Entrecote mit Portweinschalotten und Weinprobe im Garten

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Die Zeit zum Grillen im Garten hatte begonnen und zur Saisoneröffnung fand dazu eine Weinprobe im kleinen Kreis stattfinden. Das Wetter war dieses Jahr sehr zeitig warm und alles stand schon in Blüte. Der Tisch wurde festlich gedeckt und Fliederblüten fürs Dessert, die schon am Nachmittag vom Waldrand geholt wurden, warteten darauf, zum Dessert verarbeitet zu werden. Ihr Duft durchzog das Haus und wetteiferte mit den Gartenblumen.
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Eine Weinprobe mit Grill – diverse italienische Weine, Entrecote vom irischen Weiderind, dazu Portweinschalotten und kleine junge Kartöffelchen. Später gab es Holunderstrauben gebacken mit Holundersorbet. Zum Abschluss eine Käseauswahl. Beim Rezept für die Portweinschalotten hielt ich mich ganz an Vincent Klink, der in seinem Buch „Meine Küche“ so schön sagt:

„Bei Portwein gibt es enorme Unterschiede, auch im Preis. Für die Schalotten genügt ein junger preiswerter Portwein. Sehr gut harmoniert es dagegen, wenn man beim Kochen einen alten Vintage dazu trinkt“.

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Zutaten für die Portweinschalotten für 4 Personen:
4 Zweige Thymian
8 Schalotten
2 EL Olivenöl
Salz
4 EL Himbeeressig
1 Lorbeerblatt
1/4 l Portwein

Zubereitung:
Den Thymian waschen und trocken schütteln. Die Blättchen abstreifen. Die Schalotten schälen, und wenn sie sehr groß sind, etwas zerkleinern.
Die Schalotten in Olivenöl andünsten und salzen. Himbeeressig, Lorbeerblatt, Thymian und Portwein zufügen. Die Flüssigkeit aufkochen und so lange einkochen lassen, bis die Schalotten von einer Art Sirup umgeben sind. Das Lorbeerblatt entfernen.
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Die Weine der Weinprobe
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Zur Begrüßung gab es im Stehen ein Glas Prosecco von Bisol. Dieser Prosecco Crede Cru ist von glanzklarer, heller strohgelber Farbe; feines, reichhaltiges und besonders nachhaltiges Perlage, sagt der Prospekt. Genau das empfanden wir auch. Er zeichnet sich durch eine angenehme Fruchtigkeit und Harmonieaus und wurde allseitig gelobt.

Danach folgten zwei Rotweien aus dem Piemont von Michele Chiaro.

Zuerst ein Barbera: La Court Barbera d’Asti Superiore Nizza Jahrgang 2011.
Das Weingut La Court liegt in Castelnuovo Calcea, inmitten des Herzstücks del “Nizza”-Appellation. La Court ist der piemontesische Name für eines der drei zum Gut gehörigen Gehöfte mit den beiden magischen Hügeln, auf deren Gelände der Kunstpark “Orme su La Court” geschaffen wurde.
Der Winzer selber schreibt: „Der Barbera “Nizza” La Court entsteht nur in Jahrgängen, die wird als hervorragend erachten.“ – erwarteten wir auch entsprechenden Wein, der uns dann nicht enttäuschte. Im Glas entfaltete sich ein ein komplexes, delikates, umhüllendes Duftvergnügen. Anklänge an Kirschen, schwarzen Beerenfrüchten, Schokolade und Kaffee. Der Wein war ein ansprechender Tropfen, von dem wir gerne mehr degustiert hätten.

Der zweite Rote des Abends war dann ein Barolo Cerequio von 2010.
“Die im Gebiet um Cerequio schönste Ansammlung außergewöhnlicher Lagen, die die Langa vorzeigen kann.” schreibt der Atlante delle vigne di Langa, herausgegeben von Carlo Petrini – Slow Food Editore,1990. Cerequio steht im Ruf, einer der“ganz Großen“ unter den historischen Crus der Langa zu sein. Alle Klassifizierungen – Fantini 1880, Ratti 1961, Slow Food Editore 1990, Veronelli 1996 – platzieren ihn an die Spitzen der Barolo-Weinlagen. Entsprechend hoch waren unsere Erwartungen.

Der Wein sprach an, die Farbe war ausgeglichen und der Duft intensiv. Aber er hätte gut noch einige Zeit lagern können, um die nicht unangenehme Säure besser zu kompensieren.

Beim Käse wechselten wir zu einem Amarone  Valpolicella Classico D.O.C. Jahrgang 2010 aus dem Weingut Villa Girardi. Wenn man sich in der Qualität im Laufe des Abends steigern sollte, so haben wir es hiermit getroffen. Im Glas ein intensives Rubinrot mit purpurnen Reflexen. Ein besonders feiner Duft  mit Noten von reifer Kirsche und Pflaume und am Gaumen samtig, vollmundig  mit einer ausgeprägten Rosinennote, wie man es von einem guten Amarone erwartet. Dieser Wein ließ keine Wünsche offen und erfüllte alle Erwartungen.
bruno

Der Abend war lang und es war schon sehr kühl, als wir uns zum Abschied auf einen Espresso noch einmal im Haus zusammenfanden. Resümierend ist zu sagen: Ein angenehmer Abend.

Gerichte mit Geschichten 7 – Tauben in Olivenöl mit eingelegten Zitronen und marinierten Oliven

„Die Sehnsucht der Schwalbe“ von Rafik Shamir

rafik_shamirEin Roman der aus einzelnen Geschichten besteht. Während einer siebentägigen Hochzeitsfeier in einem syrischen Dorf ziehen sich zwei Neunzehnjährige immer wieder zurück, damit der eine dem anderen von seiner Jugend in Damaskus erzählen kann und vor allem von den letzten drei Jahren, in denen er sich fast ausschließlich in Deutschland aufhielt, obwohl er viermal abgeschoben wurde.

Du solltest jedem misstrauen, der Dich, mit welchem Hintergedanken auch immer, davon überzeugen will, dass die Menschen gleich sind. Nicht einmal bei der Kacke einer Taube reagieren die Menschen gleich, sagte er. Ich musste lachen.
Er ernährte sich nur von Tauben. und selbst in einer Diskussion über Erziehung , brachte er als Beispiel Tauben, die lernen, wenn sie bei jeder richtigen Antwort mit einem Korn belohnt werden.
Sein Misstrauen gegenüber dem Frieden führte er auf die Wahl der Taube als Friedenssymbol zurück. Weil die Taube alles andere als friedlich sei. Und nun musste ihm selbst die Kacke der Taube als Beweis für die Ungleichheit der Kulturen dienen.
„Nehmt einmal an“, rief er den Versammelten wie ein Prediger zu, „eine Taube bombardiert beim Vorüberfliegen mit ihrer Kacke die Schulter eines Passanten. Hach, das tun diese Viecher tausend Mal am Tag. Was meint ihr, wie die Menschen reagieren?“
Ich wusste keine Antwort. Auch die anderen schauten einander verlegen an. Abdallah ließ nicht locker.
„Ein ungläubiger Araber“, fuhr er fort, „verflucht sein Unglück und alle Tauben. Ein gläubiger Araber lobt die Weisheit Gottes, weil er den Kühen keine Flügel gab. Taubendrück bringt Glück reimt ein Türke. Ein Engländer fragt seine Frau, „Oh my love, ist das wirklich eine Taube oder eine Nachtigall?“. Ein Deutscher“, Abdallah musste eine Pause einlegen, weil die Leute so laut lachten, dass man ihn nicht mehr verstehen konnte.“ Ein Deutscher ruft bekümmert, „Elfriede ist mein Anzug versichert?“ Ein Ägypter schwärmt: „Tauben in Knoblauch und Olivenöl a la Huak, uhaa!“ Ein Syrer schaut die Kacke an und sagt: „So viel? Lass uns handeln!“ Ein Russe ruft entsetzt. „Das ist eine amerikanische Luft-Bodenrakete. Andrej gib mir einen Wodka.“ Ein Spanier rennt wie ein Verrückter davon, um seine Pistole zu holen und wenn er zurückkommt, ist die Taube weg. Aber, der Spanier schießt in die Luft und brüllt dabei „Caramba“. Ein Italiener verflucht den Himmel. “ Mama mia, pizza a la kacka auf dem Sonntagsanzug.“ Ein Amerikaner ruft: „Oh shit!“ und bombardiert das ganze Viertel. Aber die Taube trifft er trotzdem nicht.
Abdallah lachte und die Versammelte, inzwischen über dreißig Leute spendeten herzlich Beifall.

Rafik Schami geht es in „Die Sehnsucht der Schwalbe“ um die Würde des Menschen, um Toleranz und Völkerverständigung, Fürsorge und Geborgenheit, Liebe und Freundschaft.
Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie und legte 1979 seine Promotion ab. Heute lebt er in Marnheim (Pfalz). Er zählt zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Sein Werk wurde in 28 Sprachen übersetzt. Für sein Gesamtwerk wurde er mit dem Preis „Gegen das Vergessen. Für Demokratie ausgezeichnet.“ Zu den momentanen Vorgängen in seiner Heimat hat er ein Statement abgegeben, das hier verlinkt ist.
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Tauben in Olivenöl mit eingelegten Zitronen und marinierten Oliven
Zutaten
pro Person eine Taube
Rotwein
Portwein
gemahlenes Piment
Salz & Pfeffer
Knoblauch
schwarze Oliven
Zitronen (eingelegt)
Rosmarin
Thymian
Kartoffeln

Zubereitung
Die Tauben zerlegen, d.h. Brust und Keulen trennen. Die Brust am Brustknochen belassen. Kühl stellen, denn der Jus aus den Karkassen braucht etwas Zeit.
Dafür die Taubenkarkassen in kleine Stücke hacken und in Olivenöl anrösten. Das Wurzelgemüse zugeben und mitrösten. Mit Rotwein und Portwein ablöschen und etwas einreduzieren. Mit Wasser aufgießen und 4 Stunden bei niedriger Hitze köcheln lassen. Den Jus durch ein Sieb passieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. In den fertig passierten Jus Piment (Menge je nach Geschmack) einrühren.
taube_04taube_03Inzwischen die Keulen in Olivenöl bei ca. 80 °C 2 Stunden confieren.
Anschließend die Brüste mit Salz und Pfeffer würzen, in Olivenöl mit grob gehacktem Knoblauch leicht anbraten und bei 175 °C im Backofen ca. 10 Minuten garen, anschließend 10 Minuten ruhen lassen. Danach die Brüste von der Karkasse lösen und anrichten.
Jetzt die fertig konfierten Keulen in Olivenöl knusprig braten.
Die eingelegten Zitronen vierteln und alle Kerne entfernen.
Die entkernten Oliven mit Olivenöl, Rosmarin und geriebener Zitronenschale marinieren.
Kleine Kartoffeln in Kochwasser nicht ganz garen und mit etwas Butter und Thymian in der Pfanne bissfest garen.
Die gebratenen Taubenbrüste aufschneiden und anrichten. Die konfierten und angebratenen Taubenkeulen dazu legen. Zitronenviertel, Kartoffeln und Oliven dazugeben. Den Gewürzjus darüber träufeln.