Westfälische Türmchen

Als man den großen Krieg leid war, den man später den dreißigjährigen genannt hat, schickten die europäischen Mächte ihre Gesandten auf die Reise ins Münsterland. In Münster und Osnabrück sollten sie einen Friedensvertrag aushandeln. Die Straßen waren schlecht und die Kutschen aus allen Himmelsrichtungen waren oft tagelang, manche auch wochenlang unterwegs. Mal blieb ein Wagen im Morast stecken, mal brach eine Achse oder die Kutsche kippte um. Solche unfreiwilligen Aufenthalte verbrachte man dann in einem nahen Bauernhof oder Gasthaus. Da haben manche Gesandte ihre Augen auf gemacht und den Leuten auf den Tisch und in die Kochtöpfe geschaut. Fabio Chigi, der spätere Papst Alexander II gehörte dazu. Er hielt alles in seinen Notizen fest und so wissen wir, wie die westfälischen Zustände im 17. Jahrhundert sind.
Kurz gesagt, das häufige Regenwetter, der urbane Lebensstil der Einheimischen und ihre Speisekarte war nicht nach seinem Geschmack. Die einfache Kost jener Tage hat sich gewandelt, obwohl die Westfalen es immer noch deftig mögen. Hier zwei Westfälische Türmchen. Im Prinzip ist es ein Gericht mit zwei unterschiedlichen Fleischbeilagen: Fleischküchlein aus Mett oder im zweiten Fall Blutwurst. Blutwurst ist nicht jedermanns Sache. Das habe ich im vorhergehende Beitrag über die Klachelsuppe auch geschrieben. Doch bei der westfälischen Blutwursthat sich schon mancher bekehrt. Sie soll, neben jener aus Katalanien, die beste Blutwurst der Welt sein. Ich glaub jedenfalls daran.
Als Unterlage dient ein münsterländer Kartoffelsalat.
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Zutaten:
1 kg Kartoffeln
3 hartgekochte Eier
1 Zwiebel
1 kleine Salatgurke
1/4 Kopf Endivien
Schnittlauch

1 Becher Sahne
Saft einer halben Zitrone
Salz und Pfeffer
Zucker

1 Scheibe westfälische Blutwurst (geeignet zum Braten) oder
Fleischküchlein aus grob gecuttertem Mett 60 g pro Portion
Zwiebel
Schmalz
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Zubereitung:
Die Kartoffeln garen, abschrecken, abpellen und auskühlen lassen.
Eier pellen und in Scheiben schneiden.
Zwiebel in feine Würfel schneiden.
Endivien putzen und in feinste Streifen schneiden.
Gurke fein hobeln.
Schnittlauch in Röllchen schneiden.
Die Sahne mit dem Zitronensaft leicht anschlagen, würzen und mit den Zutaten vermischen

Die Blutwurst braten.
Das Mett würzen und dann als Fleischküchlein braten.

Die Zwiebel fein hobeln und in Schmalz (oder sonstigem geeignetem Fett) braun braten.

Mit einem Servierring den Kartoffelsalat anrichten, eine Scheibe gebratene Blutwurst (oder das Mettfleischküchlein) darauf setzen und mit den Zwiebeln toppen.

Dewr Prinzipalmarkt in Münster - Hier wurde der westfälische Friede nach dem 30 jährigen Krieg ausgehandelt.

Dewr Prinzipalmarkt in Münster – Hier wurde der westfälische Friede nach dem 30 jährigen Krieg ausgehandelt.

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16 Kommentare zu Westfälische Türmchen

  1. Houdini sagt:

    Es ist interessant zu hören, dass ein Italiener von hohem Stand einfache Rezepte notierte und über das Leben der Leute berichtete. Schön sehen deine Türmchen aus, aber das ist Deiner Kreativität zu verdanken, nicht dem Papst, nehme ich an, oder haben die Leute im 17. Jhdt. bereits so lieblich angerichtet?

    Noch zu Blutwurst: Ich mag die ostschweizerische, kenne deine und die katalanische nicht. Blutwurst gibt es auch hier in Thailand, allerdings ohne Darm, gestockt in Schüsseln im Dampf, vielleicht heute auch im Plastiksack, wer weiss, gute sind essbar, aber nicht zu vergleichen mit der Würze der CH-Blutwurst. In Korea geben sie Nudeln (etwa wie Spaghetti) längs zusammen mit der Blutmischung in die Därme, recht lecker, beim anschnitt sieht es aus wie kleine Specktupfen.

    • admin sagt:

      Lieber Erich, der Papst interessierte sich sicher nur für die Kirchtürme in Münster und Umgebung und davon hat es viele. Allein in der Stadt sind es 54. Die bekannteste ist sicher der Dom, die interesanteste die Lamberti Kirche. Noch heute gibt es in der Turmstube von Lamberti mit einem Türmer. Genauer gesagt hat auch hier die Emanzipation Einzug gehalten und zur Zeit redisiert dort eine Türmerin, die von 21 – 24 Uhr halbstündlich ins Horn tutet. Interessant ist Lamberti auch, weil dort die Reformation der Täufer ein Ende fand. Radikal wie die Münsterländer sind, hat man die drei führenden Köpfe in Eisenkäfige einschmieden lassen und diese an der Kirche hochgezogen, wie die Kerls verhungerten und den Angriffen der Rabenvögel ausgesetzt waren. Die Körbe hängen heute noch. Bei sovielen Türmen muss man ja „türmisch“ kreativ werden.
      Mit Blutwurst habe ich manchmal auch Probleme, vor allem im schwäbischen Raum.

  2. Sandra Gu sagt:

    Ein wirklich hübsches Türmchen, da würde ich auch glatt mal die Blutwurst versuchen – ist sonst nicht so mein Fall ;)

  3. Ich mag Blutwurst nur wenn sie versteckt ist, also für mich das Türmchen beim Anrichten bitte umdrehen, oder ich nehme das andere :-)
    Köstlich sieht es auf jedem Fall aus und die Häuser in Münster kenn ich, nur der mitten auf dem Bild, der ist mir nicht bekannt!
    Lieben Gruß aus der Nähe von Münster
    Klärchen

  4. Tanni sagt:

    Hallo Gerd,
    ich habe bisher auch immer einen weiten Bogen um Blutwurst gemacht, habe sie aber letztens in einem Bauerncafé als Aufschnitt probiert – lecker. Wenn ich demnächst mal wieder allein Zuhaus bin, werde ich mir mal welche braten, denn der Lieblingsmann geht rennen bei sowas. Deine Türmchen sehen klasse aus, ich nehme beide Varianten und wünsche Dir einen wunderschönen Tag!

    Dickes Drückerle, Tanni

    • admin sagt:

      Tanni, Blutwurst ist nicht Blutwurst. Gerade bei Dir in der Umgebung gibt es viel Gutes und manchmal auch etwas eigenartige Blutwurst. Du hast sicher eine Gute erwischt.

  5. Kann man da auch je ein Türmchen kriegen bitte? ;)

  6. Eva sagt:

    Ich hätte bitte auch gern jeweils eins. :-) Ich kenne zwar die katalanische Blutwurst nicht, vermute aber, dass sie der portugisischen ähnlich ist und die mag ich sehr!
    Gestern konnte ich Münster immerhin vom Zug aus zuwinken.
    Liebe Grüße aus Köln,
    Eva

    • admin sagt:

      Schade dass Du nicht aussteigen konntest. Irgendwann kochen wir mal zusammen und dann gibt es eine riesige Palette all dieser Dinge.
      Viel Freude in Köln
      Gerd

  7. lamiacucina sagt:

    Johann Rudolf Wettstein hätte sich bestimmt über solch ein Türmchen gefreut, als er an den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden als Gesandter der Schweizerischen Eidgenossenschaft teilnahm, ohne überhaupt eingeladen zu sein. Er klagt in seinen Briefen über das schlechte Essen und die misslichen Wohnverhältnisse (Sitzgelegenheit war ein Sessel mir einem abgebrochene Bein). Immerhin verdanken wir seinem zähen Verhandlungsgeschick, dass sich die Eidgenossenschaft vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation lösen konnte.

    • admin sagt:

      Der Klagen gab es damals viele. Doch der Friede von Münster brachte einigen Staaten in Europa einiges Gutes, so auch der Schweiz.

  8. Arabella50 sagt:

    Ha, wenn Sie gemeinsam mit Eva kochen, esse ich zur Feier des Tages Blutwurst.
    Bis dahinten sortiere ich diese vom Türmchen bei Seite, pardon.
    Eine schöne Geschichte, die vom Notizen machenden Papst. Schön, wenn himmlische Herren menschliche Züge tragen, wenn auch oft nur für einen kurzen Moment.
    Herzliche Grüße.

    • admin sagt:

      Dieser (spätere) Papst war ein alter Nörgelpriem. Ihm passte weder Unterkunft, noch das Essen und selbst am Wetter hatte er etwas auszusetzen. Ich hätte angenommen, dass er mit seinen Beziehungen zum Himmel gerade im letzten Punkt nicht seinen Chef kritisiert, sondern Einsehen zeigt.
      Liebe Grüße
      Gerd

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