Warum diese Gastronomiebesprechungen in meinem Foodblog erscheinen? Ich habe schon sehr oft über Reisen im böhmische Bäderdreieck geschrieben und immer wieder Rezepte in den Geschichten verpackt. In diesem Beitrag gibt es Hinweise, welche Restaurants, Landgasthäuser und Cafés empfehlenswert sind. Welche wiederkehrenden kulturellen Ereignisse interessant sein könnten Und sollte eine(r) der geneigten Leser(innen) in die Umgebung von und Marienbad kommen, mag dieser Beitrag vielleicht ein Wegweiser sein.
Nach der „Samtenen Revolution“ 1989, die in der Tschechoslowakei zu einer friedlichen Beendigung der kommunistischen Herrschaft führte, erblühten auch wieder die Kurorte im Böhmischen Bäderdreieck. Wie man das von Böhmen erwarten konnte, wurden überall deftige, gute Speisen angeboten – vor allem viel. In Marienbad gab es eine Ausnahme, das war das Restaurant „U Slate Koule“ (Schwarze Kugel) die sich bemühte, anders zu sein, und es auch war. Sie rühmt sich selbst heute noch zu den 200 besten Restaurants Europas zu gehören. Aber in ihr ist die Zeit stehen geblieben und der originale Einrichtungsstil ist gewöhnungsbedürftig. Ich würde vorläufig nicht mehr dort speisen wollen.
Im nahen Ort Kladska, wenige Minuten von Marienbad entfernt, kochte Vlastimil Reitmajer. Er führte eine große Küche in einer kleinen Pension. Er ist aber in den Ruhestand getreten, und es wird auf lange Zeit schwer sein, diesen Platz auszufüllen. Er war so gut, dass man ihn einfach noch erwähnen muss. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt das Restaurant „U Tetřeva“, das inzwischen sehr gelobt wird. Es bietet vor allem Wildgerichte. Ich habe dort vor mehr als 10 Jahren gespeist und kann nichts über die Qualität sagen.

Auf der Flaniermeile Hlavní třída eröffneten zahlreiche Restaurants, von denen keines mich überzeugen konnte. Ich würde einige davon als Touristenfalle bezeichnen. Das Speiseangebote ist überall nahezu identisch und einzelne Betriebe versuchen Touristen in unangenehmer Weise auf der Straße anzusprechen, um sie ins Lokal zu locken. Hinzu kommt, dass es meist extrem überteuert ist,
Inzwischen haben aber neue Restaurants mit höheren Ansprüchen eröffnet, die sehr empfehlenswert sind. Die Villa Patriot, bekannt aus der TV Show „Mein Lokal, dein Lokal“, verschrieb sich dem Fine Dining und bietet dieses auch auf hohem Niveau an. Die Küche ist ausgezeichnet, die Weinauswahl sehr gut. Das gesamte Angebot ist absolut empfehlenswert. Herauszuheben ist das Angebot an hervorragendem Rindfleisch, das ich genauer besprechen werde, wenn ich dort wieder einmal zeitnah gegessen habe. Das exklusive Fleischangebote bis hin zum Wagyu A5 Striploin ist beeindruckend. Die Preise sind gemessen an Deutschland moderat. Die Villa Patriot istin Marienbad das Restaurant mit dem besten Service.
Etwas außerhalb der Stadt findet man das Restaurat „Royal Spoon“ im Golf Club von Marienbad, das auch nicht Clubmitgliedern offen steht.
120 Jahre Golf auf königlichem Niveau – so wirbt der Royal Golf Club in Marienbad für sich auf seiner Internetseite. Es ist der ältesten Golfplatz in der Tschechischen Republik, auf dem schon berühmte Persönlichkeiten und Golfchampions Golf gespielt haben.
Gründungsmitglied war König Edward VII von England. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Clubs ist das Recht, dank der großzügigen Entscheidung der britischen Königin Elisabeth II. im Jahr 2003 und des anschließenden Besuchs von Prinz Edward, Graf von Wessex, den Titel „Königlicher Golfklub“ (Royal Golf Club) anwenden zu dürfen.

Golf mag ja ein angenehmer Sport sein, für mich hingegen ist der ruhige Nachmittag und Abend auf der Terrasse und im Restaurant im Clubhaus angenehmer. Das Restaurant wirbt mit dem Spruch: „Moderne tschechische Küche, saisonale Speisekarte, freundliche Atmosphäre“ für sich.
Ich erlebe immer wieder, dass ein Glas Prosecco Baglietti Nr. 7 Rosé am Nachmittag auf der Terrasse mit Blick auf den Kaiserwald und anschließend ein Abendessen im Restaurant ein wirklicher Genuss ist.
Der Küchenchef Michael Hunka beschreibt in einem Selbstverständnis: „Wir kochen mit Herz und Respekt für die tschechische Küche. Die Grundlage unserer Küche bilden frische, saisonale Zutaten von Bauern und Züchtern, die wir gut kennen und denen wir vertrauen. Küchenchef Michal Huňka interpretiert traditionelle tschechische Rezepte in modernem Geist neu.
Dank seiner sensiblen Herangehensweise erhalten bekannte Aromen eine neue Dimension – mit Respekt vor der Tradition, aber mit Leichtigkeit, Kreativität und der Betonung des natürlichen Geschmacks jeder Zutat.
Inzwischen ist das Restaurant „U Opata“, das einen hohen Eigenanspruch mitbringt, nicht mehr neu. In ihrer Selbstdarstellung schreiben sie:

Unser Konzept ist einfach: Wir erheben die traditionelle tschechische Küche zu einem modernen gastronomischen Erlebnis. Wir glauben an die Kraft regionaler Zutaten, die sich bei uns mit dem Können von Jan Gajdoš, einem Küchenchef mit Michelin-Erfahrung, vereint. Mit seinem Team verleiht er den Gerichten neues Leben. Freuen Sie sich auf ein elegantes Ambiente mit einem Hauch der Ersten Republik und einen erstklassigen Service, der Ihr Gourmet-Erlebnis perfekt abrundet.
Von der Qualität der Speisen und dem Können des Küchenchefs bin ich absolut überzeugt, aber! Hier steht ein großes ABER und ein Hinweis, der nicht unerheblich ist: Wäre ich als neugieriger Tourist in das Restaurant gekommen, hätte ich es auf Grund des ersten Eindrucks sofort wieder verlassen. Hier hat sich ein Innenarchitekt ausgelassen, der Farbkombinationen präferiert, die mehr als gewöhnungsbedürftig sind. Hinzu kommt, das der Service noch immer Mängel aufweist, was sich aber etwas gessert hat.

Aber die Küche ist großartig und sie wird ihrem Anspruch traditionelle tschechische Küche zu einem modernen gastronomischen Erlebnis zu machen in jeder Weise gerecht. Die Trilogie von der Ente (Krokette aus gezupftem Bein, konfierte Entenkeule, Entenbrust, Kohlrabi, Rote Bete, Honigzwiebeln, Trockenfleisch, Speckknödel, Lokše und Enten-Demi-Glace) war perfekt.
Das Dessert, beim Apfelstrudel (Äpfel, Rosinen, Blätterteig, Walnüsse, gesalzenes Karamell) hat er das Wort Strudel wörtlich genommen und diesen in einem Strudel aus einer schaumigen sahnige Masse aufgelöst. Jede für sich dominierende Zutat tauchte in den „Strudel“ ein, ein großartiges Erlebnis. Äpfel, Rosinen und Nüsse in mit dem knusprigen Teig überzogen mit Salzkaramell füllten eine ansprechende Keramikschüssel.
(2026) Nach einem Irrweg mit „besonderen Steaks“ ist das neue Weinangebot des Weinguts Víno Hruška ein Highlight. Bisher habe ich nur eine Sorte verkostet, was aber eine sehr schönes Erlebnis war: ein Cuvée mit intensiven Aromen von Zitrusfrüchten, Ananas und roten Johannisbeeren. Voller, fruchtiger Geschmack mit Noten von Grapefruit und einer angenehmen Restsüße.
„Das Restaurant Laver’s konzentriert sich vor allem auf moderne tschechische und feine mediterrane Küche und ist das ganze Jahr über der richtige Ort, um Gerichte aus diesen Regionen zu genießen.“ So lautet das Selbstverständnis dieses Restaurants neben den Tennisanlagen von Marienbad. Leider hat man das Gefühl in einer Vereinsgaststätte zu sitzen, die etwas beengt eingerichtet ist. Allerdings trifft das bei schönem Wetter nicht zu, dann lädt eine prächtige Terrasse zum Verweilen ein.
Die Speisen sind gut, wenn auch nicht überragend. Die frittierten Artischocken mit Fenchel-Mayonnaise wären mit einer nicht so aufdringlichen Mayonnaise ausgezeichnet gewesen., die Saucen waren etwas stark angedickt. Nach weiteren Besuch kann ich Laver’s empfehlen. Im Prinzio waar alles durchgehend gut.

Ausflugsziele in der Umgebung von Marienbad
Ein beliebtes Ausflugsziel nahe Marienbad ist die Brauerei in Chodová Planá. Die erste schriftliche Erwähnung der Brauerei ist aus dem Jahre 1573. In einem Teil des einzigartigen Felsenlabyrinths vom achthundert Jahre alten Brauereikeller befinden sich ein das Restaurant „Ve Skale“. Hier habe ich schon oft gesessen und das gute und starke Schwarzbier genossen. Eine weitere Bierspezialität ist ein Naturhefebier, das direkt aus den Lagerfässern des Felsenkellers gezapft wird.
Vor gut 20 Jahren wurde noch ein ganzes Spanferkel und eine sogenannte Braumeisterplatte auf der Karte angeboten. Beides von ausgezeichneter Qualität – aber überwältigend viel. Inzwischen hat die Menge, aber auch die Qualität nachgelassen. Offensichtlich setzt man hier inzwischen auf Massentourismus.

Das zweite Restaurant ist das „Stara Sladovna“ mit einer Terrasse, die gerade an warmen Sommertagen zum Verweilen einlädt. Die Portionen sind teilweise sehr groß. Ich war schon sehr erstaunt, als ich das „Schäufele“ serviert bekam. Ich hatte das 1 ks auf der Karte nicht als 1 Kilogramm gelesen. Am Nachbartisch wurde ein Wurstsalat serviert – dort hatte auch niemand mit einem Kilogramm gerechnet. Leider hat sich auch hier einiges zum Schlechten gewendet und man bekommt den Eindruck, dass die Qualität nachgelassen hat. Ersatzweise kann auch ein Bierbad in 34° C warmen Schwarzbier nehmen.
Wer noch etwas weiter wandern mag, kommt in das Städtchen Planá u Mariánských Lázní. Am malerischen Freiheitsplatz findet man das Restaurant „Rybí restaurace NA NÁMĚSTÍ„. Es ist ein klassisches Familienrestaurant, wie man es selten findet. Natürlich sind auch Touristen willkommen. Hier erwartet den Gast ein hervorragender Service, wie er selbst in Marienbad in nur wenigen Restaurants gepflegt wird. Bemerkenswert ist die Fischküche mit einem großen Angebot frischer verschiedener Fische. Dies reicht von den gängigen Sorten Forelle, Karpfen und Zander zu den seltenen Arten wie Lachs, Wels, Grundel und Aal. Dazu wird eine sehr gute klassische böhmische Küche angeboten. Das Getränkeangebot, speziell beim Wasser, könnte größer sein.

Drei Gaststätte möchte ich noch vorstellen, obwohl sie nicht zur gehobenen Gastronomie zählen. Hier trifft man auch überwiegend auf heimisches Publikum. Dafür sind hier die Preise einem kleinen Budget angepasst, ohne dass das Angebot „billig“ ist. Zuerst einmal das „Restaurace U Josefa Švejka“. Wer sparen möchte und trotzdem gut essen mag, ist hier am richtigen Platz. Das Gleiche gilt für das „Restaurace U Stříbrného Pudla“, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft vom Josef Schweik befindet. Etwas hochpreisiger, aber immer noch im unteren Preissegment. Beide Gaststätten sind in der Chebská (B 215 nach Cheb). Im Josefa Švejka gibt es einfache, aber guteTellergerichte. Das U Stříbrného Pudla ist anspruchsvoller. Empfehlenswert ist Rauchfleischsuppe und das Prime Rib ganz langsam geschmort. Hier werden auch alle tschechischen Wirtshausklassiker angeboten. Hinzu kommt, dass Budweise vom Fass ausgeschenkt wird. Wohlgemerkt das echte Budweise, nicht der USA Verschnitt.

Das dritte Restaurant, das ich vorstellen möchte, hat mich sehr beeindruckt: Das „Bistro Café“ in der Tepelská in unmittelbarer Nähe zum Antonius Brunnen (Heilquelle Antonínův pramen). Ein Café das fast ausschließlich von hier lebenden Menschen besucht wird, bietet einen Mittagstisch für rund fünf Euro, der auch über die Straße verkauft wird und von vielen älteren Bürgern genutzt wird. Die Preise sind unglaublich niedrig und die Qualität ist hoch. Verschiedene Tagesgerichte für rund fünf Euro mit dem Selbstverständnis: „Wir bereiten den ganzen Tag über saisonale Gerichte aus frischen Zutaten von lokalen Anbietern zu und servieren dazu originelle Desserts. Gutes Essen ist keine Sünde“.
Ich mache es ja nicht gerne, aber es gibt auch Gasthäuser, vor denen ich explizit abrate: Středověká královská restaurace und Česká hospůdka. Letzteres wird allgemein gelobt. Nach meiner Erfahrung liegt das wohl an den großen Portionen. Alles andere war aber so, dass ich nie mehr hingehe.
Cafés in Marienbad
Die Anzahl der Cafés in Marienbad hat sprunghaft zugenommen und es dürfte schwierig sein, einen kompletten Überblick zu geben. Das Angebot ist nahezu überall gleich und man kann angenehm auf der Promenade sitzen, Kuchen oder Eis veerzehren, Kaffee trinken und dem flanierendem Publikum zuschauen. Und doch stechen einige heraus. am bekanntesten dürfte das Wiener Kaffeehaus im Hotel Nove Lazne sein. Es knüpft mit seinem Namen an die Wiener Café-Tradition an – hier genießt man in aller Ruhe Kaffee statt eines schnellen Espressos im Stehen. Inzwischen ist aber dieses stille Café immer überlaufen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Wer es ruhiger möchte geht wenige Schritte weiter zum Café Imperial im gleichnamigen Hotel. In den meisten Cafés werden auch kleine Speisen angeboten. Eine Besonderheit sind Chlebíčky (kleine belegte Brote).

Von den viele anderen Cafés möchte ich noch zwei erwähnen, die nahezu nebeneinander liegen. Sehr beliebt bei den Stammgästen ist das Café Oris. Eine Besonderheit ist das „Kavarna 18g“. Hier gibt es den mit Abstand besten Espresso und unglaublich gute Torten und andere Leckereien. Eine ausführliche Beschreibung wäre hier zu umfangreich, darum der Link auf die Präsentation dieses Kaffeehauses.

Kultur in Marienbad
Marienbad war ein kleiner doch prestigeträchtiger Kurort, der in der Geschichte zum Zentrum des gesellschaftlichem, kulturellem, und politischem Leben des alten Europas wurde.
Namen, mit denen Marinebad am häufigsten verknüpft wird, sind der britischer König Edward VII., der deutsche Schriftsteller Johann Wolfgang Goethe und der geniale Komponist und Klavierspieler aus Polen Fryderyk Chopin. Ferner weilten hier auch Gustav Mahler, Friedrich Nietzsche, Franz Kafka, Rudyard Kipling, Mark Twain, Thomas Alva Edison, Pierre de Coubertin, sowie Kaiser Franz Josef I an den heilenden Quellen der Stadt.
Ein Weg der Schriftsteller mit Schautafeln führt durch den Ort zu jenen Plätzen, wo Literaten wohnten und wirkten.
Marienbad ist eng mit dem Komponisten Frédéric Chopin verbunden, da er die Stadt mehrfach besuchte und sie zu einem wichtigen Ort für sein Schaffen wurde. Wegen einer unerfüllten Liebe reiste Frédéric Chopin 1836 das erste Mal nach Marienbad. Chopin kam voller Hoffnung, aber der Sommer brachte ihm nur wenig Glück: In Marienbad war es kalt und auch die Beziehung zu seiner Freundin entwickelte sich nicht nach Chopins Vorstellungen.
Zu seinen Ehren findet jährlich das international renommierte Chopin-Festival statt, eines der ältesten Musikfestivals in Europa. Diese Augusttage voller Musik gehören zu den größten Kulturfesten in Tschechien und bereichern das kulturelle Leben in Marienbad in bedeutendem Maße; denn jedes Jahr kommen ausgezeichnete Künstler und Dirigenten aus aller Welt in die Stadt. Zu den Sinfoniekonzerten, Soloabenden, Abendmusiken, Matineen und Ausstellungen kommen zusätzlich Kammerkonzerte, Jazzkonzerte und viele gesellschaftliche Rahmenveranstaltungen hinzu.
Eine musikalische Attraktion war immer die singende Fontäne nahe der barocke Hauptkolonnade. Es war immer ein musikalischer Genuss, wenn sie bereits am frühen Morgen einen musikalischen Weckgruss durch das Tal in die Hotels sandte. Während seit Jahrzehnten leichte Klassik die Kurgäste weckte, klopft heute (2026) zum Wochenbeginn das Schicksal an die Pforte, indem das Klopfmotiv aus Beethovens 5. Sinfonie in C moll ertönt. Die alle zwei Stunden wechselnden Musikstücke sind dann ebenfalls nicht unbdedingt eingängig. Leider habend die inzwischen neu Verantwortlichen sich für überwiegend neue Melodien (die weniger melodisch sind) entschieden. Insgesamt sind die Leistungen der Kurverwaltung insgesamt sehr eigenartig.
Ich besuche manchmal an den Nachmittagen die Promenadenkonzerte. Die letzteren haben den besonderen Reiz, dass man sie von nahe gelegenen Kaffeehäusern gut hören kann.
Nicht nur erwähnenswert, sondern ein Muss, sind auch die Jazz Konzerte in der Bibliothek des Hotel Falkensteiner. Diese sind auch Gästen anderer Hotels zugänglich und finden jeden Freitagabend statt. Ganz nebenbei: Hier gibt es die besten Espresso Martini.
