Powidlpofesen mit Zimtsabayone

„Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen“, heißt ein Text von Franz Josef Degenhardt. Aber was tun, wenn sie so viel tragen, wie dieses Jahr? Kann man noch gefahrlos unter den Bäumen sitzen?

Über die Herkunft der Pflaume oder Zwetschge weiß man nicht all zu viel. Zur Gattung Prunus gehören auch der Pfirsich, die Schlehe und das Mandelbäumchen. Ebenso gehört die Kirschpflaume dazu, die nachweislich seit der Jungsteinzeit verzehrt wurde. Dann gibt es noch so einige (Wild-)Arten wie die Zibarte oder auch die Kriecherl (steirische Wildpflaume), die als Vorfahren der Mirabelle und Pflaume gelten. Aus den letzteren wird ein wundervoll aromatischer Schnaps destilliert.

Ich würde ja gerne Schnaps brennen. Aber irgendwie hat der Zoll etwas dagegen einzuwenden. Also muss ich einen anderen Verwendungszweck suchen: Zwetschgenröster kann man auch nicht jeden Tag essen. Dann wird halt der Wintervorrat aufgefüllt. Und das heißt: Powidl kochen. Diesen Vorgang habe ich ja schon einmal beschrieben.

Und was mache ich mit dem ganzen Powidl? Wenn er ganz frisch ist, gibt es Powidlpofesen mit einer Zimtsabayone.
powidlpofesen_nah
Zutaten für 4 Personen:
8 Scheiben Toast- oder Weißbrot
3 Eier
1/4 l Milch
1 TL Zimt
Powidl
Butterschmalz zum Ausbacken

4 Eigelb
1/4 l Weißwein
150 g Zucker
etwas Zimt

Zwetschgen (kurz gekocht)

Zubereitung:
Die Hälfte der Toastscheiben mit Powidlmarmelade bestreichen und mit einer unbestrichenen Toastscheibe zusammenklappen. Milch mit Zimt, Zucker und Eiern verquirlen. Die gefüllten Toastbrotscheiben einlegen und kurz ziehen lassen.
Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen, und die Pofesen hellbraun ausbacken. Auf einem Küchenpapier entfetten und mit Puderzucker servieren.

Eigelb mit Zucker, Weißwein und Zimt auf dem Herd warm schaumig schlagen, nicht kochen lassen. Die Pofesen mit den warmen Zwetschgen anrichten und die Sabayone dazu servieren.

Erinnerungen am Marie A.
von Bert Brecht

An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.

Und auch den Kuss, ich hätt‘ ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

Powdiltatschkerln sind etwas Pyramidonales

An andere Stelle bin ich schon auf das Lied: „Powidltatschkerln“ das bereits 1937 von Hermann Leopoldi komponiert wurde, eingegangen. Bekannt geworden ist dann später durch Peter Alexander unter dem Namen: „Als Böhmen noch bei Österreich war“. Es ist ein Lied, das die pralle Lebenslust auf Essen und die Böhmische Küche widerspiegelt.

Powidltatschkerln sind der Inbegriff böhmischer Mehlspeisen. Und von diesen Mehlspeisen gibt es Viele wie z.B. Liwanzen, Mohnnudeln, Palatschinken mit unterschiedlichen Füllungen, Dalken, Kaiserschmarren, Mohr im Hemd, Marillenknödel und neben vielen weiteren die weltberühmten:

Powdiltatschkerln aus der schönen Tschechoslowakei
schmecken noch viel besser als die feinste Bäckerei.
Denn so ein Tatschkerl, so ein powidales,
das ist doch wirklich etwas Pyramidonales!
Und immer denk ich, wenn ich Božena erblick:
Powdiltatschkerln, -tatschkerln ist das allerhöchste Glück!

Die Zubereitung erfordert etwas Geschick und natürlich muss man für die Füllung Powidl haben.
Zwetschgenmus geht nicht, dann sollte man sich die Mühe machen und eigenes Powidl herstellen.
Powidl entstammt der Arme-Leute-Küche, man nahm, was die Natur oder im besten Fall der Garten hergab und konnte bei diesem Rezept den Zucker sparen. Frische Zwetschgen, keine Gewürze, kein Zucker und lange Haltbarkeit sind vier wesentliche Merkmale des Powidl. Ein Zwischending zum Pflaumenmus und dem Powidl ist der Zwetsc hgenröster, der auch der österreichisch-böhmischen Küche entstammt. Der Zwetschgenröster allerdings enthält Gewürze, Zucker und wird frisch gegessen, vorzugsweise zu Kaiserschmarren und auch anderen Mehlspeisen.

Zutaten
½ kg Kartoffel
120 g Mehl
30 g Grieß
100 g Paniermehl
1 Ei
Zucker, Salz, Zimt, Rum
Powidl (Pflaumenmus)

Zubereitung
Die gekochten, geschälten und passierten Kartoffeln werden mit den anderen Zutaten zu einem glatten Kartoffelteig verarbeitet. Nach kurzem Rasten rollt man den Teig drei bis vier Millimeter dick aus und sticht etwa acht Zentimeter große Kreise aus.
In die Mitte dieser Kreise gibt man einen Kaffeelöffel Powidl, den man vorher mit etwas Rum, Zimt und – je nach Geschmack – Zucker verrührt hat. Darauf faltet man die Kreise in der Mitte und drückt die Ränder gut fest.
Die so entstandenen Ta(t)sch(k)erln legt man in kochendes Salzwasser und lässt sie sechs bis acht Minuten ziehen. Dann hebt man sie heraus, lässt sie kurz abtropfen und wälzt sie in geröstetem Paniermehl. Sie werden mit Zucker bestreut aufgetragen.

Podwidl
Powidl wird ohne Gelier- und Konservierungsmittel, oft auch ohne Beigabe von Zucker nur durch sehr langes Einkochen haltbar gemacht.
Natürlich kann man heute den Powidl verfeinern und nimmt dazu z. B. zusätzlich Zucker, Rum, Zitronenschale und Zimt.

Achtung: Die Zwetschgen kochen stark ein und 2 kg frische Früchte ergeben nur zwei Glas.

Zutaten
2 kg reife Zwetschgen

Zubereitung
Zwetschgen waschen, entsteinen und vierteln und zusammen mit einer Tasse Wasser in einem sehr großen Topf zum Kochen bringen. Bei häufigem Rühren einige Stunden lang vorsichtig einkochen, bis die Masse schön dunkel aussieht und eingedickt ist. Dieser Vorgang kann je nach Kochtemperatur bis zu einige Stunden dauern. Ich brauchte bei 2 kg Zwetschgen ca. 6 Stunden auf kleinster Flamme, bis das Powidl, die gewünschte Konsistenz hatte.

Mag man das Mus lieber ohne Schalen, kann man es kurz vor Ende der Kochzeit durch ein feines Sieb streichen und nochmals ein paar Minuten aufkochen. Das habe ich dieses Mal auch so gemacht.

Nach Bedarf kann man auch kurz vor Ende der Kochzeit noch Zucker oder die bereits erwähnten Gewürze zugeben.
Die Masse noch heiß in ausgekochte Gläser füllen und sofort verschließen.

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