Rösti mit „Black Pudding“ und Kohlrabigemüse

Man sagt, dass „Black Pudding“ zum full english breakfast gehört. Manche Dinge sind eben gewöhnungsbedürftig. Nicht unbedingt für mich. Trotzdem liebe ich Black Pudding als Teil einer Hauptmahlzeit. Er wird gerne mit Blutwurst verwechselt, aber durch seinen Anteil an Haferschrot hat er eher Ähnlichkeit mit dem münsterländischen Wurstebrot.

Zur Herstellung von Wurstebrot wird die Brühe, in der beim Schlachtfest die Würste gekocht wurden, zusammen mit schlachtwarmem Schweineblut, Roggenschrot, gewolftem Schweinefleisch und -speck vermischt und pikant gewürzt. Die so entstandene feste Masse formt man zu Laiben und kocht sie.

In Scheiben geschnitten wird das Wurstebrot und in der Pfanne zusammen mit Apfelscheiben gebraten und mit Kartoffelbrei serviert. Die Entsprechung zum Wurstebrot ist Leberbrot und oft werden sie gemeinsam als „Leber- und Wurstebrot“ mit gedünsteten Apfelringen oder Apfelmus gegessen.

Da diese Würste hier im Badischen schwer zu bekommen ist, habe ich mir einen Ersatz gemischt, der nicht einmal so übel war.

Rösti mit Black Pudding auf Kohlrabi

Rösti mit „Black Pudding“ und Kohlrabigemüse

fest kochende Kartoffeln für die Rösti
Butter
Blutwurst
1 Zwiebel
1 EL Gerstenschrot (Graupen)
Bacon
Kohlrabi
1 TL Mehl
Sahne
1 kl. Bund Petersilie
Einige Blättchen Estragon
Salz, Pfeffer, Muskat

Die Rösti wie gewohnt vorbereiten und in der Pfanne vorgaren.
Für den Black Pudding habe ich Gerstenschrot vorgegart, angeräucherte Blutwurst mit einem guten Speckanteil in Würfel geschnitten und beides zusammen mit einer feingewürfelten Zwiebel in Butter angebraten. Dadurch wird die Masse sehr weich.
Die Rösti in 6 Anrichteringen (6 cm Durchmesser und 4 cm Höhe) bis auf 1/3 Höhe mit Rösti gefüllt, leicht angedrückt und darauf die Masse aus Blutwurst, Zwiebel und Gerste gefüllt.
Dabei stelle ich die Anrichteringe auf ein beschichtetes Backblech und gare dann alles für 10 – 15 Minuten bei 200° im Backofen. Die letzten 5 Minuten schalte ich den Grill an, um eine leichte Kruste auf dem „Black Pudding“ zu erhalten. Im Ofen backe ich einige Scheiben Bacon zur Dekoration mit.
Die Kohlrabi fein würfeln, blanchieren und dann mit Estragon und Petersilie in Butter schmoren. Mit Salz, weißem Pfeffer und einer Spur Muskat abschmecken. Mit 1 TL Mehl bestäuben und mit etwas Sahne ablöschen und binden.
Die Röstitürmchen im Kohlrabigemüse anrichten und die Specktranche zur Dekoration auflegen.

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Wege im Elsass 2. Teil – Tomi Ungerer und Kalbskopf mit Gribiche Sauce (Tête de Veau)

Das Elsass ist seit 1973 die jüngste und kleinste Region Frankreichs, und viele einsame oder weite Landschaften sind ein noch wenig bekanntes Gebiet. Neben Fachwerkdörfern und Burgen gibt es große Wälder und auch Augebiete am Oberrhein zu entdecken.

Im Sommer verwandeln sich die kleinen malerischen Orte in bunte Blumendörfer, wie etwa Eguisheim, eines der schönsten Dörfer von ganz Frankreich überhaupt. Über eine eindrucksvolle Landschaft ragen Burgruinen und Schlösser. Majestätisch die Burg Haut-Koenigsbourg oder das Château de Eguisheim mit seinen drei Bergfrieden. Einst hatten sie eine strategische Bedeutung, von ihren Höhen aus wurde das Rheintal überwacht. Diese besondere Lage an der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch hat dem Elsass eine zum Teil traurige Geschichte eingetragen. Die Tragik jener Generationen im Elsass, die wegen viermaligem Wechsel der Nationalität aufgrund der kriegerischen Ereignisse mal deutsch, mal französisch registriert wurden und jeweils gegen die andere Seite in den Kampf ziehen mussten, hat dazu beigetragen, dass bis heute hier die Bevölkerung immer noch auch der deutschen Sprache mächtig ist.

Einer der schlimmsten Kriegstage im Nord-Elsass war der Tag des 6. August 1870, an dem in einer tragischen Schlacht im Tal der Sauer bei Froschweiler über 20.000 Franzosen und Deutsche ihr Leben ließen. Die Spuren des 1. Weltkriegs lassen sich noch auf dem Lingenkopf nachempfinden. Der Lingenkopf zählt zu den Schlachtfeldern, die im Ersten Weltkrieg die meisten Menschenleben kosteten. Die Deutschen hatten hier vom 20. Juli bis zum 15. Oktober 1915 ihre Verteidigung organisiert, um den Vormarsch der französischen Truppen in Richtung Colmar zu stoppen. Die Kämpfe zeugten von extremer Gewalt und forderten 17000 Todesopfer. Es wurden sogar Gasgranaten und Flammenwerfer eingesetzt. Der Lingenkopf war eines unserer Ziele zum Gedenken der Gräuel der vergangenen Kriege.

Heute schlängelt sich rund um die einst umkämpften Höhen die «Route du fromage», die als eine ideale Ausflugstour Wanderer und Feinschmecker anzieht. In zahlreichen Bauernhöfen kann man die wundervollen Käse und auch Wurst- und Speckspezialitäten dieser Region degustieren. Der bekannteste Käse dort ist der nach dem Munstertal benannte. Charakteristisch ist für den aromatischen Weichkäse der starke Geruch und der sehr weiche Teig.

In Munster aßen wir im Restaurtant „Au Val Saint-Grégoire“. Es bietet dem Gast die traditionelle Küche des Elsass. Dass auch Stammgäste aus der Umgebung gern hier speisen, ist ein Garant für eine bezahlbare und ungezwungene Atmosphäre. Und wie es der geniale Zeichner Tomi Ungerer so treffend ausdrückte: „Die Küche des Elsass vereint französische Tradition und deutsche Portionen.“
Ein Blick auf die Karte offerierte uns diverse Menus mit regionalen Gerichten, wie zum Beispiel Baeckeoffe (Bäckerofen), ein deftiges Gericht aus drei Sorten mariniertem Fleisch und Kartoffeln, das die Frauen früher an Waschtagen morgens in einer dieser typischen elsässischen Tonformen zum Bäcker des Ortes brachten, der sie in seinen befeuerten Ofen schob. Die Frauen holten die Speisen erst nach mindestens drei Stunden Backzeit wieder ab. Viele elsässische Restaurants lassen sich an der Qualität des Baeckeoffe messen. Wir aber entschieden uns für die Hauspastete nach Art der Großmutter. Zum Hauptgang ein Coq au Riesling, die elsässische Variante des Coq au Vin und Tete de Veau mit Sauce Gribiche. Dazu ein Riesling von G. Vonthron aus Eguisheim.

Um das Elsässische Lebensgefühl zu empfinden lohnt sich ein Blick in die Bücher von Tomi Ungerer. In Strasbourg in der Villa Greiner ist eine großartige Ausstellung einer Retrospektive seiner Werke. (Diese besuchten wir bereits am Vortag!) Zum ersten Mal in der Geschichte der Fünften Republik wird ein Zeichner zu Lebzeiten mit einem eigenen Museum gewürdigt. Es ist eine Verbeugung der Elsass-Metropole vor dem Sohn der Stadt, der Werbeplakate, Grafiken, Zeichentrickfilme („Die drei Räuber“) und Kinderbücher produzierte.
In seinem „Großen Liederbuch“ hat er die Menschen, das Leben und die Landschaft des Elsass eingefangen. Es war ein großartiger Erfolg und verkaufte sich 1,5 Millionen mal. Und in einem Interview weist Toni Ungerer alemannisch verschmitzt darauf hin, dass die Deutschen dadurch ihre Lieder wiederentdeckt haben – man sieht es an den einschlägigen Abendsendungen im deutschen Fernsehen.

Tête de veau

Tête de Veau

Halber Kalbskopf mit Ohren und Zunge, ca. 2 kg
2 Stangen Lauch
2 Möhren
2 Petersilienwurzeln
Salz und 12 Pfeffer
3 Esslöffel Essig
40 g Mehl
1 Bouquet garni: Thymian, ein halbes Lorbeerblatt, Petersilie
1 große Zwiebel
1 Knoblauchzehe in die Zwiebel stecken

Den Kalbskopf mit Metzgergarn binden, danach in einem großen Topf mit kaltem Wasser bedecken und aufkochen.
15 Minuten köcheln lassen, und um ihn abzukühlen, kaltes Wasser zu geben.
Jetzt nimmt man frisches Kochwasser und fügt das Mehl durch ein feines Sieb hinzu und mit den Möhren, dem Lauch, den Petersilienwurzeln, dem Bouquet garni, sowie Zwiebel, Nelken, Salz, Pfeffer und Essig. Jetzt kommt noch der Kalbskopf dazu und man lässt alles zum Kochen bringen. Pro Pfund Fleisch rechnet man ca. 1 Stunde Garzeit.
Danach abtropfen lassen und den Kopf in Scheiben schneiden.

Zum Fleisch serviert man eine Sauce Gribiche oder auch eine einfache Vinaigrette und Salzkartoffeln.

Gribiche Sauce

4 Eier
2 Teelöffel Senf
100 ml Erdnussöl
1 Esslöffel Weinessig
100 g gehackte Gurken und Kapern
2 EL gehackte Kräuter
1 TL Salz
5 oder 6 Umdrehungen Pfeffer

Eiweiß fein würfeln. In einer Schüssel mit einem Schneebesen Eigelb und 100 ml Öl nach und nach cremig verrühren. Mit 2 TL Senf, 1 EL Weißwein Essig, Salz, Pfeffer würzen. Gewürfeltes Eiweiß und 1 Bund frisch geschnittenen Schnittlauch dazugeben.

3 Eier hart kochen, unter kaltem Wasser pellen und dann das Eigelb vom Eiweiß trennen.
Das Eiweiß fein würfeln und das Eigelb (am besten durch ein Sieb gestrichen) mit 100 ml Öl nach und nach cremig verrühren. Mit 1 TL Senf, 1 EL Weißwein Essig, Salz, Pfeffer würzen und zuletzt das letzte rohe Eigelb unterziehen.
Gewürfeltes Eiweiß und 1 Bund frisch geschnittenen Schnittlauch, Gurken, Kapern und Kräuter dazugeben.

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Wege im Elsass 1. Teil – Flammkuchen und Wolfram Siebeck

Mein Sohn Fa. und ich bereisten für 3 Tage das Elsass. Während ich noch am Bahnhof Offenburg wartete, entdeckte ich in der Bahnhofsbuchhandlung eine mir bisher nicht bekannte Gourmetzeitschrift: Baden. Essen. Trinken. Genießen. Eine empfehlenswerte Zeitschrift, auch wenn ein Beitrag von Wolfram Siebeck enthalten ist. Siebeck, dieser Münchhausen der Gastrokritik entdeckt plötzlich sein Herz fürs Grillen. Aber lassen wir das. Diesmal ließ er den Flammkuchen in seiner Entwicklung zur Quiche mutieren.

Zitat: „ Der elsässische Flammkuchen und seine Weiterentwicklung zur Quiche ist ein idealer Bestandteil der Sommerküche.“

Nein, nein… „Grundlage des Flammkuchens ist ein sehr dünn ausgerollter Boden aus Brotteig. Der traditionelle Belag besteht aus rohen Zwiebeln, Speck und einer Creme aus Sauerrahm oder Schmand, die nur leicht mit Salz und Pfeffer gewürzt ist. Der so belegte Fladen wird bei starker Hitze für kurze Zeit im Ofen gebacken.

Flammkuchen wurden früher vor dem Brot im Holzbackofen gebacken, um die erste, starke Hitze auszunutzen. Sie waren außerdem ein Behelf, um die Temperatur des Ofens einzuschätzen. Normalerweise betrug ihre Backzeit 12 bis 15 Minuten. Wurden sie zu schnell dunkel, musste mit dem Einschießen des Brotes gewartet werden, bis der Ofen etwas abgekühlt war. Falls die Flammkuchen eine längere Backzeit benötigten, musste noch einmal geheizt werden. Der Name „Flammkuchen“ kommt daher, dass die Flammen im Ofen noch nicht vollständig ausgelodert waren, wenn er eingeschoben wurde.“ (Wikipedia)

Der Flammkuchen hat viele Verwandte. Ähnliches aus dünn ausgerolltem Mischbrotteig kennt man auch in anderen Regionen. Im Osten Württembergs sind Flammkuchen als Hitzkuchen bekannt, in Hohenlohe und Franken werden die Kuchen als Blootz oder Blaatz bezeichnet. In Teilen von Hessen werden ähnliche Kuchen Ploatz oder auch Bloads genannt. In Oberschwaben heißen die herzhaft belegten dünnen Fladen Dinnete, und im Hegau und dem Badischen Bodensee wird aus der Dinnete das Dünnele, und auf den Fildern sind sie kleiner und länglicher und werden Deie genannt. Der Flammkuchen ist sogar mit dem ungarischen Lángos verwand. Ursprünglich bestand Lángos aus Brotteig, der in der Backstube an der Öffnung des Backofens nahe der Flamme (láng) gebacken wurde. Dieser Flammkuchen veränderte sich durch Einflüsse der bayerischen und österreichischen Küche, indem man ihn irgendwann ähnlich dem Knieküchle oder Krapfen in Fett ausbuk.

Doch mit der Quiche hat ein Flammkuchen so viel gemeinsam, wie eine Eiche mit einem Besenstiel (beide sind aus Holz). Die französische Bezeichnung „Quiche“ wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von dem elsässischen Wort Kichel bzw. Kuechel abgeleitet, das dem deutschen Wort „Kuchen“ entspricht. Quiches haben einen Mürbeteig als Grundlage und werden in runden Tortenformen gebacken.

Nebenbei bemerkt, diesmal empfahl Herr Siebeck „Austern auf Sauerkraut“ wie sie Guy-Pierre Baumann vom Maison Kammerzell in Straßburg verarbeitet. Ich persönlich halte das für dekadent – aber über Geschmack kann man bekanntlich streiten.


Wir entdeckten wieder einmal Straßburg und saßen auf dem Place du Marché Garyot. Dieser in sich geschlossene kleine Platz im Herzen der Stadt direkt hinter der Kathedrale Notre-Dame strömt Ruhe, Glück und Zufriedenheit aus. In zahlreichen Bistros und Cafés kann man vor den malerischen Häusern unter großen Schirmen in der Sonne sitzen. Und hier wurde eine leichte Sommerküche angeboten, die die Ruhepause perfekt abrundete. Wundervolle kreative Salate und klassische Gerichte. Ich selber aß ein Carpaccio vom Rind mit pürierten Basilikumblättern in Olivenöl mit einem Hauch von Piment d‘ Espelette und feinstem gehobelten Parmigiano-Reggiano stravecchio.

Am Abend besuchten wir im nahen Blaesheim das Restaurant La Grange du Gloeckelsberg. Hier im Schatten des großen Philip Schadt, der in seinem Restaurant „Chez Philippe“ kocht, gibt es ein bäuerlich, bürgerliches Restaurant, das den elsässischen Flammkuchen perfektioniert hat. Der Gast schaut mit in die lodernden Flammen des Backofens und erlebt, wie nach einigen Minuten sein Flammkuchen herausgezogen wird.
Anbei bemerkt, Philippe Schadt ist der Gründer der „Sauerkrautstraße“. „Ich will keinen Stern. Ich will Spaß“, verkündet er, wenn die Sprache auf seine Küchenphilosophie kommt. Vor zwei Jahren feierte er sein 70 Jähriges am Herd: „Respekt!“

P.S. – Auf ein Rezept für Flammkuchen verzichte ich. 1. Es gibt Unmengen davon und 2. Gerichte, die beim Nachkochen, Nachbacken usf. nur eine Ahnung von dem vermitteln, was sie sein könnten, sollte man immer in ihrer Region essen.

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