Toettchen

Pochiertes Ei im grünen Nest – Wilhelm Busch und das Essen

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„Wenn ich auch, im gewöhnlichen Laufe der Tage, schlichtweg zu essen liebe, bin ich doch nicht so hartmäulig, um ungewöhnlich Gutes nicht schätzen zu können, oder so bescheiden, dass ich mich für das Beste nicht gut genug hielte. Aber oft dergleichen wär mir zuwider, wenn ich’s auch haben könnte, ohne mir Mühe zu geben.“

Das schrieb Wilhelm Busch 1897 als er schon ein bekannter Maler und Karikaturist war. In dieser kurzen Passage steckt eigentlich alles, was Buschs Einstellung zum Essen und Trinken betrifft. Zu einem liebte er es einfach, wie er es aus seiner Kindheit und aus der bäuerlichen Umgebung kannte, zum anderen schätzte er die großbürgerliche Küche.
Was bei Buschs auf den Tisch kam, kann man sich leicht vorstellen: ländliche Kost, die sich nach den Jahreszeiten richtete und in der Kartoffeln, Buchweizen und andere Früchte des Feldes eine große Rolle spielten.
In seinen Geschichten spiegelt sich seine Liebe zum Essen wider. Mehrfach habe ich bereits in Toettchen ganze Gedichte zum Thema Essen beigefügt. Aber auch in den kleinen Aussprüchen erfahren wir einiges dazu:

Zuweilen brauchet die Familie
Als Suppenkraut die Petersilie.

oder
Denn Spargel, Schinken und Kottletts
Sind doch mitunter auch was Netts.

Eier gehörten sicherlich zu seinen gern gegessenen Nahrungsmittel. Und am liebsten hatte er sie mit Mehl und Milch zu einem Pfannenkuchen verarbeitet. Wie man diese zubereitet hat er in einem Gedicht festgehalten. Dieses Gericht kommt aber bei ihm des Öfteren vor: So in „Plisch und Plum“:

Mama Fittig machte grad
Pfannenkuchen und Salat,
das bekannte Leibgericht,
Was so sehr zum Herzen spricht.

Auch zum Ei hat Wilhelm Busch einen Vers geschrieben:

Das weiss ein jeder, wer’s auch sei,
Gesund und stärkend ist das Ei. –
Nicht nur in allerlei Gebäck,
Wo es bescheiden im Versteck;
Nicht nur in Sossen ist’s beliebt,
Weil es denselben Rundung gibt;
Nicht eben dieserhalben nur –
Nein auch in leiblicher Statur,
Gerechtermassen abgesotten,
Zu Pellkartoffeln, Butterbroten
Erregt dasselbe fast bei allen
Ein ungeteiltes Wohlgefallen.

pochierte-ei-im-salat
Ein einfaches Gericht, eine kleine Zwischenmahlzeit ist ein pochiertes Ei im Salatbett. Jetzt im Frühling und gerade zur Osterzeit gibt es so viele wilde und frische Salate, dass es eine ideale Speise ist.

busch-osterhaseZutaten
1 Hand voll Sauerampfer
1 Kopfsalat
12 Stangen grüner Spargel
1 Bund Schnittlauch
Petersilie
4 Scheiben Bacon
Obstessig
1 Schalotte
Olivenöl
Salz, Pfeffer
4 Eier
2 – 3 EL Butter

Zubereitung
Den Salat putzen.
Den Spargel der Länge nach halbieren und in Butter in der Pfanne garen.
In der Zwischenzeit aus den passenden Zutaten mit einer fein gewiegten Schalotte eine Vinaigrette herstellen.
Den Spargel in die Vinaigrette einlegen und in der Zwischenzeit Butter braun werden lassen, salzen und die Eier pochieren.
In dieser Zeit werden auch die Baconscheiben gebraten.
Die braune Butter auf einen Teller geben, das gut abgetropfte pochierte Ei darauf geben. Den Bacon und den Spargel dazulegen und den Salat, der inzwischen auch kurz in der Vinaigrette war, rundherum anrichten.

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14 Kommentare

  1. Nachdem ich jetzt die ersten beiden Maschinen Wäsche in den Garten rausgehängt habe, könnte ich so ein hübsches pochiertes Ei im grünen Nest vertragen. Auf der Terrasse im Sonnenlicht wäre das jetzt wirklich nett…

    …ich geh dann jetzt mal Bad putzen, das hilft auch gegen Hunger ;-)

  2. Ungeteiltes Wohlgefallen auch auf meiner Seite. ;-) Und Eier kann ich jetzt ja auch pochieren. Dazu vielleicht noch einige plattierte Kartoffeln und schon ist das Abendessen perfekt!
    Liebe Grüße,
    Eva

  3. Eine wirklich herrliche Zwischenmahlzeit. Ich hätte die Speisen a

    Eine wirklich leckere Zwischenmahlzeit. Der tiefe Teller irritiert mich etwas……aber gut :-)

  4. Du hast mir mit den Gedichten, Sprüchen, eine grosse Freude gemacht. Pochierte Eier werde ich mir auch machen, weil es so lecker aussieht mit dem Salat, und mir, weil meine Frau das Eigelb nicht flüssig mag, oder besser pochiere ich für sie lange genug, bis das Ei durch ist, gesottene können ja auch steinhart sein.

    Ich kann es nicht lassen, entschuldige bitte, meinen Senf noch dazu zu geben, da mir ein Spruch meiner Mutter in den Sinn kam, den sie bei Berner Platte jeweils erwähnte:
    Speck und Bohne sind s’alte Maas Grone
    Speck und Bohnen sind des alten Mannes Grünen
    Beim Nachforschen im Schweizerischen Idiotikon, ob Grone wirklich Grünen bedeute, kam ich noch auf einen anderen, der mir fast besser gefällt:
    Erbs und Bohne tüemer im Herze grone
    Erbsen und Bohnen tun mir im Herzen grünen
    Also, gronen als Verb und Nomen kommen von grünen, bedeuteten früher u.a. sich verjüngen, sich körperlich und geistig erholen, florieren, erblühen. Jetzt wissen wir’s, Erbsen und Bohnen machen uns jung und froh.

    • Ich kann es nicht lassen, entschuldige bitte…..
      Lass es auch nicht, denn Deine Kommentare sind so wunderbar ergänzend.
      Ich wünsche mir manches mal, dass es eine „Ergänzungskultur“ in den Blogs gibt. Diskussionen und Briefwechsel, die nicht nur Kochrezepte, sondern auch die Geschichten drumherum weiter beleuchten.

  5. Hier dürfen sich alle anstellen, die heute schon Wäsche aufgehängt haben? Da bin ich doch direkt mit dabei! :)

    Eine schöne Kombination ist das!

    • Dann ist ja gut, dass die Hennen gerade noch einen neuen Auftrag bekommen haben, frische Eier zu legen.
      Ein schönes Wochenende
      Toettchen

  6. Herrlich! DANKE! Sowohl für das schöne grüne Osternest als auch für das Lächeln, mit dem ich jetzt vor dem PC sitze.

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