Toettchen

Powidlpofesen mit Zimtsabayone

| 11 Kommentare

„Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen“, heißt ein Text von Franz Josef Degenhardt. Aber was tun, wenn sie so viel tragen, wie dieses Jahr? Kann man noch gefahrlos unter den Bäumen sitzen?

Über die Herkunft der Pflaume oder Zwetschge weiß man nicht all zu viel. Zur Gattung Prunus gehören auch der Pfirsich, die Schlehe und das Mandelbäumchen. Ebenso gehört die Kirschpflaume dazu, die nachweislich seit der Jungsteinzeit verzehrt wurde. Dann gibt es noch so einige (Wild-)Arten wie die Zibarte oder auch die Kriecherl (steirische Wildpflaume), die als Vorfahren der Mirabelle und Pflaume gelten. Aus den letzteren wird ein wundervoll aromatischer Schnaps destilliert.

Ich würde ja gerne Schnaps brennen. Aber irgendwie hat der Zoll etwas dagegen einzuwenden. Also muss ich einen anderen Verwendungszweck suchen: Zwetschgenröster kann man auch nicht jeden Tag essen. Dann wird halt der Wintervorrat aufgefüllt. Und das heißt: Powidl kochen. Diesen Vorgang habe ich ja schon einmal beschrieben.

Und was mache ich mit dem ganzen Powidl? Wenn er ganz frisch ist, gibt es Powidlpofesen mit einer Zimtsabayone.
powidlpofesen_nah
Zutaten für 4 Personen:
8 Scheiben Toast- oder Weißbrot
3 Eier
1/4 l Milch
1 TL Zimt
Powidl
Butterschmalz zum Ausbacken

4 Eigelb
1/4 l Weißwein
150 g Zucker
etwas Zimt

Zwetschgen (kurz gekocht)

Zubereitung:
Die Hälfte der Toastscheiben mit Powidlmarmelade bestreichen und mit einer unbestrichenen Toastscheibe zusammenklappen. Milch mit Zimt, Zucker und Eiern verquirlen. Die gefüllten Toastbrotscheiben einlegen und kurz ziehen lassen.
Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen, und die Pofesen hellbraun ausbacken. Auf einem Küchenpapier entfetten und mit Puderzucker servieren.

Eigelb mit Zucker, Weißwein und Zimt auf dem Herd warm schaumig schlagen, nicht kochen lassen. Die Pofesen mit den warmen Zwetschgen anrichten und die Sabayone dazu servieren.

Erinnerungen am Marie A.
von Bert Brecht

An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.

Und auch den Kuss, ich hätt‘ ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

Print Friendly, PDF & Email
Share on Facebook

11 Kommentare

  1. Der Brecht ist durch und durch ein Mann: Frauen vergessen die erste Liebe nicht, schon gar nicht den ersten Kuss, auch wenn er noch so waschelnass, ungeschickt und nachträglich betrachtet unerfreulich war. ;)
    Und ich glaub, deine Pofesen mit der Sabayone würde ich auch nicht so schnell vergessen.

  2. Alexander der Großen soll sie mit nach Hause gebracht haben. Zentrum des Pflaumenhandels war Damaskus. Im Schweizer Jura werden die kleinen Pflaumen seit den Kreuzzügen angebaut und heissen dort Damassine. Die geben einen wunderbaren Schnaps.

    • Sehr interessant und ich habe inzwischen gegoogelt und spannende Dinge über kulinarische Genüsse im Jura erfahren. Danke dafür.

  3. Begeistert bin ich.
    Vom Dessert bis zum Gedicht. Wunderschön.
    Richtig froh, bin ich dass Sie keinen Schnaps brennen, ich mag nicht so gern Hochprozentiges, aber Ihres wäre sicher eine Versuchung.
    Schön, Sie mögen Brecht.Ich glaube ich habe da etwas für Sie.
    Liebe Grüße

  4. Danke für die Erinnerung an das wunderbare Gedicht, dass ich dereinst zu Zeiten des ersten Kusses sogar auswendig aufsagen konnte. Deine Pofesen hätte ich jetzt zu gern, bei mir scheitern solche Rezepte meist an Brotmangel…
    Und, du musst es dem Zoll ja nicht sagen, oder? ;-)
    Liebe Grüße,
    Eva

  5. Maaahhh, Pofesen, die mochte ich schon als Kind unglaublich gern. Und auch danke fürs Erinnern, heuer muss ich auch wieder mal Powidl machen, schon allein, damit’s endlich wieder richtig gute Germknödl gibt (mit viiiiiiiel Butter). Das ist leider die Krux bei der Bloggerei: Hat man ein Gericht (so wie eben die Germknödel oder die Powidlmarmelad) mal verbloggt, hakt man es ab und sucht was Neues – anstatt das, weil es so gut ist, doch öfter mal zu kochen!

  6. Wäre es Frevel zu sagen, dass ich all‘ den wirklich wohlgesetzten Worten des Herrn B. das eine – Pofesen – vorziehe? Ich finde, was die Terminologie angeht, haben uns unsere südlichen Nachbarn einiges voraus: Powidlpofesen… grandios!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*