Sülze – vom Arme-Leute-Essen zum Trendprodukt

Sülze mit Bratkartoffeln

Wer sich bewusst ernährt weiß, dass Sülze ein fettarmes und zugleich ehrliches Produkt ist. Ehrlich, weil man sofort sieht, was der Inhalt ist. Andererseits ist eines ihrer besonderen Merkmale jene Diskrepanz, dass sie von den einen geliebt wird, während andere sie ziemlich ekelig finden. Das liegt sicher am besonderen Mundgefühl, dass man beim Essen hat.

Ihre lange Geschichte beginnt schon bei den Römern und es gab Ereignisse in denen Sülze auch gefährlich sein konnte. Im Sommer 1919 ist es in Hamburg zu den sogenannten Sülzunruhen gekommen. Die Bevölkerung ging massenweise auf die Straßen, weil eine Fleischfabrik Sülze aus verdorbenen Fleischresten verkauft hatte. Die Reichswehr marschierte dagegen auf. Es gab Tote und Verletzte.

Diese Zeiten sind aber vorbei. Während die Sülze in den fünfziger Jahren als arme Leute Essen galt, war sie zwischenzeitlich fast von den Speisekarten verschwunden. Und dann kam sie wieder und fand sogar einen Platz in der Sternegastronomie. Sülze oder Sulz ist das ideale Gericht um nach dem Motto „from nose to tail“ alles vom Tier zu verarbeiten.

Wenn der Herbst beginnt und die Schweine reif fürs Schlachten sind, kommt ihre Zeit. Klassisch wird Sülze aus den Schweinepfötchen, dem Eisbein und Kopffleisch zubereitet. Ferner gibt es viele Abwandlungen mit den unterschiedlichsten Zutaten mit verschiedenen Fleisch- und Fischsorten, Gemüse oder pur mit einem Ei. Œuf en gelée ist vor allem in Frankreich beliebt (ich schätze es auf jeden Fall). Sülze bedeutet Vielfalt!

Im Süddeutschen Raum ist die Tellersulz ein beliebtes Gericht, beim dem unterschiedlichste Zutaten in einem tiefen Teller mit einer Sulz übergossen werden. Südlich des Main verliert die Sülze auch die beiden Pünktchen über dem U und heißt nur noch Sulz. Je nach Sprachregion ist die Bezeichnung etwas anders, außer man wird im Schwäbischen gefragt, ob man Gsälz zum Frühstück möchte. Das wäre dann die Marmelade. Ich selber habe lange geglaubt, dass „Bräschdlingsgsälz“ Bratenreste in Aspik seien. Doch dann wurde ich aufgeklärt, dass damit Erdbeermarmelade gemeint ist.

Heute habe eine klassische Sülze aus Schweinehäckschen gekocht, ganz ohne Schnickschnack. Den lege ich dann beim Essen dazu. Dazu gehören auf jeden Fall Bratkartoffeln, vielleicht noch eine eingelegte Gurke, marinierte rote Zwiebeln und heute gab es zusätzlich eine Vinaigrette mit Kräutern und fein gehackten roten Schalotten.

Zutaten:
2 Schweinehäckschen (das ist das Teil über den Pfötchen), 2 Zwiebeln, geviertelt, 3 Blatt Lorbeer, 3 Nelken, 5 Wacholderbeeren, Salz und Wasser, 200 g Bauchfleisch, gewürfelt, eventuell 2 Blatt Gelatine, ein Glas Weisswein

Zubereitung:
Alle Zutaten im Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Eventuell den Schaum entfernen. 2 – 3 Stunden köcheln lassen, damit sich die Gelatine im Fuss löst. Normalerweise hat der Schweinefuss genug eigene Gelatine, so dass man die Blattgelatine nicht braucht. Wer aber auf der sicheren Seite sein will, gibt diese zum Schluss eingeweischt in die Sulzmasse.

Die Schweinehäckschen herausnehmen und etwas abkühlen lassen. Dieser Teil vom Schwein hat nur wenig Muskelfleisch, darum gebe ich ca. 30 Minuten vor dem Kochende das gewürfelte Bauchfleisch dazu. Wenn die Häckschen etwas abgekühlt sind, Schwarte und Fleisch auslösen, klein schneiden und wieder in die Sulzmasse geben. Die Lorbeerblätter ziehe ich heraus, die anderen Gewürze bleiben in der Sulz. (Die muss man beim Essen heraussuchen.) Jetzt noch alles mit Salz, Pfeffer und einem Glas herben Weisswein (für eine angenehme Säure) abschmecken. Kaltstellen und aufgeschnitten mit Röstkartoffeln und marinierten roten Zwiebeln servieren.

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7 Kommentare zu Sülze – vom Arme-Leute-Essen zum Trendprodukt

  1. DirkNB sagt:

    Bratkartoffeln und Sülze! Die Top-Kombination. Vermutlich muss ich wohl auch noch irgendwann in die Sülzen-Produktion einsteigen. Es gibt da zwar einige Kaufprodukte, die in der Kombination auch wunderbar schmecken, aber in der letzten Zeit kaufe ich sie nicht mehr: Die Fleischeinlage wirkt immer mehr zu stark vorgekaut, sprich kleinteilig. Früher waren die Produkte gröber, es dauert vermutlich aber nicht mehr lange bis sie den Weg der Feinkostsalate gegangen sind und in streichfertigen Versionen angeboten werden.

    • admin sagt:

      Die beste Sülze ist immer noch die selbstgemachte. Damit sie auch wirklich eine Fleischeinlahe hat, gebe ich immer etwas mageren Schweinebauch dazu. Und ganz sicher sind Bratkartoffeln als Beilage ein Muss.

      • DirkNB sagt:

        Hab ich noch nie gemacht, müsste ich mich erstmal kundig machen. Bisher fand ich die klassische Schweinskopfsülze am besten, die Vielfalt an Fleischarten und Konsistenzen ist schon gut. Aber – wie gesagt – der gehächselte Kleinkram, der da zur Zeit nur noch drin ist, verdirbt den Charakter.

  2. Haifisch sagt:

    Dirk, das stimmt auch für meine Wahrnehmung.
    Ich hab deswegen angefangen, Sülze selber zu machen.
    Geht im Homeoffice nebenher, deswegen kein Zeitaufwand.

    Die überraschende Entdeckung:
    Ich kann das Zeug so variieren,
    dass es für mich genau passt.
    Also Fleischart, Einlagen, Konsistenz.
    Letzteres erst nach mehreren Versuchen.

    Also – mach einfach.
    Im schlimmsten Fall ist sehr wenig Geld verschwendet,
    und der Hund frisst es immer – wenn Salz-arm /-frei.

    • admin sagt:

      Du kennst meinen Hund nicht!

      • Haifisch sagt:

        @admin: oh je, ich meine den allgemeinen Haushund,
        nicht einen naturnahen Hund, der nur Fleisch frisst. Roh.
        Ich meine den Hund, der jeden Fremden anwedelt.

        Den allgemeinen, verzogenen Haushund,
        der alles frisst, was vom Esstisch
        für ihn – mit oder ohne Gebettel – abfällt.

        Der Hund, der deswegen Diabetes und Hochdruck und Fettleibigkeit kriegt, wie das Herrchen / Frauchen / divers.

        Na ja, auch mein Hund hätte Sülze gefressen.
        Der bekam zwar nur frisches artgerechtes Futter,
        aber irgendwie hat er trotzdem gern
        die Reste gefressen. Mit oder ohne Erlaubnis.

        Das war dann mal lustig, mal ärgerlich.
        Für die Menschen.
        Für den Hund wars immer ärgerlich,
        er vertrug das Zeug nicht richtig.

        Der Hund ist seit 20 Jahren in menschenfreien,
        ewigen Jagdgründen.

        • admin sagt:

          Im Prinzip hast Du recht. Mein Hund war als Hund absolut inakzeptabel, dafür war er als Mensch unersetzbar. Als er ganz klein war, hieß er Charly, später nannten ihn die Kinder Charleskovski, als die Jungen aus dem Haus zum Studieren gingen, hieß er Karl und ab dem 15. Lebensjahr Herr Karl. Er war nicht einmal verzogen und als er 2 Tage vor seinem 17. Jahrestag von uns ging, bekam er einen Grabstein: Born as a dog – died as a gentleman.

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