Hirschragout badische Art

Wild war früher dem Adel vorbehalten und galt von jeher als Delikatesse. Als Naturprodukt bringt es ein besonders kräftiges Aroma mit. Heute kann jedermann leicht Wild kaufen. Man muss nur die Schonzeiten berücksichtigen, die für das Wild eingehalten werden. Jetzt ist die ideale Zeit für Rotwild und man findet es wieder auf den Speisekarten.
Das Kaufen hat aber auch seine Tücken. Entweder man geht zum Händler, dann kann man aber nicht sicher sein, eventuell Wild aus Übersee oder aus einer Zucht zu bekommen, oder man geht in die Forstämter, die oft heimisches Wild anbieten, das von Berufsjägern erlegt wurde. Es ist bereits fachgerecht zerlegt und kann sofort verarbeitet werden.
So machte ich mich auch auf den Weg vom Bodensee zu den ersten Höhen des südlichen Schwarzwald und erstand Hirschragout. Ich habe wenig Erfahrungen mit Wild, war dann aber vom Ergebnis sehr angenehm überrascht. Der Geschmack war ausgezeichnet und als Beilagen mundeten Knöpfle, Rotkraut und Rosenkohl.
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Zutaten:
1 kg Hirschragout aus der Keule ohne Knochen
1 Liter Buttermilch
Bratbutter
6 Schalotten
50 g walnussgroße Stücke von verschiedenen Wurzelgemüsen
1 kleines Glas Pfifferlinge
6 Pfefferkörner
6 Wacholderbeeren
2 Lorbeerblätter
2 Nelken
1/2 Zimtstange
1 Saucenlebkuchen
1 EL Sauce Cumberland
Salz und Pfeffer
1 Flasche herben roten Spätburgunder (Kaiserstuhl)

Zubereitung:
Das Hirschfleisch an Abend vor der Zubereitung in Buttermilch beizen. Am nächsten Tag die Buttermilch mit Küchenpapier oder Tüchern entfernen und die einzelnen Fleischstücke in Mehl wenden.
In einer Pfanne Bratbutter erhitzen und die Ragoutstücke portionsweise darin anbraten.
In einem schweren Topf Bratbutter auslassen, die geschälten, aber nicht zerkleinerten Schalotten dazugeben. Hier hinein kommen die angebratenen Ragoutstücke, das kleingeschnittene Wurzelgemüse, die abgetropften Pfifferlinge und die Gewürze zufügen und mit dem Spätburgunder angießen. Temperatur herunterschalten und sanft schmoren lassen. Den Bratensatz in der Pfanne mit Wein ablöschen und zum Schmorsud geben.
Von Zeit zu Zeit umrühren und kontrollieren, ob Wein nachgegeben werden muss. Wenn man nach einer Stunde die Sauce kostet, schmeckt sie sehr herb. Jetzt gebe ich einen EL Sauce Cumberland dazu, die den Wildgeschmack unterstreicht, aber mit ihrer Süße nicht dominiert. Je nach Geschmack kann man noch etwas mehr davon zugeben.
Noch einmal etwas Wein angießen. Nur wenig Saucenlebkuchen einbröckeln, um der Sauce mehr Bindung und Rundung zu geben. Nach ca. 2 Stunden ist das Fleisch zart. Jetzt noch mit Salz und Pfeffer abschmecken und das Ragout ist servierfertig.
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Schweineröllchen mit Pfefferpflaumen gefüllt

Nach fleischlosen Ostern, weil die Umstände es so mit sich brachten, gab es heute Schweineröllchen mit Pfefferpflaumen. Ein Rezept, dass ich in loser Anlehnung an eine TV Kochsendung mit Vincent Klink nachgekocht habe.
Als Beilage bereitete ich einen Serviettenknödel, den ich mit ausgelassenem Speckfett und dem Speckgeröstel beträufelte.
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Zutaten für 2 Personen
pro Person 3 getrocknete Pflaumen
2 1/2 EL Butter
1/4 l Rotwein
1 EL Ahornsirup
1/2 EL Aceto balsamico
1/2 TL grober schwarzer Pfeffer

2 Schweineschnitzel pariert
4 Scheiben dünn geschnittenen Bratspeck
1 EL Bratbutter

Zubereitung
Die getrockneten Pflaumen halbiere ich und lass sie in der aufgeschäumten Butter karamellisieren. Mit dem Rotwein ablöschen, Aceto Balsamico, Ahornsirup und den schwarzen Pfeffer zugeben. So lange köcheln, bis eine sirupartige Konsistenz erreicht ist.
Die Schnitzel gut klopfen, salzen und pfeffern und mit den Dörrpflaumen und dem dazugehörigen Sirup bestreichen.
Die Schnitzel aufrollen und in die Speckscheiben wickeln. Mit Küchengarn fixieren.
Zuerst die Röllchen in der Pfanne anbraten und dann bei 150 ° C im Backofen 10 Minuten nachgaren lassen. Dann die Hitze wegnehmen und weitere 5 Minuten nachgaren lassen. Manchem wird das zu lang erscheinen, aber bei Schweinefleisch mag ich das Fleisch lieber ganz gegart.

Zu den Röllchen servierte ich Scheiben vom Serviettenknödel und kurz blanchierte Lauchringe, die ich nur ein wenig gesalzen habe.
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Gerichte mit Geschichten 7 – Tauben in Olivenöl mit eingelegten Zitronen und marinierten Oliven

„Die Sehnsucht der Schwalbe“ von Rafik Shamir

rafik_shamirEin Roman der aus einzelnen Geschichten besteht. Während einer siebentägigen Hochzeitsfeier in einem syrischen Dorf ziehen sich zwei Neunzehnjährige immer wieder zurück, damit der eine dem anderen von seiner Jugend in Damaskus erzählen kann und vor allem von den letzten drei Jahren, in denen er sich fast ausschließlich in Deutschland aufhielt, obwohl er viermal abgeschoben wurde.

Du solltest jedem misstrauen, der Dich, mit welchem Hintergedanken auch immer, davon überzeugen will, dass die Menschen gleich sind. Nicht einmal bei der Kacke einer Taube reagieren die Menschen gleich, sagte er. Ich musste lachen.
Er ernährte sich nur von Tauben. und selbst in einer Diskussion über Erziehung , brachte er als Beispiel Tauben, die lernen, wenn sie bei jeder richtigen Antwort mit einem Korn belohnt werden.
Sein Misstrauen gegenüber dem Frieden führte er auf die Wahl der Taube als Friedenssymbol zurück. Weil die Taube alles andere als friedlich sei. Und nun musste ihm selbst die Kacke der Taube als Beweis für die Ungleichheit der Kulturen dienen.
„Nehmt einmal an“, rief er den Versammelten wie ein Prediger zu, „eine Taube bombardiert beim Vorüberfliegen mit ihrer Kacke die Schulter eines Passanten. Hach, das tun diese Viecher tausend Mal am Tag. Was meint ihr, wie die Menschen reagieren?“
Ich wusste keine Antwort. Auch die anderen schauten einander verlegen an. Abdallah ließ nicht locker.
„Ein ungläubiger Araber“, fuhr er fort, „verflucht sein Unglück und alle Tauben. Ein gläubiger Araber lobt die Weisheit Gottes, weil er den Kühen keine Flügel gab. Taubendrück bringt Glück reimt ein Türke. Ein Engländer fragt seine Frau, „Oh my love, ist das wirklich eine Taube oder eine Nachtigall?“. Ein Deutscher“, Abdallah musste eine Pause einlegen, weil die Leute so laut lachten, dass man ihn nicht mehr verstehen konnte.“ Ein Deutscher ruft bekümmert, „Elfriede ist mein Anzug versichert?“ Ein Ägypter schwärmt: „Tauben in Knoblauch und Olivenöl a la Huak, uhaa!“ Ein Syrer schaut die Kacke an und sagt: „So viel? Lass uns handeln!“ Ein Russe ruft entsetzt. „Das ist eine amerikanische Luft-Bodenrakete. Andrej gib mir einen Wodka.“ Ein Spanier rennt wie ein Verrückter davon, um seine Pistole zu holen und wenn er zurückkommt, ist die Taube weg. Aber, der Spanier schießt in die Luft und brüllt dabei „Caramba“. Ein Italiener verflucht den Himmel. “ Mama mia, pizza a la kacka auf dem Sonntagsanzug.“ Ein Amerikaner ruft: „Oh shit!“ und bombardiert das ganze Viertel. Aber die Taube trifft er trotzdem nicht.
Abdallah lachte und die Versammelte, inzwischen über dreißig Leute spendeten herzlich Beifall.

Rafik Schami geht es in „Die Sehnsucht der Schwalbe“ um die Würde des Menschen, um Toleranz und Völkerverständigung, Fürsorge und Geborgenheit, Liebe und Freundschaft.
Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie und legte 1979 seine Promotion ab. Heute lebt er in Marnheim (Pfalz). Er zählt zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Sein Werk wurde in 28 Sprachen übersetzt. Für sein Gesamtwerk wurde er mit dem Preis „Gegen das Vergessen. Für Demokratie ausgezeichnet.“ Zu den momentanen Vorgängen in seiner Heimat hat er ein Statement abgegeben, das hier verlinkt ist.
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Tauben in Olivenöl mit eingelegten Zitronen und marinierten Oliven
Zutaten
pro Person eine Taube
Rotwein
Portwein
gemahlenes Piment
Salz & Pfeffer
Knoblauch
schwarze Oliven
Zitronen (eingelegt)
Rosmarin
Thymian
Kartoffeln

Zubereitung
Die Tauben zerlegen, d.h. Brust und Keulen trennen. Die Brust am Brustknochen belassen. Kühl stellen, denn der Jus aus den Karkassen braucht etwas Zeit.
Dafür die Taubenkarkassen in kleine Stücke hacken und in Olivenöl anrösten. Das Wurzelgemüse zugeben und mitrösten. Mit Rotwein und Portwein ablöschen und etwas einreduzieren. Mit Wasser aufgießen und 4 Stunden bei niedriger Hitze köcheln lassen. Den Jus durch ein Sieb passieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. In den fertig passierten Jus Piment (Menge je nach Geschmack) einrühren.
taube_04taube_03Inzwischen die Keulen in Olivenöl bei ca. 80 °C 2 Stunden confieren.
Anschließend die Brüste mit Salz und Pfeffer würzen, in Olivenöl mit grob gehacktem Knoblauch leicht anbraten und bei 175 °C im Backofen ca. 10 Minuten garen, anschließend 10 Minuten ruhen lassen. Danach die Brüste von der Karkasse lösen und anrichten.
Jetzt die fertig konfierten Keulen in Olivenöl knusprig braten.
Die eingelegten Zitronen vierteln und alle Kerne entfernen.
Die entkernten Oliven mit Olivenöl, Rosmarin und geriebener Zitronenschale marinieren.
Kleine Kartoffeln in Kochwasser nicht ganz garen und mit etwas Butter und Thymian in der Pfanne bissfest garen.
Die gebratenen Taubenbrüste aufschneiden und anrichten. Die konfierten und angebratenen Taubenkeulen dazu legen. Zitronenviertel, Kartoffeln und Oliven dazugeben. Den Gewürzjus darüber träufeln.