Der Traum vom Kochbuch oder „Gesehene Sehnsucht: Baba au rhum“

Kurz nach dem Studium trat ich meine erste Arbeitsstelle in Basel an. Das war auch die Zeit, in der ich die Studentenkochgewohnheiten ablegte und nach neuen Inspirationen suchte. Bis heute haben sich allerdings einige dieser „kulinarischen Genüsse“ meiner Studentenzeit gehalten. Dann rümpft die Wilde Henne die Nase, aber versteht es liebevoll, dass ich alle viertel Jahr eine Schnitte Bauernbrot mit Bratensoße getränkt und einem oder zwei Spiegeleie(er) darauf brauche. Nun begann ich aber alle möglichen Kochzeitschriften zu lesen. Mein Lieblingslektüre war die Zeitschrift „Marmite“, der ich bis heute treu geblieben bin. Mein Traum aber war das Kochbuch “ Der große Pellaprat – Die moderne französische & internationale Kochkunst “ von Henri Paul Pellaprat. Und das kaufte ich mir von meinem ersten Gehalt. Leider hat es sich ein böser Mensch ausgeliehen und nie wieder zurückgegeben. Inzwischen habe ich wieder ein Exemplar, wenn auch nicht das selbige Buch. Einige Ausgaben früher. Es enthält leider noch nicht das schöne Foto eines „Baba au rhum“ der späteren Ausgabe – und in dieser Ausgabe heißt der baba au rhum auch noch savarin au rhum.
Ursprünglich wurde das berühmte Rezept vom „baba“ für den polnischen König und lothringischen Herzogs Stanislaw Leszczynski kreiert. Das Originalrezept aus dem Jahr 1850 wurde von verschiedenen renommierten Konditoren im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Wikipedia mutmaßt, dass der Name dieses französischen Kuchens vermutlich vom russischen Babuschka, kurz Baba für ‚Großmutter‘ entlehnt wurde.
Eine andere Legende* sagt: der russische Bäcker Nicolas Stohrer hatte 1725 eine Brioche aus Polen mit nach Hause gebracht. Leider trocknete die Brioche aus, weshalb er sie mit Malaga Wein begossen hat und mit Crème Pâtissière und Rosinen füllte. Der Kuchen wurde dem König Stanislaw serviert und nach dem Kosten nannte er ihn l´Ali Baba genannt. Übrigens die Tochter vom König Stanislaw heiratete Louis XIV und der Bäcker folgte ihr nach Versailles. Später eröffnete er seine Bäckerei in Paris. Mit der Zeit ist der Ali Baba ein Baba au rhum geworden. Er besteht nicht mehr aus Crème Pâtissière sondern wird mit Crème Chantilly (Schlagsahne) bedeckt und ist meistens ohne Rosinen. Quelle: leckereien-aus-frankreich.de/index.php/2013/01/28/baba-au-rhum.
Von diesen Geschichten gibt es verschieden Varianten. Eines bleibt in allen gleich, der erste baba wurde für den polnischen König gebacken. Der Name dieses leckeren „Etwas“ tauchte dann viel später wieder in den Asterix-Comics auf, wo ein Römerlager Babaorum heißt.
Nun sind viele Jahre vergangen, seit ich den Baba in jenem Buche sah und ich habe viele Varianten in verschiedenen französischen Cafés gegessen. Die beste von allen aber, bekam ich vor zwei, drei Wochen vom Vater der Wilden Henne serviert. Und nun habe ich mich selber ans Werk getraut.
In einem ersten Schritt bereitet man eine Hefeteig. Wenn er fertig gebacken ist – idealer Weise in einer Savarinform – bleibt er im optimalen Fall für 1 – 3 Tage liegen, damit er noch etwas austrocknet.
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Diese Savarinform fehlt noch in meinem Küchensammelsurium, aber muss nicht sein. Eine ganz normale Napfkuchenform tat gut ihren Dienst.
In einem zweiten Schritt bereitet man einen Zuckersirup mit Rum und Gewürzen nach Gusto zu, mit dem der Kuchen getränkt, oder besser, in dem der Kuchen ertränkt wurde.
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Damit ist der Baba au Rhum schon fertig. Vor dem Servieren gibt man noch Schlagsahne und idealerweise frisches Obst dazu.

Die Zutaten für den Teig:
250 g Mehl
70 g Butter
10 g Hefe
3 Eier mittelgroß
5 g Salz
20 g Zucker
90 g Vollmilch

150 ml Wasser
150 g Zucker
die Schale einer Bio Orange
eine dicke Zitronenscheibe mit der Schale
2 Sternanis
1 Zimtstange
1 Messerspitze Vanillemark (Oder man lässt eine bereits ausgeschabte Vanilleschote mitkochen)
75 g Rum
25 g Cointreau

Zubereitung:
Die Butter schmelzen und wieder so abkühlen lassen, dass sie noch flüssig ist.
Mit dem Mehl, der Milch und der Hefe ein „Dampferl“ bereiten.
Mit der Küchenmaschine unter Zugabe von Milch, Eier, Zucker und Salz einen Teig rühren.
Die Butter nach und nach zugeben, bis der Teig geschmeidig ist.
Der Teig soll nicht fest sein.
Einmal gehen lassen und noch einmal kurz kneten, dann in eine Savarinform oder Napfkuchenform füllen.
Hier erneut gehen lassen.
Bei 180° C ca. 35 – 45 Minuten backen. Die genaue Zeit ist von der Größe der Kuchenform abhängig.
Idealerweise backt man den Teig mindestens 24 Stunden vor dem Verzehr, besser noch ein bis zwei Tage früher.

Das Wasser mit den Gewürzzutaten und dem Zucker aufkochen.
Die Gewürze entfernen und den Zuckersirup, der entstanden ist, abkühlen lassen. Jetzt die Spirituosen zugeben.
Den Kuchen in diesen Sirup legen, eventuell nach einer Stunde einmal drehen, damit er sich vollsaugt.
Nachher auf einem Rost abtropfen lassen.

Vor dem Servieren Schlagrahm und frisches Obst dazugeben.

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15 Gedanken zu „Der Traum vom Kochbuch oder „Gesehene Sehnsucht: Baba au rhum“

  1. Turbohausfrau

    Schon wieder so ein Abnehm-Rezept, das ganz nach meinem Geschmack ist! ;)
    Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich mal ein Rezept vom Lafer hatte für Savarin mit Traubenkompott, das ist leider verschmissen habe, dabei habe ich das so gern gegessen. Werde ich also wohl deine Baba machen müssen. :)

    Antworten
  2. Eva

    Siehst du, da hast du mir tatsächlich etwas voraus. Babas habe ich noch nie weder gekostet, noch gebacken. Wird nachgeholt! :-)
    Liebe Grüße,
    Eva

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Es wird Dir ein Vergnügen sein, Babas zu probieren. Das kann ich Dir versprechen. Ein schönes Wochenende wünsch ich Euch. Ichbin alleine, denn die WH ist auf einem Betriebsausflug und war gestern Abend bei Monsieur Bocuse essen. Vielleicht berichtet sie ja darüber.
      Liebe Grüße
      Gerd

      Antworten
  3. Basler Dybli

    Bis dato immer auswärts gegessen. Die Mischung von Rum UND Cointreau lese ich zum ersten Mal – muss lecker sein und wird nachgebaut. Danke für das Rezept !

    Antworten
    1. Basler Dybli

      Ich gestatte mir dazu eine Frage: Reichen Mehl und Hefe für ein „Dampferl“ herzustellen? Müsste zumindest nicht noch der Zucker und je nach dem sogar das Mehl mit dabei sein?

      Antworten
      1. admin Beitragsautor

        Du hast Recht, die Milch habe ich vergessen. Zu dumm – aber jetzt korrigiere ich das erst einmal.

        Antworten
        1. Basler Dybli

          Und noch eine Frage: „Mit der Küchenmaschine unter Zugabe von Milch …“
          Müsste hier die Milch (da im „Dampferl“ vorhanden) nicht gestrichen werden ?
          Bitte bei meiner 1. Frage das (2. x) Mehl durch Milch ersetzen. Danke.

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    2. admin Beitragsautor

      Ich hoffe es mundet mit Cointreau. Ich hatte ja eine Kritik beim Specksalat erwartet, Du als Fleischliebhaber. Das ist etwas sehr Feines.

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      1. Basler Dybli

        Das glaube ich dir auf’s Wort ! Ich habe den Specksalat lesetechnisch sehr wohl goutiert.
        Meinen Kommentar dazu hatte ich bereits verfasst – und wieder gelöscht. Er hätte auch missverstanden werden können ;-)

        Antworten
  4. duni

    da bin ich leider raus, meine mutter hat sämtliche kuchen durch viel zu langes, viel zu heisses backen ausgedürrt und sie nachher klitschig-nass getränkt, da mag ich auch heut die guten zubereitungen nicht. für mich daher die low cal variante- ich trink als dessert den rhum; an der baba mögen sich andre erfreuen!

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Darf ich mich beim trinken anschließen? Ich hätte da noch ein Fläschchen „Damoiseau Rhum Millésime 2008“ – sehr lecker.

      Antworten

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