Toettchen

Brathskartoffel oder Bratkartoffel? Mein lieber Bastian Sick!

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Bastian Sick, der Germanist(?), der den Deutschen wieder ihre wundervolle Grammatik nahe bringt, der Mann, der im Spiegel die Kolumne „Zwiebelfisch“ betreute und schließlich einen Bestseller auf den Markt brachte: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Er schrieb am Mittwoch, dem 07.04.2004 im Spiegel:
„Das heißt Essenmarken und nicht Essensmarken“, bellt der Unteroffizier den Rekruten an, „es heißt ja auch nicht Bratskartoffeln und Spiegelsei!“ Diesen Spruch wiederholt er am Tag mindestens zwanzig Mal, und es bereitet ihm immer wieder Genuss, einem unbedarften Brenner eine laute Lektion in Sachen Amtsdeutsch erteilen zu können. Das gibt ihm ein Gefühl von Überlegenheit und Macht. Zum Glück kommen jedes Quartal neue Wehrpflichtige, die ihn garantiert fragen werden, ob sie bei ihm „Essensmarken“ bekommen können. So wird der Unteroffizier noch viel zu bellen haben und sich immer wieder der Illusion von Überlegenheit und Macht hingeben können.
….. Der Versuch, eindeutige Regeln zu definieren, ist zum Scheitern verurteilt. Dafür ist das Gebiet zu unübersichtlich, vermeintliche Gesetzmäßigkeiten zu widersprüchlich und von Ausnahmen durchlöchert wie ein mottenzerfressener Umhang. Aber wir haben uns daran gewöhnt. Dass es nicht Bratskartoffeln und Spiegelsei heißt, sagt uns unser Sprachgefühl.“

brathskartoffeln_01
Na, na, na! Heißt es in Wirklichkeit nicht doch Bratskartoffel? Oder besser, richtig geschrieben „Brathskartoffel“? Ja, so heißt es. Die Geschichte der „Brathskartoffel“ ist mit vielen Dokumenten auf der Internetseite brathskartoffel.de beschrieben.

braths01Um es kurz zu machen und das ist kein Scherz, wir haben auch nicht den 1. April: Die Brathskartoffel wurde nach Henriette Braths benannt. Henriette Josefa Braths aus dem rheinischen Dorf Vettweiß, kam auf verschlungenen Wegen und der Liebe wegen nach Wien. Hier wurde Ihr Rezept für Röstkartoffeln erstmals veröffentlicht. In Wien, war Henriette mehrere Jahre mit dem geheimnisvollen Grafen Lajos liiert. Dessen Mutter hatte „Jetti“ ausdrücklich aufgefordert, an einem Rezeptwettbewerb in Wien teilzunehmen. Henriette schickte 1907 das Rezept der damals von ihr so benannten Röstkartoffeln ein – und ein Wiener Zeitungsredakteur benannte diese dann in „Brathskartoffeln“ um. Von da an gingen die Brathskartoffeln sozusagen um die Welt.
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Und wer die original „Brathskartoffeln“ nachbraten möchte, dem sei hier das Originalrezept aus dem „Journal für gebildete Stände“ abgebildet. Das Rezept „Die Zubereithung von Röstkartoffeln“ erschien in der Ausgabe vom 28. Oktober 1907.

braths02

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30 Kommentare

  1. An den Bratskartoffeln mit Spiegelsei habe ich mich schon oft erfreut. Genau wie an der/die/das Nutella :-)
    Allerdings….die Brathskartoffeln, die kannte ich nicht.

    • Eben drum, wegen dieser sprachlichen Feinheiten kann man manches mal schmunzeln. Es ist wohl auch geplant, der bewussten Henriette ein Denkmal zu setzen, aber weniger wegen dem „s“.

  2. Da braths mir einer ’nen Storch, die Geschichte kannte ich noch nicht ;o)
    Ich hatte einen lieben Kunden unserer Firma in Düsseldorf, ein älterer Herr, der sagte auch immer Bra(h)tskartoffeln… jetzt weiß ich, warum.

    Deine Exemplare sehen köstlich aus, kannst Du mir eine Pfanne heute mittag vorbeibringen?

    Liebe Grüße
    Tanni

  3. Wieder etwas gelernt! Vielen Dank :)
    Aber egal ob Bratkartoffeln oder Brathskartoffel – Deine sehen großartig aus und machen Lust auf mehr. So schön knusprig braun – einfach herrlich! Ich habe jetzt Lust auf Bratkartoffeln!

  4. Food-Archäologie vom Feinsten !

  5. Jaaa, die gute alte Bratkartoffel. Bei der Zubereitung scheiden sich allerdings viele Geister. Ich finde:“HAUPTSACHELECKER“ . Deine lieber Gerd, sehen mehr als lecker aus……schmatz!!
    VG
    Paul

  6. Das ist mit Abstand der interessanteste Artikel, den ich heute gelesen habe. :-)
    Meine Urgroßmutter sagte auch immer Brathskartoffeln, ich hatte das auf eine ostpreußische Sprachwendung geschoben…
    Die bekommt Herr H. diese Woche auf jeden Fall noch serviert.
    Liebe Grüße,
    Eva

  7. Brats oder Braths … egal, Hauptsache knusprig! :-)
    Liebe Grüsse aus dem so verregenten Zürich, dass solche Kartoffeln ziemlich schnell matschig würden,
    Andy

    • Du hast Recht, das „h“ könnte zu einen haha verleiten, denn das was auf dem Teller liegt, ist entscheidend: knusprig mit herrlichen Röstaromen.
      Verregnete Grüße zurück z.Zt. am Bodensee

  8. Ein herrlicher Schmunzelpost von dir, vielen Dank für den Lesespass.
    Hast du die Brathskartoffeln tatsächlich mal mit Semmelbröseln probiert?

  9. Ja, Herrn Sicks Büchlein amüsierte mich auch und dessen Titelfakt sehe ich leider sehr oft in Texten bestätigt. Wegen dem Sonnenschein, äh sorry, wegen des Sonnenscheins könnt ihr mich heute nicht beneiden, denn es ist auch hier seit Tagen verhangen und regnerisch.
    Danke für die Informationen zu Frau Braths; der Robert schrieb, was ich denke. Und das wegen des Sprachgefühls, das nicht bei allen gleich ist, zeigt sich auch bei Begriffen wie Schweinsgeschnetzeltem / Schweinegeschnetzeltem, Schweinefilet / Schweinsfilet. Beim Kalbsgeschnetzelten ist es einfacher. Was ist denn nun wirklich richtig beim Schwein, -s- oder -e-geschnetzeltes?

    • Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich immer auf das Sprachgefühl setzen sollten. Vielleicht sind die „fehlerhaften“ Einschüsse in die Sprache auch nur regional bedingt und sind dann, für andere, wie „Stallgeruch“. Man weiß, wer „dazugehört“. Ich selber bin ja in einer Mischung von Hochdeutsch und einem Niederdeutschem Dialekt (Platt) aufgewachsen. Dazu kam, das diese Sprache mit Ausdrücken aus jenem Dialekt durchsetzt war, der in Münster Kasematte heißt. (Das war mal ein Thema im Münster Tatort.) Auf der Strasse lernte ich den Anklang an das Ruhrgebietsdeutsch und später während der Semesterferien den harten Ruhrgebietsslang. Ich habe damals oft als Postler gearbeitet und wurde immer in einer alten Zechensiedlung eingesetzt.
      Gerade hier wurde die Sprache von der Arbeitswelt geprägt und war unter den „gebildeten“ Schichten verpönt. Das hat sich aber gewandelt. Zur Zeit wird dieser Dialekt vom Institut für Linguistik in Bochum erforscht. Und jetzt zeigt sich, dass diese Sprache eine kontinuierliche Weiterentwicklung aus dem Niederdeutschen und Teilen des Niederfränkischen ist. Also: nicht die Sprache so ernst nehmen. Denn das wesentliche ist ja, dass wir uns verstehen.

      • Ergänzung: So herrliche sprachliche Fehler ergeben sich ja überall im Alltag. Oft aus Unkenntnis der Materie. Hier am Ort war das Kaffee, welches ein Schild vor die Tür stellte: „Kaffee Togo“!

        • War es nicht ein Café, dass den „Kaffee togo“ im Angebot hatte? ;-)
          Gerade auch bei dem koffeinhaltigen Getränk und seinen Ausschankstationen gibt es so viele falsche und richtige Schreibungen, vor allem, wenn man herkunftssprachlich exakt bleiben möchte. Darauf einen Expresso. ;-) Das ist übrigens ein ganz schnell zubereiteter kleiner Caffé. Wobei Caffé in Italien wohl das ist, was hierzulande auch als Espresso bezeichnet wird. Der kleine Espresso ist dann der Ristretto. Und der kleine Ristretto ist eine schmutzige Kaffeetasse. ;-)

          • Ja es war ein Café, das Café Wiedehold. Herrlich Deine Ausführungen zum Expresso / Espresso / Ristretto und so fort. Vielleicht ist das der Grund, das ich zu Studienzeiten in Graz noch die alte österreichische Kaffeehauskultur genossen habe.

          • Da läuft zur Zeit ein Eigenwerbespot für Radiowerbung, in dem ein Ober eines Wiener Kaffeehauses die Hauptrolle spielt, den ich ganz köstlich finde. ;-) Der regt sich über einen Berliner Gast auf. Das Sujet sind die unterschiedlichen Begriffe für verschiedene Süßspeisen in Berlin und Wien: Pfannkuchen, (Palat-)Schinken, Krapfen, … Schlussfrage in dem schönen Wiener Dialekt: Was hat sich der Gast eigentlich gewünscht, als er die Kaffeespezialität „Großer Brauner“ bestellt hat? ;-)

    • Houdini, ein grosser Unterschied besteht auch zwischen Schweizer-Hochdeutsch und Deutsch. Was Du und ich für richtig erachten ist ennet dem Rhein nicht unbedingt auch richtig. Wie Gerd schon sagte, «fehlerhafte Einschüsse» sind oft regional bedingt. Und grad in meiner Familie erlebe ich die sprachliche Wandlung sehr stark. Meine Kinder haben einen fränkischen Vater, ich selber bin eine Mixtur aus Solothurn und Laufental, aufgewachsen im Oberaargau (westlichster Zipfel des Kantons Bern), seit 25 Jahren aber im Emmental wohnhaft. Meine Tochter sagt «Kamm» statt berndeutsch «Schträuh» oder «mir hei g’arbeitet» statt «mir hei gschaffet». Die Sprache wandelt sich. Es gibt – im Unterschied zu der geschriebenen Sprache – in der gesprochenen Sprache nicht richtig oder falsch. Die gesprochene Sprache wandelt sich sehr stark und schnell, die geschriebene ein bisschen langsamer.
      Was den Genitiv und den Dativ betrifft, da bin ich ganz der Meinung von Bastian Sick. Und sowieso, ich bin Genitiv-Fan…

  10. Hauptsache es schmeckt, gell Toettchen?! ;-)
    Die Bratkartoffeln auf dem Foto sehen lecker aus. Verrätst du mir das Geheimnis? Bei mir sehen sie nie so schön aus.
    Ich habe die Essenmarken zwar nicht mehr kennenlernen müssen, doch im Kopf ist fest EssenSmarken.

    Beste Grüße
    Cal

    • Die Kartoffeln müssen gut ausgekühlt sein. Erst die Pfanne erhitzen. Ich nehme eine geschmiedete Stahlpfanne. Dann das Butterfett zugeben, auf den Pfannenboden schauen. Im Fett bilden sich Kreise, daran erkennt man die optimale Hitze. Das heißt, sie müssen sehr groß werden. Dann gebe ich die Kartoffelscheiben dazu und lasse ihnen Zeit anzubraten. Jetzt wenden, am besten durch Schwung, kein Holzlöffel. Die Hitze reduzieren und die Pfanne regelmäßig schütteln. Jetzt gebe ich die Zwiebeln dazu, würzen, fertig.
      Beste Grüße
      Toettchen

  11. Genauso und nicht anders mag Ich meine Gebrätelten … da könnte Ich mich reinlegen. Ich mag sie sehr gerne mit einem schönen Stück gebratenem Merlanfilet und einer hausgemachten Remo.

    LG Kerstin

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