Moravský Vrabec – Mährische Spatzen

Wörtlich übersetzt heißt Moravský Vrabec „Mährischer Spatz“ und ist ein gängiges Gericht, das man in fast jedem traditionellen tschechischen Restaurant bestellen kann. Wie der Name schon vermuten lässt, stammt es ursprünglich aus der Region Mähren, enthält aber glücklicherweise überhaupt keinen Spatz.

Nun sind mir viele Gerichte bekannt, die das Wort „Spatz“ enthalten. Das bezieht sich meist auf „Spätzle“ und ihre Verwandten: Mehlspatzen, Käsespatzen, Krautspatzen. Im Fränkischen kennt man die Feuerspatzen, fränkisch auch Feierschpootz’n. Ein typisches Schmalzgebäck, das entweder mit Zimt-Zucker, Puderzucker oder Marmelade genossen werden kann.

Ein weiteres interessantes Gericht mit Spatz ist in der Schweiz das Pot-au-feu beim Militär.  Der schweizer Journalist Paul Imhof schreibt dazu: „Das Schweizerdeutsche Wörterbuch Idiotikon bezeichnet Spatz als «tägliche Fleischration des Soldaten», eigentlich «das kleine oder als klein bespöttelte Stück Fleisch in der Suppe». Zitiert wird ein Zeitungsartikel von 1922: «Vorher [vor der Zeit Napoleons I.] hatten in der buntscheckigen Eidgenossenschaft … einzig die Stände Bern und Zürich ihren Milizen neben Sold und Brot auch noch das Fleisch, den Spatz, geliefert.» In einem Manöverbrief von 1887 war zu lesen: «Die Grützsuppe hat sich morgens auch bei den leidenschaftlichen Kaffeemannen rasch eingebürgert; Mittags- und Abendsuppe mit dem auf beide Male verteilten Spatz sind geradezu delikat».“

Wo auch immer das Wort Spatz in Mähren herstammen mag, das Gericht ist ein echter Seelentröster. Es handelt sich um ein in zwei Schritten zubereitetes Stück Schweinefleisch, das zunächst geschmort und dann gebraten wird. Es wird mit Knoblauch, Kreuzkümmel und Salz gewürzt und manchmal mit Bier übergossen. 

Zutaten:
750–800 g Schweinebauch, -schulter oder -nacken (separat, gemischt aber alles ohne Knochen), 2 Esslöffel Schmalz, 3 größere Zwiebeln, 5 Knoblauchzehen, 1 Teelöffel Kreuzkümmel, 1 Esslöffel Senf, 1 Teelöffel Salz, 1 Teelöffel Mehl, 1 Glas Bier

Zubereitung:
Das Fleisch in 3 – 4 cm große Würfel schneiden.

Zwiebeln und Knoblauch ebenfalls in kleine Würfel schneiden und das Fleisch, Zwiebeln und Knoblauch nach und nach in einer Kasserolle anbraten.

Bier angießen und zugedeckt langsam köcheln lassen, aber nur bis es halbweich ist.

Die zweite Hälfte des Garvorgangs erfolgt im Backofen – ohne Deckel und bei 180 Grad (keine Heißluft). Jetzt geben wir den Kreuzkümmel dazu. Die Flüssigkeit verkocht, das Fleisch bräunt und wird goldbraun, die Zwiebel verschwindet und hinterlässt ein herrliches Aroma.

Das gegarte Fleisch geben wir mit dem restlichen Saft zurück auf die Herdplatte und dicken es an. Da der Saft nicht separat abgegossen und verarbeitet werden kann, erfolgt das Andicken, indem man das Fleisch durch ein Sieb mit Mehl bestäubt, mit einem Deckel abdeckt, das Mehl kurz ausdünstet und erst dann vermengt. Das Abdecken ist wichtig, denn das Mehl soll schwitzen, sich erschließen und später nicht das Aroma überdecken. Wie es bereits im Wort „Mehlschwitze“ angedeutet wird, muss Mehl schwitzen. Falls nicht genügend Saft vorhanden ist und das Ganze zu dick wird, fügt man etwas heißes Wasser hinzu. Mit Salz und Senf abschmecken.

Zum Mährischen Spatz serviert man Kartoffelknödel, Sauerkraut, Rotkraut oder Spinat. An einem nasskalten Herbsttag mundet es besonders gut.

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Konfierte Hühnerleber mit Portweinschalotten an einem gemischten Salat

Es gibt Gelegenheiten, an denen man möglichst schnell und ohne großem Aufwand ein einfaches, doch beeindruckendes Gericht auf den Tisch bringen muss. Ein Salat ist meist passend, aber ein Salat allein ist schon eine einsame Sache. Wir alle kennen die Nudel-, Schicht- oder Kartoffelsalate mit einem heißen Würstchen (oder vegetarisch mit dem obligatorischen halben Ei), und wissen, dass es sicher Besseres gibt. Nichts gegen Familientraditionen („… den macht meine Schwägerin Else schon ewig und alle sind immer so begeistert“) aber man kann ja mal etwas Neues ausprobieren.

Bei der Gelegenheit: Ich hörte einmal von einer älteren Dame, die den besten Kartoffelsalat machte, den sich die Angehörigen vorstellen konnten. Trotz Bitten hat sie das Rezept verraten. Schließlich – sie war schon im sehr hohen Alter und machte schon lange keinen Kartoffelsalat mehr – verriet sie es einer Enkelin: „Kind“, sagte sie, „ich habe kein besonderes Rezept, ich habe einfach immer etwas zu wenig gemacht.“

Ich serviere bei solchen Anlässen gerne einen gemischten Salat, wo man allerlei Grünzeug, Tomaten und sonstiges Salatzeugs hineinpacken kann. Beim Dressing bin ich wählerischer, allein beim Essig. Ich selbst bevorzug eine Mischung aus Weißwein- und Madeiraessig mit einem Spritzer Balsamico. Wohlgemerkt Balsamico, nicht Aceto Balsamico. Dazu ein gutes Olivenöl, und wenn es nicht so intensiv sein soll, eine Ölmischung aus Sonnenblumenöl mit Olivenöl.

So ein Salat und das Dressing kann man leicht vorbereiten. Dazu richte ich gerne konfierte Hühnerleber an. Wenn man sie erst einmal zubereitet hat, hält sie sich unter Luftabschluss oder im Entenfett einige Wochen. Zum Anrichten komme ich dann später unter dem Absatz Zubereitung.

Was bedeutet Konfieren? Am besten ist, wenn ich mich selbst zitiere, denn ich habe es schon einmal im Rezept: „Confitierte Entenkeule, geschmorter Rotkohl, grüne Pfeffersauce und karamellisierte Äpfel“ beschrieben:

In der Küche bedeutet Konfieren, das Fleisch zu salzen, um ihm Feuchtigkeit zu entziehen, bevor es in seinem eigenen Fett gegart wird. Der Unterschied zum Frittieren besteht darin, dass man das Fett bei niedriger Temperatur hält und das Fleisch mehrere Stunden lang gart. Sobald das Fleisch zart und saftig ist, wird es mit Fett bedeckt und an einem kühlen Ort gelagert. Das Fett wirkt als Barriere gegen Bakterienwachstum, wodurch das Fleisch mehrere Monate haltbar bleibt. Diese Praxis wurde auch lange nach der Einführung der Kühlung beibehalten, da das Ergebnis unwiderstehlich lecker ist und saftiges, reichhaltiges, salziges Fleisch ergibt. Konfieren kann man auch mit der „Sous vide Methode“.

Nun werde ich die Hühnerleber nicht vorher salzen, aber ansonsten bleibt die Methode gleich. Ich muss die Hühnerleber nur noch erwärmen und gegebenenfalls würzen. Diesmal habe ich die Hühnerleber mit Portweinschalotten zubereitet, die zugleich die Leber würzten. Auch das kann man bereits am Vortag vorbereiten.

Zutaten:
Pro Person ca. 80 – 100 g Hühnerleber (fertig geputzt), Entenfett, pro Person 2 – 3 Schalotten, Butterfett und Portwein.

In den Salat kommt das hinein, was die Saison bietet, das Dressing passe ich dem Salatinhalt an.

Zubereitung:
Die Hühnerleber mit etwas Entenfett – ich rechne 5 – 10 Gramm auf 100 g Leber – in einem Beutel einschweißen, und im Wasserbad bei 70° C dreißig Minuten konfieren. Diese Beutel verwahre ich kühl auf.

Die Schalotten putzen und in wenig Butterschmalz anbraten. Mit Portwein aufgießen und solange reduzieren, bis der Portwein dickflüssig wird. Dafür sollte man zwei Sorten Portwein verwenden: eine preiswerte Variante für die Sauce, eine bessere zum Trinken, während man immer mal wieder umrührt. Das alles geht bereits am Vortag oder Vormittag.

Die Beutel mit der konfierten Hühnerleber im Wasserbad erhitzen und nach 15 Minute zu den Portweinschalotten geben.

Zum Schluss abschmecken! Und mit Salat anrichten.

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Unsichtbarer Apfelkuchen

Der unsichtbare Apfelkuchen, ein französischer Hit, der auch Japan auf Instagram im Sturm erobert hat. Dieser Apfelkuchen braucht Geduld und ist trotzdem einfach herzustellen und verzaubert mit seiner zarten und vielschichtigen Textur. Ursprünglich stammt er aus Frankreich und heißt dort Gâteau Invisible Aux Pommes. In Japan, wo er wegen seines minimalistischen Looks beliebt wurde, erlebte er aber einen wahren Boom. Die sozialen Medien dort sind voll mit Fotos von Apfelscheiben, und seitdem backt ihn die halbe Welt.

Er mag unscheinbar aussehen, schmeckt aber absolut göttlich. Der unsichtbare Apfelkuchen hat vielleicht mehr Schichten als das beste Croissant einer Pariser Bäckerei und dazu einen zarten Geschmack, der vom ersten Bissen an überraschen wird.

Ich backe ja nun sehr selten, aber an diesen Kuchen habe ich mich sofort daran getraut, und das Ergebnis war wirklich sehr, sehr lecker. Es ist ein Dessert, das wie eine Schichttorte aussieht. Diese Schichten sind deutlich sichtbar, die Aromen sind perfekt miteinander verwoben.

Auf den ersten Blick sieht er gewöhnlich aus, aber sobald man ihn erst einmal anschneidet, verstehen man, warum es so viele Fans gewonnen hat: Dutzende dünner Apfelscheiben, die wie Kuchenschichten aussehen, werden nur durch ein Minimum an zartem Teig zusammengehalten, der definitiv keine trockene Kruste ist.

Die Magie dieses Kuchens liegt in den hauchdünnen Apfelscheiben. Wenn man sie dünn genug schneidet, verschwinden sie fast – sie verschmelzen so subtil mit dem Teig, dass man sie wie einen Hauch wahrnimmt.

Zum Apfelschneiden braucht auf jeden Fall eine Mandoline (oder was es sonst so an Schneidegeräten für die Küche gibt). Ohne Mandoline bekommt man keine dünnen gleichmäßige Scheiben. Mit dem Messer gelingt es einfach nicht. Das Schichten erfordert zwar etwas Geduld und eine ruhige Hand, aber das Ergebnis ist jede präzis platzierte Scheibe wert.

Welche Äpfel nimmt man? Das ist nicht nur bei diesem „Apfelkuchen“ eine Glaubensfrage. Auf jeden Fall wählt man Sorten, die saftig sind und ihre Form behalten: Gala oder Pink Lady eignen sich hervorragend.

Zutaten:
5–6 mittelgroße Äpfel, 130 g Mehl, 3 Eier, 180 ml Vollmilch, 100 g Streuzucker, 30 g geschmolzene Butter, 1 Teelöffel Vanilleextrakt (oder Vanillezucker) und eine Prise Salz, Mandeln zum Bestreuen

Zubereitung:
Den Backofen auf 190 °C (Umluft 170 °C) vorheizen und eine rechteckige Kuchenform (ca. 9 x 23 cm) bereitstellen. Diese mit Backpapier auslegen, sodass es über die Längsseiten hinausragt – das ist später beim Stürzen praktisch.

Eier und Zucker in einer Schüssel schaumig schlagen. Mehl, eine Prise Salz, Milch, geschmolzene Butter und einen Teelöffel Vanilleextrakt (oder ein Päckchen Vanillezucker) hinzufügen. Es entsteht ein flüssiger, eher dünner Teig – keine Sorge, so soll er sein.

5–6 Äpfel schälen (Wenn sie groß sind, reichen auch 3 bis 4) und mit einer Mandoline in maximal 1,5 mm dicke Scheiben schneiden. Je dünner, desto besser.

Den Teig in zwei Hälften teilen. Die Apfelscheiben in die erste Teighälfte geben und vorsichtig vermengen, sodass alle Scheiben bedeckt sind. Da muss man vorsichtig sein – die Äpfel dürfen nicht zerbrechen.

Aus der anderen Hälfte gießt man etwa eine halbe Tasse des Teigs in die Form. Dann geben wir ein Drittel der Äpfel hinzu und stapeln Sie sie ordentlich, sodass die Scheiben bis zum Rand der Form reichen. Eine weitere Schicht Teig hineingießen und dies einige Male wiederholen. Am Ende sollte eine dünne Teigschicht obenauf liegen.

65–75 Minuten backen. Die Oberfläche sollte goldbraun sein und ein in die Mitte gesteckter Spieß sollte fast sauber herauskommen. Sollte der Kuchen zu dunkel werden, mit Alufolie abdecken.

Den fertigen Kuchen mindestens zwei Stunden in der Form auskühlen lassen – am besten auf einem Kuchengitter. Im Inneren wird er noch etwas flacher und fester.

Mit angerösteten Mandelscheiben bestreuen.

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