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Ribelmais – Heute als gebratene Ribbelspitzen mit Medaillons vom Schwein und Frischgemüse

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Da ich seit Jahrzehnten nahe der Ostschweiz lebe, fiel mir natürlich in einigen Geschäften eine besondere Art von Polenta auf: Ribelmais. Neugierig wie ich war, hab ich ihn dann einmal gekauft und nach der Anleitung auf der Packung zubereitet und war begeistert. Inzwischen kenne ich vielerlei Rezepte mit Ribelmais, an denen ich die Leser teilhaftig lassen möchte.
So steht es auf der Internetpräsentation den Ribelmais.ch

Der Ribel gehört zum Rheintal wie die Olma-Bratwurst zu St. Gallen. so sind weitläufige Maisfelder ein für die Region typisches Bild. Das traditionsreiche Gericht „Ribel“ mit einer über 300 jährigen Geschichte entstand im Rheintal. Der Mais dazu wird ausschließlich hier angebaut. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts geriet der Ribel fast in Vergessenheit.

Der Mais ist seit jeher eng mit dem Rheintal verknüpft. Das typisch feucht-warme Klima schafft ideale Bedingungen für Mais, während Weizen- und Gerstenpflanzen dieses Klima weit weniger bevorzugen.

Fast jede Rheintaler Familie baute früher auf ihren Feldern oder im eigenen Garten Ribelmais an, welcher jeweils im Herbst geerntet wurde. Die Hülschete, die je nach Dialekt „Schelfera“, „Usschella“ oder „Hülsche“ genannt wurde, war bis weit ins 20. Jahrhundert eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres. Dabei wurden die Maiskolben von den äusseren Blatter befreit, um sie dann mehrere Monate zum Trocknen aufzuhängen. Anschliessend wurden die Körner mit Hilfe eines Schabeisens oder eines so genannten Maisreblers von den Kolben abgeraspelt und in eine der zahlreichen Mühlen entlang der Seitenarme des Rheins gebracht. Aus dem so gewonnen Mehl entstanden zwei Gerichte, die bis zum Zweiten Weltkrieg im ganzen Rheintal ebenso typisch wie häufig waren: Eine mit Butter gebratene, grobkörnige Maisspeise, die ebenfalls Ribel oder Türggenribel genannt wird, und das so genannte Türggenbrot, das aus Maismehl hergestellt wird.
rhwintaler ribbelmais
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch im stark landwirtschaftlich geprägten Rheintal ein gewisser Wohlstand Einzug hielt, wurde der Ribelmais immer seltener angebaut. Das Geschäft mit Futtermais war lukrativer. Ribel und Türggenbrot verschwanden mehr und mehr aus den heimischen Pfannen und Backöfen. Im Jahre 1997 wurden im Rheintal gerade mal noch vier Hektaren mit Ribelmais bepflanzt. Inzwischen gibt es ihn wieder und Köche der Region haben uralte Rezepte ausgegraben und modernisiert. Von der Ribel-Suppe über Nudeln aus Ribelmais, Spätzli bis zu Brot und Ribel-Mousse gibt es so ziemlich alles mit Ribelmais.

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Ribbelspitzen
Je 1 dl Wasser und Milch zusammen mit einer Prise Salz aufkochen. 150 Ribelmais, den ich mit einem 1 EL Kräuter der Provence gemischt habe, einrieseln lassen und umrühren. Es wird sehr schnell dick. 50 g Butter zugeben und damit auflockern. Vom Herd ziehen und ein Ei unterarbeiten. Die noch heiße Masse auf ein Blech oder Brett streichen und mindestens 3 Stunden ruhen lassen.

Spitzen schneiden und in heißem Butterfett braten.

Dazu serviere ich Medaillons vom Schweinefilet in einer Pilzsauce und frisches Gemüse.
ribbele-mais-02

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8 Kommentare

  1. Herrlich ! Du rufst mit deinem Post in mir Kindheitserrinerungen wach. Ich habe als Kind unzählige Male zum Frühstück (nebst Porridge) Ribel gegessen. Dieser wurde mit dem Löffel in gesüssten Milchkaffe getunkt und anschliessend mit Hochgenuss vertilgt. Fettaugen auf dem Kaffee inklusive ;-)

    • Viel später als in der Kindheit, habe ich einen Maissterz kennengelernt. Er ist so ähnlich wie Ribelmais und wir aßen ihn zum Frühstück mit Gelee von der roten Johannisbeere. Sehr lecker!

  2. Bei uns gibt es in Vorarlberg Bramata und Riebelgrieß. Mit dem groben Bramata raufe ich noch ein wenig, aber der Riebelgrieß ist toll. Daher kann ich mir dein Rezept auch sehr gut vorstellen, wie toll das sein muss.

    • Ich habe Mais erst viel später im Leben in der Steiermark kennen- und lieben gelernt. Wir hatten so eine Phase „back to the roots“. Da gab es süßen Maissterz zum Frühstück.

  3. *seufz* Davon hätte ich gestern Abend zu gern etwas gehabt, aber unsere Küche bleibt erstmal vorübergehend eher kalt… ;-)
    Liebe Grüße,
    Eva

  4. Die regionale Küche bringt einen feinen Bezug zu den Menschen, das mag ich gern. Hier ist schon die Gestaltung der Verpackung Genuss.
    Ich schicke freundliche Sonntagsgrüße, Ute

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