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“Kick aus fernen Töpfen” – England – „Sunday Roast mit einer Rotwein Schalotten Sauce“

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Blogevent zur Fußball-WM 2014 - Wir kochen uns um die Welt
Es ist mir eine Freude und Ehre, zum Blog-Event „Kick aus fernen Töpfen“ von Peters Blog „Aus meinem Kochtopf“ das Fußballweltmeisterschaftsteilnehmer „England“ vorzustellen. Nun genießt die englische Küche nicht den besten Ruf, leider zu Unrecht – oder doch zu Recht. Was sich so anhört, als ob es sich widerspricht, stimmt schon.
Man muss die englische Küche in ihrem geschichtlichen Kontext sehen.
englische-nationalmannschaft
Die englische Küche hatte im 19. Jahrhundert einen ausgezeichneten Ruf. Im Frankreich der damaligen Zeit verwies man auf die cuisine anglaise, wenn auf besonders erlesene und exquisite Küche Bezug genommen werden sollte. Der Ruf begründete sich zu Recht auf die damals hochstehende Esskultur des britischen Königreiches, denn durch den einfachen Zugang zu exotischen Gewürzen und Lebensmitteln während der Kolonialzeit konnte auf den britischen Inseln im Großbürgertum eine neue Qualität in der Speisenzubereitung erzielt werden. (Wikipedia)

Nun gibt es in England größere Klassenunterschiede als im restlichen Europa. Diese hochstehende Küche war der Oberschicht vorbehalten, die sie ihrerseits von Pesonal ausführen ließ. In der englischen Mittel- und Unterschicht sah das ganz anders aus. Die Mittelschicht bevorzugte traditionelle englischen Kombination von Fleisch, Kartoffeln und Gemüse (meat and two veg). Am deutlichsten findet man dies im Sunday roast oder Sunday dinner, einer Mahlzeit, die am Sonntagmittag zu Hause, im Pub oder im Restaurant eingenommen wird. Kartoffeln, zwei Gemüsesorten, vorzugsweise Karotten, Erbsen, Blumenkohl oder Broccoli. Als Fleisch reicht man Lamm, Schwein oder Rind, wobei das Fleisch oft vor dem Servieren in dünne Scheiben geschnitten wird. Wichtige Beilage des Sunday roast ist in ganz England der aus dem Norden stammende Yorkshire-Pudding. Allerdings kann sich die Tradition des Sunday roast nicht halten und nimmt immer mehr ab.
Im Gegenzug hat sich die italienische und indische Küche durch den Einfluss von Migraten rasch verbreitet. Das beliebteste Gericht in England soll heute „Chicken tikki massala“ sein. Ein Hühnerfleischgericht in einer würzigen Tomatensauce und seinen Ursprung im indischen „butter chicken“ hat. Um die Entstehung dieses Gerichts ranken sich eine Vielzahl von Legenden.
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Nun wollte ich ja eigentlich „Fish & Chips“ vorstellen. Hatte ich aber bereits vor fast 2 Jahren. Der Beitrag enthält im übrigen interessante Adressen für Fish & Chips. Darum habe ich mich entschlossen hanz klassisch zu kochen. Wie bereits besprochen:
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Sunday Roast mit allem drum und dran
Man kann ihn natürlich auch zu Hause zubereiten. Aber zwei Empfehlung gebe ich trotzdem. Und jetzt kommt bestimmt keine Adresse der neu aufsteigenden englischen Küche, wie zum Beispiel von Jamie Olivier (wo man auch besser nicht hingeht).
1. Wer es klassisch mag, Stil und Zelebration, der geht zu „Simpsons on the Strand“ – ein Erlebnis.
2. Und nicht minder ein Erlebnis der Pub „The Dove“ in Hammersmith, London W6. Hier muss es aber ein Sonntag sein, denn „Sunday roast“ wird natürlich nur am „Sunday“ serviert. Während der Woche ist etwas von der excellenten Fischkarte zu empfehlen.

Zutaten
1 kg hohe Rippe vom Rind, gut abgehangen
ERdnussöl

1/4 l Grundsauce (siehe vorheriges Post)
2 Schalotten
Butter
1 Fl. Rotwein, trocken, mit Körper (zum Kochen)
1 kl. Schuss Port
1 EL Sauce Cumberland
2 Glas Château Duhart-Milon 2006 (zum Trinken während der langen Kochzeit)

200 g frische ausgepulte Erbsen
200 g junge Möhrchen
1 Zweig englische Minze
Zucker

pro Person 1 mittelgroße Kartoffel
Öl

Salz und Pfeffer

für den Yorkshire Pudding bitte hier in einem älteren Posting schauen.

Zubereitung
Den Backofen auf 80° C vorheizen.
Das Fleisch sollte beim Verwenden Zimmertemperatur haben. Also bitte nicht aus dem Kühlschrank nehmen. Mit Salz und Pfeffer würzen und rundum ca 7 – 8 Minuten bei hoher Hitze in Erdnussöl anbraten.
Dann geben wir das Fleisch in einer Pfanne in die Röhre und lassen es knapp 2 Stunden weitergaren.
Die Kontrolle mit einem Kerntemperaturthermometer (60° C) ist zu empfehlen.

Das Gemüse wird kurz blanchiert, in Butter gedünstet (so dass es noch Biss hat). Ich würze mit Minzeblättern, Zucker und Salz.

Die Kartoffeln, schneiden wir in Hälften, bestreichen sie mit Öl, Salz und Pfeffer und für 45 Minuten ebenfalls in die Röhre.

Den Yorkshirepudding bereiten wir nach Anleitung!

Für die Sauce, geben wir ein Stück Butter in eine Kasserolle und lassen darin die fein gewiegten Schalotten Farbe nehmen. Löschen mit der Flasche Kochwein ab und reduzieren diese fast vollständig. Jetzt kommt eine entsprechende Portion Grundsauce dazu. Das Ganze schmecken wir mit Portwein, Sauce Cumberland, Salz und Pfeffer ab.

Was dem Engländer sein Yorkshirepudding mit Sauce,
ist dem Schweizer sein Stock mit Seeli.

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20 Kommentare

  1. Wui, das ist aber wirklich ein wunderbares Essen, das ich sogar jetzt zu dieser Tageszeit gern nehmen würde.
    Sauce Cumberland machst du auch selber?

    • Die Sauce Cumberland mach ich manchmal selber, manchmal kaufe ich sie. Die selbstgemachte schmeckt ausgewogener und ich nehme sie gerne für Saucen und Pasteten. Fürs Selbermachen müssen aber erst die schwarzen Johannisbeeren reif sein. Ich stelle sie demnächst einmal vor.

  2. Lieber Gerd,
    das liest sich alles fantastisch. Du hast mir neue Lust darauf vermittelt, nach England zu reisen und Dein Rezept macht mich in aller Frühe schon hungrig.
    Nur leider: von der Mischung Erbsen und Karotten trage ich noch heute ein Kindheisttrauma durch die Gegend. Das geht also mal gar nicht ;-) Vielen Dank für diesen schönen Beitrag.

    Mit leckerem Gruß aus meinem Kochtopf
    Peter

  3. Bis auf den Yorkshire-Pudding (der mich auch seinerzeit beim Schüleraustausch in Scuntshorpe nicht beeindrucken konnte) klingt der Sunday-Roast excellent! Englische Minze? Worin besteht der Unterschied. Ich habe auf der Fensterbank einen Schokoladenminze und eine „normale“ (mit eher „haarigen“ Blättern).
    Liebe Grüße,
    Eva

    • Der Unterschied bei Minze besteht im intensiven Minzgeschmack. Für Tee nehme ich gerne marrokanische Minze (stark), für Speisen englische Minze (mittel) und für Desserts amerikanische Minze mit einem leicht verhaltenen Minzgeschmack. Dazwischen gibt es noch so viele Sorten, die ich mir aber nicht alle merken kann.

    • Gerd sagte das wegen der vielen Minzen bereits, wollte nur anfügen, dass ich letztes Jahr in Solothurn auf dem Markt etwa 30 verschiedene Minzenstöcklein (kleine Pflanzen zum Grossziehen) angeboten sah, ein Wahnsinn, herrlich.

  4. Ein Sonntagsbraten nach meinem Geschmack. Und Yorkshire Pudding muss ich auch endlich mal machen, danke für’s Erinnern……

    • Leider ist ja der Yorkshire Pudding verunglückt. Vielleicht weil Pflanzenfett genommen habe. Aber bei den letzten Malen (siehe älterer Beitrag wurde er jedesmal sher gut!)

  5. Ein sehr schönes und schmackhaftes Gericht. Allerdings finde ich 7-8 min. anbraten bei hoher Hitze doch zu lange, deshalb auch der graue Rand am Fleisch. Für die Röstaromen und eine schöne Kruste reichen pro Seite gut 1 – 1,5 min.
    Aber wie dem auch sei, ich hätte alles aufgegessen, so lecker sieht es aus :-)

    Gruß
    Paul

    • 1 – 1,5 Minuten scheinen mir sehr gering.1,5 – 2 Minuten sind für mich recht – das mal 4 Seiten entspricht meinen 7 – 8 Minuten Gesamtzeit. Rundum, schrieb ich. Das ist ja auch wichtig beim Niedrigtemperaturgaren, dass das Anbraten gleichmäßig von allen Seiten geschieht.
      Gruß Gerd

  6. Das Leibchen! Der Rest sieht lecker aus, sogar die Erbsen mit Karotten.
    England ist ja bereits weggeputzt. Die Schweizer werden vielleicht gegen Honduras gewinnen und dann trotzdem rausfliegen, weil Ecuador gegen Frankreich gewinnen wird. Die CH-Spieler sind zu verwöhnt, zu weichlich.. Ich bin ein Fussball-Laie, nur ein bisschen an den Resultaten interessiert während der WM.

    • So ein richtiger Experte in Sachen Fußball bin ich auch nicht. Eigentlich interessiere ich mich nur für einen Verein: „Schalke 04“. Aber das ist reiner Lokalpatroismus. Und stell Dir vor, letzte Woche finde ich tief im Emmental beim Stöbern in einer Brocki ein gerahmtes Plakat von Schalke. Da geh ich jetzt dann immer wieder hin. Vielleicht auch, wegen der zwei hübschen Gläser, die ich gefunden habe: Böhmisches Glas, handbemalt, Blumendekor ca. 1920

  7. Mit `nem anständigen Braten kriegste mich immer. Leider gewinne ich mit sowas in unserem halbvegetarischen Haushalt keinen Blumenpott.

    • Kenne ich, kenne ich. Ich habe mehr als ein Jahrzehnt für einen Vollvegi und einer Teilvegi gekocht, dann gab es noch zwei Fleischesser. Das war immer oft ein Eiertanz. Aber manchmal gab es einfach einen schönen Braten.

  8. Ich bin „British-Food“ traumatisiert und habe mich seinerzeit in England mit allen anderen möglichen Länderküchen verköstigt. Obwohl das/dein Fleisch eigentlich nett aussieht. ;-)
    Als Nächstes währe somit ein italienisches Fussballgericht (mit Biss …) an der Reihe. „molto al dente“. Ich hoffe doch, dass anschliessend nicht ein Schweizer Gericht folgen wird …

    • Bei mir folgt weder ein italienisches und dann erst recht kein Schweizer Gericht. Denn heute Abend kommen die Schweizer weiter. Mein nächster Fußball Event Beitrag betrifft „Oranje“ – und da müssen sich die Vegis hart an der Kandare nehmen: Fleisch und Fritten. Morgen oder übermorgen poste ich den Beitrag.

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