Wirsingroulade im Frühjahr

Wirsingrouladen gibt es im Herbst! Nein, versucht es einmal mit ganz jungem Wirsing im späten Frühjahr. Obwohl ich ihn diesmal profan mit Bratwurstbrät, Zwiebeln, Majoran und Würfel vom geräucherten Speck gefüllt habe, bietet sich der junge Wirsing auch für feine Füllungen besonders gut an.
Ich mag ihn gerne mit Forellenmousse oder auch vegetarisch mit Grünkern und Feta. Doch diesmal wurde der krause Kohl klassisch verarbeitet. Obwohl er als typisch mitteleuropäisches Gemüse gilt, kommt er aus dem Mittelmeerraum, woran vor allem der französische Name „chou de Milan“ erinnert. In der Schweiz heißt er Wirz, in Österreich einfach Kohl.
wirsing_01
Da man den inneren Kern des Wirsing schlecht bei den Rouladen verwenden kann, schneide ich ihn sehr klein und schmore ihn mit Knoblauch in Butter. Das ist dann eine kleine Gemüsebeilage zu den Rouladen. Die Rouladen schmecken übrigens am besten, wenn sie noch einmal aufgewärmt wurde.
wirsing_02
Zutaten für 4 Personen
1 Kopf Wirsing
200 g Bratwurstbrät
300 g grobes Hackfleisch vom Schwein
100 g Baconwürfel
1 Zwiebel
1 altbackenes Brötchen
Sahne nach Bedarf
Majoran
Muskat
1 Ei
Salz und Pfeffer
Bratbutter

Zubereitung
Beim jungen Wirsing löse ich die großen Blätter einzeln aus und blanchiere sie ganz kurz. Danach werden sie kalt abgeschreckt. Wenn der Kopf älter und kompakter ist, blanchiert man am besten den ganzen Kopf und löst dann die Blätter ab. Beim jungen Wirsing muss ich auch nicht die Mittelrippe entfernen, weil sie noch sehr zart ist und der Roulade zusätzliche Stabilität gibt. Ich schneide aber die Mittelrippe mehrmals quer leicht ein.

Für die Füllung schneide ich das altbackene Brötchen in feine Scheiben und dann noch einmal in Streifen, die ich in Sahne einweiche. Eventuell ausdrücken, wenn man zu viel Sahne erwischt hat. Dazu kommen die feingeschnittenen Zwiebeln, Majoran, Muskat und die Fleischanteile.
Das ganze vermenge ich gut zu einem homogenen Teig, mit Salz und Pfeffer abschmecken und in Bällchen portioniere. Die Fleischbällchen auf ein großes (oder zwei sich überlappende Wirsingblätter legen und einwickeln.

Die Bratbutter bei mittlerer Hitze in der tiefen Pfanne auslassen und die Bällchen jetzt noch einmal mit beiden Händen zusammenpressen und mit der Naht, wo sich das Blatt überlappt nach unten in die Pfanne legen. Wenn man sie erst auf dieser Seite anschmort und vorsichtig wendet, braucht man keine Küchenschnur zum fixieren. Langsam anschmoren und nach ca. 35 – 40 Minuten erst wenden. Nun auf der anderen Seite für 15 Minuten garen. Kurz vor Ende die Temperatur erhöhen. Jetzt sollte man nicht vom Herd weggehen, denn durch die hohe Hitze karamellisieren die Wirsingrouladen ein wenig, was den Geschmack ungemein hebt. Aber ehe man sich versieht, brennen sie an. Ein kleiner Schuss Wasser kann das wieder ins Gleichgewicht bringen.
wirsing_03
Der restliche Wirsing wurde inzwischen ebenfalls geschmort, mit Mehl bestäubt und mit etwas Sahne aufgegossen, dass er fast soßig ist. Fertig, dazu serviere ich Stampf- oder Salzkartoffeln.
wirsing_04

Veröffentlicht unter Allgemein, Rezepte | Verschlagwortet mit , | 7 Kommentare

Jouvarlakia – Reisfleischbällchen-Suppe mit Ei-Zitronensauce

Ich bin skeptisch, wenn ich in einem griechischen Restaurant essen soll. Das lässt sich manchmal nicht umgehen, vor allem, wenn man eingeladen ist. Meine Skepsis richtet sich nicht gegen die griechische Küche, aber die wird wohl sehr selten in den sogenannten griechischen Restaurants zelebriert. Mich graust es, wenn ich diese unglaublichen Zusammenstellungen wie „1 Filetspieß vom Lamm, 1 Lammkotelett, 1 Leber, 1 Filet, Giros, Zaziki, mit Reis und Pommes frites“ sehe. Dazu kommt die erschlagende Dekoration mit Säulen und Gipsgöttern. Das geht auch anders. Nun war ich aber in den letzten Tagen in einem Restaurant, das nicht so überdekoriert war. Dort aß ich eine ganz hervorragende Suppe. Man muss erwähnen, dass die Speisen der anderen Gäste ebenso gut aussahen und schmeckten.
jouvarlakia
Ich hatte mir sofort vorgenommen, diese Suppe nachzukochen: Jouvarlakia
Zutaten
500 Gramm Reis (Risottoreis)
500 Gramm Hackfleisch, Lamm, Rind, gemischt
1 Zwiebel
2 Eier
Bund Blattpetersilie
etwas Dill
Salz
ein Blatt Liebstöckl
Olivenöl
Mehl
Salz und Pfeffer
Gemüsebrühe

1 kl. Glas Weißwein
2 Eier
Saft von 1-2 Zitronen
Salz und Pfeffer

Zubereitung
Die Petersilien- und Liebstöckelblätter sowie die Zwiebel und den Dill fein hacken.
Das Hackfleisch mit den Kräutern, der Zwiebel und den Eiern und ganz wenig Olivenöl (1 TL) gut vermischen.
Jetzt gebe ich noch den Reis hinein und würze mit Salz und Pfeffer.
Aus der Masse forme ich kleine Bällchen, die in Mehl gerollt werden.

Diese Klößchen kommen in leicht siedende Gemüsebrühe und ziehen dort während einer guten halben Stunde bis 45 Minuten gar. Wenn die Fleischbällchen so weit sind, nehme ich sie kurz aus der Brühe und gebe wenig Hackfleisch und Reis hinein. Das macht die Suppe dann sämiger.
Ab jetzt darf die Suppe nicht mehr kochen. Zuerst kommt das Glas Wein, dann der Zitronensaft hinein und zuletzt die Eier, die wir zu einer schaumigen, cremigen Suppe aufschlagen. Abschmecken und die Fleischbällchen wieder hineingeben.
Mit wenig Petersilie und Dillspitzen bestreuen und servieren.

Veröffentlicht unter Allgemein, Rezepte | Verschlagwortet mit , , , , | 13 Kommentare

Strammer Max und Tage im Münsterland

Grün, wo das Auge hinschaut ist es grün – das ist der erste Eindruck im Münsterland. Zwischen Teutoburger Wald und Lippe, niedersächsischem Emsland und den Niederlanden, erstreckt sich eine meist sehr flache, manchmal aber auch leicht hügelige Landschaft mit ausgedehnten Wiesen und Feldern, Wäldern, Heidegebieten und Mooren.
DSC_0026w
Wie ein großer Park liegt mit verträumten Wasserburgen, großen Gutshöfe, hübsche kleine Kotten und lebendige Städtchen liegt es da. Zugegeben, spektakulär klingt das alles nicht, aber überall strömt dieses Land Ruhe und Frieden aus. Hier war ich in den letzten Tagen um Kraft zu tanken.
DSC_0034w
Ich war im Moor, wo vereinzelt noch Torf gestochen wird. Längst hat es das „Unheimliche“ verloren, dass es noch in meiner Kindheit hatte. Damals erzählte man uns von der Kornmuhme und dem Gräberknecht,die uns Kinder vom Moor und aus den Roggenfeldern wegschreckte.
DSC_0023w
In mir lebte das Lied von Annette von Droste Hülshof: „O schaurig ist’s übers Moor zu gehn, wenn es wimmelt vom Heiderauche, sich wie Phantome die Dünste drehn und die Ranke häkelt am Strauche.“ Welch ein Schreck war es manchmal in der Dämmerung, wenn sich die Kleidung an einem Dorn verhakte.
DSC_0038w
Schweine gehören zum Münsterland, ebenso wie Pferde. Schweine sind wichtig. Sind sie doch der Lieferant für die berühmten westfälischen Schinken. Der kann aber nichts werden, wenn das Tier in Geschwindigkeit groß gemästet wurde. Hier braucht es noch die Gemächlichkeit vergangener Zeiten, Weidehaltung und Eichelmast. Und Speck sollte das Tier haben, der Speck gibt den Geschmack. „Ein gutes Schwein hat den Bauch im Dreck hängen“, pflegte mein Urgroßvater zu sagen. Und er hätte mit dem Libretto aus dem Zigeunerbaron fortfahren önnen: „Ja! auf das Schweinemästen versteh‘ ich mich am besten.“
Nun ja, so muss es ja nun wirklich nicht mehr sein, aber schlimmer sind diese „Turbokoteletts“.
altland
Beschaulichkeit und Ruhe, das ist es, was das Land mit prägt. Überall atmet es Frieden.
DSC_0063w
An Jahrmärkten und Festen kommen die Krämer, Schausteller und Schnuckerzeugsmacher in die Städtchen.
Ich war auf solch einem Fest: 500 Jahre Altländer Dom. Zu feiern verstehen die Münsterländer. Dann wird gegessen und getrunken. Der bekömmliche Korn mit milden 32° fließt mit dem Altbier in Strömen. Dazu gehören deftige Speisen.

Backfisch war nicht so mein Ding. Fettig, triefend mit holländischen Pommes frites aus der Hand – nein. Hier gab es traditionell einen Strammen Max.
strammer-max
Das Rezept ist ganz einfach. Ein Brot buttern, mit westfälischem Knochenschinken* belegen, eine kleine Portion Kartoffelsalat und eine Gurke dazu. Oben auf kommt ein oder auch zwei Spiegeleier. Fertig!

* Es soll auch mit anderem Schinken gehen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Rezepte | Verschlagwortet mit , , , | 18 Kommentare