gabelspitze, die man darein taucht, ein empörtes Zischen verursacht.”
Die Entstehung des „Wiener Schnitzels“ wird in einer interessanten Mär erzählt. Der Feldmarschall von Radetzky, genau der selbige wie der Marsch, war Befehlshaber der Habsburger Truppen in Oberitalien und aß dort das Costoletta milanese und war so begeistert, dass er nach Wien meldete, in Mailand pflege man Kalbsschnitzel höchst appetitlich zu panieren. Aber leider, es ist nur eine der vielen erbaulichen Geschichten zum „Wiener Schnitzel“.
So, jetzt wissen wir es genau. Und alles andere ist ein „Schnitzel Wiener Art“.
Da gibt es noch einige berühmte Schnitzel (und bitte: kein Jägerschnitzel, weil Jäger bei der Jagd Pilze finden und Zigeunerschnitzel, weil Zigeuner immer Paprika und Zwiebeln essen.) Es ist das Schnitzel á la Holstein, benannt nach dem Geheimrat Holstein, der immer in Eile, in seinem Berliner Stammlokal so bestellte: „Schnell, schnell, Vorspeise, Schnitzel.“ Als Vorspeise liebte er Toastbrot mit geräuchertem Lachs und andere fischige Spezialitäten. So servierte der Koch ihm in einem Gang diese belegten Toaste und dazu ein Schnitzel Pariser Art, welches ohne Paniermehl nur in Ei und Mehl paniert wird. Das Schnitzel Holstein bringt uns jetzt dem Krüstchen näher. Denn hier handelt es sich um ein paniertes Schnitzel, belegt mit einem Spiegelei.
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Auch beim Krüstchen herrscht erst einmal Uneinigkeit: Nahezu jede einzelne Landschaft in NRW beansprucht das Original-Krüstchen für sich. Regionale Unterschiede gibt es aber nur bei der Unterlage des Schnitzels, eine Schnitte Brot. Es sollte getoastet sein, und wird wohl auch nicht unbedingt Toastbrot sein. Woher haben die denn vor 70, 80 Jahren – und da gab es das Krüstchen schon lange – in sauerländer, oder bergischen oder gar münsterländischen Bauerngasthöfen Toastbrot genommen? Jetzt kommt noch etwas oben drauf und das ist zweifellos ein Spiegelei. Bei meiner Recherche im Netz wurde sogar die Streitfrage gewälzt: frittiert oder gebraten (ich neige dann eher zum österreichischen Ausdruck „gebacken“) – frittiert ist auf jeden Fall ganz falsch. Und noch eine weitere Frage stellte sich: welche Beilagen. Die ist aber genau so unwichtig, wie die Frage nach dem Brot. Früher gab es im „Venner Moor“ und bei „Mutter Stuff“ im Münsterland immer Kartoffelsalat dazu; Kartoffelsalat mit Majonäse und eine Gewürzgurke. Fantasiereiche Wirte bieten dann das Krüstchen in allerlei Varianten an: mit Spargel, mit Pilzen, mit Specktranchen – da sind keine Grenzen gesetzt. In Köln serviert man auch Krüstchen. Hier versteht man darunter ein kleines Gulasch mit einem Röggelsche.
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Krüstchen münsterländer Art

Zutaten für drei Personen
3 Schweineschnitzel à 150 g aus der Lende
Salz, Pfeffer
2-3 EL Mehl
4-6 EL Paniermehl (am besten selber machen aus geriebenem Baguette)
2 große Eier
¼ TL Öl
Öl zum Braten
Butterschmalz
Toastbrot oder besser Stuten

Zubereitung
Die Schnitzel auf ein Brett legen und mit dem Fleischklopfer flach klopfen. Von beiden Seiten salzen und pfeffern.
Das Mehl und die Semmelbrösel auf 2 große flache Teller verteilen. Das Ei in einen tiefen Teller aufschlagen und mit einer Gabel verschlagen.
Die Schnitzel zuerst in Mehl wenden, abklopfen, dann in Ei. Anschließend in Semmelbrösel wenden. Mit den Händen die Semmelbrösel andrücken.
Soviel Fett in der Pfanne heiß werden lassen, dass es etwa 1/2 cm hoch steht. Die Schnitzel hinein geben und von beiden Seiten goldbraun braten.
Kurz vor dem Garpunkt das Ei in Butterschmalz braten und salzen, nach Geschmack auch pfeffern.
Eine Schnitte Brot toasten. Ich bevorzuge hier angerösteten Stuten. Darauf kommt das Schnitzel und obenauf das Spiegelei.

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Amerikanischer Kindertraum: Sloppy Joe

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Nach einem Jahr Amerika Highschool in Coon Rapids Minn. USA holte ich meinen Sohn F. vom Flughafen in Frankfurt ab. „Erst einmal wieder ein richtiges deutsches Frühstück“ war sein Wunsch und am Abend dann „Schnitzel“.
Später kam er mit einer Fertiggewürzmischung, die er aus den USA mitgebracht hatte: „“Sloppy Joe“. Er wusste auch nicht so genau, was das war, aber es wurde mit Hackfleisch zubereitet. Inzwischen weiß ich, dass Sloppy Joe das Lieblingsessen vieler Kinder in Amerika ist. Hackfleisch in einer gewürzten Tomatensauce in einem Hamburger-Brötchen. Den dazugehörigen Krautsalat lassen die Kinder dann am liebsten an der Seite stehen.
Sloppy Joe heißt schlampiger Joe, aber das bezieht sich sicherlich nicht darauf, dass es oft als Schulessen so serviert wird, dass das Hackfleisch in einer süßen Tomatensauce auf einem Brötchen ertrinkt. Das ursprüngliche Rezept stammt aus einer gleichnamigen Bar in Key West und wurde inzwischen in vielen Variationen angeboten.
Hier ist meine Lieblingsvariante, die wir dann und wann immer mal wieder auf den Tisch brachten:

Zutaten
1 EL Olivenöl
1/2 Tasse gehackte Karotten
1/2 gehackte Paprika)
1 Tasse gehackte Zwiebeln (ca. 1 mittelgroße Zwiebel)
1/2 Tasse gehackte Sellerie
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Salz
500 g Hackfleisch
1/2 Tasse Ketchup
2 Tassen gehackter Tomaten aus der Dose
1 Esslöffel Worcestershire Sauce
1 EL Rotweinessig
2 EL brauner Zucker
Etwas gemahlene Nelken
1/2 Teelöffel getrockneter Thymian
Prise Cayennepfeffer
2 Umdrehungen frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
4 Hamburgerbrötchen

Zubereitung
Das Olivenöl in einer großen Pfanne auf mittlere Hitze bringen. Zuerst die Karotten und Paprika 5 Minuten anbraten. Dann geben wir die gehackte Zwiebel und Sellerie hinzu. Weiter schmoren und dabei gelegentlich umrühren, bis die Zwiebeln glasig sind, so ca. 5 Minuten. Jetzt den gehackten Knoblauch dazugeben, nach weiteren 30 Sekunden alles vom Herd nehmen. Das Gemüse aus der Pfanne in eine Schüssel füllen und beiseite stellen.

In der gleichen Pfanne (oder Sie können das Fleisch zur gleichen Zeit wie das Gemüse in einer separaten Pfanne braten um Zeit zu sparen) ca. 1/4 bis 1/2 Teelöffel Salz hoch erhitzen. Das Hackfleisch in die Pfanne bröseln. Das sollte man in zwei Portionen machen, weil es sonst zu eng in der Pfanne wird und das Fleisch nicht braun wird. Das Hackfleisch nicht rühren, bis es gut auf der einen Seite gebräunt ist. Dann drehen Sie die Stücke um und braten (bräunen) die zweite Seite. Mit einem Schaumlöffel das Hackfleisch aus der Pfanne nehmen und zum Gemüse hinzufügen. Jetzt kommt die zweite Portion Fleisch gleichermaßen dran.

Wenn Sie mageres Rindfleisch hatten, werden Sie wahrscheinlich kein überschüssiges Fett in der Pfanne haben. Wenn nicht, sollten Sie jetzt das Fett entfernen.

Die Hackfleischgemüsemischung wieder in die Pfanne geben. Fügen Sie Ketchup, Tomatenmark, die gehackten Tomaten, Worcestershire-Sauce, Essig und braunen Zucker zu und mischen alles gut. Jetzt kommen noch die gemahlenen Nelken, der Thymian und der Cayennepfeffer hinzu und dann alles abschmecken. Die Hitze auf mittlere Stufe oder niedriger schalten und für 10 Minuten köcheln lassen.

Servieren mit gerösteten Brötchen für Hamburger.

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Gekochtes Huhn aus Ungarn – Matyò-Hühnchen

matyos_osterbrauchViele Jahre fuhren wir zum Urlaub nach Ungarn. Eine der sehr interessanten Gegenden war das Land rund um die Orte Mezőkövesd, Trad und Szentsitván 125 km östlich von Budapest. Die Menschen, die hier leben, werden „matyó“ genannt. Es ist die Paloc-Volksgruppe. Der Name „matyó“ leitet sich vom König Matthias ab. Er hat im Jahre 1646 Mezőkövesd und die umliegenden Dörfer zum Marktflecken erhoben. Die Bewohner dankten es dem König, indem viele Einheimische ihre Kinder Matthias tauften, und bald wurden alle Bewohner dort „matyó“ genannt. Diese „matyó“ wurden durch ihre Traditionen und Volkskunst bekannt. Dieses Erbe wurde im Dezember 2012 ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Ihre Stickerei wird oft für die ungarische Stickkunst allgemein gehalten. Grund dafür sind sicherlich die unglaublich schönen bunten Motive. Ursprünglich gab es hier die Weißstickerei, später kamen die traditionellen Farben rot und blau hinzu. Da auch die Kleidung bestickt wurde, ist sie ebenso bekannt geworden.
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Das bekannteste Gericht von dort dürfte das Matyo-Huhn sein. Eine gekochte Delikatesse, die in ganz Ungarn beliebt ist.
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Zutaten
1 junges Suppenhuhn
1 ½ l Wasser
150 g Karotten
50 g Petersilienwurzel
1 Zwiebel
50 g Champignons
100 g Blumenkohlröschen
das Grüne von der Sellerie
25 g Mehl
50 g Butter
Petersilie
Estragon
100 ml Sahne
1 Eigelb
Salz und weißer Pfeffer

Zubereitung
Das Hühnchen waschen und in acht Teile tranchieren: Schenkel und Flügel ablösen, die Brust der Länge nach und den Rücken quer halbieren. Wenn man die Innereien dazu hat, diese nach dem Ausnehmen gut waschen.
Das Wasser zum Sieden bringen und die Hühnchenteile einlegen. Den ersten Schaum abschöpfen.
Die Karotten und Petersilienwurzel so klein wie Streichhölzer schneiden. Die Champignons putzen und in feine Scheibchen schneiden. Die Röschen vom Blumenkohl parieren und dann alles Gemüse in die Suppe geben. Dazu kommt eine ganze Zwiebel und das Grüne von der Sellerie.
In der Zwischenzeit eine aus Butter und Mehl helle Mehlschwitze anrühren, die fein gewiegte Petersilie dazu geben und mit etwas Hühnerbrühe ablöschen.
Nach 30 Minuten die Sellerieblätter und die Zwiebel aus der Suppe herausnehmen und die Mehlschwitze einrühren. Jetzt mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Suppe danach nochmals aufkochen.
Estragon fein wiegen und in die Suppe streuen.
Das Eigelb mit der Sahne verquirlen, den Topf vom Feuer nehmen und mit dem Ei-Sahne-Gemisch legieren.

Jetzt im Winter gibt es kein Grün von der Sellerie. Ich nehme getrocknetes Grün und stecke es zusammen mit der Zwiebel in eine große Suppenkugel. Naja, das ist ein überdimensionales Teesieb.

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