Kartoffelsalat mit der Linda aus Schrobenhausen 

Seit geraumer Zeit lese ich die Beiträge vom Herdnerd. Sehr spannend und gut geschrieben, seine Rezepte leider weniger (er mag mir das bitte nachsehen). In der letzten Zeit hat er sich immer wieder kritisch Produkten des Lebensmittelhandels angeschaut, und auf die immer häufiger überall vorkommenden kleineren und größeren Mängel hingewiesen.

Da ich mir das Thema Kartoffeln im Ganzen und Kartoffelsalat im Besonderen vorgenommen habe, muss man schon eine Brücke schlagen, um die Hinweise in der Einleitung in einen Kontext zu bringen.

Vor zwei, drei Tagen stehe ich bei meinem (nicht bevorzugtem) Nahversorger einer namhaften deutsche Kette; kein Discounter. Eigentlich kaufe ich dort selten ein. Ich ärger mich speziell bei diesem Händler viel zu oft über die Auszeichnungen des Angebots.

Mett z.B.! „Mett ist gewürztes rohes Schweinehackfleisch, das roh auf Brot oder Brötchen gegessen wird. Im Gegensatz dazu ist Hackfleisch eine allgemeinere Bezeichnung, die verschiedene Fleischsorten umfassen kann…“ schreibt absolut richtig Wikipedia. Wikipedia hat ja nicht immer recht, aber diesmal schon. Bei diesem Nahversorger gibt es „Mett“ hergestellt aus nahezu allen Fleischsorten – der Höhepunkt ist Putenmett. Oder Clementinen, die als Mandarinen beworben werden. Naja, sieht ja auch sehr ähnlich aus. Aber kommen wir zu den Kartoffeln.

Das Beste an diesem Nahversorger ist die Paketstation diverser Lieferdienste, wo ich meine Pakete abholen kann. Die Boten kommen eigenartigerweise immer dann, wenn ich nicht daheim bin. Das scheint System zu haben. Ich stehe also an dieser Paketstation, bekomme meine Pakete – werde vom Filialleiter persönlich bedient (ein freundlicher Mensch!) und das eine Wort ergibt das andere. In einem der schweren Pakete waren Kartoffeln. Das erstaunte Gesicht des Filialleiters und die Frage: „Warum kaufen Sie denn die Kartoffeln nicht bei uns? Warum lassen Sie sie schicken?“

Linda

Ja, warum? „Nichts gegen Sie, aber Ihre Kartoffeln sind nicht so, dass ich sie essen möchte.“  „Wieso?“  „Sie haben immer so unbekannte Sorten, quasi Saisonware“. „Nein, wir haben drei Sorten: mehligkochend, festkochend und überwiegend festkochend!“ Die einzelnen Kartoffelsorten ignorierte er vollkommen. So kamen wir auf die großen Agrarkonzernen zu sprechen, die das Saatgut dominieren und regelmäßig gegen neue Sorten austauschen, auch wenn man bei manchen Sorten nichts verbessern kann. Dann strahlte er mich an und sagte: „Wir haben auch regionale Kartoffeln!“ „Kenne ich, aus Duchtlingen. Ich war dort einmal beim jährlichen Kartoffelfest. Da hatte das Landwirtschaftsamt ein Informationszelt und die Dame vom Amt sagte mir auf meine Frage: „Was haben Sie hier für Sorten?“ dasselbe wie Sie. Ich habe dann darauf hingewiesen, dass Kartoffeln auch einen Vornamen haben, z.B. „Linda“ oder „Annabell“. Sie wurde unwirsch, aber das passiert, wenn man auf dem Landwirtschaftsamt arbeitet und überfordert ist. Um dem abzuhelfen, werde ich ab jetzt in loser Reihe Kartoffelsorten vorstellen. Dazu gibt es natürlich ein Rezept, das sich für diese Sorte besonders gut eignet. Und einiges Lehrreiches: z.B.  wo sie angebaut wird und manche andere Informationen, die aufschlussreich sein können.

Beginnen wir gleich einmal mit der „Linda“ – gelb und skandalös lecker, wäre das erste, was mir einfällt. Meine Linda kommt aus Schrobenhausen, wo auch bester Spargel angebaut wird. Lieber wäre mir eine Kartoffel aus der Heide, aber die sandigen Böden rund um Schrobenhausen bieten mit einem idealen Schluff- und Lehmanteil die besten Voraussetzungen für guten Kartoffelanbau.

Linda ist eine alte Sorte, deren Sortenschutz 2004 endete. 30 Jahre waren vergangen, seit die Linda 1974 auf den Markt kam. Sie entwickelte sich schnell zur beliebtesten festkochenden Kartoffel in Deutschland. Kein Wunder: Ihr Geschmack, die feine Textur und ihre Vielseitigkeit machten sie bald zur „Königin der deutschen Kartoffeln“.

Bauern, Verbraucher und die Bio-Branche starteten eine große Rettungsaktion, um die Sorte zu erhalten, da sie als regional und vielfältig galt. Es gab komplizierte Rechtsstreitigkeiten, aber durch kreative Lösungen, wie die Zulassung in England (das damals noch zur EU gehörte), wurde „Linda“ schließlich auch in Deutschland wieder zugelassen und ist bis heute erhältlich. Fazit: “Linda“ verschwand nicht endgültig vom Markt, sondern wurde durch eine große Bürger- und Bauernbewegung gerettet und ist heute ein Symbol für alte Sorten.

In Norddeutschland ist Linda eine begehrte Salatkartoffel. Darum folgt jetzt ein Rezept aus dem Großraum Rheinland X Ruhrgebiet. Wie heißen dort Kartoffeln so schön in der Umgangssprache? – „Erpels“, „Ärpel“, „Ääpel“, „Erpeln“ – meist im Plural gebraucht. So heißt es dann im lokalen Dialekt: „Hol ma en Eima Erpels ausem Keller.“

Hat jetzt nichts mit Kartoffelsalat zu tun, aber das Wort kam mir bei den Recherchen unter und ist einfach schön: Um Stampfkartoffeln zu machen, benötigte man am Niederrhein einen „Ärpelknötscher“. Und der Kartoffelsalat heißt: „Erpelschlot“ oder auch „Ärpelschloot“ – und das nicht nur am Niederrhein.

„Erpelschlot musde mit Mayonaise machen, mit Öl und Essich essen dat nur die Bayern.“
Das mit den Bayern darf man nicht so wörtlich nehmen. Für die meisten Menschen dieser Region gibt es keinen Unterschied zwischen Baden, Württemberg oder Franken. Südlich der Mainlinie gehört alles zu „Bayern“.

Wie gesagt, im Rhein-Ruhrgebiet macht man den Kartoffelsalat mit Mayonnaise. Dazu kommen Gewürzgurken, Apfelstückchen und Zwiebeln. So ein Salat ist sättigend und mancher Orten ein beliebtes Weihnachtsessen am Heiligen Abend.

Ganz ehrlich: „Den“ einzigartigen Ädäppelschlot gibt es nicht. In der Regel ist dieser Kartoffelsalat dank reichlich Mayonnaise eher eine vollwertige Mahlzeit als eine Beilage. Dieser Schlot ist eine sehr gute Grundlage bei Festen aller Art. Dann noch ein Würstchen oder Frikadellen dazu und das Bierchen schmeckt direkt doppelt so gut.

Zutaten:
1 kg Kartoffeln (Linda ist hier die erste Wahl), Mayonnaise (die bequemen Köche kaufen eine fertige Mayonnaise, man kann die aber auch gut selbst machen), 1 Apfel z. B. Elstar, Gewürzgurken, 1 Schalotte oder kleine Zwiebel, Salz, Pfeffer und etwas Senf.

Zubereitung:
Die Kartoffeln kocht man am besten am Vortag ca. 20 Minuten und dann einen Piekstest machen. Abschrecken und am nächsten Tag pellen. In Scheiben schneiden.

Den Apfel, die Gewürzgurke und die Zwiebel in kleine Stückchen schneiden.

Alles in die Mayonnaise geben, mischen und mit den Gewürzen abschmecken.

Würstchen oder Frikadelle dazu schmeckt das lecker!


Ob in der Wendung „ein schäbbiger Ärpel“ (ein unansehnlicher, hässlicher Mensch; männlich oder weiblich) tatsächlich die Kartoffel oder nicht doch die männliche Ente gemeint ist, bleibt fraglich, jedenfalls heißt es im Bergischen Land: „Wat hass du dir denn fürn schäbigen Ärpel angelacht?“

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Strangolapreti – Priesterwürger

Man sagt, der Advent sei die stillste Zeit des Jahres. Das trifft heute leider nicht mehr zu. In meiner Umgebung verfallen die Menschen in eine kollektive Hektik. Auf der Jagd nach Schäppchen, die schlussendlich oft keine sind, und Weihnachtsgeschenken, versinken wir in einen Trubel des Konsums und vergessen dabei, dass der Advent eine Zeit der Besinnung sein soll, eine Zeit der inneren Einkehr.

Der Advent war auch eine Zeit zum Fasten, bevor die opulenten Weihnachtsgerichte auf den Tisch kamen. Darum will ich in diesem Jahr den Fleischkonsum einschränken. Am ersten 1. Adventwochenende als gibt es Klößchen, die man fast als crossover Essen bezeichnen könnte.

Als Vorspeise bereite ich Trota fredda alla scorza d ‚arancia Forellenfiletseingelegt in Olivenöl und dem Saft der ersten Zitrusfrüchte des Jahres. Dieses Forellenrezept habe ich vor vielen Jahren im Piemont gegessen.

Dazu gibt es diesmal einen Hauptgang aus dem Trentin: Strangolapreti – oder wie es auf Deutsch heißt: Priesterwürger. Für den seltsamen Namen gibt es unterschiedliche Erklärungen. Am besten gefällt mir die Interpretation vom Priester, der als Gast eingeladen, so viele Klößchen hintergeschlungen und gewürgt hat, als er nur konnte.

Zutaten für 2 Portionen:
250 g Knödelmehl (kleine Weißbrotwürfel, getrocknet), ¼ L warme Milch, 200 g Spinat, 25 g Butter, 2 Eier, 30 g Parmesan, 50 g Mehl, Muskat, Salz, eventuell Semmelbrösel, falls der Teig zu weich geworden ist.

80 g Butter, ca. 10 – 12 Salbeiblätter, Salz, Parmesan

Zubereitung:
Die Weißbrotwürfel mit dem Mehl gut mischen, die Milch erhitzen und über das Knödelmehl gießen, 2 Eier unterziehen, Muskat und Salz zugeben.

Die Butter in einer Kasserolle erhitzen, den Spinat dazugeben und rühren, bis er ganz zusammengefallen ist. Dann den Spinat fein schneiden und unter die Knödelmasse geben.

Jetzt den Parmesan dazugeben, gut vermengen und für eine Stunde stehe lassen.

Aus der Brotmasse Klöße formen und in leicht siedendem Wasser garen. Sie sind gar, wenn sie nach oben steigen. Achtung: Erst einen Probekloß machen und schauen, ob er zusammenhält.

Die Salbeiblätter in der Butter mit einer Prise Salz erhitzen und mit Parmesan über die Klöße geben.

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Geräucherter Pfefferlachs auf Rote Beete Schmand

In den kalten Monaten kommt häufig gebeizter und geräucherter Lachs bei mir auf den Tisch. Beizen habe ich vor einigen Tagen hier ausführlich beschrieben. Wie geht nun das Räuchern?

Wer keine Räume für ein Räuchergerät hat, kann auf ein Tischräuchergerät zurückgreifen. Das habe ich auch nicht. So etwas braucht viel Platz. Ich benutze einen Kochtopf mit dicht schließendem Glasdeckel, der ein Silikonrand und eine kleine runde Öffnung hat. Zum Räuchern – wohlgemerkt kalt Räuchern – nehme ich jetzt noch eine Räucherpistole dazu. Die gibt es schon für unter 10 Euro im Fachhandel und funktioniert ganz hervorragend.

Der Lachs wird zuerst gebeizt (wie beschrieben), dann kräftig mit grobem schwarzen Pfeffer eingerieben. Da sollte man schon eine sehr gute Qualität nehmen. Wer in der TV Serie „Besseresser“ von Sebastian Lege einmal gesehen hat, welcher Schund verkauft wird, weiß warum man bei Pfeffer besser zu einer guten Sorte greift. Piperin heißt der Stoff, der Pfeffer so einzigartig macht. Durch ihn wird Pfeffer zu einem scharfen Gewürz.  Für Pfeffer aus dem Supermarkt gibt es gesetzlich kaum Regulierungen, die den Piperingehalt festsetzen. Daher gibt es große Qualitätsunterschiede zwischen diversen Angeboten unserer Nahversorger. Ich gehe ich zum „Fernversorger“ und entscheide mich für Kampotpfeffer. (Dieser Beitrag wird von keinem Händler oder Hersteller gesponsert!)

Kampot ist eine Provinz im Süden Kambodschas. Kampot Pfeffer ist herkunftsgeschützt und darf nur in der gleichnamigen Region nach strengen Richtlinien angebaut werden. In Kampot hat der Anbau von Spitzenpfeffer eine lange Tradition, weshalb die Region als „Champagne des Pfeffers“ gilt. Man findet dort die perfekten Bedingungen für die Pfefferpflanzen.

Weiter mit dem Lachs: Nach dem Einreiben mit dem Pfeffer lege ich ihn in den Räuchertopf, stecke den Schlauch der Räucherpistole in die kleine rund Öffnung und gebe drei bis fünf kräftige Rauchstöße in den Topf. Zwischen den einzelnen Rauchstößen sollte man ca. 4 – 5 Minuten pausieren. Wer seinen Rauchmelder testen will, muss in dieser Zeit nur kurz den Deckel lüften. – Und damit ist der Lachs auch schon fertig und kann aufgeschnitten werden.

Nun zu den Roten Beeten. Die roten Beete gehören zu meinem Lieblings Wintergemüse im: sei es warm oder kalt als Salat. Diesmal wird es ein Salat mit Schmaddressing. Die roten Beete kaufe ich immer vorgekocht, dann muss ich nachher nicht die halbe Küche putzen.

Zutaten:
3 bis 4 mittelgroße rote Beete, 3 EL Olivenöl, 2 TL Kümmelsamen, 150 ml Schmand, 3 EL fein gehackter Dill, 25 g geröstete, gehackte Haselnüsse

Die Zubereitung erklärt sich ja von selbst. Die rote Beete in Würfel schneiden, aus den restlichen Zutaten das Dressing anrichten und die roten Beete hineingeben.

Und schon ist alles fertig angerichtet.

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