Toettchen

Appenzell – Käse und Musik

| 16 Kommentare

Es sind schon einige Jahre her, dass ich im Appenzell war. Früher, ja früher als ich noch am Wochenende in den Alpstein fuhr, um dort zu wandern, da ging ich auch zum Appenzeller Ländlerfest oder zur ein oder anderen Stubete. Ich war nahezu Stammgast in mancher Bauernbeiz oder auch manchem Fest. Und am vergangenen Samstag lockte der kleine Ort Gonten in Appenzell Innerrhoden. Genauer gesagt das kleine Festival „Gonten daisch Musik“. Auf dem Programm stand der Hitziger Appenzeller Chor und Tinu Heiniger aus dem Emmental.
Es war eine schöne Fahrt dorthin und die Landschaft war heimelig wie eh und je.
appenzelle-ia-01 appenzelle-ia-03
appenzelle-ia-02 appenzelle-ia-04
Vorab ging ich in mein alt angestammtes Chaeslaedeli in Urnäsch. Appenzeller Käse kann man in der ganzen Schweiz kaufen, sogar beim Discounter in Deutschland. Aber Appenzeller Käse ist nicht gleich Appenzeller Käse. Auch im Chaeslaedeli gibt es die klassischen Sorten: Appenzeller Classic, Surchoix, Extra und 1/4 fett Räss. Aber es gibt sie in einer ganz anderen Qualität. Der letztere Käse, der Rässchäs hat es mir besonders angetan. Diese rassigwürzig-leichte Spezialität wird aus teilentrahmter Milch hergestellt. In einer sechs- bis achtmonatigen Lagerzeit erhält er seinen schmelzig-kernigen bis mürb-trockenen Teig und den unverwechselbar herben Geschmack. Er hat einen besonderen Duft, der die Fliegen von der Wand fallen lässt, wenn man ihn auswickelt, sagt man. Zusammen mit einem Teil Appenzeller Classic, habe ich daraus heute eine „Chäs-Schoope“ zubereitet, darüber aber später mehr. Natürlich gehörte eine ordentliche Degustation der einzelnen Käsesorten, auch Zvieriplättli genannt, dazu. Wobei, ich kann so ein Plättli auch leicht zum „Znüni“ oder am Abend essen. Zvieri und Znüni? Für die, die des schweizer Idioms nicht mächtig sind: das ist das, was man am Nachmittag um „Vier als Jause“ oder morgens um „Neun als zweites Frühstück“ einnimmt.
appenzeller-kaeseteller
Dann das Festival: Der Hitziger Appenzeller Chor war eine großartige Überraschung.
Tradition und Neuartiges vereinen sich in diesem „bunten Schoppel“ von neun jungen Leuten aus dem Innerrhoder Landesteil, die sich 2006 gefunden haben und stolz in der Appenzeller Tracht auftreten. Volkslied, Ratzliedli, und Rugguseli vermischen sich ohne Scheu und experimentierfreudig mit Rap, perkussiv eingesetzten Stimmen und Chansons. Aus heimatlichen Jodelklängen entsteht da plötzlich Unerwartetes und Witziges, Hitziges… – so beschreiben sie sich selbst auf ihrer Internetpräsentation. Aber wie kann man das mit Worten beschreiben. Ich kann jedem empfehlen, das hier eingefügten Youtube Video anzuschauen. Es ist das Beste, was ich im Bereich „Neuer Volksmusik“ gesehen habe.

Im Anschluss folgte „Tinu Heiniger mit seinen All Stars“. Diese Gruppe spielte die Vorpremiere vom neuen Programm „Bis a ds Ändi vo der Wält“. Tinu Heiniger ist der leiseste und kontinuierlichsten Berner Mundartrocker der vergangenen 50 Jahre. Der Blues schlug wie eine Bombe in seiner Langnauer Jugendzeit ein. Kaum einer hier spielt ihn so authentisch wie Tinu, geschweige denn, wenn er statt der Gitarre das Klarinet hervor nimmt. Schalk, Spielfreude und perfekter Groove sind die Kennzeichen seiner Mitmusikanten.
Tinu hat den Blues zur uremmentaler Musik gemacht. Wie die Mazurka oder der Schottisch, so wurde im 20. Jahrhundert die Volksmusik aus noch weiter entfernten Ländern importiert. Trotzdem meinen wir bis heute, dass der Berner Mundartrocker nicht Volksmusikant genannt sein darf. Dieses Programm korrigiert jetzt: Tinu Heiniger spielt erstmals zusammen mit zwei Monolithen der Schweizer Volksmusik: Töbi Tobler am Hackbrett und Markus Flückiger. Wer mag, kann sich die Videos auf Youtube anschauen. Ich habe dahin verlinkt.
schoope
Doch jetzt zur „Chäs Schoope“. Obwohl die Appenzeller in manchen Dingen verschwiegen sind, dies Rezept bleibt nicht geheim! Chäs Schoope sind in Butter goldbraun geröstete Brotwürfel vermischt mit Appenzeller Classic und Räss.

Zutaten
400 g dunkles Bauernbrot (1–2 Tage alt)
Butter zum Braten
200 g Appenzeller Classic, gerieben
200 g Appenzeller ¼-Fett räss, gerieben
1 Prise Muskatnuss
Pfeffer aus der Mühle
1 dl Rahm
Viel Schnittlauch, fein geschnitten

Zubereitung
Für die Käsemasse den geriebenen Appenzeller® Käse mit Pfeffer und Muskat würzen und mit dem Rahm zu einem festen Brei mischen.
Das Brot wie beim Fondue in Würfel schneiden und in Butter goldbraun anrösten.
Die Käsemasse über die heissen Brotwürfel (in der Bratpfanne) geben und so lange schwenken, bis alle Brotwürfel mit der Käsemasse schön überzogen sind. Mit viel fein geschnittenem Schnittlauch bestreuen. Sofort heiss servieren.

Print Friendly, PDF & Email
Share on Facebook

16 Kommentare

  1. Mmmmh, das trifft genau mein Geschmack!

    Und so ein Ärger – ich habe im Allgäu-Urlaub nur echten schweizer Emmentaler gekauft. Hätte ich das mal vorher gewußt…

  2. Mit diesem Beitrag hast Du mir wieder eine grosse Freude gemacht, Gerd. Besten Dank.
    Ich bin gebürtiger Appenzeller, sehr nahe davon aufgewachsen mit neu zugewanderten Urnäscher Eltern, also ein Secondo-St.Galler. Hier gibt es nur den klassischen vollfetten Appenzeller, für etwa CHF 50 das Kilo, nicht alles ist günstig hier :-) Den Chääs-Schoope mache ich ab und an auch, wenn altes Brot vorliegt (werfe nie Brot weg).
    Ich mag den rässen Appenzeller wegen seiner Einzigartigkeit auch sehr, super gut auch mit Brot und einer Flasche Saft, andernorts Apfelwein genannt, zB um 4 Uhr Nachmittags an einem roten Tisch vor der Bollewees mit Blick auf Fählensee, Hundstein und Altmann.

    • So, so. Ein echter Appenzeller. Ja, die Flasche Saft. Davon habe ich auch während des Konzerts getrunken. Lieber wäre es mir aber, mit Dir vor der Bollewees zu sitzen und ihn dort zu trinken. Auch eine Flasche mehr, denn dort kann man wunderbar übernachten. Ich war dort zu einer Stubete, als das Mühlirad gezeigt wurde und bei Wanderungen bin ich sehr oft eingekehrt.

  3. Dein Chäs Schoppe würde heute wunderbar zum Wiener Wetter passen – ein Wohlfühlessen, das jeden Regen unwichtig werden lässt.
    Beim Ortsnamen musste ich dreimal hinschauen, um draufzukommen, wie der jetzt wirklich heißt. ;)

  4. Wenn ich mir so deine Bilder vom Appenzell ansehe (und mir den Geruch des Käses vorstelle), dann komme ich kurz ins Zweifeln, ob wir uns nicht doch den falschen Urlaubsort ausgesucht haben. ;-) Aber beständiges Wetter war einfach wichtiger…
    Hier in Hamburg bekommt man zum Glück bei einigen Käsehändlern auf dem Markt ähnlich guten Käse (hoffe ich). Denn die Suppe muss ich unbedingt kosten.
    Liebe Grüße,
    Eva

    • Man sucht nie den falschen Urlaubsort aus, die anderen warten ja noch entdeckt zu werden. Suppe? Nein, nein. Das ist eine handfeste Angelegenheit.
      Liebe Grüße
      Gerd

  5. Ein sehr schöner Beitrag und die Hitzinger sind der Hammer – danke :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Kommendes Wochenende treten die Hitzigers bei der See-Stubete in Zürich auf. Sie sind wirklich klasse.
      Liebe Grüße vom Bodensee
      Gerd

  6. Herrlich dies Platte mit so leckeren Köstlichkeiten aus meiner Heimat, da würde Ich soooo gerne etwas von naschen. Ist das ein Birnenbrot ? Ich liebe dass nämlich sehr, ich muss immer ins Cafe Stäli und mir ein paar Brote sichern um sie mit nach Hause zu nehmen ;)
    “Chäs Schoope” hab Ich noch nie gegessen, ist aber etwas womit man mich Nachts für wecken kann *o*

    Liebe Grüße Kerstin

    • Ja, das ist Birnenbrot und Du meinst bestimmt das Café Stäli in Flums. Die haben aber auch ein Super – Spitzen – Birnenbrot.

      Liebe Grüße
      Gerd

  7. Das ist es was ich so sehr mag.
    Von schönen Erlebnissen Erinnerungen mitbringen, die auf der Zunge zergehen.
    Das die Ihrigen das tun, dessen bin ich mir gewiss.
    Ich grüße herzlich, Ihre Arabella

  8. Wir haben einen Appenzeller Sennenhund zu Hause. Rein aus Interesse wollten wir schon immer mal die Heimat dieser Hunderasse kennen lernen.
    Bisher sind wir aber nicht über das Schweizer Käsefondue hinaus gekommen. ;-)
    Was ist eine Bauernbeiz?

    Grüße
    Tabea

    • Es lohnt sich in Appenzell zu fahren. Die Landschaft ist lieblich, die Menschen freundlich und die Kultur ist zum Zeil sehr eigenartig. Es lohnt sich aber noch mehr, einen Appenzeller Sennehund in der Familie zu haben. Ich selbst hatte viele Jahre einen, der der beste Familienhund war, den man sich denken kann.
      Eine Beiz ist eine kleine Gaststätte, in der man vorwiegend trinkt und selten etwas isst. Eine Bauernbeiz ist eine ländliche Gaststätte, die oft ausserhalb des Dorfes liegt. Das Wort Beiz entspricht dem österreichischen Beisl.
      Grüße
      Gerd

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*