Espresso und mährische Küchlein

Espresso a Moravská pogača

Mährische Küchlein, Espresso und und Brandy
Kaffeezeit am Nachmittag mit einem Brandy

Dieser Beitrag führt uns gleich in zwei Länder, und – genau genommen wäre da am Rande noch die Schweiz. Aber die spielt nur eine kleine Rolle, denn dort hatte ich den ersten Espresso meines Lebens. Mähren steuert ein Gebäck dazu: Mährische Küchlein. Und zusammen ist das eine wundervolle Nachmittagsfreude, wenn auch nicht ganz stilecht. Zu einer mährischen, odere böhmischen süssen Mehlspeise gehört eigentlich ein Kaffeertscherl. Aber da hat auch jeder seine Vorlieben. In meinem Stammcafé habe ich immer gerne einen kleinen Schwarzen genommen. Und um das klar zu stellen, ein kleiner Schwarzer ist kein Espresso. Aber diese Feinheiten östereichisch-böhmischer Kaffeehauskultur würden hier viel zu weit führen. Ein weiterer Hinweis: Ich werde Produktnamen nennen, aber dies ist kein Werbebeitrag; so bleibe ich unabhängig.

Der Espresso ist eine aus Mailand stammende Kaffeezubereitungsart, bei der heißes Wasser mit hohem Druck durch sehr fein gemahlenes Kaffeemehl aus gerösteten Kaffeebohnen gepresst wird. – Wikipedia – Soweit so gut!

Meinen ersten Espresso trank ich im Tessin. Ich hatte zwanzig Jahre überschritten und entdeckte ein vollkommen neues Kaffeeerlebnis. Am Morgen ein schneller Espresso im Stehen in der kleinen Kaffeebar an der Ecke. In kleinen Tassen, ein Messerspitze Zucker, eventuell einen Schluck Wasser, der in kleinen Gläschen bereit stand. Das kann schon zur Gewohnheit werden. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ein Tag ohne Espresso zu beginnen, ist genau so schlimm, wie ohne frische Wäsche aus dem Haus zugehen. Ich erstand einen dieser Espressokocher von Bialetti mit dem markanten achteckigen Boden. Der Espresso in der Bar war besser. Bevor ich zurück nach Deutschland an den Bodensee zog, kam meine erste Espressomaschine ins Haus. Die Maschinen von La Pavoni sehen ja unverschämt gut aus und machen einen hervorragenden Espresso – aber vorsicht, jedenfall konnte man sich vor 50 Jahren daran schmerzhaft die Finger verbrennen. Von da an hatte ich wechselnde Modelle, meist von italienischen Herstellern. Ich bin ein Anhänger der reinen Lehre: es waren allesamt Siebträgermaschinen. Für den Interssierten: ich nehme Bohnen von Borbone. Borbone blue ist eine typische vollmundig, säurearme Mischung im neapolitanischen Stil.

Wie ich schon erwähnte, brauche ich für meinen Espresso eine Messerspitze Zucker. Da bin ich sehr eigen und nehme grundsätzlich nur „La Perruche“. Er verführt mit seiner köstlichen Bernsteinfarbe und den aromatischen Noten von Bourbon-Vanille und Karamell. Als meine Jungens noch klein waren, hieß er bei uns wegen der Abbildung auf der Verpackung Papageienzucker.

Mährische Küchlein – Pogaca moravski

Mährische Küchlein

Das Synonym für mährisches Gebäck sind Kolatschen. Ich liebe sie, vor allem, wenn sie dreifach gefüllt sind: eine Schicht Powidl, eine Schicht Quark und Mohn. Doch hier haben wir es mit Pogaca zu tun – und gleich vorne weg: ob es sie so in Mähren gibt, kann ich nicht einmal sagen. Jedenfalls hat der russische Bäcker hier am Ort sie so benannt. Und sie schmecken unglaublich gut.

Ursprünglich kommen Pogaca aus der Türkei und sind ein salziges Gebäck. Mit der Zeit haben sie sich über den ganzen Balkan verbreitet – und wer weiß, vielleicht auch den Weg nach Mähren gefunden. In Bosnien und Slowenien habe ich sie auch schon süss gefüllt gesehen. Meistens war die Füllung eine Nuss-Nougat-Creme oder Marmelade. Die Mährischen Pogaca werden, wie es landesüblich ist, mit Mohn und Topfen gefüllt. Man kann auch einen Löffel Powidl oder Honig dazugeben.

Die Zubereitung ist einfach. Man bereitet einen Hefeteig, den man einige male touriert. Diese Technik die bei der Herstellung von Blätterteig angewandt wird, macht auch einen Hefeteig besonders luftig. Wer dem Link folgt, findet eine genaue Anleitung in einem älteren Beitrag.

Der Teig wird handtellergroß ausgerollt oder ausgezogen und innen mit Topfen und Mohn gefüllt. Nun zieht man die Seiten ein wenig über die Füllung, gibt etwas Streusel oben auf und backt sie fertig. Es kann hilfreich sein, die Küchlein in einer Muffinform zu backen, dann behalten sie eine schöne runde hohe Form.

Mährische Pogacas
Dieser Beitrag wurde unter Rezepte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

3 Kommentare zu Espresso und mährische Küchlein

  1. Haifisch sagt:

    Deine Espressomaschine ist witzig,
    und ich hab eine, die recht ähnlich ist.
    Wenn die mal kaputt geht,
    könnte Deine der Nachfolger werden.
    Schön klein, nicht so ein Küchenmonster.

    Tja, werbefrei ist nicht gelungen, kicher.
    Hab gleich mal den Namen gegoogelt,
    weil ich ja eh einen Nachfolger für meine suche.
    Und – wenn man den Flattermann abmontiert,
    dann ist die Maschine echt hübsch.

    Die Golatschen kenn ich gar nicht,
    obwohl ich dachte,
    ich kenn alles aus Plunderteig.
    Teig, Füllung drauf, hochbiegen,
    Streussel drauf – das ist die Krönung.

    Habs nachgebacken, einfach sehr lecker.
    Das war auf der Büfett-Platte als erstes weg.
    Handlich, süß und nicht trocken.

    Das ist wie diese dänischen Plunderteile,
    die ich kiloweise (fr)essen kann.
    Die haben halt immer rote Grütze
    und Vanillepudding drin.

    • admin sagt:

      Mit der Espressomaschine bin ich sehr zufrieden, nicht mit dem Hersteller. Ich habe ihn kontaktiert, weil weiterführende Links (Rezepte) auf eine illegale Spielbank verwiesen haben. Dann hat er mir geantwortet – wahrscheinlich hat er seinenn Haus IT befragt: Ich hätte wohl einen Virus auf dem Rechner und sollte ihn mal von einem Fachmann untersuchen lassen. Am selben Tag verschwanden die Links, die er rundheraus bestritten hat.
      Ich gehe davon aus, dass der Haus ITler wenig Ahnung, dafür um so mehr Schiss hatte.

      • Haifisch sagt:

        Das ist ja – herrliche Geschichte.
        Anonym lügt es sich halt besser, nicht wahr?
        Als ich auf der site war,
        bekam ich keine Hinweise auf Spielbanken mehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert