Reisen in Südböhmen

„Im Kaffeehaus“, sagte der scharfzüngige österreichische Erzähler Alfred Polgar einmal, „im Kaffeehaus sitzen Leute, die alleine sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“
Kaffeehäuser dienen im Grunde dazu, ungestört den eigenen Gedanken nachzuhängen. Eine Auszeit von der großstädtischen Hektik einzufordern. Sie bieten Raum, den stillen Beobachter zu spielen, um die bunte Vielfalt der Gäste und ihre Verhaltensweisen zu studieren.
So etwas gibt es wohl noch in Wien. Oder sonst? Nein, das findet man selten, aber doch manchmal auch anderenorts.
Ich kenne einige von diesen „Cafés“ wie sie betreffender Weise dann richtig heißen. Aber sie werden immer seltener. Gestern lernte ich ein neues Kaffeehaus kennen, das unbedingt dazugehört.
wh in vimperk
Die Wilde Henne und ich bereisen zur Zeit Südböhmen. Wir logieren in einem kleinen Hotel im Böhmerwald. Šumava heißt dieser Wald auf Tschechisch. Das heißt „die Rauschende“. Und der Name trifft zu: überall rauschen kleine und größere Flüsse und Bäche, die der Moldau zufließen, die unweit entspringt. Kleine und größere Städte mit einem oft morbiden Charme verzaubern uns. Dann wieder weite Hochebenen mit Dörfern, wie aus einer anderen Zeit.
Wir werden in der nächsten Zeit beide in unseren Blogs berichten. Vor allem natürlich über die Gerichte, die wir gefunden haben und die Rezepte dazu.
cavarna ve skale 02
Gestern waren wir in Vimperk, das früher Winterberg hieß. „Vimperk war ein Zentrum der böhmischen Glasindustrie. Eine Stadt in einem engen Tal, das an beiden Seiten steil ansteigt. Hier saßen wir dann im KAVÁRNA VE SKÁLE einem ganz besonderen Kaffehaus. Ich aß die beste Sachertorte, die mir jemals serviert wurde. Wir saßen und tranken Kaffee und Tee und lasen Pavel Kohout. Wir hätten noch lange dort sitzen können, doch die Zeit verstrich und wir mussten weiter.
vimperk_01
Ich bin mir ganz sicher, ich komme wieder hierher und trinke Kaffee und lese.

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8 Kommentare zu Reisen in Südböhmen

  1. Tolle Fotos! Die machen gleich Lust, wieder auf Reisen zu gehen. Und das Kaffeehaus klingt wirklich sehr einladend.
    In Wien sind die Zeiten, wo jeder bei einem Kaffee viele Stunden im Kaffeehaus sitzen konnte, leider vorbei. Die bekannten Cafés sind Touristenanziehungspunkte geworden, es gibt keinen „Herr Ober“ mehr dort, der eine Wiener Kaffeespezialität servieren könnte, sondern einfach billige Servierkräfte, aber der Kaffee ist gleich grauslich geblieben. ;)

    • admin sagt:

      Ein Herr Ober gibt es hier leider auch nicht mehr. Aber dafür eine Serviertochter, die so ein wunderbares böhmisches Deutsch sprach und liebevoll bemüht war.

  2. Houdini sagt:

    Schoen ist es in Suedbohmen und sauber wie in der Schweiz, gemaess der Fotos. Der Wunschziele fuer die naechste Europareise werden immer mehr, haha.
    Ja, ein guter Kaffee ist wirklich etwas wunderbares. „Dieser Satanstrank ist so köstlich, dass es eine Schande wäre, ihn den Ungläubigen zu überlassen“, soll bereits Papst Klemens VII vor 500 Jahren gesagt haben.
    Ich wuensche weiter eine gute Zeit auf Reise, Erich

    • admin sagt:

      … sauber wie in der Schweiz. Das ist das erste, was der Wilden Henne aufgefallen ist, dass hier wirklich alles so sauber wie in der Schweiz ist.
      Danke für die Wünsche.
      Gerd

  3. Eva sagt:

    Ich kann nur hoffen, dass du nach dem Rezept für die Sachertorte gefragt hast. :-)
    Liebe Grüße,
    Eva

  4. Maria sagt:

    Oh, was für eine tolle Reise :-) Ein Ort, der auch noch Geschichte hat, wunderbar! Und die kleinen Gassen scheinen ja süß verwinkelt zu sein, sowas liebe ich ja :-) Liebe Grüße aus Meran!

  5. ilse sagt:

    Ich ziehe meinen Hut vor der Dame auf dem Foto (ist das denn die Wilde Henne?) die sich gut mit Kuchen eingedeckt hat. Eine Frau, die sich traut.
    Superschöner Artikel!!

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