Toettchen

Westfälischer Schweinepfeffer

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Gestern habe ich mich über die Sendung „Kochen mit Martina und Moritz“ ausgelassen. Heute muss ich die exotischen Zutaten relativieren. Was sie im Fernsehen nicht sagte, aber inzwischen auf der Webseite schreiben: „Preisgünstig kochen war immer ein hohes Ziel in der Bergmannsküche. Trotzdem haben wir hier das Gericht ein wenig angereichert, mit Zutaten, über die die Bergmannsfrau früher nicht verfügte.“
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Ich habe den Schweinepfeffer nachgekocht, nicht so, wie sie es beschrieben haben, sondern so, wie es in meinen Aufzeichnung steht. Diese Aufzeichnungen zur Ruhrgebietsküche habe ich in langen Jahren und vielen Gesprächen gesammelt. In der Regel sind die Gerichte in Westfalen mild im Geschmack. Das liegt auch sicher daran, dass nicht so viele Gewürzpflanzen in diesen nördlicheren Breiten gediehen. Den Wert edler Gewürze hatte man bereits zur Zeit der „Hanse“ erkannt, und findige Kaufleute schickten ihre Schiffe über die Meere, um in den Häfen der Welt all das einzukaufen, was unseren heimischen Gärten und der Küche fehlte. In dieser Zeit erlangten die Hamburger Kaufleute ihren Ruf als „Pfeffersäcke“ und revolutionierten mit ihren Zutaten auch die traditionelle westfälische Küche. Beim Schweinepfeffer sagt schon der Name, was drinnen ist.

Westfälischer Schweinepfeffer
Zutaten
1 bis 1,2 kg Schweinehals
circa 600 g Zwiebeln
2-3 EL Öl oder Schweineschmalz
1 gestrichener EL Mehl
Salz
Pfeffer
1 Lorbeerblatt
2 Nelken
1 Prise Zucker
1 EL Tomatenmark
1 EL getrockneter Majoran
1 Spritzer Essig

Zubereitung
Das Schweinefleisch in Würfel von etwa drei Zentimetern schneiden. Die Zwiebeln fein würfeln. Zunächst das Fleisch im heißem Butterschmalz rundum anbraten, am besten portionsweise, damit alles Bodenkontakt haben kann und schöne Bratspuren bekommt. Dabei salzen, pfeffern und mit etwas Mehl bestäuben. Am Ende das Fleisch herausheben und die Zwiebeln weich dünsten. Dabei nochmals salzen, pfeffern und mit etwas Zucker bestreuen. Tomatenmark dazu geben und zwischen den Fingern zerrebelten Majoran. Nun kommen das Lorbeerblatt und die Nelken dazu. Das Fleisch wieder zufügen und alles gut durchmischen.
Jetzt bis zur halben Höhe Wasser angießen, den Deckel auflegen und den Schweinepfeffer etwa zwei Stunden sanft schmoren lassen – auf der Herdplatte oder im Backofen bei 150 Grad Celsius Ober- und Unterhitze.
Am Ende kräftig abschmecken, mit Salz und einem guten Schuss Essig.

Dazu gab es Kartoffel-Möhren-Wirsingstampf.
wirsingstampf

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5 Kommentare

  1. Hoppla. :-) Eigentlich kam ich zu dir auf der Suche nach einem Kalbsleberrezept. Wie gut, dass ich gerade zu Mittag gegessen habe, sonst müsste ich jetzt sehr traurig vorm Bildschirm sitzen – da ich von dieser Köstlichkeit mal wieder nichts abbekam. ;-)
    Liebe Grüße,
    Eva

    • Ach komm, Du Schmeichlerin. Wie kann man nur traurig sein, wenn man selber do eine herrliche japanische Nudelsuppe hatte.

    • @Eva
      Soll ich Dich ein bisschen neidisch machen? ;-) Gestern wurden die Schweinepfeffer-Reste hier in der Schweiz angeliefert. Gibt es heute zum Mittagessen. Es geht doch nix über einen lieben Mann, der gut kochen kann!

  2. Interessant ! Beim Überfliegen der Zutatenliste habe ich sofort nach Wein gesucht …
    Der Begriff „Pfeffersäcke“ ist mir in dieser Form neu und erklärt logisch das Warum. Danke !
    Quintessenz > Nachkochliste :-)

    • Wein? Wieso Wein? – habe ich mich gefragt. Und dann hat die Wilde Henne mich aufgeklärt. „Pfeffer“ ist ein Gericht in der Schweiz, welches immer in einer Beize eingelegt war.“ Im Ruhrgebiet gab es wenig Wein, die Menschen tranken Bier. Und ans Essen gab man auch keinen Wein.
      Aber nun klärte ich ja alles im Wohlgefallen. Guten Appetit beim Nachkochen.

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