Maultaschen – schwäbische Herrgottsbescheißerle

Den Menschen in Baden-Württemberg geht der Ruf voraus, Tüftler und Denker zu sein. Das sieht man im „Ländle“ zwar nicht überall so. Noch immer leiden viele Badener darunter, gemeinsam mit den „Schwaben“ in einen Topf geworfen zu werden. Sie teilen diese Weisheit etwas auf: während die Schwaben die Tüftler sind, leben im Badischen die Denker. Viele bedeutende Erfinder und Erfindungen stammen aus dieser Region. Aber in einem ist man sich einig: die wichtigste Erfindung hier zu Lande waren die Maultaschen.

Maultaschen in Brühe

Bei Maultaschen handelt es sich um Taschen aus Nudelteig, die mit Brät, Hackfleisch, Spinat, Zwiebeln, Brötchen und Gewürzen gefüllt sind. Diese Grundfüllung kann aber je nach Rezept und Familientradition etwas abgewandelt werden, beispielsweise indem die Füllung mit Schinken, Bratenresten oder Pilzen zubereitet wird. Gegessen werden Maultaschen traditionell in Brühe, in einer Pfanne mit Zwiebeln und Ei geröstet oder als geschmälzte Maultauschen. Im bayerischen Schwaben und Allgäu kennt man auch die überbackenen Maultaschen.  

Wenn man das liest, denkt man sofort, dass die Maultaschen weltweit viele Verwandte haben. Die Idee Teigtaschen zu füllen, gab es nicht nur im Südwesten der Republik. Die „schwäbischen Maultaschen sind schon etwas Besonderes. Seit 2009 werden die echten Maultaschen durch eine geografische Herkunftsbezeichnung der EU geschützt, was aber eigentlich nichts Besonderes aussagt. Das ist genau so wie mit den „Schwarzwälder Schinken“, der auch nicht aus dem Schwarzwald stammen muss.

Maultaschen geschmälzt

Wir stehen vor Ostern und noch ist Fastenzeit, und die Erfindung der Maultaschen wird in Sagen und Erzählungen in diese Zeit verortet. Der Legende nach sollen die Zisterzienser-Mönche im Kloster Maulbronn die Maultasche erfunden haben. Genauer gesagt war es ein Laienbruder namens Jakob. Der, so die Legende, gelangte kurz vor Ende der Fastenzeit unverhofft in den Besitz eines Stücks Fleisch. „Ein flüchtender Dieb hatte seinen Sack mit der Beute fallen lassen, Jakob direkt vor die Füße“, heißt es auf der Internetseite des Klosters. Doch während der Fastenzeit war es den Mönchen verboten, Fleisch zu essen. Beim Zubereiten des Gründonnerstagsmahles kam ihm die rettende Idee: „Er hackte das Fleisch klein und mischte es unter das Gemüse. Weil ihn dennoch das schlechte Gewissen plagte, versteckte er das Ganze in kleinen Taschen aus Nudelteig. So konnte er das Fleisch vor den Augen des lieben Herrgotts und seiner Mitbrüder verbergen.“ Was in der Folge im Volksmund zum Beinamen „Herrgottsbscheißerle“ führte. Datiert wird die Geschichte meist auf den Dreißigjährigen Krieg, vermutlich ist die schwäbische Maultasche aber rund 100 Jahre früher entstanden. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Maulbronn noch keine Mönche. Unabhängig von der Entstehung galten Maultaschen früher als Gericht der armen Leute, da Fleisch-, Brot- und Gemüsereste in der Füllung verarbeitet werden konnten und so eine weitere Mahlzeit boten.

Wer sich nicht traut, sie selbst herzustellen, kann sie überall in Variationen erstehen. Ich spar mir den Nudelteig und kauf ihn fertig beim Bäcker. Das geht natürlich nur in Gegenden, wo so etwas angeboten wird. Mir wurde zwar immer wieder versichert: „Mir mache unsere Teig selbst“. Aber wenn ich beim Einkaufen so nach links und rechts schaue, sieht das ganz anders aus. Ob selbst gemachter oder gekaufter Teig, hier das ganze Rezept.

Zutaten:
Für den Teig:
500g Mehl, 4 Eier, 2 Esslöffel Wasser, etwas Salz

Für die Füllung:
3 Brötchen vom Vortag, 250 g Spinat, tiefgekühlt, 150 g gemischtes Hackfleisch, 150 g Brät, 75 g Speck, gewürfelt, 1 mittelgroße Zwiebel, in feine Würfel geschnitten, eine halbe Stange Lauch, fein geschnitten, ein kleiner Bund Petersilie, fein gehackt, 3 Eier, etwas Milch zum Einweichen der Brötchen, etwas Butter, Salz, Pfeffer, Muskat zum Würzen, Paniermehl bei Bedarf, 1 Eiweiß zum Bestreichen der Teigränder

Zubereitung:
Für den Nudelteig wird das Mehl, die Eier, das Wasser und eine Prise Salz miteinander vermengt. Dann werden die Zutaten so lange kräftig miteinander verknetet, bis ein glatter, geschmeidiger Teig entstanden ist. Der Teig muss dann in Frischhaltefolie eingewickelt mindestens eine Stunde lang bei Zimmertemperatur ruhen. Wie gesagt, man kann fertigen Nudelteig beim Bäcker oder im Kühlregal im Supermarkt kaufen.

Während der Teig ruht, wird die Füllung für die Maultaschen zubereitet. Wenn der Spinat aus dem Tiefkühler kommt. Sollte man ihn schon aufgetaut haben. Blattspinat versteht sich. Ich bevorzuge frischen Spinat, der schneller in wenig heißem Wasser (muss nur den Pfannenboden bedecken) zusammenfällt und dann grob gehackt wird. Das geht im Übrigen schneller als TK-Ware aufzutauen. Außerdem werden die Brötchen in grobe Würfel geschnitten, in eine Schüssel gegeben und mit etwas Milch übergossen.

In einer Pfanne wird nun die Zwiebel, der Lauch und der Speck in etwas Butter angebraten. Wenn die Zutaten Farbe genommen haben, geben wir die Petersilie hinzu und dünsten sie ebenfalls kurz mit. Der gut ausgedrückte, gehackte Spinat kommt in eine Schüssel, dazu das Hackfleisch, das Brät, die Eier und die Speck-Zwiebelmischung. Außerdem werden die eingeweichten Brötchen gut ausgedrückt und ebenfalls in die Schüssel gegeben. Dann werden die Zutaten sehr sorgfältig miteinander vermischt.

Wer eine feine, geschmeidige Masse erzielen will, kann diese Mischung noch durch einen Fleischwolf drehen. Abgeschmeckt wird die Füllung kräftig mit Salz, Pfeffer und Muskat.

Nun wird der Nudelteig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche etwa 2 mm dick der Länge nach ausgerollt und mit der Füllung bestrichen. Dabei lässt man an den Längsseiten jeweils einen Rand von rund 2 cm. Die Ränder des Teigbandes werden anschließend mit Wasser oder Eiweiß bestrichen und zusammengefaltet. Dabei sollten sich die Enden etwas überlappen. Der Teig wird dann in kleine Rechtecke oder Quadrate unterteilt. Am besten geht das mit dem runden Stil eines Kochlöffels. Dann kann man die Taschen gut abrädeln oder abschneiden. Die gefüllten Taschen werden an den Rändern nun noch gut zusammengedrückt, damit die Maultaschen vollständig verschlossen sind und die Füllung beim Garen nicht austreten kann.

Die Maultaschen werden nun etwa 10 bis 15 Minuten lang in Salzwasser oder in Brühe gegart. Wichtig dabei ist aber, dass die Flüssigkeit nicht sprudelnd kocht, sondern die Maultaschen lediglich darin ziehen. Wenn die Maultaschen gar sind, werden sie entweder in der Brühe serviert, in brauner Butter geschwenkt, in einer Pfanne mit Zwiebeln und Ei gebraten oder als Auflauf weiterverarbeitet.

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Saucisse de Toulouse + Lentille Verte du Puy 

Und noch einmal ergänze ich ein Rezept, das beim Serverumzug in den Weiten des Internets verschwunden ist: Toulouser Wurst mit geschmorten Linsen, karamellisierten Zwiebeln und Wirsing. Die Saucisse de Toulouse ist eine grobe Bratwurst aus frischem Mett. Manchesmal werden Wein oder Zwiebeln – und manchesmal auch beides in die Brätmasse gegeben. Sehr lecker!

Saucisse de Toulouse + Lentille Verte du Puy

Dieses rustikale Rezept mit einer Toulouser Wurst und Linsen mag einfach erscheinen, doch man sollte jedes Detail mit größter Sorgfalt zubereiten, um ein maximales Aroma zu entfalten. Dazu serviere ich eine Scheibe knuspriges Bauernbrot, um das Gericht noch schmackhafter zu machen.

Ich nehme grüne Linsen aus Puy. Die Puy Linse darf ebenso wie berühmte französische Weine oder Käsesorten eine geschützte geografische Herkunftsbezeichnung tragen. Die Lentille Verte du Puy war das allererste Gemüse überhaupt, das am 7. August 1996 von der INAO eine „Appellation d’Origine Contrôlée“, kurz AOC erhielt. 

Eine schriftliche Überlieferung aus dem Jahr 1643 berichtet von der Linsenkultur in der Auvergne. In den „mémoires pour l’histoire du Puy en Velay“, also den „Erinnerungen an die Geschichte von Puy und Velay“ ging der Adelige D’antoine Jacmon auf den Linsenanbau in der Region ein. Doch die Linsenkultivierung in der Auvergne hat eine wesentlich längere Geschichte. 1928 wurde nicht weit von der Gemeinde Saint-Paulien in den Auvergne-Rhône-Alpen eine antike Vase aus Terrakotta gefunden. Sie enthielt verschiedene Linsensamen und darunter auch welche der Puy Linse. Der Fund legt nahe, dass in der bergigen Region bereits in gallisch-römischer Zeit vor wenigstens 2.000 Jahren Linsen kultiviert worden sind.

Zutaten:
4 Toulouser Würstchen, Pflanzenöl

Für die geschmolzenen Zwiebeln:
200 g große weiße Zwiebeln, in dünne Scheiben geschnitten, 40 g Butter, 1 Prise Thymianblätter, Salz, Pfeffer

Für die geschmorten Linsen:
200 g grüne Linsen aus Puy, vor der Verwendung 30 Minuten eingeweicht, 10 g Karotten, geschält und grob gehackt, 10 g Lauch, grob gehackt, 6 g Thymian, 1 Lorbeerblatt, 1 Schalotte, halbiert, 2 Knoblauchzehen, geschält, 40 g Pancetta, 1 Prise Salz

40 g Speck, gewürfelt, 6 Knoblauchzehen, gehackt, 200 g Selleriestange, gewürfelt, 200 g Karotten, gewürfelt, 1 Zwiebel, gewürfelt, 200 g Lauch, gewürfelt, gewürfelt, 40 g Schinkenhaxe, gewürfelt (optional), eventuell 200 ml Rotwein, 40 g Schnittlauch, gehackt, 40 g Petersilie, gehackt, 40 g Dijon-Senf, 1 Stück Butter, Salz, Pfeffer

Für den Wirsing:
100 g Wirsingkohl, Strunk abgesägt und Blätter fein geraspelt, 20 g Butter, Salz, schwarzer Pfeffer

Zum Garnieren:
1 EL Schnittlauch fein gehackt, Fleur de Sel

Zubereitung:
Den Backofen auf 200° C vorheizen, um die Würstchen später zuzubereiten

Beginnen wir mit der Zubereitung der geschmolzenen Zwiebeln. Die Butter in einem schweren Topf bei mittlerer Hitze schmelzen. Sobald sie geschmolzen ist, darin die Zwiebeln bis zu 1 Stunde lang dünsten, bis sie weich, süß und zart sind. Wenn es die Zeit erlaubt, kocht man sie weitere 3 Stunden, um einen besonders süßen Geschmack zu erzielen.

In der Zwischenzeit die Linsen 30 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Abgießen und mit frischem kaltem Wasser bedecken, dann zum Kochen bringen und erneut abgießen. Karotte, Lauch, Thymian, Lorbeer, Schalotte, Knoblauch und Pancetta hinzufügen, mit kaltem Wasser bedecken und langsam köcheln lassen.

Die Linsen sind in 5-10 Minuten fertig, also darauf achten, regelmäßig nachzuschauen, damit sie nicht zu lange kochen. 5 Minuten bevor die Linsen fertig sind, Salz hinzufügen und köcheln lassen, bis sie weich sind.

Die Linsen durch ein Sieb abgießen, dabei den Kochsaft und den Speck auffangen, das Gemüse jedoch wegwerfen. Die Linsen auf einem Tablett abkühlen lassen und den Speck würfeln.

Überschüssige Butter von den Zwiebeln abgießen, dann abschmecken und den Thymian hinzufügen.

Den Speck in der Butter anbraten, dann den gehackten Knoblauch hinzufügen, gefolgt von den gekochten Linsen, gewürfelten Karotten, Sellerie, Zwiebeln und Lauch.

Weiterbraten, bis die gesamte Flüssigkeit verdampft ist. 200 ml Rotweinjus oder den beiseite gestellten Linsen-Kochsud hinzufügen. Den Schinken (falls verwendet) hinzufügen und erneut einkochen lassen, bis er fast trocken ist. Die Linsen probieren, um sicherzustellen, dass sie noch schön saftig sind. Dijon, Kräuter und Gewürze nach Geschmack unterrühren.

Für den Kohl die Butter in einem großen, schweren Topf bei mittlerer Hitze erhitzen. Sobald sie geschmolzen und schäumend ist, den Kohl hinzufügen und langsam 4–5 Minuten köcheln lassen, bis er weich und farblos ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und warmhalten.

Die Würste in einer heißen Pfanne mit etwas Pflanzenöl anbraten, bis sie rundherum schön braun sind. Für 6–8 Minuten in den Ofen geben, bis sie gar sind.

Zum Servieren die geschmolzenen Zwiebeln in etwas Linsenbrühe erwärmen. Die Linsen in die Mitte des Tellers geben und mit Kohl und Wurst belegen. Mit geschmolzenen Zwiebeln, Schnittlauch und Fleur de Sel verfeinern. Sofort servieren.

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Kartoffel-Pilzpfanne – einfach, lecker, preiswert!

Das war doch schon einmal hier ein Thema! Ich habe meinen Server umgezogen und dann waren plötzlich einige Beiträge verschwunden. Darum diese Rezepte noch einmal! Und der neue Server läuft runder und besser und schneller …….

Dieses Rezept stammt von der australischen Kochbuchautorin Anastasia Zolotarev. Anastasia stammt aus einer weißrussisch-ukrainischen Familie, die nach Australien auswanderte, als Anastasia sechs Jahre alt war. Als Erwachsene begann Anastasia, ihr reiches kulinarisches osteuropäisches Erbe zu erkunden. In ihren Erinnerungen leben wunderschöne Waldlandschaften, in denen das Pilzesammeln nichts weniger als ein heiliges Familienritual war, das von vielen Generationen geschätzt und geteilt wurde. Diese Momente, wie Anastasia es ausdrückt, „tun einfach so gut für die Seele!“.

Sie hat mir eine neue Seite der osteuropäische Küche in ganz neuen Farben aufgezeigt. Sie lässt alte Rezepte und Landschaften neu aufleben. Diese Rezepte sind meist einfach, aber echte Glücksmomente.

Da die meisten Menschen kaum Gelegenheit haben, wilde Pilze zu sammeln, habe ich das Rezept abgeändert und mit Champignons nachgekocht. Als Kartoffel habe ich eine Agria ausgewählt. Im Originalrezept soll alles in Butter gebraten werden. Ich habe diese durch Entenschmalz ersetzt.

Zutaten:
1 Zwiebel, geschält und in dünne Scheiben geschnitten, 1 kg Kartoffeln, schälen und in Streichholzstäbchen schneiden, 800 g Champignons (Champignons oder andere Waldpilze), grob gehackt, 2 EL Entenschmalz, ersatzweise Butterschmalz

Zubereitung:
Für dieses Gericht brauchen wir zwei Pfannen. Davon sollte eine möglichst schwer sein, zum Beispiel eine Eisenpfanne. Darin braten wir die Kartoffeln.

In der schweren Pfanne 1 EL Enten- oder Butterschmalz bei mittlerer Hitze auslassen, die Kartoffeln hinzufügen, gleichmäßig verteilen und ungestört braten, bis die ersten goldbraunen Knusperkrusten sichtbar werden. Dann die Kartoffeln mit einem breiten Spatel umdrehen und auf der anderen Seite braten. Man sollte dem Drang zu widerstehen, alles umzurühren Nach dem Umdrehen lassen wir die Kartoffelstäbchen weitere 8–10 Minuten braten. 

Dann reduzieren wir die Hitze auf mittlere Stufe, geben eventuell noch etwas Fett hinzu und salzen die Kartoffeln. Die Pfanne abdecken und lassen das Ganze weitere 10 Minuten garen. Dabei nur gelegentlich und sehr vorsichtig umrühren. Eines als Kostprobe nehmen. Wenn es noch zu roh ist, ein odere zwei EL Wasser in die heiße Pfanne geben. Der Dampfstoß, der jetzt kommt, gart die Kartoffeln blitzschnell, das Wasser verdampft und nach weiteren zwei Minuten sind die Kartoffelstäbchen wieder knusprig.

In einer anderen Pfanne die Zwiebel bei mittlerer Hitze 10 Minuten im 2. EL Enten- oder Butterschmalz mit einer Prise Salz anbraten. Die Pilze mit hinzufügen und die Hitze erhöhen. 8 Minuten braten, bis sie knusprig und goldbraun sind. Salz und Pfeffer hinzufügen und die Hitze reduzieren. Pfanne ausschalten.

Zum Schluß die Pilz-Zwiebelmischung zu den Kartoffeln geben und vorsichtig umrühren. Eventuell noch mehr Pfeffer hinzufügen und mit Salz abschmecken.  Das Gericht schmeckt in seiner Einfachheit so gut, dass es keiner weiteren Beilagen bedarf. Ich habe aber einen Klecks Sauerrahm und frisch gehackte Petersilie dazu gegeben.

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